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Di, 7. Februar 2023, 17:09 Uhr

Sind die Stützungsmaßnahmen ihr Geld wert?


15.05.20 15:10
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Natürlich sind die Hilfspakete teuer und werden uns noch lange Zeit beschäftigen, so Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX.

Doch was sei die Alternative? Solle man Unternehmen und private Haushalte in der Krise pleitegehen lassen? Das würde die Akzeptanz des Lockdowns nur weiter untergraben und auf Dauer die Wirtschaft noch stärker schwächen. Denn mit jedem Unternehmen, das seine Türen schließen müsse, würden auch Arbeitsplätze verlorengehen.

Weltweit würden Regierungen und Zentralbanken Geld in die Wirtschaft pumpen, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Doch das sei nicht ohne Risiko, wie Sascha Sadowski erkläre. "Fakt ist: Das Geld, das Staaten jetzt für die Unterstützung der Unternehmen ausgeben, muss früher oder später wieder eingenommen oder eingespart werden, wenn die Staatsverschuldung nicht völlig außer Kontrolle geraten soll. Das gleiche gilt für Steuererleichterungen. Dieses Geld fehlt schlicht und ergreifend im Staatshaushalt. Wir werden uns also über kurz oder lang auf höhere oder neue Steuern gefasst machen müssen, wenn es wirtschaftlich wieder aufwärts geht. Doch dann könnte es passieren, dass genau das den Aufschwung abbremst", warne der Experte.

Darüber hinaus weise Sadowski auf ein weiteres Problem hin: "In Europa haben wir schon seit langem negative Zinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln und auch in den USA hat die FED die Zinsen bereits vor der Pandemie gesenkt. Doch irgendwann sind die Grenzen des Quantitative Easing erreicht und dann fehlen den Zentralbanken die passenden Werkzeuge, mit denen sie der Wirtschaft unter die Arme greifen kann. Wir haben ja bereits vor Corona gesehen, wie schwierig ein Ausstieg aus dieser Geldpolitik sein kann. Japan ist dafür das beste Beispiel. Außerdem stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Politik, denn wie FED-Chef Jerome Powell es so schön sagte: Zentralbanken können nur auf Kredite einwirken, nicht aber auf Konsumenten."

Würden all die groß angekündigten Kredit- und Stützungsmaßnahmen also in Leere laufen oder, schlimmer noch, würden sie die Zukunft gefährden? Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank habe dazu in dieser Woche klar Stellung bezogen und betont, dass die Ausgaben zur Bekämpfung der Krise zwar kostspielig seien, aber das Risiko wert wären, wenn sie noch schlimmere wirtschaftliche Schäden verhindern würden. Er halte sogar noch größere Hilfspakete für sinnvoll, sollten sich die notwendigen Eindämmungsmaßnahmen noch weiter hinziehen.

"Der Lockdown hatte in den Vereinigten Staaten bereits gravierende Auswirkungen. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden rechnerisch alle Jobs vernichtet, die in den letzten zehn Jahren entstanden waren. Im April lag die Arbeitslosigkeit bei ganzen 14,7 Prozent und die Realität könnte noch schlimmer aussehen, denn Unterbeschäftigung wird beispielsweise hier nicht erfasst. Auch in Deutschland sieht es am Arbeitsmarkt dramatisch aus. Für 10 Millionen Arbeitnehmer wurde zwischen März und April Kurzarbeit beantragt und die Arbeitslosigkeit stieg auf 5,8 Prozent. Ob sich diese Zahlen im Zuge der neuen Lockerungen nach unten korrigieren, bleibt abzuwarten", fasse Sadowski die Ausgangslage zusammen.

Er stimme Powell zu: "Natürlich sind die Hilfspakete teuer und werden uns noch lange Zeit beschäftigen, doch was ist die Alternative? Soll man Unternehmen und private Haushalte in der Krise pleitegehen lassen? Das würde die Akzeptanz des Lockdowns nur weiter untergraben und auf Dauer die Wirtschaft noch stärker schwächen. Denn mit jedem Unternehmen, das seine Türen schließen muss, gehen auch Arbeitsplätze verloren. Das führt zu sinkenden Steuereinnahmen und Beiträgen in die Sozialsysteme, was den Staat ebenfalls belastet. Es ist daher richtig und wichtig, dass nicht nur große Konzerne Hilfen erhalten, sondern gerade auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die das Rückgrat und der Jobmotor der Wirtschaft sind. Ansonsten steigt das Risiko, dass die zu erwartende Rezession noch stärker ausfällt, als ohnehin schon."

Trotzdem lauere hinter all den Maßnahmen auch die Gefahr, dass sie ins Leere laufen und sich viele Unternehmen trotz aller staatlichen und finanziellen Hilfen nicht vom Lockdown erholen würden. "In vielen Fällen, insbesondere in der Gastronomie, im Kulturbetrieb, dem Einzelhandel und in der Tourismusbranche, werden sich die langfristigen Folgen der Pandemie erst in den kommenden Monaten zeigen. Dann wird klar, welche Unternehmen die Ausfälle der vergangenen Monate kompensieren und die gewährten Kredite zurückzahlen können. Hier erwartet uns leider vermutlich eine weitere Welle an Insolvenzen und damit verbunden der Verlust von Arbeitsplätzen." (15.05.2020/ac/a/m)