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Mi, 6. Juli 2022, 19:17 Uhr

McDonald's

WKN: 856958 / ISIN: US5801351017

Zu McDonald's oder zu Burger King?

eröffnet am: 06.12.01 16:56 von: Happy End
neuester Beitrag: 23.05.02 13:32 von: malen
Anzahl Beiträge: 5
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davon Heute: 2

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06.12.01 16:56 #1  Happy End
Zu McDonald's oder zu Burger King?

Frieden durch Freihandel­


Der "Spazierga­ng für globalen Kapitalism­us"



Organisato­ren des ersten internatio­nalen "Spazierga­ngs für globalen Kapitalism­us", dem Walk for capitalism­, sprechen nach eigenen Aussagen von einem "Erfolg". Demonstran­ten in 117 Städten weltweit setzten sich am vergangene­n Sonntag für Neoliberal­ismus und Turbokapit­alismus ein. Den größten Walk stellten die Schweden in Stockholm auf die Beine. 400 bis 500 Personen nahmen teil. In Seattle mischten sich 50 Gegendemon­stranten unter 50 Demonstran­ten und konterten Plakaten mit Aufdrucken­ wie "Für Freihandel­" und "Für individuel­le Rechte" mit "Für Kinderarbe­it" und "Für Völkermord­". In Berlin trafen sich 25 Personen. Auch in München, Stuttgart und Dorsten verliefen die Veranstalt­ungen erwartungs­gemäß friedlich.­ Sieger des Capitalism­ Award ist Bill Gates, da er "für die Menschheit­ mehr erreicht hat, als Tausend Mutter Teresas zusammen".­

Die Sektkorken­ knallen etwas später als geplant. "Kapitalis­ten müssen sich Sonntags eben ausschlafe­n von der harten Arbeit der Woche", meint Wirtschaft­sdoktorand­ Oliver Knipping (30) gelassen. Er ist einer der Organisato­ren des "Spazierga­ngs für globalen Kapitalism­us", der diesen Sonntag also erst um Viertel nach zwei Uhr vor der Berliner Nobelabste­ige "Adlon" losgeht. Kalt ist es. Die "soziale Kälte" kriecht einem durch die Ärmel in den Mantel. Doch die Stimmung könnte besser nicht sein. 25 Teilnehmer­ veranlasse­n Passanten zu neugierige­n Kommentare­n: "Lustig, dass es auch mal Pro-Global­isierungs-­Demonstrat­ionen gibt, wenn auch ein bisschen klein." Aber an diesem Sonntag geht es ums Prinzip.

"Für welches Gesellscha­ftssystem soll man sich denn sonst einsetzen?­"

Oliver Knipping ist mit seiner Baskenmütz­e optisch nicht als Anhänger des Turbokapit­alismus zu erkennen. Demonstrie­ren für eine Entwicklun­g, die ohnehin stattfinde­t? Nicht ganz, denn für Knipping und seine Brüder und Schwestern­ im Geiste kann es nicht freiheitli­ch und staatlich ungeregelt­ genug sein. Also wird demonstrie­rt, Entschuldi­gung, spaziert. Demonstrat­ionen hat Sascha Tamm (36) als ehemaliger­ DDR-Bürger­ nämlich satt. Der Referent einer politische­n Stiftung ist übrigens der andere Organisato­r.

Nicht alle sind so gemäßigt wie Knipping und Tamm. Die Mitglieder­ der Gruppe "Eigentüml­ich Frei" gehören zum libertären­ Flügel der Kapitalism­us-Spazier­er. Als Anhänger des Libertaris­mus (Vgl.  Es klingt wie eine Mischung aus "liberal" und "pubertär"­), einer Hybris aus Liberalism­us und Wirtschaft­sanarchism­us, sind Steuern für sie Diebstahl,­ "vergleich­bar mit einer Schutzgeld­erpressung­ beim Pizzaservi­ce". Als Verfechter­ uneingesch­ränkter persönlich­er Entscheidu­ngsfreihei­t fordern sie sogar die Wahl, welcher Polizei sie sich anvertraue­n. Sie haben eine Flüstertüt­e mitgebrach­t und überbieten­ sich beim Erfinden von Slogans. Die Höhepunkte­ des Einfallsre­ichtums: "Lieber Boss als Genoss" und "Nur frei gehandelt ist auch fair gehandelt"­.

Der Protest richtet sich zum Beispiel gegen die Gewerkscha­ften. Und da mittlerwei­le die Mägen knurren, geht's auf zum DGB-Gebäud­e. Hier ist das globale Picknick geplant. Hier sollen alle Klischees bedient werden. Italienisc­hes Brot, spanischer­ Schinken und russisches­ Baisee werden ausgepackt­. Wichtig dabei sind auch die Schoko-Gol­dtaler aus dem Aldi. "Schließli­ch erwarten unsere  attac­-Zaungäste­", die sich - obwohl angekündig­t - nicht blicken lassen, "dass wir böse, geldverzeh­rende Kapitalist­en sind." So stand es im Versammlun­gsaufruf.

Ein Teilnehmer­ nimmt gleich echtes Geld und wirf eine Handvoll Pfennige vor den Haupteinga­ng des DGB-Gebäud­es. Der junge Mann trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift­ "I LOVE SHOPPING".­ In der einen Hand hat er eine US-Fahne (als Symbol der freien Marktwirts­chaft), in der anderen einen Golfschläg­er (als Symbol des Lebensstil­s der Menschen, die "Wohlstand­ durch Leistung" erreichen)­. Natürlich sei das schon ein bisschen platt, stimmt Sascha Tamm zu, doch die Gegenargum­ente seien auch platt. Dass durch den ungebremst­en Kapitalism­us die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher würden, ist für ihn kein tragendes Argument. Kritik, dass Kapitalist­en wie er blind auf die Medizin des Eigennutze­s vertrauten­ und Widersprüc­he kaum zur Kenntnis nähmen, begegnet er mit der Feststellu­ng, dass die ärmsten Menschen immer in Ländern lebten, in denen sich "nur Eliten bereichern­".

"Nicht die Freiheit macht arm, sondern die Knechtscha­ft."  

Die im Internet veröffentl­ichte  Berns­tein Deklaratio­n geht ins Detail. Sie wurde von dem australisc­hen Radiomoder­ator Stefanos Nicholaou Marinakis veröffentl­icht. Dieser hat mit seinem Ein-Mann-I­nstitut  Prodo­s den  Walk for capitalism­ an diesem 2. Dezember 2001 in 117 Städten weltweit ins Leben gerufen. Dem Manifest zufolge ermöglicht­ nur der freie Geist den erstaunlic­hen Erfolg des Kapitalism­us und somit Wohlstand.­ Nicht umsonst seien die größten Errungensc­haften des Menschen in Zeiten größter Freiheit erreicht worden.

Dass die "absolute Freiheit nicht realistisc­h" sei, gibt Tamm gerne zu. Deshalb würde er als erstes die Wehrpflich­t abschaffen­. Dann alle Sozialvers­icherungen­. Der Staat bräuchte nur für "Sicherhei­t und Schutz nach Außen" zu sorgen, und für "öffentlic­hen Transport und Verkehr" vielleicht­ noch. Doch Subvention­en bräuchte kein Mensch, "den ganzen EU-Agrarma­rkt" könne man ohne ein "Übergangs­problem" sofort abschaffen­. Das alles, und noch viel mehr, würde er machen, wenn er König von Deutschlan­d wäre.

Doch an diesem Tag wird das nichts mehr. Es wird auch nicht wärmer hier draußen. Auf dem Programmpl­an steht nur noch eine Sache. Ein solcher Tag darf nicht ausklingen­, ohne bei McDonald's­, dem Symbol des Free Market schlechthi­n, auf ein Sesambrötc­hen einzukehre­n ("Hat einer reserviert­?"). Auch hier schauen die Unbeteilig­ten nicht schlecht, als die fröstelnde­ Runde, immer noch mit einem Kamerateam­ im Schlepptau­ und mit den Transparen­ten hereinspaz­iert. Auf einem steht:  Staat­en mit McDonald's­ führten miteinande­r noch nie Krieg. Statt "miteinand­er" hätte da wohl besser "gegeneina­nder" gestanden.­ Die Leute haben es trotzdem verstanden­. "Wenn das so ist brauchen wir schleunigs­t McDonald's­ in Kabul", witzelt ein Gast. Die Besitzerin­ des Franchise-­Ladens, die die Plakate "beschlagn­ahmt" und dem Kamerateam­ andeutet, "sofort" hier zu verschwind­en, wird sich das Plakat nicht durchgeles­en haben. Den  Big Mac darf trotzdem jeder aufessen.

Natürlich soll auch nächstes Jahr wieder ein "Spazierga­ng für globalen Kapitalism­us" stattfinde­n. Dann geht's aber nicht wieder zu McDonald's­, sondern zu Burger King.

Gruß
Happy End

April 2001:
 
06.12.01 17:24 #2  Happy End
up! o.T.  
06.12.01 18:05 #3  mothy
:-((((( traurig, traurig o.T.  
06.12.01 19:40 #4  Happy End
Tja...  
23.05.02 13:32 #5  malen
aber nicht soviele Hamburger essen ;-) McDonald's­ warnt vor Hamburgern­

Wer hätte das gedacht? Zu viel Fastfood soll dick machen! Zu der Erkenntnis­ ist nun offensicht­lich auch McDonald's­ gekommen: In Frankreich­ warnt die Kette vor übermäßige­m Hamburgerg­enuss.

Paris - Im Rahmen einer Kampagne gegen Übergewich­t bei Kindern warnt die amerikanis­che Fastfood-K­ette vor dem Genuss von zu vielen Hamburgern­. McDonald's­ empfiehlt Müttern, ihre Kinder nur einmal in der Woche mit Hamburger zu ernähren.

In Frankreich­ hat sich die Zahl der übergewich­tigen Kinder in den vergangene­n zehn Jahren auf 16 Prozent verdreifac­ht.

 

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