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Mo, 5. Dezember 2022, 5:00 Uhr

Wann droht den Aktienmärkten das böse Erwachen?


14.08.20 15:12
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Man muss davon ausgehen, dass uns noch eine Pleitewelle bevorsteht, wenn die Hilfsprogramme und Sonderregelungen auslaufen, so die Experten von LYNX Broker

Angesichts dessen sei die aktuelle Entwicklung des S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) umso erstaunlicher. In den vergangenen 30 Jahren habe es immer einen starken Zusammenhang zwischen dem Stand des Index und der Arbeitslosenquote gegeben. Sei der eine Wert gestiegen, sei der andere gesunken und umgekehrt. Doch die gigantischen Hilfspakete der letzten Monate hätten diesen Mechanismus scheinbar außer Kraft gesetzt.

Die Coronavirus-Pandemie habe der Weltwirtschaft gewaltige Schäden zugefügt. Auch die USA seien schwer gebeutelt von den Auswirkungen. Die Arbeitslosigkeit sei in die Höhe geschnellt und viele Unternehmen würden ums Überleben kämpfen. Davon unbeeindruckt würden sich die Aktienmärkte zeigen, die allen Hiobsbotschaften zum Trotz immer weiter steigen würden. Doch Investoren sollten sich von den aktuellen Höhenflügen der Indices nicht täuschen lassen. Früher oder später würden auch sie von der Realität eingeholt werden und dann drohe der große Schock, warne Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX.

"Natürlich hat die Pandemie die Wirtschaft in den USA schwer geschädigt, aber die Wahrheit ist, dass es auch davor nicht rosig aussah. Bereits Anfang dieses Jahres ergab eine Umfrage, dass 49 Prozent der Amerikaner sich mit ihrem Gehalt von einem Monat zum nächsten hangeln. Mehr als die Hälfte gab an, keinen Notgroschen auf der hohen Kante zu haben, mit dem zumindest drei Monate überbrückt werden könnten. Diese Situation hat sich in den letzten Monaten des Lockdown noch verschärft. Die Arbeitslosigkeit steigt immer weiter und damit sinkt der Konsum. Dadurch fiel das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal des Jahres um 9,5 Prozent, denn dieses ist zu fast 70 Prozent an den Konsum gebunden", fasse Sadowski die prekäre Lage zusammen.

Während ursprünglich die Hoffnung auf eine V-förmige Erholung bis Ende des Jahres noch vorhanden gewesen sei, würden Studien, beispielsweise vom McKinsey Global Institute und Oxford Economics, davon ausgehen, dass es mindestens fünf Jahre dauern werde, bis sich alle Bereiche der US-Wirtschaft erholt hätten. "Besonders kleine und mittlere Unternehmen bangen derzeit um die Zukunft. Hier muss man davon ausgehen, dass uns noch eine Pleitewelle bevorsteht, wenn die Hilfsprogramme und Sonderregelungen auslaufen", prognostiziere der Experte. "Angesichts dessen ist die aktuelle Entwicklung des S&P 500 umso erstaunlicher. In den vergangenen 30 Jahren gab es immer einen starken Zusammenhang zwischen dem Stand des Index und der Arbeitslosenquote. Stieg der eine Wert, sank der andere und umgekehrt. Doch die gigantischen Hilfspakete der letzten Monate haben diesen Mechanismus scheinbar außer Kraft gesetzt."

Doch Sadowski warne davor, sich darauf zu verlassen, dass das auch in Zukunft so bleibe, und rate dazu, sich die Gründe für das derzeitige Plus von vier Prozent im Jahresverlauf anzusehen. "In der Krise haben sich Investoren auf Unternehmen konzentriert, die die zuhause festsitzende Bevölkerung mit allem versorgen, was sie braucht. Dazu zählen Online-Shops ebenso wie Unterhaltung und Möglichkeiten des Remote Working. Das Ergebnis ist, dass einige wenige Technologieunternehmen den S&P 500 weiter nach oben treiben. Mittlerweile machen die Top Ten im S&P 500 ganze 27 Prozent des Index aus. Bei den anderen rund 490 Unternehmen sieht es hingegen deutlich schlechter aus. Sie müssen weiterhin Wertverluste im niedrigen zweistelligen Bereich hinnehmen. Auf Dauer kann diese Entwicklung nicht gut gehen und dann kommt es zur Korrektur. Je später diese kommt, desto größer wird der Schock für die Märkte ausfallen."

Doch wie sollten sich Anleger in diesen unsicheren Zeiten verhalten? Dazu meine Sascha Sadowski: "Das ist nicht leicht zu beantworten. Eine Option ist es, in den kommenden Monaten nach Schnäppchen Ausschau zu halten, also nach Unternehmen zu suchen, die eigentlich gesund, jedoch aufgrund der Krise kurzfristig in Schwierigkeiten geraten sind. Darüber hinaus sollte man sich für Rücksetzer an den Märkten wappnen, denn diese werden unweigerlich kommen. Sich auf die von einzelnen Politikern gepredigte V-förmige Erholung der Wirtschaft zu verlassen ist hingegen kein guter Plan. Es wird lange dauern, bis die Wirtschaft wieder an dem Punkt ist, an dem sie vor der Krise war". (14.08.2020/ac/a/m)