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Fr, 2. Dezember 2022, 20:43 Uhr

Viel an Zinsängsten im Aktienmarkt eingepreist


02.09.22 10:20
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Sowohl der sich auf moderaten Wachstumsniveaus einpendelnde ISM Index für das verarbeitende Gewerbe als auch die niedriger als erwartet ausgefallenen wöchentlichen Anträge für Arbeitslosenunterstützung besänftigten gestern grundsätzlich die jüngsten US-Rezessionssorgen etwas, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Bei ersterem sei zudem die Teilkomponente für die Inputkosten auf das niedrigste Niveau seit Juni 2020 zurückgegangen, was eine Entspannung auf der Preisfront signalisiert habe.

Die Marktreaktion sei gestern dieser Logik gefolgt: Eine sich stabilisierende US-Konjunktur erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die FED ihren aggressiven Straffungskurs beibehalte und bei ihrer Zinssitzung am 21.09. weitere 75 Basispunkte nachlege bzw. später denn früher ihr Tempo reduziere. Dementsprechend hätten die Renditen bei US-Staatsanleihen quer über die Laufzeiten zugelegt. Zweijährige Papiere hätten mit einer Rendite von 3,5% gar so hoch notiert, wie zuletzt im Jahr 2007! Der USD habe sich ggü. dem Euro um mehr als 1% gefestigt, womit EUR/USD wieder die Parität unterschritten habe. Aufwärts sei es ebenso bei den EUR-Staatsanleiherenditen (z.B. 10 J Österreich nun wieder bei 2,2%) gegangen, wo die jüngsten Eurozone-Rekordinflationsdaten einen 75-Basispunkte-Schritt der EZB am nächsten Donnerstag zunehmend wahrscheinlich lassen würden.

Die Aktienmärkte hätten im Zuge der höheren Renditen rund um den Globus zunächst abgegeben, wobei die europäischen Indices aufgrund der hier deutlich komplizierteren Gemengelage (deutlich schwächere Konjunktur, zähere Inflation wegen Energiekrise) stärker verloren hätten als die Wall Street. Die US-Indices hätten dann im letzten Handelsdrittel des Tages sogar noch ein Comeback geschafft und den Tag mit leichten Zugewinnen beendet. Selbst der NASDAQ 100 (ISIN: US6311011026, WKN: A0AE1X), der zwischenzeitlich mehr als 2% im Minus gelegen habe, habe es minimal ins Plus geschafft. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden dies als Hinweis deuten, dass fürs Erste wieder einmal viel an Zinsängsten im Aktienmarkt eingepreist gewesen sei.

Indes habe der Ölpreis gestern u.a. aufgrund erneuter Lockdowns in China wieder kräftig nachgegeben. Brent nähere sich damit wieder den im Sommer im Tief gesehenen niedrigen 90er-Ständen pro Fass an. Spannend werde hier nächste Woche werden, inwieweit die OPEC+-Staaten bei ihrem nächstwöchigen Treffen eine Produktionsdrosselung beschließen würden. Der europäische Gaspreis habe sich gestern stabilisiert, nachdem er im Laufe der Woche nach den jüngsten Übertreibungen wieder um ein Drittel nachgegeben habe. Im Fokus stünden hier einerseits die erneuten Wartungsarbeiten bei Nord Stream 1 und die Frage, ob und wieviel Gas danach von Russland nach Europa fließe und andererseits die sich sukzessive füllenden Gasspeicher und die erwarteten Maßnahmen seitens der EU-Staaten zur Eindämmung der Energiekrise.

Das nicht-zinstragende Gold habe - wie zu erwarten gewesen sei - im Zuge des festeren USD und der steigenden US-Renditen um mehr als 1% abgegeben und handele damit in USD auf einem Sechswochentief.

Im heutigen Frühhandel in Asien würden die negativen Vorzeichen dominieren. Mit dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht stehe heute ein weiteres ökonomisches Datenhighlight auf der Agenda. (02.09.2022/ac/a/m)