Suchen
Login
Anzeige:
So, 27. November 2022, 3:36 Uhr

Showdown der Notenbanken


23.09.22 08:01
Stock-World Redaktion

Finanzmarkt aktuell - der Kommentar der Weberbank von Jens Herdack, CEFA, CIIA vom 23. September 2022




Nicht weniger als 11 Notenbanken haben wir gezählt, die diese Woche über ihre weitere Vorgehensweise entschieden haben, und dabei ging der Trend an fast allen Orten hin zu restriktiven Maßnahmen, um die Inflation einzubremsen. Das heutige Finanzmarkt aktuell gibt einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen.




„11 Freunde sollt Ihr sein  ... um Siege zu erringen.“, heißt das Zitat, das wohl jeder von uns Sepp Herberger zuschreiben würde. In Wirklichkeit hat es aber wohl der deutsche Fußballtrainer Richard Girulatis – von dem ich persönlich noch niemals etwas gehört hatte – in seinem Buch „Theorie, Technik, Taktik“ schon 1920 geprägt. Vielleicht denkt sich derzeit auch so mancher Notenbanker, dass es schön wäre, einen solch universellen Ratgeber zu besitzen, der einem verrät, welche Taktik in der aktuellen Phase gegen die stark steigende Inflation zum Sieg verhelfen könnte. Zumindest der im Fußball-Zitat gepredigte Zusammenhalt scheint aber schon zu stimmen.




Denn in dieser Woche schickten sich nicht weniger als 11 Notenbanken an, ihren weiteren geldpolitischen Kurs zu verkünden. Mit einem um einen vollen Prozentpunkt auf 1,75 Prozent angehobenen Leitzins setzte die Schwedische Notenbank gleich zum Auftakt ein deutliches Zeichen. Die mächtige US-Notenbank Fed schloss sich am Mittwoch mit einer Erhöhung um 0,75 Prozent – und damit schon ihrem fünften Zinsschritt in diesem Jahr – an. So schnell hat sie lange nicht agiert. Weder die Zinserhöhungszyklen 1983, 1987, 1994, 1999, 2004, noch der von 2015 kamen auch nur annähernd an das aktuell vorgelegte Tempo heran.




Durch den gemeinsamen Trend der Notenbanken, die Zinsen zu erhöhen, waren schon zu Beginn der Woche 60 Prozent aller Zinsstrukturkurven global invertiert, d. h. die Zinsen für kurze Laufzeiten lagen über denen der langen Laufzeiten. Historisch war dies in der Regel ein Indikator für bevorstehende Rezessionen. Dass zumindest Europa in eine Rezessionsphase eintritt, wird inzwischen auch nur noch von den wenigsten bezweifelt. Da Europa sowohl von der bremsenden Geldpolitik als auch der geopolitisch ausgelösten Energiekrise getroffen wird, während die US-Wirtschaft primär nur durch ihre Notenbank eingebremst wird, befürchten wir, dass Europa in eine deutlichere Rezession abrutschen wird. In den USA dürfte der Verlauf hingegen milder ausfallen, sofern die Fed-Vertreter mit ihren restriktiven Maßnahmen nicht übertreiben.




Showdown im Wirtschaftsministerium – Uniper wird verstaatlicht




So hatte sich Robert Habeck seine Karriere als Minister sicherlich nicht vorgestellt. Als permanenter Feuerwehrmann weltweit auf der Suche nach Gaslieferanten muss er nun auch noch die Verstaatlichung des größten deutschen Gaszwischenhändlers Uniper in die Wege leiten. Zusätzlich zu den hohen Preisen, die Deutschland für das Ausstechen anderer Interessenten am weltweiten Gasmarkt zahlen musste, kommen nun weitere Milliarden auf den Bundeshaushalt zu, um 99 Prozent der Uniper-Anteile zu übernehmen. Und die nächsten brennenden Häuser warten schon auf den Minister. Die regionalen Gasversorger ringen ums Überleben. Mittelständler und Handelstreibende leiden ebenfalls unter der hohen Inflation infolge der drastisch gestiegenen Energiekosten. Nein, mit diesem Minister möchte wohl aktuell niemand tauschen, zumal der Produzentenpreisanstieg – also die Kosten der Unternehmen für ihre eigene Beschaffung – am Montag mit einem unglaublichen Jahresanstieg von 45,8 Prozent gemeldet worden war.




„Und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her“




Bei all der gedrückten Stimmung und den dauernd auf uns hereinbrechenden schlechten Nachrichten sollten Investoren jetzt aber nicht den Fehler machen und ihr heutiges Handeln nur an der aktuellen Lage orientieren. Denn die Börsen preisen nicht das Hier und Jetzt. Vielmehr sind sie ein Spiegel der zukünftigen Erwartungen. So können wir historisch beobachten, dass die Aktienmarkttiefs in der überwiegenden Zahl der Fälle vor den konjunkturellen Tiefs erreicht werden und dann schon wieder recht bald eine erwartete Erholung einpreisen.




Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Angst ist ein schlechter Ratgeber! Das heißt aber nicht, dass Anleger aktuell einfach investiert bleiben und keinerlei Reaktion zeigen sollten. Vielmehr präferieren wir derzeit unter anderem Unternehmen aus dem Segment des Basiskonsums, deren Geschäfte in einer  wirtschaftlichen Eintrübung nicht so stark getroffen werden. Auch Versicherungswerte profitieren von den wieder gestiegenen Zinsen. Ungeliebt, aber doch im aktuellen Umfeld aussichtsreich, bleiben unseres Erachtens Energietitel. Für zinssuchende Anleger bieten sich endlich auch wieder Chancen. So sollte die Phase der Nullzinsen endgültig beendet sein.




Wer zinsbringende Anlagen sucht, wird nun wieder fündig. Wir empfehlen dabei zunächst noch kurze Laufzeiten zu wählen, um sich nicht der Gefahr von weiteren Kursrückgängen durch noch weiter steigende Zinsen auszusetzen. Da lange Laufzeiten derzeit keine wesentlich höheren Renditen bieten als Kurzläufer, erwächst daraus aber auch kein Renditenachteil. Nicht falsch beraten ist sicherlich auch, wer vor dem Hintergrund der drohenden Rezession zunächst Papiere von Unternehmen mit höherer Qualität bevorzugt. Mit selektiven Käufen kann man sich inzwischen tatsächlich wieder ein attraktives Portfolio aus Anleihen aufbauen. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht?




Haftungsausschluss:


Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen
Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung
übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
www.weberbank.de


____________________________________________________________________________


Der Autor stellt hier lediglich Informationen zur Verfügung, es erfolgt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensanlagen. Anlagegeschäfte beinhalten Risiken, so dass die Konsultierung professioneller Anlagenberater empfohlen wird. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Engagement in Aktien (auch Hot Stocks oder Penny Stocks), Zertifikate, Fonds oder Optionsscheine zum Teil mit erheblichen Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.





powered by stock-world.de

BRANCHENVERZEICHNIS SCHLÄGT SUCHMASCH [...]
Wo Kunden nach Händlern, Handwerkern und Dienstleistern suchen (djd). Egal ob Handelsbetrieb, Dachdeckerei, ...
Flaute am schwarzen Freitag
By Craig Erlam, Senior Market Analyst, UK & EMEA, OANDA Zum Ende der Woche sehen wir einen gedämpften ...
Ein "dovistischer" Impuls
By Craig Erlam, Senior Market Analyst, UK & EMEA, OANDA Die Aktienmärkte legen am Donnerstag ...
Globale Krise lässt soziale Themen aus dem Fokus [...]
Neuer Inyova Impact Index auf Grundlage von 50.000 Datenpunkten veröffentlicht ...
WOHNGELD, RENTNER-ZUVERDIENST UND FÜHR [...]
Das kommt 2023 auf die Menschen in Deutschland zu (djd). Durch die stark steigenden Energiekosten ...

 
Werte im Artikel
2,00 plus
+60,00%
10,40 plus
+4,00%
Weitere Analysen & News
26.11.22 , Sven Weisenhaus
Dow Jones sendet weitere Signale für das Ende d [...]
Dow Jones sendet weitere Signale für das Ende des Bärenmarktes     von Sven Weisenhaus       Mit ...
26.11.22 , Christian Zoller
DAX zeigt weiter Stärke
Der DAX konnte auch am  Freitag weiter zulegen und zeigt sich aktuell im Bereich von 14.555 Punkten, nachdem ...
26.11.22 , EUWAX Trends
Die 10 meistgehandelten Inlandsaktien
RANG AKTIE WKN PREISFESTSTELLUNGEN* ...