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Fr, 19. August 2022, 13:39 Uhr

Steuern wir auf eine globale Krise zu?


01.07.22 12:15
XTB

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die FED ignoriert Rezessionsrisiken und beabsichtigt, ihre restriktive Geldpolitik fortzusetzen. Wie können die Märkte reagieren, fragen sich die Experten von XTB.

"Ich denke, wir verstehen jetzt besser, wie wenig wir über Inflation wissen", habe Jerome Powell auf einer von der EZB organisierten Konferenz gesagt. Diese Worte bedürften im Prinzip keiner Kommentierung, würden aber andererseits zeigen, dass die Notenbanken wohl etwas bewegen würden. In diesem Artikel würden die Experten aufzuzeigen versuchen, ob man es tatsächlich mit dem Gespenst einer globalen Rezession zu tun habe und wie die großen Weltmärkte darauf reagieren könnten.

Die jüngsten Daten zur Wirtschaftstätigkeit in den Vereinigten Staaten seien nicht sehr zufriedenstellend gewesen. PMI-Indices seien stark gefallen, dem ein schrittweiser Rückgang der von der FED vorgelegten regionalen Indices vorausgegangen sei. In der Vergangenheit hätten die meisten tieferen Einbrüche des Philadelphia FED Regional Index den Beginn der Rezession eingeläutet. Natürlich könne man Zeiten finden, in denen dies nicht geschehen habe, aber zu dieser Zeit sei die Geldpolitik nicht streng gewesen. Derzeit sage fast jedes FED-Mitglied, dass die Politik restriktiver werden müsse (Anstieg der Zinssätze über den neutralen Zinssatz), um die Inflation zu bekämpfen.

Der Markt hoffe immer noch, dass die FED angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Probleme ihre Position mildern werde. Allerdings habe die FED ihre Haltung im Vergleich zu dem, was vor einem Jahr passiert sei, komplett geändert. Powells Verhalten zeige, dass er nicht die Situation aus den 1970er Jahren wiederholen möchte, als die Wirtschaft in eine Inflationsspirale geraten sei. Aus diesem Grund höre man Aussagen wie "Wir sind nicht sicher, ob die Wirtschaft in eine Rezession geht", "Es wird schwierig sein, eine sanfte Landung zu erreichen", "Es besteht ein größeres Risiko, dass die FED ihr Inflationsziel nicht erreicht, als dass es in eine Rezession gerät".

Obwohl viele Indikatoren auf Rezessionsgefahr hindeuten würden, würden wir nach wie vor einen sehr starken Arbeitsmarkt beobachten. Die Experten würden auch keinen längeren Zeitraum sehen, in dem die Zinskurve (Differenz zwischen 10- und 2-jährigen Renditen) invertiert (negativ) sei. Die FED selbst gebe an, dass die Wirtschaft immer noch stark sei, was hauptsächlich vom Arbeitsmarkt getrieben werde. Die Arbeitslosenquote sei extrem niedrig und erreiche Tiefststände vor der Pandemie. Dennoch sollte die Zahl der Anträge auf Arbeitslosengeld darauf hindeuten, ob wir es mit einer Rezession zu tun hätten oder nicht. Die Zahl der Erstanträge habe sich bereits deutlich von 166.000 im März auf 229.000 letzte Woche erholt. Dagegen sei die Zahl der Weiterbewerbungen nur leicht angestiegen. Die Deutsche Bank gebe an, dass ein deutliches Signal für die kommende Rezession ein Anstieg der Zahl der laufenden Schäden auf ca. 1.450.000 sei (derzeit 1.315.000). Sollte es zu einer solchen Erholung kommen, könnten wir innerhalb der nächsten zwei Monate mit einer Rezession rechnen.

Der Beginn der Rezession im Jahr 2007 sei mit dem Höchststand des S&P 500 Index zusammengefallen. Der Index sei von oben nach unten um mehr als 55% gefallen. In der Krise nach 2000 sei der S&P 500-Index um fast 50% gefallen. Es sei jedoch erwähnenswert, dass die Technologieblase im Jahr 2000 geplatzt sei, die Krise jedoch erst Anfang 2001 begonnen habe. Wenn wir diese Situation mit der aktuellen vergleichen würden, könnten wir viele Ähnlichkeiten feststellen. Aktien seien seit Ende letzten Jahres schwächer geworden, seitdem die FED angedeutet habe, dass die Inflation keineswegs vorübergehend sei. Zudem schwebe das Gespenst einer technischen Rezession über der US-Wirtschaft. Das erste Quartal habe einen Rückgang des BIP mit sich gebracht, und Daten zur Wirtschafts- und Verbraucheraktivität würden darauf hindeuten, dass die Zahlen für das zweite Quartal ebenfalls enttäuschen könnten.

Bisher sei der S&P 500 von seinem Allzeithoch um 20% gefallen. Wenn keine sanfte Landung erreicht werden könne und eine Rezession beginne, könnten die Indices weiter fallen. In der Vergangenheit habe Gold zumindest in der ersten Phase der Rezession für eine gewisse Stabilität gesorgt. (01.07.2022/ac/a/m)




 
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