Suchen
Login
Anzeige:
Sa, 3. Dezember 2022, 1:19 Uhr

Siemens

WKN: 723610 / ISIN: DE0007236101

Siemens: Zu wenig für den Bärenmarkt - Aktienanalyse


04.02.19 09:39
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Siemens: Zu wenig für den Bärenmarkt - Aktienanalyse

Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Elektrotechnik-Konzerns Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) unter die Lupe.

Solide reiche nicht mehr. Die Bären, sie scheinen Deutschlands Leitindex fest in ihren Tatzen zu haben, so Götz. Ein negativer Medienbericht, eine nicht ganz den Erwartungen entsprechende Zahl, eine etwas zu vorsichtige Prognose, und schon würden die Kurse purzeln. Die Verunsicherung unter Anlegern, sie sei deutlich spürbar. Lieber zweimal zu früh verkauft, als einmal zu spät, das scheint derzeit die Devise, so Götz. Eingekesselt von Unsicherheiten, ob nun mit Blick auf europäisch-britisches Brexit-Chaos, italienische Schuldenlasten, chinesische Wachstumsschwäche, globale Handelsstreitigkeiten oder die ganz im allgemeinen und damit einhergehend wachsenden Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft, würden dem DAX die positiven Impulse und Ausbrüche nach oben fehlen.

Und so sei auch Siemens erste Quartalszahlenpräsentation zum laufenden Geschäftsjahr zu einer - salopp formuliert - einigermaßen traurigen Veranstaltung geraten. Nicht das Ergebnis und Ausblick schlecht gewesen wären, vor allem langfristig habe sich durchaus positives herauslesen lassen, doch alles in allem sei es eben wieder nur solide gewesen. Kein Ausbruch nach oben, eher ein Bericht, der vielen Marktbeobachtern als Bestätigung ihrer Besorgnis gelten dürfte, dass das laufende Jahr wohl ein schwieriges werden könnte.

Und so habe eine Mehrzahl der Anleger dem Siemens-Papier unter der Woche erneut den Rücken zugekehrt, hätten seinen Kurs mit rund 95,70 Euro gar auf seinen tiefsten Stand seit Juli 2016 geschickt. Auf Jahressicht habe die Aktie der deutschen Industrie-Ikone nun bereits 18 Prozent an Wert verloren. Und damit fast doppelt so viel wie der europäische Industriesektor im Schnitt.

Und das liege freilich nicht nur an trüben Konjunkturaussichten und angeschlagenen Märkten, sondern auch an hausgemachten Problemen, die an Siemens Marge knabbern würden. Zuvorderst gehe es da um die weiter kriselnde "Power- und Gas"-Sparte, deren operatives Ergebnis sich im ersten Geschäftsquartal auf 119 Millionen Euro halbiert habe. Und das bei mit einem Minus von 9% auf 2,8 Mrd. Euro ebenso schwindenden Umsätzen. Die Marge des Kraftwerkbereichs habe damit gerade einmal noch 4,2% betragen, was wiederum auch die von Siemens insgesamt unter Druck gesetzt habe. So habe diese von Oktober bis Dezember 2018 nur bei 10,6 anstatt wie im Vorjahr noch bei 11,4 respektive irgendwo zwischen 11 und 12% gelegen, wo sie CEO Joe Kaeser eigentlich sehen wolle im neuen Geschäftsjahr. Auch rein mit Blick auf das operative Ergebnis könne er kaum zufrieden sein. Um 6% auf 2,1 Mrd. Euro habe dieses nachgegeben, habe damit "am unteren Rand" der Erwartungen gelegen, wie es Kaeser ausgedrückt habe.

Auch Analysten hätten mit mehr gerechnet. Die Margenentwicklung habe sich enttäuschend gestalt, habe Gael de-Bray von der Deutschen Bank geschrieben. Es seien neue Kostensenkungen notwendig, doch mangelnde Flexibilität im Konzern ebenso wie die unternehmensinterne Abneigung gegen Veränderungen dürften den laufenden Dezentralisierungsprozess zu einem langwierigen werden lassen, habe de-Bray weiter genörgelt. Sein Kursziel habe er aber dennoch bei 110 Euro belassen.

Jefferies-Analyst Peter Reilly habe die Ergebnisse dagegen deutlich positiver aufgenommen, habe von einem gemischten Bild gesprochen, welches unter dem Strich aber doch ermutigend sei. Und habe damit sicherlich auch den mit einem Plus von 12% gegenüber dem Vorjahr ausgestatteten und 25,2 Mrd. schweren Auftragseingang gemeint. Für Siemens der stärkste in zehn Jahren. Dieser, so Vorstandschef Kaeser, zeige das Vertrauen der Kunden in die Leistungsfähigkeit des Konzerns. Hinzu komme ein Umsatzwachstum von knapp 1% auf 20,1 Mrd. Euro. Siemens bleibe also trotz schwächelnder Konjunktur auf Wachstumskurs, scheine mit hervorragenden Auftragseingängen zudem gut gerüstet für eine Phase des Abschwungs. Sein Kursziel für das Siemens-Papier habe Analyst Reilly bei 140 Euro belassen, was bei dem momentanen Kurs immerhin einem Aufwärtspotenzial von fast 50% entspreche.

Den Münchnern sei aber durchaus bewusst, dass noch einiges an Arbeit vor ihnen liege. Es gebe noch viel zu tun, um in allen Geschäften führende Margen zu erreichen, habe Boss Kaeser gesagt. Umso spannender, wie sich die neue Konzernstruktur auswirke, die ab April starte. Die "operativen Unternehmen", wie Intelligent Infrastructure, Digital Industry und die Power- und Gas-Sparte sollten dann neben Siemens Gamesa, Siemens Healthineers und womöglich Siemens Alstom, sprich den "strategischen Unternehmen", den industriellen Kern bilden. Der Plan: Mittelfristig so das Wachstum beschleunigen und die Profitabilität steigern, auch indem den einzelnen Sparten mehr unternehmerische Freiheit zugesprochen werde. Kaeser wolle den großen Tanker Siemens also weiter manövrierfähiger machen, seine Last auf kleinere, spezialisierte Schiffe umverteilen.

Eigentlich etwas, das im Sinne der Investoren sein müsste. Doch vielen gehe die Umstrukturierung offensichtlich zu langsam vonstatten. Die Siemens-Alstom-Fusion mit Blick auf deren Zugsparten stehe zudem quasi vor ihrem Aus, da EU-Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager wohl unter den gegebenen Bedingungen nicht mitmachen wolle, und Siemens-Chef Kaeser an den Bedingungen nur bedingt rütteln wolle, die Fusion jedenfalls nicht "um jeden Preis suchen" möge. Wenn die EU-Kommission den Zusammenschluss ablehne, dann werde man sich damit abfinden und einfach weitergehen, so Kaeser weiter.

Bleibe die Frage, wohin und in welche Richtung. Die Kraftwerkssparte werde für Siemens immer mehr zum Problem, und ohne einen entsprechenden Personalabbau dürfte sich daran auch kaum etwas ändern. Aber auch von ihr abgesehen würden Zahlen und Ergebnisse durchwachsen bleiben, womit kurz-bis mittelfristig der Aktie die Impulse fehlen könnten. Langfristig dagegen sei es vor allem Siemens Digitale Fabrik, die Hoffnung mache. Mit einem Umsatzplus von 6% auf 3,2 Mrd. Euro und einem operativen Ergebnisanstieg von ebenfalls 6% auf 646 Mio. Euro, habe sich die Sparte im vergangenen Quartal gut entwickelt. Die Umsatzrendite habe darüber hinaus bei sehr guten 20% gelegen. Etwas, das schon eher nach Kaesers Geschmack sein dürfte. Und auch nach dem der Anleger. Solide schließlich, reicht nicht mehr, so Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag". (Ausgabe 5 vom 03.02.2019)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Siemens-Aktie:

Xetra-Aktienkurs Siemens-Aktie:
95,32 EUR -0,31% (04.02.2019, 09:16)

Tradegate-Aktienkurs Siemens-Aktie:
95,52 EUR -0,08% (04.02.2019, 09:29)

ISIN Siemens-Aktie:
DE0007236101

WKN Siemens-Aktie:
723610

Eurex Optionskürzel Siemens-Aktienoption:
SIE

Ticker-Symbol Siemens-Aktie:
SIE

NASDAQ OTC Ticker-Symbol Siemens-Aktie:
SMAWF

Kurzprofil Siemens AG:

Die Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) (Berlin und München) ist ein führender internationaler Technologiekonzern, der seit 170 Jahren für technische Leistungsfähigkeit, Innovation, Qualität, Zuverlässigkeit und Internationalität steht. Das Unternehmen ist weltweit aktiv, und zwar schwerpunktmäßig auf den Gebieten Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung.

Siemens ist weltweit einer der größten Hersteller energieeffizienter ressourcenschonender Technologien. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter effizienter Energieerzeugungs- und Energieübertragungslösungen, Pionier bei Infrastrukturlösungen sowie bei Automatisierungs-, Antriebs- und Softwarelösungen für die Industrie. Darüber hinaus ist das Unternehmen ein führender Anbieter bildgebender medizinischer Geräte wie Computertomographen und Magnetresonanztomographen sowie in der Labordiagnostik und klinischen IT.

Im Geschäftsjahr 2017, das am 30. September 2017 endete, erzielte Siemens einen Umsatz von 83,0 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 6,2 Milliarden Euro. Ende September 2017 hatte das Unternehmen weltweit rund 377.000 Beschäftigte. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.siemens.com. (04.02.2019/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
00:26 , Aktiennews
Siemens Healthineers Aktie: Das Vertrauen entzoge [...]
An der Heimatbörse Xetra notiert Siemens Healthineers per 30.11.2022, 09:22 Uhr bei 50.7 EUR. Siemens Healthineers ...
02.12.22 , Aktiennews
Denkzettel für Siemens-Chefs!
Am 30.11.2022, 11:24 Uhr notiert die Aktie Siemens an ihrem Heimatmarkt Xetra mit dem Kurs von 134.1 EUR. Das Unternehmen ...
02.12.22 , Aktiennews
Siemens Energy Aktie: Der absolute Durchbruch ist [...]
Der Kurs der Aktie Siemens Energy steht am 01.12.2022, 14:17 Uhr bei 15.98 EUR. Der Titel wird der Branche "Investitionsgüter" ...