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Fr, 7. Oktober 2022, 8:15 Uhr

Wirecard

WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060

Wirecard: Wie lange bleibt die Aktie noch so günstig? - Aktienanalyse


25.02.19 08:54
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Wirecard: Wie lange bleibt die Aktie noch so günstig? - Aktienanalyse

Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Anbieters von Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr Wirecard AG (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) unter die Lupe.

Wie gehe es weiter mit Wirecard? Was sei dran an den von der "Financial Times" veröffentlichten Anschuldigungen? Wie gerechtfertigt sei der jüngste Absturz an der Börse? Sollten ihn Anleger als Einstiegschance begreifen? Oder als Alarm und lieber noch von Bord gehen, bevor das Schiff sinke? Sei die Aktie vielleicht einfach zu hoch bewertet gewesen und die jüngsten Korrekturen überfällig? Oder handle es sich um in ihrer Höhe grundlose Verluste, die aus dem Aschheimer Bezahldienstleister an der Börse ein Schnäppchen gemacht hätten, wie es einem der Markt nur selten beschere?

An Fragen mangele es derzeit nicht, wenn es um die Wirecard-Aktie gehe. Über kein deutsches Wertpapier werde für den Moment so gern diskutiert. Sein Kursverlauf erweise sich seit Monaten als hochvolatil. Ausgehend von ihrem Rekordhoch aus dem August vergangenen Jahres bei rund 196 Euro habe die Aktie im Tief bei zirka 96 Euro Mitte Februar über 50 Prozent an Wert verloren. Innerhalb eines halben Jahres ihren Wert also halbiert. Zum Wochenbeginn nun aber habe am Montag auf einmal ein deutliches Plus von 15 Prozent zu Buche gestanden, am Dienstag sei es um weitere fünf Prozent nach oben gegangen.

Ursächlich für diese zwischenzeitliche Kursrally dürfte das Leerverkaufsverbot der Bafin gewesen sein. Die Folge seien Gewinnrealisierungen und damit wieder leichte Kursverluste zur Wochenmitte gewesen. Am Freitag dann sei die Aktie mit einem Plus von 3,5 Prozent auf dem Chartbild erneut gen Norden geklettert. Grund sei diesmal ein Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Wirecard-Chef Markus Braun gewesen, in dem jener einmal mehr und überaus vehement alle Vorwürfe von sich und seinem Unternehmen gewiesen habe. "Aus unserer Sicht", habe er gesagt, "haben die Kursschwankungen unserer Aktie in den vergangenen Tagen keinen fundamentalen Grund." Und habe damit freilich die Art Schwankungen gemeint, die sein Unternehmen innerhalb kürzester Zeit um einen Börsenwert von zirka sieben Milliarden Euro erleichtert hätten. "Es läuft weiterhin sehr stark.", habe er bekräftigt. Er sei sicher, dass dies auch der Aktienkurs bald wiederspiegeln werde.

Bereits in der Woche zuvor habe er Anlegern ein "äußerst erfolgreiches Jahr 2019" angekündigt. Zudem prüfe man derzeit rechtliche Schritte gegen die "Financial Times". "Wir müssen untersuchen, ob die Darstellung in den Artikeln stark übertrieben war", habe Braun der FAZ gesagt. Internen Untersuchungen zufolge, so der CEO weiter, seien die Vorwürfe nicht haltbar. Es stehe also weiterhin Aussage gegen Aussage mit Blick auf die Vorwürfe um die fehlerhafte Buchung von Umsätzen. Und das werde bis auf weiteres wohl auch so bleiben. Bis zu einer endgültigen Klärung dürfte es dauern. Aussagen wie die von Braun würden aber freilich zum Aktienkauf locken.

Den richtigen Einstiegszeitpunkt wolle bei Deutschlands großer Tech-Hoffnung keiner verpassen, gleichzeitig schrecke die Angst vor einem kräftezehrenden Bilanzskandal ab und auch die Uneinigkeit darüber, wie viel das Unternehmen eigentlich wert sei, sprich ob es nach einer Kurssteigerung von gut 2.300 Prozent innerhalb von zehn beziehungsweise einer von rund 160 Prozent innerhalb von drei Jahren nicht an der Zeit gewesen sei, die Bewertung von zu hohen Erwartungen zu befreien, oder ob diese Erwartungen mit Blick auf bisherige Ergebnisse und jüngste Prognosen eben doch mehr als berechtigt seien.

Ein Blick auf die Bewertung und diese wiederum verglichen mit anderen Branchengrößen zeige: Teuer sei die Aktie nach den jüngsten Kursstürzen nun wirklich nicht mehr. Im August noch mit einem erwarteten 2019er KGV von 46 ausgestattet, liege das Verhältnis von Kurs und Gewinn nun nur noch bei 26. Und das sei moderat, blicke man auf das von Adyen (122), Square (108) oder Paypal (33). Auch in Sachen Börsenwert lägen Adyen (20 Milliarden Euro), Square (28 Milliarden Euro) und Paypal (98 Milliarden Euro) deutlich vor Wirecard mit nur knapp 14 Milliarden Euro. Die Gewinnprognose für 2019 klinge mit einem erwarteten EBITDA irgendwo zwischen 740 und 800 Millionen zudem vielversprechend. Auch da es Analysten gebe, die damit rechnen würden, dass die Prognose durchaus noch einmal angehoben werden könnte.

Überhaupt blicke ein Großteil der Aktienexperten sehr optimistisch in die Zukunft rund um den deutschen Bezahldienstleister, der immerhin erst im September vergangenen Jahres die Commerzbank aus dem DAX verdrängt habe. Im Schnitt würden die von Bloomberg befragten Analysten bis 2021 an einen Umsatzanstieg in Höhe von 167 Prozent auf fast vier Milliarden Euro glauben. Den bereinigten Gewinn je Aktie würden sie bis dahin sogar um 240 Prozent auf über sieben Milliarden Euro steigen sehen. Er bleibe zuversichtlich, dass sich das Management nichts habe zuschulden kommen lassen und dass die internen Kontrollmechanismen des Unternehmens funktionierten, habe beispielsweise Robin Brass, Analyst bei Hauck & Aufhäuser geschrieben. Mit Blick auf das angestrebte operative Jahresergebnis sehe er die momentane Kursschwäche weiter als Kaufgelegenheit.

Kepler Cheuvreux-Analyst Sebastien Sztabowicz glaube zudem an weniger Schwankungen nach dem Leerverkaufsverbot der Bafin. Sein Kursziel habe er bei 225 Euro belassen. Bei dem derzeitigen Kurs von etwas über 114 Euro entspräche das einem Aufwärtspotenzial von fast 100 Prozent. Credit Suisse-Analyst Charles Brennan habe mit Blick auf die Wirecard-Anteile jüngst gar von einer der attraktivsten Investment-Gelegenheiten im Sektor gesprochen.

Gut möglich also, dass die Aktie nicht mehr allzu lange so günstig sei, wie derzeit. Klar aber dürfte auch sein: Wer momentan einsteige, beteilige sich auch und vor allem an den Spekulationen rund um die genannten Financial Times-Vorwürfe. Und vom Ausgang dieser Geschichte hänge die kurz- bis mittelfristige Performance der Aktie wohl maßgeblich ab. Auf Kursauschläge nach oben und nach unten müssten Anleger daher weiterhin gefasst sein.

Und auch wenn sich die Vorwürfe in Luft auflösen sollten und langfristig wohl ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum locke, bleibe die Konkurrenz in der Bezahldienstleister-Branche hoch. Durchaus denkbar, dass es in den kommenden Jahren zu Konsolidierungen im Sektor komme. Das könne der Wirecard-Aktie zu Gute kommen, würden die Aschheimer selbst zum Übernahmekandidat. Entstehe aber ein großer, global den Markt abgreifender Konkurrent, könnte es für einen dann im Vergleich kleinen Wettbewerber eng werden. (Analyse vom 22.02.2019)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Wirecard-Aktie:

Tradegate-Aktienkurs Wirecard-Aktie:
118,40 EUR +3,14% (25.02.2019, 08:50)

Xetra-Aktienkurs Wirecard-Aktie:
115,10 EUR (22.02.2019)

ISIN Wirecard-Aktie:
DE0007472060

WKN Wirecard-Aktie:
747206

Ticker-Symbol Wirecard-Aktie Deutschland:
WDI

Nasdaq OTC Ticker-Symbol Wirecard-Aktie:
WRCDF

Kurzprofil Wirecard AG:

Die Wirecard AG (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) ist einer der weltweit führenden unabhängigen Anbieter von Outsourcing- und White-Label-Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr. Wirecard unterstützt Unternehmen dabei, elektronische Zahlungen aus allen Vertriebskanälen anzunehmen. Über eine globale Multi-Channel-Plattform stehen internationale Zahlungsakzeptanzen und -verfahren mit ergänzenden Lösungen zur Betrugsprävention zur Auswahl.

Für die Herausgabe eigener Zahlungsinstrumente in Form von Karten oder mobilen Zahlungslösungen stellt die Wirecard Gruppe Unternehmen die komplette Infrastruktur inklusive der notwendigen Lizenzen für Karten- und Kontoprodukte bereit.

Die Wirecard AG ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert (DAX, TecDAX).
(25.02.2019/ac/a/d)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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