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So, 26. April 2026, 11:15 Uhr

Ende der Korrektur


05.04.04 10:26
iWatch

Nach stagnierenden Kursen im Februar wurden die Kursgewinne des Januars im März ausradiert, so die Experten von "iWatch" in ihrem Marktrückblick.

Mittwoch vor 10 Tagen seien die Indizes unter ihre jeweiligen Jahresanfangsstände gesunken. Am Donnerstag sei eine Rallye gefolgt, die den Nasdaq um 3% in die Höhe katapultiert habe.

Als Auslöser der plötzlichen Rallye hätten die Experten neben technischen Indikatoren, die einen überverkauften Markt signalisiert hätten, hauptsächlich den fallenden Ölpreis ausgemacht. Die Spannung sei groß gewesen, denn eine solche Rallye hätten die Experten in den drei Jahren der Baisse mehrmals gesehen: Am ersten Tag würden die Kurse auf Grund irgendeiner Meldung anspringen. Am zweiten Tag würden sich Bären und Bullen einen heißen Machtkampf geben, Kursbewegungen seien allerdings kaum zu sehen. Denn Bären würden ein weiteres Ansteigen der Kurse verhindern wollen und würden aktiv, sobald Kurse steigen würden. Bullen hingegen würden Kursverluste vermeiden und kaufen wollen, sobald ein Wert im Minus stehe.

So sei es auch diesmal gekommen. Am Freitag seien die Indizes nahezu unverändert geblieben. Bären seien mit einem unguten Gefühl ins Wochenende gegangen und hätten insgeheim auf eine schlechte Meldung gehofft, die am Montag zu fallenden Kursen führen würde. Diese sei jedoch ausgeblieben, stattdessen seien Montag früh einige Techaktien von Brokerhäusern aufgewertet worden. Der Ölpreis sei weiter gefallen und der Ölkonzern BP habe eine optimistische Analystenkonferenz gegeben. Die Woche habe also mit weiter steigenden Kursen begonnen.

Die Experten hätten befürchtet, dass nun wieder das Schema folgen würde, das sie in den drei Jahren der Baisse mehrfach hinter's Licht geführt habe: Eine plötzliche Aktienrallye, getrieben durch Deckungskäufe von in Panik geratenen Leerverkäufern, die die Kurse einzelner Aktien in unvernünftige Höhen treiben würden. Einer solchen Kaufpanik würde dann am Dienstag die Ernüchterung folgen: Mangels wirklicher Käufer würden die Kursgewinne der vorangegangenen drei Tage dann binnen kurzer Zeit wieder ausradiert werden. Damals habe die Baisse anschließend wieder ihre zermürbende Arbeit aufgenommen. Diese Woche habe man befürchtet, dass entsprechend diesem Muster die Korrektur fortgesetzt werden könne.

Doch dann sei es anders gekommen. Im Tagesverlauf sei Qualcomm mit positiven Bemerkungen in die Presse gekommen. Die Rallye habe nicht nur in einigen Einzelwerten stattgefunden, sondern den breiten Markt ergriffen. Nicht überzogene Gewinne in einzelnen Aktien hätten die Indizes nach oben gezogen, sondern moderate Gewinne in allen Aktien.

Gleichzeitig habe man beobachten können, wie sich das Put/Call-Ratio, das Verhältnis von Put-Optionen zu Call-Optionen kaum abgebaut habe. Wäre die Rallye, wie befürchtet, durch Deckungskäufe getrieben worden, so hätte sich im Tagesverlauf dieses Put/Call-Ratio stark vermindern müssen. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen, das Put/Call-Ratio sei nur leicht von 0,68 auf 0,63 ab gesunken. Nicht genug, um eine Rallye von 1,5% in den Indizes zu rechtfertigen. Es hätten also tatsächlich Investoren mit langfristigen Interessen auf der Käuferseite vorhanden sein müssen.

Der Rest der Woche sei dann seichtes Treiben angesagt gewesen. Am Mittwoch sei der letzte Handelstag des ersten Quartals gewesen. Fondsmanager, die in ihren Quartalsberichten die aktuelle Zusammensetzung ihres Portfolios veröffentlichen müssten, hätten sich bereits zuvor entsprechend positioniert. In den beiden letzten Tagen werde lediglich darauf geachtet, dass die Hauptkomponenten des Portfolios keine herben Kurseinbußen mehr zu verzeichnen hätten.

Ein Spiel, dass früher gern gespielt wurde, war, dass einige Aktien am letzten Handelstag stark nachgefragt werden, um deren Kurs in die Höhe zu treiben, so die Experten von "iWatch". Ein Fonds, der beispielsweise 100 Mio. Aktien von Schering Plough zu Kursen von durchschnittlich 16,2 US-Dollar im eigenen Bestand halte, könnte beispielsweise einen verhältnismäßig kleinen Betrag von wenigen Millionen einsetzen, um in der letzten Handelsstunde des Monats März nochmals kräftig SGP zu kaufen. Dadurch würde der Kurs kurzfristig stark nach oben schnellen und in der Quartalsbilanz stünde die SGP-Position nicht mit 16,2 US-Dollar und Plusminus Null, sondern mit vielleicht 16,4 US-Dollar und einem Plus von 20 Mio. US-Dollar.

Diese Spielchen würden jedoch inzwischen geahndet. Der Finanzmarkt in New York werde intensiv kontrolliert, Meldungen über etwaiges Fehlverhalten von Fondsmanagern werde gnadenlos auf den Grund gegangen. Dies führe dazu, dass Fondsmanager dieses Spielchen inzwischen nicht nur bleiben lassen würden, sondern sogar Angst hätten, durch Käufe an den beiden letzten Handelstagen eines Quartals auch nur in Verdacht zu geraten, dieses Spielchen zu betreiben. Kein Fondsmanager möchte sich einem solchen Untersuchungsausschuss gegenüber rechtfertigen müssen, sei es aufgrund von berechtigten oder unberechtigten Vorwürfen.

Diese Angst führe dazu, dass an den letzten beiden Handelstagen des Quartals nicht viel an den Börsen passiere. Aktien, die ins Minus rutschen würden, würden vielleicht ein wenig unterstützt. Aber man hüte sich davor, Aktien zu kaufen, die bereits im Plus stünden.

In diese Marktstimmung hinein habe dann die Meldung getroffen, dass die OPEC nun doch bereits ab April die Ölförderquote um 1 Mio. auf 25,3 Mio. Fass senken werde. Seltsamerweise habe diese Meldung nur zu einem kurzen Ölpreisanstieg geführt. Im Wochenvergleich sei der Ölpreis jedoch um 0,9% gefallen. Es stelle sich die Frage, ob dies nun ein Zeichen dafür sei, dass der Ölpreisanstieg überzogen gewesen sei und nun wieder zurück in die alte Bandbreite zwischen 27 und 34 US-Dollar rutsche. Oder ob das die Ruhe vor dem Sturm sei.

Ein hoher Ölpreis erhöhe die Produktionskosten der Industrie und vermindere somit die Gewinnmargen. Dies sei ein bearishes Signal für die Aktienmärkte. Im Umkehrschluss führe ein niedriger Ölpreis zu höheren Gewinnmargen und begünstige somit steigende Aktienkurse.