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Mo, 5. Dezember 2022, 17:59 Uhr

SGL Carbon

WKN: 723530 / ISIN: DE0007235301

SGL Carbon: Phönix aus der Asche - Aktienanalyse


07.07.22 08:00
Nebenwerte Journal

Sauerlach (www.aktiencheck.de) - SGL Carbon-Aktienanalyse vom "Nebenwerte Journal":

Claudius Schmidt, Aktienexperte des Fachmagazins "Nebenwerte Journal", nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon SE (ISIN: DE0007235301, WKN: 723530, Ticker-Symbol: SGL, NASDAQ OTC-Symbol: SGLFF) unter die Lupe.

Seit 1995 seien im NJ zahllose Einschätzungen zu der technologisch schon immer faszinierenden Gesellschaft erschienen. Zur Titelgeschichte, ganz salopp gesagt, habe es aber nie gereicht. Ein nachhaltiges Wachstum sei lange Zeit nicht auszumachen gewesen; die Ergebnisse seien derart geschwankt, dass das Unternehmen mehrfach in missliche Lagen gerutscht sei. Seit 2013 hätten bedenkliche Defizite, neue Segmentierungen, Teilverkäufe und wackelige Sanierungserfolge einander abgewechselt. Letztlich hätten nur das Vertrauen und die tiefen Taschen der Großaktionäre einen gänzlichen Absturz verhindert.

Dabei sei Karbon ein Material mit schier unendlichen Anwendungsmöglichkeiten, das als Graphit, Feinkorngraphit oder expandierter Graphit, als Verbundwerkstoff oder im 3D-Druck, im Temperaturmanagement oder in der Prozesstechnologie, als Faser oder Folie, als Platte oder Pulver eingesetzt werde. Adressiert würden dabei gleich reihenweise Kernbranchen unserer Industrie und weltweite Wachstumsmärkte wie Mobilität, Solar- und Windenergie, Luft- und Raumfahrt, Digitalisierung und Chemie. Doch genau da habe in der Vergangenheit oft die Krux gelegen: Die breite Kundenbasis aus unterschiedlichsten Branchen und Regionen habe sich als Nachteil erwiesen. Die Segmente hätten mehr nebeneinander als miteinander gearbeitet. Sie seien schlecht verzahnt gewesen, ihr Können und ihre Kapazitäten nicht ordentlich und profitabel aufeinander abgestimmt.

Als Anfang Juni 2020, mitten im ersten Jahr der Pandemie, der heutige Chef Dr. Torsten Derr sein Amt angetreten sei, habe ihn eine Herkulesaufgabe erwartet. Der Druck sei hoch gewesen. Klar sei gewesen, dass es ohne grundlegende Neujustierung des Unternehmens und der internen Abläufe nicht abgehen würde. Zu forschungsverliebt sei das Unternehmen gewesen, gestehe Derr NJ im Interview ein. Die Folge: SGL mit seinen zeitweise über 6000 Mitarbeitern sei es wie manchem begabten Pennäler gegangen, der im Bewusstsein seiner Begabungen und seines großen Potenzials die nächstliegende Aufgabe übersehe. Bei einem Unternehmens heiße sie, Geld zu verdienen. Heute, zeige sich Derr überzeugt, seien die Kapazitäten auf wirtschaftlichen Mehrwert und Profitabilität getrimmt. Auch CFO Thomas Dippold, der zweite Mann im neuen Führungsduo, könne die finanzielle Basis des Konzerns inzwischen wesentlich entspannter betrachten als bei seinem Amtsantritt, seien die Nettofinanzschulden doch 2021 signifikant auf EUR 206.3 (286.5) Mio. reduziert worden, während die EK-Quote auf 27 (17.5)% angestiegen sei und zum Ende von Q1 weiter auf solide 30.6% geklettert sei.

Die internen Prozesse seien vereinfacht worden, der Verwaltungsbereich verschlankt. Ende 2021 seien nur noch 4680 Mitarbeiter an Bord gewesen. Der Effizienz und Kundenorientierung tue das gut. Dem neuen Chef sei das Teambuilding auch deshalb gelungen, weil der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens allen zugutekommen solle. Die Boni seien an die Entwicklung des EBITDA vor Sondereffekten geknüpft. Ein anderer Erfolgstreiber: Mitte 2020 sei jedem im Unternehmen klar gewesen, dass etwas passieren müsse, dass es so einfach nicht weitergehen könne. Der plötzliche Käuferstreik der Kunden, die sich im Angesicht der Krise erst einmal um den eigenen Cashflow gesorgt hätten, und die klare Ansprache durch den neuen Chef hätten sich als zwei heilsame Donnerwetter erwiesen.

Nachdem 2016 in einer Notoperation ein Geschäftsteil verkauft und das Kapital erhöht worden sei, hätten die Experten im NJ 5/17 an der Nachhaltigkeit dieser Maßnahmen gezweifelt; denn auch 2016 sei es nicht gelungen, auskömmliche Preise durchzusetzen. Als das Unternehmen NJ eindringlich auf Analysen mit ambitionierten Kurszielen verwiesen habe, hätten die Experten bei einem Kurs von EUR 8.91 ungerührt resümiert: "Mit einem Einstieg können sich Anleger wohl noch Zeit lassen. Derzeit erscheint es sinnvoller, die Aktie im Auge statt im Depot zu behalten." Wer nachhaltig arbeitende Industrien bediene, sollte auch selbst nachhaltig wirtschaften. Heute erscheine die Ertragswende unumkehrbar, Auftritt und Erscheinungsbild des Unternehmens würden positiv beeindrucken.

Das betreffe bei weitem nicht nur die neue Struktur mit vier statt zwei Geschäftsfeldern. Carbon Fibers (CF) und Composite Solutions (CS) würden seit dem vorigen Jahr das bisherige Segment CFM, Graphite Solutions (GS) und Process Technology (PT) den vormaligen Bereich GMS ersetzen. Zugleich sei die Zahl der Zentraleinheiten von 20 auf neun reduziert und die Personalkapazitäten in den Organisationsstrukturen der Segmente und der zentralen Verwaltung des Konzerns um über 20% verringert worden, hauptsächlich einvernehmlich und in Verbindung mit Vorruhestands- oder Abfindungsregelungen. Diese Maßnahmen hätten in der Summe die Verantwortung der vier Fachbereiche gestärkt und ihr Kostenbewusstsein geschärft. Dass sich daraus direkte Einsparungen von jährlich über EUR 100 Mio. ergeben würden, fördere zusätzlich die Rentabilität, an der es in der Vergangenheit so oft gehapert habe.

"Unsere "Formula Carbon" besteht aus sehr einfachen Regeln: Geschäft zuerst, Versprechen halten, Einfachheit wagen", erkläre Derr im Interview die Erfolgsformel. Die neue Kundenorientierung sei also kein Hexenwerk, zahle sich aber aus. Ehrgeizige, umfassende Umweltprogramme und Nachhaltigkeitsziele, Menschenwürde und Geschlechtergerechtigkeit würden damit einhergehen. Gemessen am Basisjahr 2019 sollten die CO2-Emissionen bereits bis 2025 um 50% reduziert werden; Auszubildende sollten zu über 90% übernommen werden; Compliance-Verstöße würden nicht toleriert, und ab dem laufenden Jahr werde auch eine ESG-Überprüfung der Lieferanten durchgeführt, die nicht nur mögliche Korruption, sondern auch Verstöße gegen Menschenrechte, Klimaschutz oder Arbeitssicherheit aufdecken solle.

Die Konzernerlöse seien im vergangenen Jahr um 9.5% auf EUR 1.01 (0.92) Mrd. gewachsen. Der Umsatzbeitrag Chinas habe sich auf 16.4 (11.3)% erhöht, aber auch die USA, Deutschland und das übrige Europa hätten zum Wachstum beigetragen. Alle Segmente hätten erstmals seit Jahren durchweg positive operative Ergebnisse geliefert. Das größte Segmente GS habe mit EUR 443.6 (407.5) Mio. allein 44% zum Umsatz beigesteuert und eine EBIT-Marge von 15.5 (8.6)% erwirtschaftet. Dem zweiten Segment CF sei bei Erlösen von EUR 337.2 (303.9) ein großartiger Ertragsswing mit einer EBIT-Marge von 9.2 (-33)% geglückt. Das Segment CS habe den Umsatz um 38% auf EUR 122.5 (88.6) Mio. gesteigert und mit einem EBIT von EUR 4.84 (-9.3) Mio. ebenfalls die Gewinnzone erreicht. Das kleinste Segment PT habe mit EUR 87.2 (88.2) Mio. zwar das Umsatzniveau des Vorjahres verfehlt, jedoch die Marge auf 3.6 (-1.5)% verbessert. Da hier viele Kunden aus der Chemischen Industrie bedient würden, die als Spätzykliker gelte, stehe ein Aufschwung womöglich im laufenden Jahr an.

Zwar sei der Umsatzanstieg des Konzerns mit wachsenden Vertriebskosten einhergegangen, doch alle anderen Aufwendungen seien geringer ausgefallen. Zudem hätten die at-equity bilanzierten Beteiligungen einen besseren Ergebnisbeitrag geleistet, und Abgänge aus dem Anlagevermögen hätten die Sonstigen betrieblichen Erträge auf EUR 58 (24) Mio. gehoben. Das EBIT sei mit EUR 110.4 (-93.7) Mio. rasant ins Plus gedreht. Nach kaum veränderten Zinsen und auf EUR 6.2 (7) Mio. verminderten Steuern habe ein Jahresergebnis von EUR 75.4 (-132.2) Mio. bzw. EUR 0.62 (-1.08) je Aktie zu Buche gestanden - der höchste operative Jahresüberschuss seit 2008.

Das Auftaktquartal 2022 habe die Erwartungen trotz der vielfältigen internationalen Belastungen übertroffen. Mit den um 12.2% auf EUR 270.9 (241.5) Mio. gewachsenen Erlösen sei auch das bereinigte EBITDA auf EUR 36.8 (33) Mio. gesteigert worden. Die kleineren Segmente hätten dabei überdurchschnittlich zum Wachstum beigetragen. Während die Nettoverschuldung leicht zugelegt habe, habe sich das Ergebnis auf EUR 21.4 (6.1) Mio. bzw. EUR 0.17 (0.05) je Aktie mehr als verdreifacht.

Am 07.06.2022 sei daher die Prognose für das laufende Jahr angehoben worden. Die Erlöse sollten um 10% steigen. Daraus werde ein um Sondereffekte bereinigtes EBITDA von EUR 130 bis 150 nach zuvor 110 bis 130 Mio. erwartet. Das EBIT werde vor Einmaleffekten auf EUR 70 bis 90 Mio. taxiert. Das Ergebnis werde also gut, aber nicht so gut ausfallen wie im Vorjahr. Der operative Cashflow werde zulegen, doch der Free Cashflow schwächer ausfallen. Natürlich sei die Refinanzierung im Auge zu behalten; denn 2023 werde die mit 3% verzinste Wandelanleihe über EUR 160 Mio. fällig. Die Bilanzrelationen hätten sich aufgehellt. 78% der Sachanlagen seien wieder mit Eigenkapital unterlegt. Die Zahlungsmittel würden sich auf EUR 210.5 (168.6) Mio. belaufen. Die Cash Ratio sei mit 76.7 (72.7)% sehr solide, und das Rating habe sich verbessert. Auch der Finanzstatus unterstreiche also die guten Aussichten.

Noch vor wenigen Jahren habe es als utopisch gegolten: Die SGL Carbon SE habe sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Die Konzernverschlankung habe bereits 2021 einen markanten Turnaround bewirkt. Das im November 2020 aufgelegte Restrukturierungsprogramm sei beileibe nicht das erste seiner Art gewesen, wirke aber nachhaltiger. Das Führungsduo treffe den richtigen Ton, begeistere Aktionäre und vor allem Mitarbeiter für die ambitionierten, aber realistischen Ziele, die nicht nur Umsatz und Ergebnis, sondern auch eine breite Palette an ESG-Aufgaben betreffen würden. Und die Kunden? Sie wissen heute, dass sie nicht allein technisch anspruchsvolle Lösungen erwarten dürfen, sondern dass diese auch einen angemessenen Preis haben, so Claudius Schmidt, Experte des Fachmagazins "Nebenwerte Journal". Eigentlich gebe es nur Gewinner. (Ausgabe 07/2022)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze SGL Carbon-Aktie:

XETRA-Aktienkurs SGL Carbon-Aktie:
5,875 EUR +2,44% (06.07.2022, 14:54)

Tradegate-Aktienkurs SGL Carbon-Aktie:
5,88 EUR +1,29% (06.07.2022, 14:38)

ISIN SGL Carbon-Aktie:
DE0007235301

WKN SGL Carbon-Aktie:
723530

Ticker-Symbol SGL Carbon-Aktie:
SGL

NASDAQ OTC Ticker-Symbol SGL Carbon-Aktie:
SGLFF

Kurzprofil SGL Carbon SE:

Die SGL Carbon (ISIN: DE0007235301, WKN: 723530, Ticker-Symbol: SGL, NASDAQ OTC-Symbol: SGLFF) ist ein technologiebasiertes und weltweit führendes Unternehmen bei der Entwicklung und Herstellung von kohlenstoffbasierten Lösungen. Ihre hochwertigen Materialien und Produkte aus Spezialgraphit und Verbundwerkstoffen kommen in zukunftsbestimmenden Industriebranchen zum Einsatz: Automobil, Luft- und Raumfahrt, Halbleitertechnik, Solar- und Windenergie, LED sowie bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, Brennstoffzellen und anderen Energiespeichersystemen.

Darüber hinaus entwickelt SGL Carbon Lösungen für die Bereiche Chemie und industrielle Anwendungen. Weiterentwicklungen in diesen Bereichen erfordern intelligentere, miteinander vernetzte, effizientere und nachhaltige Lösungen. Hier setzt die unternehmerische Vision der SGL Carbon an: einen Beitrag zu leisten zu einer smarteren Welt.

Im Jahr 2021 erzielte die SGL Carbon SE einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 4.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 31 Standorten in Europa, Nordamerika und Asien.

Weitere Informationen zur SGL Carbon sind unter www.sglcarbon.com/presse zu finden. (07.07.2022/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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