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Sa, 3. Dezember 2022, 7:48 Uhr

US-Aktienmärkte steigen trotz Unsicherheit über den Wahlausgang


06.11.20 12:14
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Wenn die Aktienmärkte eines nicht mögen, ist das Unsicherheit, so die Experten von LYNX Broker.

Soweit die gängige Meinung und derzeit sehe es so aus, als müssten sie sich darauf einstellen, diese in Bezug auf den nächsten US-Präsidenten noch eine Weile länger zu ertragen, denn der noch amtierende Präsident werde eine mögliche Niederlage nicht ohne weiteres akzeptieren, wie er bereits seit Wochen ankündige. Nun sei der Ernstfall eingetreten. Zwar liege Joe Biden aktuell vorne, doch Trump habe bereits in mehreren Bundesstaaten mit knappem Ergebnis eine Neuauszählung gefordert und wolle nun die Gerichte bemühen. Auch von Wahlbetrug sei die Rede und so dürfte es noch einige Zeit dauern, bis der nächste Präsident der Vereinigten Staaten feststehe. Entgegen der allgemeinen Annahme würden sich die US-Aktienmärkte von diesem Hickhack jedoch unbeeindruckt zeigen.

"Natürlich konnte niemand den Ausgang der Wahl vorhersagen, allerdings war von vornherein klar, dass es knapp werden könnte. Darauf haben sich die Märkte bereits eingestellt. Ebenfalls absehbar war, dass Trump ein solches Ergebnis nicht einfach hinnehmen würde. Das hat er ja in den vergangenen Wochen immer wieder betont. Auch diese Möglichkeit haben die Märkte daher bereits eingepreist. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sie nun trotz des Gerangels ums Weiße Haus weiter steigen", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. "Der Vorteil ist, dass Trumps Verhalten in solchen Situationen mittlerweile vorhersehbar ist. Das zeigt auch der CBOE Volatility Index VIX, der seit Dienstag um fast 10 Punkte von 35 auf 27,5 gefallen ist. Hier scheint das ungeklärte Wahlergebnis die Unsicherheit sogar zu verringern."

Das habe bei der letzten Wahl, die vor Gericht gewonnen worden sei, im Jahr 2000 noch ganz anders ausgesehen. Damals seien George W. Bush und Al Gore gegeneinander angetreten und auch damals sei es zu einer Neuauszählung gekommen, in diesem Fall in Florida. In den Tagen nach der Wahl sei der S&P (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) um acht Prozent gefallen, während der VIX steil nach oben auf 30 Zähler geschossen sei. Erst Mitte Dezember habe der Supreme Court damals Bush zum Sieger erklärt, woraufhin der VIX wieder unter die Marke von 25 gefallen sei. Der S&P jedoch sei rund fünf Prozentpunkte unter dem Stand vor der Wahl geblieben.

"Natürlich haben damals auch andere Faktoren mit in die Verluste an den Aktienmärkten gespielt. Und tatsächlich zeigt die Vergangenheit auch eine Tendenz, dass die ersten zwei Jahre einer Amtszeit an den Märkten im Schnitt eher unterdurchschnittlich laufen, während sie in der zweiten Hälfte wieder Fahrt aufnehmen, egal, welche Partei gerade an der Macht ist", so Sadowski.

Der Experte gebe darüber hinaus zu bedenken, dass in diesem Jahr vieles anders als vor 20 Jahren sei. "Die Wahl fällt mitten in eine weltweite Pandemie, die noch längst nicht ausgestanden ist und die die Welt in die tiefste Rezession seit den 1930er Jahren gestürzt hat. Trotzdem zeigen sich weiterhin viele Menschen optimistisch, dass bald ein Impfstoff gefunden wird. Hinzu kommt die Hoffnung auf eine weiterhin ultralockere Geldpolitik der Fed und neue Hilfsmaßnahmen für die gebeutelten Unternehmen und Haushalte. Diese positiven Faktoren scheinen im Moment die Unsicherheit über den Wahlausgang zu überwiegen", fasse Sadowski zusammen. Er halte es daher für lang- und mittelfristige Anleger für ratsam, die Füße ruhig zu halten und keine übereilten Entscheidungen zu treffen, selbst wenn die Volatilität wieder ansteigen sollte. "Sollte es zu kurzfristigen Verwerfungen kommen, könnte das sogar die eine oder andere Chance auf ein Aktienschnäppchen bedeuten." (06.11.2020/ac/a/m)