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Fr, 9. Dezember 2022, 16:15 Uhr

Tech-Unicorns streben an die Börse


28.08.20 11:35
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Der Sommer sei normalerweise auch an der Börse eine eher ruhige Zeit, so die Experten vom Online-Broker LYNX im aktuellen Marktkommentar.

Nicht umsonst heiße es "Sell in May and go away, but remember to come back in September". Doch in diesem Jahr sei vieles anders und so sei es an den Aktienmärkten in den vergangenen Sommermonaten weit weniger schläfrig zugegangen als normal - sogar ganz im Gegenteil! Besonders Technologiewerte hätten eine herausragende Performance erzielen können und hätten den S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) beflügelt. Da wundere es nicht, dass aktuell eine ganze Reihe an Tech-Unternehmen den Sprung an die Börse wagen wollten, um ebenfalls auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Allein diese Woche hätten mehrere Unternehmen ihre Angebotsprospekte bei der U.S. Securities and Exchange Commission eingereicht - darunter Unity Software Inc., die eine Videospiel-Engine herstelle; Asana Inc., die Projektmanagement-Software programmiere; und Sumo Logic Inc., ein Datenanalyseunternehmen, sowie Snowflake Inc., ein Data-Warehousing-Unternehmen und Palantir Technologies Inc., ein Software- und Dienstleistungsunternehmen.

"Die vielen angekündigten Börsengänge gerade im Softwarebereich sind nicht weiter verwunderlich, denn bei Investoren steht die Branche derzeit hoch im Kurs. Das liegt sicherlich auch an den Herausforderungen, die vielen Unternehmen durch die Pandemie entstanden sind und die die digitale Transformation deutlich beschleunigt haben", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX. "In diesem Jahr sind bereits 18 Softwareunternehmen an die Börse gegangen, die insgesamt 5,5 Milliarden US-Dollar eingenommen haben. Und auch ihre Performance kann sich bis auf wenige Ausnahmen bislang sehen lassen. Die neuen Kandidaten werden jetzt versuchen, diesen Rückenwind auszunutzen."

Doch bei aller Euphorie, sollte man genau hinsehen, denn nicht alle neuen Listings seien gleich erfolgversprechend, warne der Experte. "Nehmen wir als Beispiel einmal Palantir. Das Unternehmen ist mittlerweile 17 Jahre alt und hat bislang noch keinen Gewinn erzielt. Dafür weist das Unternehmen einen Verlustvortrag von vier Milliarden US-Dollaraus. Allein 2019 verlor Palantir fast 600 Millionen US-Dollar. Dann könnte es in absehbarer Zeit auch die Kundenstruktur zum Problem werden. Nur drei Kunden sind in den letzten beiden Jahren für fast zwei Drittel des Umsatzes verantwortlich. Hinzu kommt ein politisches Risiko, denn Palantir arbeitet eng mit den US-Geheimdiensten und dem Militär zusammen. Ob das auch nach der Wahl im September so weitergehen wird wie bisher ist schwer zu sagen", fasse Sadowski die Probleme des Unternehmens zusammen und füge hinzu: "Für Investoren könnte darüber hinaus die Unternehmensführung zum Problem werden. Im eingereichten Prospekt für das angestrebte direkte Listing von Palantir behalten sich die Gründer, darunter auch Milliardär Peter Thiel, 50 Prozent Stimmrecht und damit die Kontrolle über das Unternehmen vor - egal, ob sie die Mehrheit ihrer Aktien verkaufen oder nicht."

Doch es gebe auch sehr vielversprechende Börsenkandidaten, die man genauer unter die Lupe nehmen sollte, wie das Data-Warehousing-Unternehmen Snowflake. "Snowflake erfüllt alle Kriterien für ein hervorragendes Wachstum und könnte sich mit etwas Glück sogar als Marktführer für Cloud-Software behaupten. Der Markt für Datenanalysen in der Cloud verspricht ein riesiges Wachstumspotenzial. Wenn Snowflake seine Chancen nutzt, könnte es sich von den etablierten On-Premise-Anbietern absetzen. Auch die Zahlen sprechen für den Erfolg des Unternehmens. Allein im letzten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 121 Prozent."

Für Sadowski würden die beiden Beispiele eines der Hauptprobleme der derzeit aufgeheizten Märkte zeigen: "Die Euphorie und das Interesse vieler Anleger und Investoren an Tech-Werten sorgen dafür, dass auch Firmen aus der zweiten Reihe ihr Glück an der Börse versuchen. Das birgt das Risiko, dass die tatsächlichen Unternehmenszahlen in den Hintergrund gedrängt und ignoriert werden. Dieser Fehler könnte sich jedoch in Zukunft als fatal herausstellen. Ein Beispiel dafür haben wir Anfang dieses Monats mit Rackspace Technology Inc. gesehen. Die Aktie hält derzeit den Titel des Technologie-Börsengangs mit der schlechtesten Performance des Jahres." (28.08.2020/ac/a/m)