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Sa, 25. Juni 2022, 0:28 Uhr

Warum sich die Kurse am Aktienmarkt erholten


24.03.22 09:45
Sven Weisenhaus

Die Märkte lassen sich von negativen Nachrichten weiterhin kaum aus der Ruhe bringen. Dass der chinesische Immobilienkonzern Evergrande nicht in der Lage ist, seinen Jahresabschluss 2021 bis zum 31. März zu veröffentlichen, wurde mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen. Als Grund für die Verzögerung nannte das mit rund 300 Milliarden Dollar hochverschuldete Unternehmen interne Überprüfungen, die noch nicht abgeschlossen seien. Wegen „drastischer Veränderungen“ in der Geschäftstätigkeit seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres müssten Wirtschaftsprüfer zusätzliche Kontrollen durchführen, so der Konzern.


Evergrande-Probleme scheinen weit weg


Ich kann die sorglose Haltung der Anleger in dieser Angelegenheit allerdings verstehen. Denn Probleme, die von diesem Unternehmen ausstrahlen können, sind bislang auf die chinesische Wirtschaft begrenzt. Und selbst wenn es zu einer Pleite kommt, wird man hierzulande wahrscheinlich noch genügend Zeit haben, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, bis die Probleme auf andere Wirtschaftsbereiche und -räume überschwappen.


James Bullard fordert einen Leitzins von 3 %


Was mich allerdings etwas verwundert, ist die Sorglosigkeit der Aktien-Anleger im Hinblick auf die Aussagen von Vertretern der US-Notenbank (Fed). Diese zielen auf eine deutlich stärkere und schnellere Straffung der bislang noch ultra-expansiven Geldpolitik. Nachdem sich Fed-Chef Jerome Powell vorgestern dazu schon unmissverständlich geäußert hatte (siehe auch vorgestrige Börse-Intern), legte James Bullard, Präsident der St. Louis FED, nach: Er würde in diesem Jahr die Zinsen gerne um 3 % erhöhen und die Bilanz der Zentralbank stark abbauen, um die sehr hohe Inflation abzuschwächen. Zur Erinnerung: Aktuell peilen die Währungshüter des US-Dollar mehrheitlich einen Leitzins von „nur“ 1,9 % bis Jahresende an (siehe Börse-Intern vom vergangenen Donnerstag).


Als Reaktion auf die Aussage Bullards wurden (US-)Staatsanleihen wieder verstärkt auf den Markt geworfen. Dadurch stiegen die Renditen bei Anleihen mit kurzen Laufzeiten weiter an. Die Zinsstruktur ist in den USA in Teilen inzwischen sogar schon invers, was als Hinweis auf eine nahende Rezession gilt (siehe Börse-Intern von Montag).


Umschichtungen vom Anleihemarkt in den Aktienmarkt


Genau diese Reaktion der Anleger am Anleihemarkt kann aber eine Erklärung für die starke Kurserholung der Aktienmärkte sein. Denn das Geld, welches aus dem Verkauf von Staatsanleihen zufließt, will anderweitig investiert werden. Grundsätzlich versuchen Anleiheinvestoren innerhalb der Anlageklasse umzuschichten. Niedrig verzinste Anleihen werden abgestoßen und höher verzinste gesucht. Doch das Angebot an ausreichend hoch verzinsten Anleihen ist begrenzt.


Denn Staaten konnten sich in den vergangenen Jahren zu rekordniedrigen Zinsen verschulden. Das ändert sich durch den Kurswechsel der Notenbanken jetzt erst sukzessive. Will zum Beispiel die US-Regierung jetzt neue Anleihen am Markt emittieren, wird dies wohl nur zu höheren Zinsen möglich sein. Anleiheinvestoren können also in neue Anleihen mit höheren Renditen investieren, aber auch dies nur schrittweise und gemäß dem verfügbaren Angebot. Daher fließen die freiwerdenden Gelder aktuell wohl vorerst zumindest teilweise auch in den Aktienmarkt. Und das erklärt die starken Kursanstiege, während am Anleihemarkt die Kurse zugleich deutlich nachgaben.


Neue Anleihen bringen höhere Renditen


Blickt man aber auf die aktuelle Haushaltsdebatte der Bundesregierung und die hohen Kosten des Ukraine-Krieges, dann kann man sich vorstellen, dass das Angebot an neuen Staatsanleihen in den kommenden Monaten zunehmen wird. Und dann dürften die geparkten Gelder aus dem Aktienmarkt wieder abgezogen werden und in den Anleihemarkt zurückwandern. In diesem Fall könnten sich die aktuellen Kurserholungen als Bärenmarktrally entpuppen und die zweite Korrekturbewegung ihren Lauf nehmen, die ich vorgestern am Beispiel des S&P 500 beschrieben habe.


Warnzeichne: Sinkende Umsätze in der Kurserholung


Eine erneute Korrektur wird wahrscheinlich nicht lange auf sich warten lassen. Denn die Kurserholung am Aktienmarkt geht mit deutlich rückläufigen Umsätzen einher, wie der folgende DAX-Chart sehr eindrucksvoll belegt.


DAX - Chartanalyse


Mit Beginn der Korrektur (siehe vertikale Linie) zogen die Umsätze kontinuierlich an (grüne Aufwärtslinie im unteren Chartteil). Mit Fortschreiten der Kursverluste stiegen sie sogar exponentiell. Seit dem Tief der Korrektur nimmt das Volumen dagegen stark ab (rote Abwärtslinie im unteren Chartteil).


An der Börse gilt eine solche Entwicklung als Warnsignal. Denn ein sinkendes Volumen signalisiert, dass immer weniger Anleger bereit sind, bei den höheren Kursen zu kaufen. Man sollte daher den gestrigen Rücksetzer im DAX mit großer Skepsis beobachten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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