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Fr, 9. Dezember 2022, 17:29 Uhr

Saudi-Arabien: Machtdemonstration auf dem Ölmarkt


08.01.21 11:16
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Anbei ein aktueller Marktkommentar vom Online-Broker LYNX:

"Der überraschende Preisanstieg beim Öl durch die Nachrichten aus Saudi-Arabien hat den einen oder anderen auf dem falschen Fuß erwischt. Besonders die bei einigen Hedge-Fonds beliebten WTI-Futures mit einer Fälligkeit Ende 2021 und 2022 stiegen auf ein Einjahreshoch, was für bärische Investoren durchaus ein Problem war."

Saudi-Arabien habe in einer unvorhergesehenen Begrenzung der Ölförderung einmal mehr sein Selbstverständnis als "Wächter der Ölindustrie" demonstriert und damit eine Kehrtwende zu seiner bisherigen Politik eingeläutet. Nach der Ankündigung sei der Ölpreis auf den höchsten Stand der vergangenen zehn Monate gestiegen. Auch die Aktienkurse von Energieunternehmen in London und Ölförderern in Texas seien in der Folge steil nach oben gegangen.

"Die Entscheidung kam offenbar direkt von Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammad bin Salman, der die Geschäfte des Landes quasi führt. Es steht zu vermuten, dass er der OPEC und ihren Verbündeten zeigen wollte, wer auf dem Treffen in dieser Woche den Ton angeben würde. Bislang war man eigentlich davon ausgegangen, dass sich Russland mit seiner Forderung nach einer Erhöhung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag durchsetzen würde", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX. "Nun ist das Gegenteil der Fall: Saudi-Arabien will im Februar und März jeweils eine Million Barrel weniger fördern, während die anderen OPEC+-Mitglieder ihren Output weitgehend konstant halten. Lediglich Russland und Kasachstan wurde gestattet, gemeinsam 75.000 Barrel pro Tag zusätzlich zu liefern. Diese geringe Menge wird jedoch auf den gesamten Markt gerechnet kaum ins Gewicht fallen."

Auch für viele Investoren sei die Ankündigung Saudi-Arabiens überraschend gekommen, denn eine bis dahin angenommene Erhöhung des Outputs hätte den Ölpreis weiter gedrückt. "Der überraschende Preisanstieg hat den einen oder anderen auf dem falschen Fuß erwischt. Besonders die bei einigen Hedge-Fonds beliebten WTI-Futures mit einer Fälligkeit Ende 2021 und 2022 stiegen auf ein Einjahreshoch, was für bärische Investoren durchaus ein Problem war." Für Sadowski stehe fest, dass Saudi-Arabien mit diesem Schritt seine Macht als Öl-Supermacht habe demonstrieren wollen und die Folgen für den Ölpreis ganz genau einkalkuliert habe.

"Das Land hat Investoren und Spekulanten in der Vergangenheit bereits davor gewarnt, gegen seine Interessen zu investieren, weil Saudi-Arabien den Ölmarkt mit aller Entschlossenheit schützen würde. Jetzt hat Kronprinz Mohammad bin Salman gezeigt, was das bedeuten kann", so der Experte. "Für die OPEC+-Staaten ist ein solcher Alleingang natürlich schwierig, denn bislang hat Saudi-Arabien immer gepredigt, dass alle Staaten ihren Teil dazu beitragen müssten, wenn eine Reduzierung der Fördermenge beschlossen wird. Diesem Mantra entgegen steht auch die Tatsache, dass Russland und Kasachstan ihre Fördermenge erhöhen dürfen, was anderen OPEC-Staaten bislang immer verwehrt wurde."

Durch das neue Abkommen sei außerdem die Spaltung der OPEC deutlich sichtbar geworden. "Während der eine Teil unter Führung von Saudi-Arabien lieber Volumen zugunsten höherer Preise opfert, würde der andere Teil, allen voran Moskau, lieber die Fördermengen maximieren, um US-Ölgesellschaften nicht die Chance zu geben, Marktanteile zu übernehmen." Diese Sorge könnte durchaus berechtigt sein, wie die Aktienkurse von US-Förderern zeigen würden. So sei der Kurs von Exxon Mobil um 8 Prozent gestiegen und EOG Resources Inc., der größte Produzent von Schieferöl in den USA, habe ein Plus von 11 Prozent verbuchen können. "Hinzu kommt, dass Schieferöl erst attraktiv wird, wenn der Ölpreis insgesamt steigt. Das ist nun der Fall und damit steigt die Chance für US-Ölgesellschaften, sich Marktanteile von den OPEC-Staaten zu sichern. Dagegen spricht allerdings, dass viele US-Unternehmen Umsatzzuwächse dazu verwenden wollen, Schulden zurück- und Dividenden auszubezahlen. Trotzdem steht zu befürchten, dass sich Saudi-Arabien auf Dauer mit diesem Schritt ins eigene Fleisch geschnitten haben könnte." (08.01.2021/ac/a/m)