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Do, 9. Februar 2023, 10:31 Uhr

US-Präsidentschaftswahl: Was lehrt die Vergangenheit, falls die Wahl angefochten wird?


09.10.20 10:43
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Es gab bislang zwei Beispiele, in denen eine Wahl angefochten wurde, und tatsächlich haben die Kurse beide Male gelitten, einmal 1876 und einmal im Jahr 2000, so die Experten von LYNX Broker.

Doch so einfach lasse sich daraus für die aktuelle Wahl keine Prognose ableiten, da die US-Börsen in beiden Fällen schon vorher in einem Abwärtstrend gewesen seien. Trotzdem könnte eine angefochtene Wahl den Aufwärtstrend bremsen oder vielleicht sogar zwischenzeitlich umkehren, aber eigentlich hätten die Bullen derzeit klar die Oberhand.

In weniger als einem Monat werde mitten in der Corona-Pandemie in den USA ein neuer Präsident gewählt, doch dass dieser tatsächlich am Wahlabend feststehe, erscheine unwahrscheinlich. Mehr Menschen als jemals zuvor würden voraussichtlich angesichts der weiter hohen Infektionszahlen in den USA den Gang zur Wahlurne nicht persönlich antreten, sondern per Briefwahl abstimmen. Für den aktuellen Präsidenten Trump sei klar, dass das einem Wahlbetrug Tür und Tor öffne. In den vergangenen Monaten habe er daher immer wieder betont, dass er die Wahl nicht anerkennen könnte. Doch was würde das für die Finanzmärkte bedeuten, die ja bekanntlich Unsicherheit nicht ausstehen könnten?

"Die Frage steht im Raum, ob eine angefochtene Wahl das Potenzial hat, den immer noch vorherrschenden Bullen den Garaus zu machen - und das ist nicht leicht zu beantworten, denn es gab bislang nicht viele Fälle, in denen das geschehen ist und aus denen man etwas ableiten könnte", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. Trotzdem lohne sich ein Blick in die Vergangenheit, genauer gesagt in die Jahre 1876 und 2000.

"Es gab bislang zwei Beispiele, in denen eine Wahl angefochten wurde, und tatsächlich haben die Kurse beide Male gelitten. 1876 herrschte monatelang Unsicherheit, ob Rutherford B. Hayes oder Samuel Tilden am Ende Präsident werden würde. Letzterem wurde die Wahl am Ende zugesprochen, nachdem ein Deal zwischen Demokraten und Republikanern ausgehandelt wurde. In dieser Zeit fielen die Kurse um rund 10 Prozent, wie Daten von Yale-Professor Robert Shiller zeigen. Man muss allerdings auch bedenken, dass die Wahl während einer schweren wirtschaftlichen Depression stattfand, die bereits drei Jahre zuvor begonnen hatte und auch nachdem Tilden Präsident geworden war, fielen die Kurse weiter. Erst im Juli 1877 war das Tief erreicht. Die angefochtene Wahl hat also nur den bereits vorherrschenden Trend verstärkt", so der Experte. Darüber hinaus müsse man bedenken, dass die Welt vor fast 150 Jahren eine andere gewesen sei und die Vergleichbarkeit mit der heutigen Situation daher schwierig sei.

Besser funktioniere das beim zweiten Beispiel, der Wahl im Jahr 2000 zwischen George W. Bush und Al Gore. "Auch im Jahr 2000 sanken die Kurse zwischen dem Wahltag und der Entscheidung, wer denn nun der nächste Präsident werden würde, diesmal um mehr als vier Prozent. Aber man muss wieder das große Ganze betrachten: Im gleichen Jahr ist die Dotcom-Blase geplatzt und die Kurse fielen bereits seit März. Und auch in diesem Fall brachte die endgültige Entscheidung keine Erholung, denn erst im Jahr 2003 sollte es wieder bergauf gehen", so der Experte. Für ihn würden daher beide Fälle nicht wirklich als Orientierung taugen für das, was kommen werde, denn im Gegensatz zu damals würden die Kurse derzeit allen Widrigkeiten zum Trotz steigen.

Doch was sollten Anleger also von der anstehenden Wahl erwarten und wie würden die Aktienmärkte reagieren? "Natürlich könnte eine angefochtene Wahl den Aufwärtstrend bremsen oder vielleicht sogar zwischenzeitlich umkehren, aber eigentlich haben die Bullen derzeit klar die Oberhand. Trotzdem ist zu hoffen, dass die Wahl so klar ausgeht, dass es am Ergebnis nichts zu rütteln gibt. Darüber könnten insbesondere drei Staaten Aufschluss geben, nämlich Arizona, Florida und North Carolina. Alle drei beginnen mindestens zwei Wochen vor dem Wahltag mit der Auszählung der Briefwahlstimmen und sie nehmen nach dem 3. November keine weiteren Stimmen an, daher könnten sie ein relativ klares Stimmungsbild geben, ob der nächste US-Präsident Donald Trump oder Joe Biden heißt - zumindest dann, wenn die Wahl nicht denkbar knapp ausgeht." (09.10.2020/ac/a/m)