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Do, 11. August 2022, 1:14 Uhr

In welchen Umfang sind mögliche Zinssteigerungen eingepreist?


05.07.22 09:27
Stock-World Redaktion

Seit Anfang des Jahres hat die Fed die Zinssätze dreimal angehoben und dabei das Tempo der Interventionen beschleunigt: 25, 50 und 75 BP. Den erklärten Absichten zufolge möchte die Zentralbank die Fed Funds, die heute bei 1,6 % liegen, Ende dieses Jahres auf 3,38 % und Ende 2023 auf 3,75 % anheben, um sie dann in der letzten Hälfte des Jahres 2024 wieder auf 3,38 % zu senken.


Nach der jüngsten Zinserhöhung um 75 BP hat der Markt hingegen seine Prognosen gesenkt. Dies deutet darauf hin, dass die Konjunkturabschwächung und der erhoffte Rückgang der Inflation bei diesem Straffungstempo früher als erwartet eintreten werden. Nach den Fed Funds Futures wird der Zinssatz in diesem Jahr das Ziel von 3,38 % erreichen, aber dann ist der Anstieg praktisch vorbei. Vielmehr wird die Fed die Zinsen bis Mitte 2024 um etwa 1 % senken, um den Konjunkturabschwung einzudämmen.


Verlängert man jedoch den Zeithorizont mit den 3-Monats-Zinsfutures, kann man erkennen, dass der Markt keine echte Rezession, sondern eher eine Mini-Rezession einpreist. Die Zinsen werden bis 2024 sinken und danach allmählich wieder ansteigen, und so zu einem ausgeglicheneren Zyklus führen.


Und die EZB? Die Termingeschäfte auf den EONIA und die Dreimonatseinlagen lassen für die zweite Jahreshälfte 2023 einen Höchststand von etwa 2 % erwarten, danach eine Stabilisierung und anschließend einen langsamen Wiederanstieg.


Wenn der Endpunkt der Fed Funds Anfang 2023 bei 3,5 % und der des EONIA im gleichen Zeitraum bei 2 % liegt, wie stark sind dann die nächsten Zinserhöhungen der Fed und der EZB in den Zinskurven der Staatsanleihen eingepreist?


In den USA hat sich die Kurve ab der 2-jährigen Laufzeit seit einigen Wochen zwischen 3 % und 3,5 % eingependelt. Diese Form spiegelt die Erwartung wider, dass die kurzfristigen Zinssätze in diesem Jahr steil ansteigen, dann aber 2023 wieder zurückgehen, um den Abschwung einzudämmen.


Wenn es der Fed gelingt, die weiche Landung der Wirtschaft zu steuern, könnten die mittel- und langfristigen Zinssätze in den kommenden Monaten allmählich sinken und dann wieder steigen, sobald das Szenario einer harten Landung (Mini-Rezession) vermieden wird. Im Falle einer harten Landung wäre der Rückgang der mittel- und langfristigen Zinssätze dagegen stärker ausgeprägt.


In der Eurozone erschweren die Spreads die Einschätzung dessen, was zu erwarten ist. Die 10-jährigen Zinssätze in Italien und Deutschland liegen bei 3,5 % bzw. 1,5 % und damit im Durchschnitt 2,5 % über dem erwarteten EZB-Zinsniveau. Auch hier kann man sagen, dass die Anhebungen der EZB im Durchschnitt eingepreist sind. 


Beide Kurven sehen interessant aus, sowohl im Falle einer sanften Landung als auch, noch stärker, im Falle einer Mini-Rezession.


Was auf den Aktienmärkten eingepreist ist, scheint objektiv betrachtet schlechter messbar zu sein. Es ist jedoch zu beachten, dass die Multiplikatoren (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) in diesem Jahr deutlich gesunken sind, da die Märkte angesichts der weiterhin steigenden Gewinne gefallen sind.


Die Multiplikatoren des EURO STOXX und der Schwellenländer-Indizes liegen im Bereich früherer Krisentiefs. Die Multiplikatoren des führenden Marktes, das heißt der USA, befinden sich noch nicht auf extremen Niveaus, sondern scheinen jetzt nahe an den langfristigen Durchschnittswerten zu liegen. Diese Beobachtungen reichen nicht aus, um zu sagen, dass die Aktienmärkte ihren Tiefpunkt erreicht haben. Aber typischerweise eignen sich die aktuellen Bewertungsniveaus bei einem mittel- bis langfristigen Zeithorizont für einen schrittweisen Aufbau von Positionen.


Bei diesen Multiples ist das Szenario einer sanften Konjunkturabschwächung so gut wie sicher eingepreist, was, sollte es eintreten, die Aktienmärkte wieder nach oben treiben würde. Im Falle einer Mini-Rezession müsste jedoch eine Senkung der Gewinnschätzungen einkalkuliert werden. Je weniger stark die Rezession wahrgenommen wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Gewinnrückgang durch wieder steigende Multiples ausgeglichen wird.


Die Märkte rechnen nicht mit einer großen Rezession wie im Jahr 2008. Ein derartiges Ereignis erscheint ausgesprochen unwahrscheinlich. Unternehmen und Verbraucher gehen mit starken Bilanzen in diesen Abschwung. Die Weltwirtschaft muss sich verlangsamen, um einige Auswüchse zu beseitigen, aber sie bedarf keiner umfassenden Umstrukturierung.




Eurizon ist ein bedeutender Akteur in der internationalen Vermögensverwaltungsbranche und bietet eine breite Palette von Produkten an. Eurizon Capital SGR ist Teil der Vermögensverwaltungsabteilung der Gruppe Intesa Sanpaolo. Sie ist in Europa durch ihre Tochtergesellschaften vertreten: Eurizon Capital S.A., eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Luxemburg, die sich auf die Entwicklung ausländischer Märkte konzentriert; Epsilon SGR, ein in Italien ansässiges Unternehmen, das auf quantitatives Portfoliomanagement spezialisiert ist; die osteuropäische HUB (Eurizon Asset Management Slovakia, CIB IFM und PBZ Invest); Eurizon Capital Real Asset (51%), die sich auf alternative Anlageklassen konzentriert; und Eurizon SLJ Capital LTD (65%), eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Großbritannien, die sich auf makroökonomisches Research und Währungsstrategien konzentriert. Eurizon ist in Asien durch Eurizon Capital Asia Limited und seine 49%ige Beteiligung an dem chinesischen Unternehmen Penghua Fund Management vertreten. 
Eurizon vertreibt seine Luxemburger Fonds in 25 Ländern und ist in Frankreich, Deutschland, Spanien und der Schweiz tätig. Eurizon ist mit seiner Minderheitsbeteiligung an Oval Money, einem Start-up-Unternehmen, das in den Bereichen digitale Zahlungsdienste und Sparen tätig ist, im Fintech-Sektor aktiv.


Dieses Dokument, seine einzelnen Teile sowie die darin enthaltenen Informationen und Daten stellen weder eine Aufforderung noch eine Empfehlung zum Handel mit Finanzinstrumenten oder zur Zeichnung von Investmentfonds dar.




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