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Mo, 5. Dezember 2022, 4:57 Uhr

Verlieren die USA ihre Vormachtstellung an China?


02.11.20 14:40
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Anbei ein aktueller Marktkommentar vom Online-Broker LYNX:

"Der Handelskrieg, den Präsident Trump angezettelt hat, ist nur ein äußeres Symptom für einen viel tieferen Konflikt, in dem es darum geht, wer künftig die Vormachtstellung in der Welt innehat. Und auch wenn Trump in der kommenden Woche abgewählt werden und die Situation sich unter Biden entspannen sollte, wird das grundlegende Problem nicht verschwinden, nämlich, dass China die USA als Weltmacht mit seinem Aufstieg herausfordert."

Der Handelskrieg zwischen den USA und China sei einer der bestimmenden Faktoren von Donald Trumps Präsidentschaft gewesen. Dann sei die Pandemie gekommen und habe die Weltwirtschaft zum Erliegen gebracht. Doch während es in China langsam aber sicher wieder bergauf gehe, schienen die USA im Kampf gegen den Virus machtlos zu sein. Der chinesischen Regierung spiele das natürlich in die Karten, denn eigentlich gehe es zwischen den beiden Weltmächten um viel mehr als um Strafzölle.

"China hat sich in den letzten Jahren immer mehr zur globalen Supermacht entwickelt. Die USA hingegen kämpfen mit steigenden Schulden und zunehmender sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit, eine Entwicklung, die sich durch die Coronavirus-Pandemie und die weiter steigenden Infektionszahlen noch verschärft hat", fasse Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX die Situation zusammen. "Der Handelskrieg, den Präsident Trump angezettelt hat, ist nur ein äußeres Symptom für einen viel tieferen Konflikt, in dem es darum geht, wer künftig die Vormachtstellung in der Welt innehat. Und auch wenn Trump in der kommenden Woche abgewählt werden und die Situation sich unter Biden entspannen sollte, wird das grundlegende Problem nicht verschwinden, nämlich, dass China die USA als Weltmacht mit seinem Aufstieg herausfordert."

Eine wesentliche Rolle in diesem Kampf würden auch der Dollar und der Renminbi spielen. "Seit 1945 haben die USA und der Dollar die Weltwirtschaft dominiert. Mit dieser Rolle konnten die USA auch ihre politische Stellung sichern und wurden Sitz von zahlreichen internationalen Organisationen, angefangen von der UN über den IWF bis hin zur Weltbank. Doch dieser Status und der damit verbundene Wohlstand waren auch teuer erkauft und mittlerweile sehen sich die USA enormen Staatsschulden gegenüber. Der Status des US-Dollar als Reservewährung tut sein Übriges, um diese Lage noch zu verschärfen. Die Welt möchte nun einmal ihr Geld in Dollar lagern", erkläre Sadowski.

Nun komme noch die ultralockere Geldpolitik der FED hinzu sowie die vielen staatlichen Hilfen und Konjunkturpakete zur Bewältigung der Corona-Krise. Das verschärfe die Lage zusätzlich. "Die Schulden steigen immer weiter, um den bestehenden Wohlstand zu erhalten. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem diese Blase nicht mehr weiter wachsen kann und platzt. Auch die Kluft zwischen arm und reich wächst immer weiter. Wenn nun eine weitere Wirtschaftskrise kommt, ist der Handlungsspielraum aller Akteure praktisch bei Null. All das geschieht, während es für China immer weiter bergauf geht. Und selbst wenn der Renminbi noch weit davon entfernt ist, den US-Dollar abzulösen, sollte man diese Möglichkeit doch auch im Hinterkopf behalten."

Ein weiteres Indiz dafür, dass China den USA den Rang ablaufen könnte, sehe Sadowski darin, dass ein großer Teil der zahlreichen IPOs in diesem Jahr an chinesischen Börsen stattgefunden habe und nicht an amerikanischen. "Ein gutes Beispiel ist der mit 34,5 Milliarden bisher größte Börsengang der Ant Group. Anstatt auf die Notierung an einer US-Börse zu setzen, entschied sich das Unternehmen für eine Listung in Shanghai und Hong Kong. Damit ist die Ant Group in guter Gesellschaft, denn fast die Hälfte der diesjährigen IPOs fand an diesen Börsen statt. Das bedeutet aber auch, dass Investorengelder ebenfalls in diese Richtung anstatt in die USA fließen. Dieser Trend könnte sich fortsetzen, denn je instabiler die USA eingeschätzt werden, desto mehr werden die Anleger diversifizieren wollen, sowohl über Asset-Klassen hinweg als auch über Länder und Währungen." (02.11.2020/ac/a/m)