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Sa, 18. April 2026, 4:54 Uhr

Chinas Börse im Höhenflug


16.10.07 15:35
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Nicht wenige Investoren befürchten eine Konsolidierung an Chinas Börsen, so der Wertpapierexperte Herbert Wüstefeld von ABN AMRO.

Ein Blick auf die Bewertungen und Analogien in der Vergangenheit helfe bei der Lagebeurteilung. Die Angst gehe um, dass Chinas Wirtschaft heiß laufe. Wachstumsraten von mehr als 10 Prozent, boomende Aktien- und Immobilienmärkte sowie hohe Kapitalzuflüsse würden Ökonomen an die Zeit vor der Asienkrise erinnern. Dagegen spreche, dass Chinas Bevölkerung spare und hohe Leistungsbilanzüberschüsse erziele. China sei internationaler Gläubiger und nicht wie - wie viele Länder vor der Asienkrise vor zehn Jahren - internationaler Schuldner. Das Land verfüge über riesige Devisenreserven und könne damit einen Abzug ausländischen Kapitals leicht verkraften.

Der Vergleich mit der Asienkrise sei daher problematisch. Wer Parallelen in der Vergangenheit zu Chinas heutiger Entwicklung suche, werde eher in Japan fündig. Von 1950 bis 1980 habe sich das Land zu einer führenden Wirtschaftsmacht der Welt entwickelt. Auf den Aufstieg der Schwer- und Chemieindustrie sei in den 80iger Jahren der Aufbau einer Hightech- und Elektroindustrie gefolgt. Ständig habe das Land durch technische Innovation die Produktivität gesteigert. Der Yen habe trotz der Aufwertung nach dem Scheitern des Währungssystems von Bretton Woods (1971 bis 1973) sowie in den Jahren 1975 und 1978 als unterbewertet gegolten.

Hohe Exportüberschüsse hätten für die USA und die Europäer ein Ärgernis dargestellt. Sie hätten vor rund 30 Jahren eine Aufwertung des Yen gefordert. Zudem hätten die Exportüberschüsse verbunden mit einer lockeren Geldpolitik zu einem Anstieg der Geldmenge geführt, was wiederum die Aktienkurse in Tokio und die Immobilienpreise kräftig habe steigen lassen. Der Boom habe sein Ende mit den Zinssteigerungen der Bank of Japan und einer massiven Aufwertung des Yen gefunden. Die Exportindustrie habe gelitten, die Inlandskonjunktur sei ins Stocken und die Börse sowie der Immobilienmarkt unter Druck gekommen. Die Folge seien Kreditausfälle, ein unterkapitalisiertes Bankensystem und eine lange Deflation und Krise gewesen.

Chinas Entwicklungsmodell habe viel Ähnlichkeit mit dem von Japan nach 1960. Die durch Exportüberschüsse verursachten Kapitalzuflüsse aus dem Ausland würden von der Notenbank aufgekauft. Dies sowie der durch die hohe Sparquote der Inlandschinesen verursachte Anlagenotstand lasse die Aktienkurse steigen. Doch die Regierung in Peking wisse um die Fehler, die damals von Japans politischer Führung gemacht worden seien. Entsprechend versuche Peking das Wachstum zu regulieren. Vorsichtig werte sie den Renminbi auf und die Notenbank erhöhe sukzessive die Zinsen. Ein Heißlaufen der Wirtschaft solle dadurch vermieden werden.

Langsam würden zudem die Kapitalgrenzen geöffnet, um eine spekulative Blase in Inlandschina zu verhindern. Erster Profiteur dieser Entwicklung sei Hongkong. Der Hang Seng Index und Hang Seng China Enterprise Index hätten entsprechend stark in den Vormonaten zugelegt. Doch noch immer würden die H-Aktien mit einem Abschlag von rund 50 Prozent gegenüber den Aktien in Shanghai und Shenzhen gehandelt. Die im Hang Seng Index enthaltenen Aktien seien noch etwas niedriger bewertet. Doch auch dieser Index sei mit einem 2007er Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 bewertet.

Alan Greenspan, der frühere Vorsitzende der US-Notenbank, habe bereits von einer Aktienmarktblase in China gesprochen. Damit stehe er nun im Widerspruch zu seiner Aussage vor fünf Jahren, dass Notenbanken nicht in der Lage seien, Aktienmarktblasen oder Bubbles zu erkennen. Bleibe der Blick nach Japan Ende 1989, um die Lage selbst besser beurteilen zu können. Damals habe der Nikkei und TOPIX ihre Höchststände erreicht. 1989 seien Japans Aktien mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 70 gehandelt worden. Sowohl der Hang Seng Index als auch der Hang Seng China Enterprises Index würden nach dem steilen Anstieg weit niedrigere Bewertungskennzahlen aufweisen. Bei dem erreichten Bewertungsniveau lasse sich zwar eine Konsolidierung in Hongkong nicht ausschließen. Eine Bubble sei jedoch anhand der Bewertungen nicht erkennbar. (16.10.2007/ac/a/m)