Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 2. Dezember 2022, 23:59 Uhr

Die fünf Gewinner und Verlierer in diesem Winter


27.12.18 15:53
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Prognosen sind ein närrisches Spiel, aber die zugrundeliegende Argumentation kann uns dabei helfen, die maßgeblichen Kräfte zu identifizieren, die die Investmentrenditen antreiben werden. Um besser einordnen zu können, wie sich das Jahr 2019 entwickeln wird, schauen wir uns zehn relevante Entwicklungslinien genauer an, so Christopher Smart von der "BÖRSE am Sonntag".

Gewinner:

Donald Trump: Die Demokraten hätten die Mehrheit im Repräsentantenhaus, die Russland-Ermittlungen von Robert Mueller würden dunkle Schatten vorauswerfen und die Finanzmärkte würden straucheln, doch der US-Präsident könnte noch ein paar Asse aus dem Ärmel ziehen. Ein vorläufiger Deal mit China hänge weitgehend davon ab, zu welchen Bedingungen der Präsident ihn akzeptiere. Es scheine, dass Peking bereit sei, mehr Sojabohnen aus den USA zu importieren, geistiges Eigentum besser zu schützen und - überraschendweise - die Pläne anzupassen, mit denen Präsident Xi Jinping im Rahmen seiner Vorzeigeinitiative "Made in China 2025" den technologischen Fortschritt in den Schlüsselbranchen fördern wolle.

Diese Schritte dürften die gravierenden Differenzen zwischen den Systemen der zwei größten Volkswirtschaften der Welt zwar kaum aus der Welt schaffen (die laxe Umsetzung werde weiterhin für Konflikte sorgen), sie dürften jedoch ausreichen, damit der US-Präsident einen Zwischensieg verkünden könne. Falls der im Dezember drohende Shutdown der Regierung in Washington nicht allzu lange anhalte, könnte Trump der neuen Führung im Kongress mit einem Deal über Infrastrukturinvestitionen, der das schwindende Vertrauen in das Wachstum der US-Wirtschaft wieder stärken könnte, sogar den Wind aus den Segeln nehmen.

US-Aktien: Nein, sie seien nicht auf einem historisch niedrigen Niveau, und nein, man habe noch nichts gesehen, was die alten Hasen auf den Märkten als "echte, schmachvolle Kapitulation" bezeichnen würden, aber die Gewinnrenditen würden mittlerweile attraktiver gegenüber den rückläufigen Treasury-Renditen erscheinen. Die Technologiebranche werde ihre jüngsten Höchststände zwar nicht so bald wieder erreichen, aber es gebe Hinweise darauf, dass Aktien in den nächsten Monaten potenziell zulegen könnten.

Theresa May (und das Britische Pfund): Die Adjektive, mit denen ihre Kritiker Premierministerin Theresa May beschreiben würden, würden von "zaghaft" bis "planlos" reichen, doch sie habe schlechte Karten mit viel Geschick eingesetzt. Obwohl eine Mehrheit der Bevölkerung im Brexit-Referendum 2016 dafür gestimmt habe, den Status quo aufzuheben, herrsche keine Einigkeit darüber, was darauf folgen sollte. Zwar habe das Vorgehen der Premierministerin ihr viele Kritiker eingebracht, aber keiner von ihnen habe bislang einen alternativen Plan vorlegen können - geschweige denn einen besseren.

"Ein Plan ist besser als kein Plan", habe es anfänglich geheißen, und Theresa May habe nun einen erbärmlichen Kompromiss mit Brüssel zusammengeschustert, der immer noch besser sei als ein chaotischer Austritt aus der EU. Tatsächlich scheine sich Großbritannien in den nächsten Jahren auf dem Weg hin zu mehr Kontinuität als Diskontinuität zu befinden, und das Britische Pfund dürfte diese Realität bald widerspiegeln.

Der Yen: Angespannte Arbeitsmärkte, hohe Konsumausgaben und das neueste Versprechen von Premierminister Shinzo Abe, Infrastrukturprogramme zu unterstützen, dürften für schnelleres Wachstum und eine Kerninflation sorgen, die Ende nächsten Jahres sogar bis zu 2% erreichen könnte. Dies sei zwar kaum ausreichend, um das bevorstehende Ende der lang anhaltenden Deflation in Japan zu verkünden, könnte aber dazu beitragen, eine weitere Aufwertung des Yen in diesem Jahr zu stützen, selbst gegenüber dem starken US-Dollar.

Die Schwellenländer: Die harten Zeiten könnten sich dem Ende nähern, da die US-Notenbank ein Ende ihrer Zinsanhebungen signalisiert habe, was den stetigen Kapitalabfluss aus den Schwellenländern stoppen könnte. Mit Ausnahme der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Nigeria im Januar und in der Ukraine im März seien auch im politischen Kalender im ersten Quartal noch keine Ereignisse verzeichnet. Wenn das Basisszenario sich von einem Einbruch des Wirtschaftswachstums auf eine einfache Verlangsamung abschwäche, könnten die nächsten Monate Anlegern in Schwellenländern robuste Renditen bescheren.

Verlierer:

Nancy Pelosi: Sie habe erneut die Führung im Repräsentantenhaus übernommen, nachdem sie sich gegen eine neue Generation ungeduldiger Demokraten durchgesetzt habe. Ein längerer Shutdown der Regierung könnte ihr jedoch Sorgen bereiten, wenn es dem US-Präsidenten weiterhin gelinge, den Schwerpunkt auf den Grenzschutz zu legen. Was noch wichtiger sei: Sie werde Schwierigkeiten haben, einen überzeugenden demokratischen Präsidentschaftskandidaten als Alternative für das Land aufzubauen, wenn sie es bei den Vorwahlen nicht schaffe, ihre Parteimitglieder auf Linie zu bringen, die in erster Linie an Ermittlungen und einer Amtsenthebung interessiert scheinen.

Europa: Obwohl es derzeit danach aussehe - Europa breche nicht auseinander. Die Zukunft Großbritanniens werde sich innerhalb weniger Wochen - auf die eine oder andere Weise - klären. Eine Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei zu ihrer möglichen Nachfolgerin in Position gebracht worden, und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe kürzlich Ausgabenpläne angekündigt, die das größere Haushaltsdefizit Italiens politisch decken würden. (In jedem Falle würde Europa von ein wenig mehr sinnvollen Ausgaben profitieren.) All dies dürfte jedoch nicht ausreichen, um die fragile wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Die Arbeitslosigkeit sinke weiter und die Unternehmensgewinne seien stabil, aber die Frühindikatoren seien rückläufig und die Bedingungen an den Finanzmärkten würden sich verschärfen. Die Pläne der Europäischen Zentralbank, die Zinssätze anzuheben, könnten noch weiter verschoben werden.

Der US-Dollar: Wenn es nicht zu einem kompletten Einbruch auf anderen Märkten komme, der eine Flucht hin zu den sicheren Dollar-basierten Vermögenswerten auslöse, scheine der US-Dollar auf eine Abwertung zuzusteuern. Es sei ohnehin schwer vorstellbar, wie er die starke Performance in diesem Jahr wiederholen könnte, und noch schwieriger sei es, überzeugende Argumente zu finden, die gegen die Prognosen einer Wachstumsverlangsamung und die Erwartungen niedrigerer Zinssätze sprechen könnten.

Russland: Russische Aktien würden zu den wenigen Schwellenländeraktien gehören, die das Jahr im Wesentlichen unverändert abschließen dürften - trotz des kürzlich erfolgten Ausverkaufs im Ölsektor. Allerdings würden die Prognosen für das Wirtschaftswachstum für die nächsten Jahre bei rund 1,5% stagnieren (Quelle: Weltbank, 4. Dezember 2018), da schärfere Sanktionen ein fortgesetztes Deleveraging der Wirtschaft zur Folge haben würden. Anhaltende politische Konflikte mit dem Westen würden zu einer dauerhaften Isolation Russlands führen, und durch die gescheiterten Reformen könnte das Land gegenüber den dynamischeren Volkswirtschaften in Asien weiter an Boden verlieren.

Öl: Die Experten würden davon ausgehen, dass der Ölpreis im Laufe des Jahres 2019 steigen werde, da das Angebot knapp sei und die globale Nachfrage weltweit relativ stabil bleibe. In den kommenden Monaten scheine jedoch ein relativ breites Angebot vorhanden zu sein, da die USA Käufern iranischer Exporte weiterhin Ausnahmegenehmigungen erteilen würden, während die Produktionskürzungen durch Russland und Saudi-Arabien geringere Auswirkungen haben könnten als gedacht. (Ausgabe vom 21.12.2018) (27.12.2018/ac/a/m)





 
Werte im Artikel
-    plus
0,00%
10,00 minus
-3,85%