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Di, 6. Dezember 2022, 5:11 Uhr

thyssenkrupp

WKN: 750000 / ISIN: DE0007500001

thyssenkrupp: Brutaler Rückschlag für die Aktie - Aktienanalyse


12.11.18 09:15
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Wim Weimer von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Industriekonzerns thyssenkrupp (ISIN: DE0007500001, WKN: 750000, Ticker-Symbol: TKA, Nasdaq OTC-Symbol: TYEKF) unter die Lupe.

thyssenkrupp rechne wegen Risiken aus einem Kartellverfahren im Geschäftsjahr 2017/18 kaum noch mit Gewinn. Die Aktionäre hätten am Freitag mit einem massiven Abverkauf auf die Nachricht reagiert. Neben den Risiken für die aktuelle Bilanz (Es würden Massive Strafzahlungen drohen) würden sich die Anleger auch um einen Vertrauensverlust in das Unternehmen und die geplante Aufspaltung des Konzerns sorgen. In den laufenden Ermittlungen des Bundeskartellamts hätten sich neue Entwicklungen ergeben, sodass "erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns" nicht ausgeschlossen werden könnten, habe der Konzern mitgeteilt. Es sei lediglich ein Überschuss von 100 Mio. Euro zu erwarten, habe der Konzern am Donnerstagabend nach Börsenschluss in Essen mitgeteilt. Im Vorjahr habe das Unternehmen noch 271 Mio. Euro eingefahren - und auch das sei damals schon ein Minus von 24% gewesen.

Das Bundeskartellamt habe bereits einige Firmensitze durchsuchen lassen. Die Preisabsprachen seien offenbar groß dimensioniert. thyssen treibe die peinlichen Untersuchungen zu Preisabsprachen "mit externer Unterstützung" voran, heiße es nun eilfertig aus dem Unternehmen. In einem Mitarbeiterbrief (den das Handelsblatt veröffentlicht habe), der von Compliance- und Rechtsvorstand Donatus Kaufmann unterzeichnet worden sei, heiße es: "Wir haben diese Angelegenheit von Anfang an sehr ernst genommen und haben mithilfe einer externen Anwaltskanzlei eine eigene interne Untersuchung vorangetrieben." Dabei seien Erkenntnisse gewonnen worden, die eine Rückstellung im Konzernjahresabschluss notwendig machten. Es gehe bei dem Korruptionsverdacht um "Altfälle", so Kaufmann: "Die handelnden Personen arbeiten bereits allesamt nicht mehr in ihren Verantwortungsbereichen beziehungsweise sind nicht mehr im Unternehmen."

Bereits kurz nach dem Führungswechsel und dem Rücktritt des damaligen Vorstandschefs Heinrich Hiesinger sei eine Gewinnwarnung herausgegeben worden, weil sowohl der Anlagenbau als auch der Marineschiffbau schlechtere Ergebnisse abgeliefert hätten als erwartet. Bei dem jetzigen Vorgang handle es sich obendrein um "eine Form der Risikovorsorge, zu der wir als Kapitalgesellschaft verpflichtet sind".

Hinzu kämen weitere Rückstellungen im Bereich der Komponentenfertigung, bei denen es um "Qualitätsthemen" gehe, habe der Konzern in der Mitteilung mitgeteilt. Zudem hätten Belastungen in der Stahlsparte aus dem vierten Quartal den Gewinn gedrückt: Das dürfte vor allem auf Effekte durch das anhaltende Niedrigwasser im Rhein zurückzuführen sein, das die Belieferung des Werks in Duisburg erschwere.

Als wäre das alles nicht betrüblich genug, kämen nun auch noch im Geschäftsbereich Components Technology - hier seien ebenfalls Rückstellungen gebildet worden - sowie Probleme bei Steel Europe und Elevator Technology. Die Zahlen für das gesamte Geschäftsjahr, das am 30. September abgelaufen sei, sollten wie bislang geplant am 21. November vorgelegt werden.

Im Aufzugsgeschäft werde der Gewinn unter den Erwartungen liegen, heiße es bei thyssenkrupp. Erst am Montag sei bekannt geworden, dass Spartenchef Andreas Schierenbeck vor der Kündigung stehe - auch, weil er hinter dem Rücken des Vorstands einen Börsengang der Aufzugssparte ausgelotet habe. Die Sparte gelte als Ertragsperle, liege aber mit einer EBIT-Marge von zuletzt 9,6% hinter Wettbewerbern wie Kone zurück, die 2017 eine EBIT-Marge von 13,5% erzielt hätten. Hinter den Kulissen vollziehe sich offenbar ein Machtkampf der starken Bereichsleiter im Konzern.

Damit werde auch die strategische Neuausrichtung des Konzerns erschwert. Der wohl radikalste Umbau in der über 200-jährigen Firmengeschichte - Aufspaltung des Industriekonglomerats in zwei Unternehmen - stehe auf der Agenda und sei bereits von den Aufsichtsgremien abgesegnet worden. In einem sollten die Technologiebereiche Aufzüge, Automobilzulieferer und Anlagenbau gebündelt werden, in einem zweiten der Werkstoffhandel und die Stahlproduktion.

An der Börse sei der Plan zunächst begeistert aufgenommen worden. Die Aktie des Ruhrkonzerns sei von 19,90 Euro kurzzeitig auf bis auf 23,90 Euro empor geschnellt. Inzwischen sei das alles verpufft. Analysten würden vorsichtig und darauf hinweisen, dass der Aufspaltungsprozess zwar strategisch richtig sei, aber auch erhebliche Risiken in sich berge.

Der Mann, der den Plan für die Neuaufstellung des Traditionskonzerns entworfen habe, heiße Guido Kerkhoff. Bis zu diesem Sommer sei Kerkhoff Finanzvorstand von thyssenkrupp gewesen. Als dann Vorstandschef Heinrich Hiesinger vor drei Monaten spektakulär zurückgetreten sei, habe der 50-Jährige die Leitung des Unternehmens mit seinen 160.000 Mitarbeitern übernommen. Kerkhoff sollte den Vorstandsvorsitz nur vorübergehend ausüben, so lange, bis ein dauerhafter Nachfolger für Hiesinger gefunden sei. Nun sei er einen Coup gelandet und jetzt müsse er auch noch für einen Skandal gerade stehen.

Dabei habe Kerkhoff mit seinem strategischen Plan nicht nur die Aktionäre sondern auch die Gewerkschaften hinter sich. Die IG Metall Nordrhein-Westfalen sehe in der geplanten Aufspaltung von thyssenkrupp in zwei eigenständige Unternehmen ein Konzept, das die Zerschlagung des Konzerns verhindern könne. "Der Ausverkauf ist damit vom Tisch", habe Bezirksleiter Knut Giesler erklärt. Das Konzept biete die Chance für alle Geschäftsbereiche, ein "nachhaltiges industrielles Konzept zu entwickeln".

Es seien die Großinvestoren wie Cevian und Elliott, die seit Monaten auf einen tiefgreifenden Umbau des Konzerns gedrängt hätten. Ex-Vorstandschef Hiesinger habe alle seine Ziele für den Konzern verfehlt, hätten sie kritisiert. Hinter vorgehaltener Hand werde ihm nun auch das Kartellamtsproblem noch nachgesagt.

Es bleibe trotz der Kartellamtsproblematik bei dem Aufspaltungsplan, heiße es aus der Konzernzentrale. Unter dem Dach des traditionsreichen Mutterkonzerns, der thyssenkrupp Materials heißen solle, würden die Geschäfte um den Stahl bleiben - alles rund um die Hochöfen, Werkstoffhandel, Weiterverarbeitung von Stahl und Edelstahl. Auch die Marinesparte finde hier ihre neue Heimat. Mit 40.000 Mitarbeitern käme man hier auf einen Umsatz von 18 Mrd. Euro. Wer an das zyklische Stahlgeschäft glaube, könne sich künftig gezielt für Aktien dieser Gesellschaft entscheiden. Die zweite Hälfte vereine die Industriesparten: die Geschäfte mit Aufzügen, Autoteilen und dem Bau von Industrieanlagen, an denen thyssenkrupp Materials AG nur eine Minderheit halten solle. Nach den derzeitigen Zahlen dürfte thyssenkrupp Industrial ein Geschäft mit 16 Mrd. Euro Umsatz und 90.000 Mitarbeitern vereinen.

Die Idee, aus einem Gemischwarenkonzern schlagkräftige Einzeluntetrnehmen zu machen und so den Wert des Ganzen für Anleger zu erhöhen, hätten andere bereits vorgemacht. Vom Metro-Konzern bis zur Deutschen Bank und Bayer, die ihre Kunststoffsparte mit Covestro erfolgreich an die Börse gebracht hätten, reiche die Bandbreite der Vorbilder. Siemens spalte sogar serienweise Geschäftsfelder in Einzelunternhmen ab. Sei es mit Ausgründung wie Infineon und Osram oder über die Fusion der Windkraftsparte mit dem spanischen Wettbewerber Gamesa. Die Medizintechniktochter Healthineers sei im März mit einem Aktienkurs von 28 Euro an die Börse gemacht worden. Jetzt notiere das Papier bereits bei 39 Euro. Nicht nur Siemens habe alles richtig gemacht: Auch Anleger, die seit dem Börsengang bei Healthineers dabei seien, würden sich bereits über ein Plus von mehr als 30% freuen. Die Aussichten würden gut bleiben, die Branche wachse und Healthineers sei gut positioniert. Und für den Mutterkonzern Siemens, der noch 85% der Aktien halte, habe sich die Abspaltung ebenfalls rentiert.

Christian Kames, der Leiter des Investmentbankings von J.P. Morgan in Deutschland, glaube, dass es davon mehr geben werde: "Die meisten Spin-offs und Börsengänge von Unternehmensbereichen haben sich sehr positiv entwickelt." Manch Aschenputtel wie die Bayer-Töchter Lanxess und Covestro habe sich zur Börsen-Schönheit entwickelt. Die nächsten Anwärter stünden bereits in den Startlöchern. Volkswagen und Daimler dürften die nächsten sein. In Wolfsburg und Stuttgart werde man genau schauen, wie das nun bei thyssenkrupp laufe.

Nach dem Schock in Sachen Preisabsprachen würden Anleger erst einmal abwarten müssen, wie sich der Konzern innerlich finde und sich die Geschäfte der beiden Sparten tatsächlich entwickeln würden. Denn am Ende könne man spalten und abspalten, es zähle aber das Geschäftsergebnis für nachhaltigen Börsenerfolg. Eine einfache Teilung der Geschäfte reiche etwa dem Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, noch nicht aus. Das "macht das Geschäft ja nicht profitabler", habe er gegenüber Reuters erklärt. "Da braucht man schon eine weiterführende Strategie und die sehe ich noch nicht."

Grundlegende Bedenken hinsichtlich der Ertragsschwäche würden durch Kerkhoffs Pläne nicht ausgeräumt, würden auch Experten von Barclays mahnen. Und die IG Metall poche darauf, dass die Aufspaltung ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gehe. Viele Fragen seien also noch offen und würden jeweils sich ein Risiko bedeuten: Die genaue Ausgestaltung der Teilung - wie Transaktionsstruktur, Finanzierungskonzept und die Führung beider Gesellschaften. Auch sei noch unklar, wie Schulden und Pensionsverpflichtungen genau zwischen den beiden neuen Unternehmen aufgeteilt würden, hätten die HSBC-Analysten erklärt. Die Kosten für die Aufspaltung würden sie auf rund eine Mrd. Euro schätzen. Und nun kämen Kartellstrafen noch hinzu. (Analyse vom 09.11.2018)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze thyssenkrupp-Aktie:

Tradegate-Aktienkurs thyssenkrupp-Aktie:
17,465 EUR +0,37% (12.11.2018, 09:04)

Xetra-Aktienkurs thyssenkrupp-Aktie:
17,33 EUR (09.11.2018)

ISIN thyssenkrupp-Aktie:
DE0007500001

WKN thyssenkrupp-Aktie:
750000

Ticker-Symbol thyssenkrupp-Aktie:
TKA

Nasdaq OTC Ticker-Symbol thyssenkrupp-Aktie:
TYEKF

Kurzprofil thyssenkrupp AG:

thyssenkrupp (ISIN: DE0007500001, WKN: 750000, Ticker-Symbol: TKA, Nasdaq OTC-Symbol: TYEKF) ist ein diversifizierter Industriekonzern mit einem wachsenden Anteil an Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäften und traditionell hoher Werkstoffkompetenz. Über 158.000 Mitarbeiter arbeiten in 79 Ländern mit Leidenschaft und Technologie-Know-how an hochwertigen Produkten sowie intelligenten industriellen Verfahren und Dienstleistungen für nachhaltigen Fortschritt. Ihre Qualifikation und ihr Engagement sind die Basis für den Erfolg. thyssenkrupp erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016/2017 einen Umsatz von 41,5 Mrd. Euro.

Gemeinsam mit seinen Kunden entwickelt das Unternehmen wettbewerbsfähige Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen in ihren jeweiligen Industrien. Mit seiner Ingenieurkompetenz ermöglicht es seinen Kunden, Vorteile im weltweiten Wettbewerb zu erzielen sowie innovative Produkte wirtschaftlich und ressourcenschonend herzustellen. Die Technologien und Innovationen sind der Schlüssel, um die vielfältigen Kunden- und Marktbedürfnisse weltweit zu erfüllen, auf den Zukunftsmärkten zu wachsen sowie hohe und stabile Ergebnis-, Cash- und Wertbeiträge zu erwirtschaften. (12.11.2018/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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