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Mi, 30. November 2022, 8:33 Uhr

Die fünf wichtigsten Anlagetrends 2019


28.01.19 10:00
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Anlagetrends rechtzeitig zu erkennen ist schwierig, zudem handelt es sich bei ihnen meist um Wetten auf die Zukunft, so die Experten von der "BÖRSE am Sonntag".

Möge das Gewinnpotenzial also noch so hoch sein, das Verlustrisiko sei es auch. Umso wichtiger scheine ein frühzeitiger und möglichst wenig verblendeter Blick auf gegebene wie wahrscheinliche Marktentwicklungen. Vor allem Privatanleger würden oft zu spät mit auf den dann bereits im Höchsttempo fahrenden Zug aufspringen, um dann kurze Zeit später in einem großen Crash gemeinsam mit ihm zu entgleisen. Genauso allerdings würden sie oft zu früh aussteigen, würden immer wieder einen Großteil der Beschleunigungsphase verpassen. Zeit also für einen Überblick. Welche Trends würden das Finanzmarktjahr 2019 dirigieren? Und welche davon seien vielleicht sogar mehr als Trends? In welchen Rohstoffen, Branchen, Industrien und Unternehmen stecke das Potenzial für eine langfristig hohe und überdurchschnittliche Rendite?

Sowohl Lithium als auch Kobalt würden gemeinsam mit Coltan zu den essenziellen Rohstoffen in der Produktion von E-Auto-Batterien und Smartphone-Akkus gehören. Und wo die intelligenten Telefone allmählich mit einer einsetzenden Marktsättigung zu kämpfen hätten, sei der Markt in Sachen E-Mobilität gerade erst am Entstehen. So könnte der Stromer-Anteil mit Blick auf die Neuwagenverkäufe in den kommenden Jahren bereits bei zwischen fünf und sieben Prozent liegen. Und das wiederum könnte bei gleich bleibendem Lithiumbedarf je Auto bis 2025 mindestens zu einer Verdopplung der derzeitigen Jahres-Lithiumnachfrage von rund 210.000 Tonnen führen. Darüber hinaus zwinge das Wettrennen um Marktanteile im Elektroauto-Markt Automobil- und Batteriehersteller dazu, sich langfristig hohe Mengen des Rohstoffs zu sichern, gebe Lynxbroker-Experte Sascha Sadowski zu bedenken. Das freilich würde die Preise weiter steigen lassen.

Ähnliches gelte für Kobalt, das noch dazu zu großen Teilen im Bürgerkriegs-geplagten Kongo abgebaut werde, was das Angebot bei großer Nachfrage schnell verknappen könnte. Nach einer scharfen Korrektur des Kobalt-Preises aufgrund eines zwischenzeitlichen Überangebots auf 55.000 US-Dollar und einem für Lithium-Aktien äußerst durchwachsenen Jahr 2018 könnten beide Rohstoffe 2019 wieder zu den Gewinnern gehören, schätze Sadowski. Während es mit Blick auf Lithium schon interessante ETFs gebe, bleibe Anlegern in Sachen Kobalt zunächst allerdings nur das Investment in einzelne Unternehmen.

Von den teils radikalen Umwälzungen in der globalen Automobilbranche seien über die sich verändernde Rohstoffnachfrage hinaus freilich auch viele Industriesparten betroffen. Mit Blick auf E-Mobilität und insbesondere auch die Entwicklungen bei Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien könnten ganz neue Unternehmen zu marktführenden Zulieferern oder sogar Endproduktherstellern werden.

Innerhalb der letzten acht Jahre habe sich die Anzahl der weltweit abgesetzten E-Fahrzeuge alle 15 Monate verdoppelt. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) habe die Zahl an Elektroautos und Plug-In-Hybriden allein 2018 um 54 Prozent auf insgesamt drei Millionen zugenommen. Schon 2022 könnte jeder zehnte neu zugelassene Wagen einer mit E-Antrieb sein. Doch während der Fokus von Anlegern schon länger auf Aktien von Batterieherstellern wie LG Chem, Panasonic, Samsung SDI oder CATL liege, von E-Auto-Aktien wie Tesla und BYD ganz zu schweigen, scheinen sich nun vor allem auch mit Blick auf die in manchen Köpfen arg in Vergessenheit geratene Brennstoffzellentechnologie vielversprechende Möglichkeiten aufzutun.

Dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau nach solle deren Markt schon 2020 bei zirka zwei Milliarden Euro liegen, was verglichen mit 2017 dem Zehnfachen entspräche. Navigant Research glaube daran, dass 2024 global 230.000 Autos und Busse mit Brennstoffzelle auf die Straße kämen. 2017 habe die Zahl bei gerade einmal 6.500 gelegen. "Die meisten Unternehmen aus der Branche befinden sich aufgrund der immens hohen Forschungs- und Entwicklungskosten noch immer in der Verlustzone", wisse Lynxbroker-Analyst Sadowski. "Doch mittelfristig", glaube er, "könnte sich das ändern." Ein Blick auf Papiere wie die von Ballard-Power, dem kanadischen Weltmarktführer unter den Wasserstoff-Aktien, oder die von Nel Hydrogen, einem norwegischen Unternehmen, dass die Infrastruktur zu Wasserstoffherstellung stelle, könnte sich also in jedem Fall lohnen.

Im Rahmen von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz, gern auch unter dem Überbegriff "Industrie 4.0" oder international eher "Industrial Internet of Things" zusammengefasst, gehe es neben der Automobilindustrie noch vielen weiteren etablierten Industrien "an den Kragen". Ob nun in Einkauf, Logistik, Fertigung oder Vertrieb, die Industrie von Morgen dürfte eine ganz und gar andere werden, als heute. Und das schaffe freilich neue Märkte, verändere die Nachfrage, bringe neue Angebote.

Inzwischen sei vieles, was vor wenigen Jahren noch Zukunft gewesen sei, bereits Gegenwart. Viele Unternehmen und Konzerne seien schon angekommen oder zumindest auf bestem Wege hin zu modernen Arbeitsweisen a lá Industrie 4.0. Heiße: Flexiblere Herstellungsprozesse und effizientere Wertschöpfungsketten durch intelligentere Vernetzung. Optimierung im großen Ganzen statt im feinen Kleinen. Smart Factories, ausgestattet mit selbstlernenden Maschinen, würden schon bald der Standard sein. Besonders Unternehmen aus den Bereichen Sensorik, Robotik, Maschinenbau, IT-Sicherheit sowie Mess- und Elektrotechnik seien prädestiniert dafür, führende Rollen einzunehmen, erkläre Sadowski. Es sei daher keine Frage, dass der gerade entstehende Milliardenmarkt zahlreiche Gewinner-Aktien hervorbringen werde.

Ebenfalls mitten im Wandel befinde sich die Pharmaindustrie. Und dessen größte Profiteure scheinen Biotech-Unternehmen wie Celgene, wie jüngst verkündet bald eine 74 Milliarden Dollar teure Tochter von Bristol-Myers Squibb, Amgen, Biogen oder Gilead zu sein. Egal ob Umsatz, Gewinn oder Börsenwert, bei den Biotech-Stars habe die Kurve lange Zeit steil nach oben gezeigt. Das heiße aber auch: Der Biotech-Trend sei schon einmal da gewesen, nämlich in den Jahren vor 2015. Seitdem sei es für viele Titel mehr schlecht als recht vorangegangen, der Nasdaq Biotechnologie-Index liege inzwischen rund 20 Prozent unter seinem Höchstwert bei 4.000 Punkten.

Ob der Trend nun so schnell und auf einmal wieder Fahrt aufnehmen könne? Nun, gemessen an ihrem KGV seien die Biotech-Aktien derzeit so günstig bewertet wie noch nie, stelle Lynx Broker-Spezialist Sascha Sadowski fest. "Etliche Branchenschwergewichte weisen trotz guter Wachstumsaussichten mittlerweile KGVs zwischen zwölf und 20 auf", lege er nach.

Und die Trend-Ursachen von damals seien noch lange nicht verschwunden, eher schon seien sie mehr geworden. Würden aktuell bereits eine Milliarde Menschen, die älter als 60 Jahre alt seien, auf der Erde leben, dürften es 2050 in etwa schon doppelt so viele sein. Und das freilich bei insgesamt steigender Weltbevölkerung. Wenn die OECD bis dahin mit einem Anstieg der Gesundheitskosten von rund sechs auf 9,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts rechne, scheine das nicht sehr weit hergeholt. Zudem wachse die alternde Mittelschicht global stetig an. Und die gebe mehr Geld für die eigene Gesundheit aus. Davon, schreibe Sadowski, profitiere die Biotechbranche besonders. Laut Evaluate Pharma würden inzwischen schon rund zwei Drittel aller neuzugelassene Medikamente direkt oder indirekt auf Biotechnologie basieren.

In Sachen Aktien, weise Sadowski darauf hin, spiele die Musik aber fast ausschließlich in den USA. "Gemessen an der Börsenkapitalisierung und am Finanzierungsvolumen werden 85 Prozent des Biotech-Sektors von US-Unternehmen dominiert." Angesichts der miserablen Entwicklung des deutschen Aktienmarkts im vergangenen Jahr vielleicht gar nicht so schlecht für die Branche und ihre Anleger.

Gold ein Trend? Nun, es wäre zumindest kein wirklich neuer. Aber sollte es zu einem kommen, auf jeden Fall einer, den es schon lange nicht mehr gegeben habe. Mit dem Edelmetall im Depot seien Investoren in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht glücklich geworden. Auch 2018 sei es zunächst weiter steil bergab gegangen, ehe zum Ende des Jahres zum Teil crashartige Zustände an den Weltbörsen die Krisenwährung wieder attraktiver gemacht hätten. Alles in allem habe in US-Dollar gerechnet dennoch ein Jahresminus von zirka zwei Prozent zu Buche gestanden. Vor allem die steigenden US-Zinsen dürften ein besseres Abschneiden verhindert haben.

Doch 2019 könnte es bergauf gehen. Die Betonung freilich liege auf könnte, womöglich sei da bei manch Investor auch der Wunsch der Vater des Gedanken. Doch es gebe Zahlen, die würden zumindest Mut machen. Laut dem World Gold Council beispielsweise seien die Netto-Goldkäufe der Zentralbanken im dritten Quartal 2018 um 22 Prozent auf 148 Tonnen gestiegen. Der stärkste Zuwachs seit 2015. Und auch beim Anlagegold sei die Nachfrage um 28 Prozent auf 298 Tonnen gestiegen. "Goldexperten", schreibe Sadowski, "erwarten, dass die Zentralbanken einiger Länder wie Russland, China, Kasachstan oder die Türkei ihre Goldbestände weiterhin massiv aufstocken werden." Hinzu käme eine steigende physische Goldnachfrage auch durch "Themen wie den Brexit oder die anstehende Europawahl."

Ob man mit Blick auf das wertvolle Edelmetall deshalb nun gleich von einem Trend sprechen müsse, dürfe durchaus hinterfragt werden. Zumindest aber stünden die Chancen auf eine Preiserholung derzeit vergleichsweise günstig. Und was die Anlage betreffe, gebe es wohl bei kaum einem Rohstoff so viele verschiedene Möglichkeiten, wie bei Gold. Ob nun Zertifikate, Fonds, ETFs und Aktien von Bergbauunternehmen oder der klassischen Goldbarren, vom Zocker bis hin zum Langfrist-Anleger dürfte hier für jeden das passende "Spielzeug" dabei sein.

Gelte es nur noch, den Beginn und das Ende des Trends nicht zu verpassen. So einfach und doch so schwer sei das eben mit Trends. (Ausgabe vom 24.01.2019) (28.01.2019/ac/a/m)




 
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