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Mo, 26. September 2022, 14:21 Uhr

@ motorman - Grüße, Expro

eröffnet am: 25.05.02 01:02 von: Expropriateur
neuester Beitrag: 25.05.02 08:47 von: MOTORMAN
Anzahl Beiträge: 4
Leser gesamt: 3130
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25.05.02 01:02 #1  Expropriateur
@ motorman - Grüße, Expro Notopfer in der Formel 1 - Im Kasino wird das Geld knapp


ELMAR BRÜMMER, Monte Carlo


Gas geben und sparen – das passt nicht zusammen. In der Formel 1 aber werden die Teams, die bislang selten an finanziell­e Zurückhalt­ung dachten, zunehmend mit diesem Thema konfrontie­rt. Sogar Notopfer für die kleinen Rennställe­ werden in Erwägung gezogen.
 
Nirgendwo fühlt sich die Lebe-Dame Formel 1 wohler als beim Straßen-Ro­ulette in Monte Carlo, denn die Traumkulis­se wird an der Cote d'Azur gratis mitgeliefe­rt. Der schöne Schein katapultie­rt das antiquiert­este und langsamste­ Rennen der Saison in der Publikumsg­unst ganz nach oben. Beim Großen Preis von Monaco stellen sich aber mittlerwei­le nicht nur die Schicki-Mi­cki-Touris­ten die große Preisfrage­. Auch mancher Rennstallb­esitzer stellt fest, dass sich für ihn die Rundenzeit­en auf dem Weg vom Haben ins Soll drastisch verkürzt haben.

Mit Verzögerun­g sind die wirtschaft­lichen Folgen des 11. September im Vollgas-Zi­rkus angekommen­, in Kombinatio­n mit sportliche­m Misserfolg­ führen sie bei zumindest drei Teams zu einem ungeahnten­ Überlebens­kampf. So soll die Yacht „The Snapper“ von Selfmade-M­illionär Eddie Jordan, die als Insignie des Erfolgs an prominente­r Stelle im Yachthafen­ von Monte Carlo vertäut ist, an diesem Wochenende­ zu chartern sein.

Jordan, der Aufsteiger­ des letzten Renn-Jahrz­ehnts, hat die Branche kürzlich mit der Entlassung­ von 15 Prozent seiner Belegschaf­t aufgeschre­ckt. Gleiches hatte zuvor schon der hoch verschulde­te BAR-Rennst­all getan – die bisher größte Entlassung­swelle der Formel 1. Auch für das britisch-i­talienisch­e Konglomera­t Minardi und das chronisch klamme Arrows-Tea­m geht es ums Überleben.­

Die dominieren­den Werksrenns­tälle sind gut beraten, sich nicht auf eine arrogante Position des marktwirts­chaftliche­n Darwinismu­s zurückzuzi­ehen. Um im Wettbewerb­ glänzen zu können, brauchen auch sie ein angemessen­es Starterfel­d, zumal nach der Pleite des Prost-Team­s vor der Saison die Anzahl der Fahrzeuge schon auf 22 geschrumpf­t war. Inzwischen­ gibt es ernsthafte­ Überlegung­en, dass die Konzerntea­ms künftig ein drittes Fahrzeug einsetzen müssen oder kleinere Rennställe­ möglichst kostenlos mit Motoren und Chassis beliefern sollen.

Der PS-Soziali­smus wäre im Interesse von Formel-1-G­uru Bernie Ecclestone­, denn in den Verträgen mit den Veranstalt­ern und Fernsehsen­dern garantiert­ er ein Mindest-Te­ilnehmerfe­ld. Beschlosse­n ist aber vorerst nur die Reglements­änderung, wonach ab 2004 nur ein Motor pro Wochenende­ eingesetzt­ werden darf.

Bernie Ecclestone­, der vor seinem Aufstieg zum Grand-Prix­-Zampano einst als Brabham-Te­amchef begann, hatte unlängst aus ernstem Anlass ein Treffen der Rennstallb­esitzer einberufen­, um Solidaritä­ts-Aktione­n mit den krisengesc­hüttelten Branchenve­rtretern zu besprechen­. Übereinsti­mmend berichtete­n die Teilnehmer­ hinterher von einer ungekannte­n Sachlichke­it der Debatte. Über Detaillösu­ngen wurde nichts bekannt, offenbar konnte den Bossen von Jordan, Minardi und Arrows aber ein wenig der Existenzan­gst geraubt werden.

Einerseits­ vielleicht­ durch ein entspreche­ndes finanziell­es Notopfer der Gemeinscha­ft (in Form der im Topf verblieben­en Fernsehgel­der, die dem Prost-Team­ zugestande­n hätten), ganz sicher aber durch die von Ecclestone­ publiziert­en Daten, nach denen die Zuschauerz­ahlen und Fernsehein­nahmen der Formel 1 steigen, und insbesonde­re das Lizenzgesc­häft mit den Videospiel­en zugenommen­ hat.

Bernie Ecclestone­ weiß gut, dass das Gerede über die Krise seinem Business mehr schadet als die Moralin-Di­skussion über die Ferrari-St­allorder, die eher belebend fürs Interesse an der derzeitige­n Schumacher­-Solo-WM war. In der „Sunday Times“ versprach er zwar, das ganze System mit den Augen eines Controller­s zu überprüfen­, aber er appelliert­e vornehmlic­h an die Vernunft der Teamchefs:­ „Die kleineren Teams betrachten­ die Formel 1 als Kasino. Je mehr sie verlieren,­ desto mehr Geld brauchen sie. Ihr Wille zum Sieg verbaut ihnen den Blick auf die Realität.“­

Was er meint: Wer mitfahren und gut davon leben will, soll nicht versuchen,­ mit den Branchen-S­pitzenreit­ern mitzueifer­n, die dreimal so hohe Budgets haben. Ecclestone­ rät aber auch, die Geschäfte in der Formel 1 zu führen „wie im Krieg“, also alles zu riskieren.­ Die gegensätzl­ichen Aussagen symbolisie­ren das irritieren­de Stadium, in dem sich die Krisen-Dis­kussion befindet. Am wahrschein­lichsten ist es, dass sich das Renngeschä­ft vielen anderen Wirtschaft­szweigen anschließt­, in denen das lahmende Wachstum zum Anlass für eine Selbstrein­igung genommen wird. Aber auch, um für manchen Management­fehler eine plausible Ausrede zu haben.

„Die Formel 1 wird immer so viel Geld ausgeben, wie sie zur Verfügung hat“, ahnt Ex-Weltmei­ster Jacques Villeneuve­, der mit einem in England kolportier­ten Salär von an die 20 Millionen Euro zu den Spitzenver­dienern im Cockpit gehört. Renault-Te­chnikchef Pat Symonds hatte schon zu Saisonbegi­nn vorgeschla­gen, dass am meisten gespart werden könne, wenn man den Teamchefs die Spannweite­ ihrer Privatjets­ reglementi­ert. Mit Blick auf die Statuswelt­ der Formel 1 – nicht nur, aber insbesonde­re in Monte Carlo augenfälli­g – wird klar, dass die Maßnahme unpopulär und ungehört bleiben musste.

Eddie Jordan rechtferti­gt sich: „Niemand kauft Yachten und Flugzeuge als Spielzeuge­. Wir leasen Flugzeuge,­ um schnell von einem Punkt zum anderen zu kommen, und Yachten, um darauf Geschäfte zu machen.“
 
25.05.02 08:18 #2  MOTORMAN
@expro: THANKS! ...und Montoya wird Weltmeiste­r ;-)


Liebe Grüße aus Mainz
m o t o r m a n
 
25.05.02 08:43 #3  aabb-cisco
motorman Du bist ja Kylie- und Montoya-sü­chtig?!

Schönes Wochenende­ (Wetter sieht nicht so gut aus)

aabb-cisco­  
25.05.02 08:47 #4  MOTORMAN
@aabb-cico: 1 x gut analysiert *g*  

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