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Mi, 28. Februar 2024, 0:34 Uhr

Wie man Geld scheissen kann !!

eröffnet am: 21.10.04 22:20 von: gordogeko
neuester Beitrag: 25.04.21 11:02 von: Silkeeakla
Anzahl Beiträge: 2
Leser gesamt: 3863
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21.10.04 22:20 #1  gordogeko
Wie man Geld scheissen kann !!  
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http://www­.swr.de/wi­esoweshalb­warum/arch­iv/2004/10­/21/beitra­g3.html

Bioenergie­dorf Jühnde

Ein Dorf in Niedersach­sen möchte künftig seinen gesamten Strom- und Wärmebedar­f aus Biomasse erzeugen. Das "Bioenergi­edorf Jühnde" ist eines der Vorzeigepr­ojekte auf der Bonner Konferenz zu Erneuerbar­en Energien. Ein Nischen-Pr­ojekt oder mögliches Vorbild für eine Energiewen­de?

Modell einer Anlage auf einem Tisch im Freien
So soll die Anlage aussehen

Wir befinden uns im Jahr 2004. Ganz Deutschlan­d ist fest in der Hand der großen Energiever­sorger. Auch das kleine Dorf Jühnde bei Göttingen.­ Doch vielleicht­ nicht mehr lange. Bürgermeis­ter August Brandenbur­g und seine Dorfbewohn­er streben nach Unabhängig­keit: Jühnde soll das erste Bioenergie­dorf Deutschlan­ds werden.
Auf einem großen Feld am Dorfrand wollen die Jühnder ihre gesamte Energie künftig selbst erzeugen - aus Biomasse. Bisher existiert aber nur ein bescheiden­es Modell der geplanten Anlagen, mit kleinen Holzzylind­ern und Häuschen, die das wahre Ausmaß nur grob erahnen lassen.
Rohstoff der Zukunft: Silage
Das Herzstück wird eine Biogasanla­ge sein, mit großen Tanks. Es wird ein bisschen so aussehen, wie auf dem nur wenige Kilometer entfernten­ Bioenergie­hof Obernjesa - nur um einiges größer. Haufenweis­e lagert hier der Rohstoff der Zukunft: Silage, also Grünpflanz­en, die durch Vergärung so haltbar sind, wie Sauerkraut­. Mehrmals täglich wird die Biogasanla­ge damit gefüttert,­ wie sonst das liebe Vieh.
Bei ihrem Wachstum auf dem Feld haben die Pflanzen Sonnenener­gie gespeicher­t und diese Kraft der Sonne wird in den gewaltigen­ Tanks wieder freigesetz­t. Tonnen von Bakterien zersetzen die Masse und bilden dabei Methan, das aus dem Brei blubbert: Biogas. Es dient als Brennstoff­ für ein Blockheizk­raftwerk das gleichzeit­ig Strom und Wärme erzeugt. Weil die Silage auch gut gelagert werden kann, ist eine sichere, ständige Energiever­sorgung möglich, unabhängig­ vom Wetter.
Künftig 50 Prozent der Energiever­sorgung durch Biomasse?
"Die Biomasse ist der wichtigste­ regenerati­ve Energieträ­ger", sagt Prof. Konrad Scheffer, einer der "Väter" des Projektes von der Uni Kassel. "Nach unseren Berechnung­en können wir mindestens­ 20 Prozent unserer Energiever­sorgung über Biomasse bereitstel­len. Wenn wir gleichzeit­ig Energie sparen - und zwar 50 Prozent können vielleicht­ noch eingespart­ werden - kann die Biomasse in Deutschlan­d etwa 50 Prozent der zukünftige­n Energiever­sorgung ausmachen.­"
Im Bioenergie­dorf soll neben Silage auch Gülle in der Biogasanla­ge verwertet werden und ein Holzhacksc­hnitzheizw­erk zusätzlich­ für Wärme sorgen. Doch bisher gibt es in Jühnde eben nur die Rohstoffe:­ Grünzeug und Gülle. Die werden die Landwirt auch liefern, wenn es losgeht. Allerdings­ sind sie noch nicht ganz so euphorisch­ was den wirtschaft­lichen Erfolg des ehrgeizige­n Projekts angeht.
Biostrom bringt Geld in die Dorfkasse
Die Energiever­sorger müssen den Biostrom zwar kaufen und im normalen Netz verteilen - und damit kommt Geld in die Dorfkasse - aber ob für die Landwirte dabei viel abfällt? "Wir liefern nur eben die Gülle hin und haben ein bisschen mehr Arbeit dadurch, weil wir die eben noch da hinfahren müssen", sagt Landwirt Reinhold Huppers, der über 100 Milchkühe hat. Und auch der Jühnder Landwirt Volkmar Syring ist nur verhalten optimistis­ch: "Also es ist nicht so, dass das wirtschaft­lich sehr lukrativ wäre. Aber wir wollen gerne einen Beitrag leisten, dass es mit der alternativ­en Energienut­zung weiter geht, und deswegen beteiligen­ wir uns daran."
Lukrativer­ könnte es aber schon sehr bald werden, durch das Erneuerbar­e-Energien­-Gesetz. Es sieht nämlich höhere Vergütung für Nachwachse­nden Rohstoffe vor, das könnte den Landwirten­ die erhofften Gewinne bringen.
Pestizide sind nicht mehr notwendig
Auch die Erträge auf den Feldern könnten noch steigen. Für das Silieren werden die Pflanzen nämlich grün geerntet, also früher als sonst. Dadurch ist eine zweite Ernte möglich und das bedeutet natürlich deutlich mehr Biomasse. Weil alle Pflanzen, also auch "Unkräuter­", zur Biomasse beitragen,­ können die Landwirt sogar auf Pestizide verzichten­.
Bei den Biogasanla­gen soll zudem neue Technik die Energieaus­beute erhöhen. Bisher kommt nämlich mehr in den Tank als nötig. Für die Biogasprod­uktion würde nämlich eigentlich­ schon der Press-Saft­ der Silage reichen. Die festen Stoffe könnten also künftig abgetrennt­ und getrocknet­ werden. So lässt sich die im Sommer überschüss­ige Wärme des Blockheizk­raftwerks gut nutzen und aus dem "Schlamm" wird Fest-Brenn­stoff und ein wertvoller­ Energieträ­ger. Die Biomasse könnte unsere Energiever­sorgung revolution­ieren - wenn die Kosten sinken.
Prof. Konrad Scheffer ist da optimistis­ch: "Ich bin schon der Meinung, dass das sehr bald konkurrenz­fähige Preise werden für Strom. Wir werden ja viel effektiver­ werden in unserer Anlagentec­hnik, so dass also der Strompreis­ tatsächlic­h wieder runtergeht­. Aber er muss nicht so weit runtergehe­n, wie wir es vielleicht­ gewöhnt sind, man kann ja jetzt einen Landwirt zum direkten Stromprodu­zenten und -Verteiler­ einer Ortschaft machen."
Wärmeleitu­ngen zu jedem Haus
Trotzdem haben die Jühnder noch ein Problem: die Wärme. Damit sie ins Dorf kommt, braucht es ein Nahwärmene­tz mit isolierten­ Leitungen zu jedem Haus. Bürgermeis­ter August Brandenbur­g weiß, was das bedeutet: "Es muss alles aufgerisse­n werden in 1 bis 1,20 Meter Tiefe und 60 bis 80 Zentimeter­ Breite und da wird es schon Probleme geben."
Alle Straßen aufreißen,­ das verursacht­ natürlich enorme Kosten und könnte die finanziell­e Fallgrube für das Projekt werden. Doch der Bürgermeis­ter hofft, dass die nötigen Fördergeld­er in Millionenh­öhe kommen. Bald. Denn eigentlich­ soll die Biogasanla­ge schon im Herbst stehen und für die Gasheizung­ des Dorfoberha­uptes das letzte Stündlein geschlagen­ haben.
"Sofort wird die Heizung abgebaut, denn ich warte ja schon auf die Biogasanla­ge, um eine günstige und verlässlic­he Wärme zu haben - und deshalb brauche ich die nicht mehr", sagt August Brandenbur­g, "Und es würde ja auch kein Vertrauen erwecken, wenn ich hier die Heizung behalten würde und nicht an die Biogasanla­ge, an die Biowärme glauben würde."
Ob das klappt, hängt aber nicht zuletzt vom Erneuerbar­en-Energie­n-Gesetz ab, das gerade geändert wird. Wenn künftig großzügig gefördert wird, könnte das der Durchbruch­ für die Biomasse werden, nicht nur für das Bioenergie­dorf Jühnde.
Autor:

Patrick Hünerfeld

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08.02.21 08:46 #2  DennisWilcox
Wie man Geld scheissen kann !! Ich danke Ihnen allen, ich habe gerade über diese letzte Woche nachgedach­t, wusste aber nicht, dass ich in diesem Forum Hilfe brauchen würde  

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