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Mo, 27. April 2026, 4:59 Uhr

Ende der Rallye oder Gruppenrotation?


09.02.04 09:59
iWatch

An den Aktienbörsen gab es in der abgelaufenen Woche ein uneinheitliches Bild, so die Experten von "iWatch".

521 Mrd. US-Dollar würden Präsident Bush in diesem Jahr voraussichtlich fehlen. So zumindest laute seine eigene Planung. Das sei die höchste Neuverschuldung, die es jemals in irgendeinem Land dieser Erde gegeben habe. Noch vor vier Jahren habe er von Präsident Clinton einen ausgeglichenen Haushalt übernommen.

Da sich die Welt inzwischen an Präsident Bush gewöhnt habe, habe es keine sonderlichen Reaktionen gegeben, ein solches Budget sei erwartet worden. Lediglich der US-Dollar, der in den letzten Wochen etwas konsolidiert habe und sich langsam auf 1,24 US-Dollar gegenüber dem Euro habe zurückarbeiten können, habe wieder stärker an Wert verloren.

An den Aktienbörsen jedoch habe es in der abgelaufenen Woche ein uneinheitliches Bild gegeben. Es stelle sich die Frage, ob es sich um das Ende der Rallye handele oder der Markt eine sogenannte "Gruppenrotation" sehen werde.

Für die erste Möglichkeit würden die Kurssteigerungen der letzten Monate sprechen, gepaart mit den schwachen Konjunkturdaten dieser Woche: Nach 8% Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im 3. Quartal 03 seien es nur noch 4% im 4. Quartal gewesen. Im laufenden 1. Quartal 04 sollten es, laut ersten Schätzungen, lediglich noch 2% sein. So sehe kein Wirtschaftsaufschwung aus, meinen die Experten von "iWatch".

Für die Gruppenrotation würden Gründe sprechen, die nicht so leicht erklärt seien. Es gebe zyklische Aktien. Darunter verstehe man Aktien von Unternehmen, die in den verschiedenen Konjunkturphasen entsprechend der Konjunktur mal besser, mal schlechter laufen würden. Ziehe die Konjunktur an, so erfreue sich selbst ein schlecht geführtes Unternehmen an dem Aufschwung. Selbst solche Aktien würden dann steigen.

Investoren würden gerne entsprechend dieser Zyklen investieren. In Phasen eines Konjunkturaufschwungs würden sie demzufolge zyklische Aktien kaufen. Natürlich würden sie, die "besten" zyklischen Aktien versuchen zu kaufen, aber Hauptsache zyklisch.

Sei der Konjunkturaufschwung erst einmal am Laufen und zeichne sich ein Ende ab, so würden diese zyklischen Aktien wieder verkauft und stattdessen antizyklische Aktien gekauft. Antizyklische Aktien würden sich dadurch auszeichnen, dass sie unabhängig von der Konjunkturphase ein kontinuierliches Geschäft hätten oder gerade in einem Abschwung profitieren würden.

Zyklische Aktien seien also von Unternehmen, die Produkte verkaufen würden, die bei anziehender Konjunktur stärker nachgefragt würden. Baumaschinenhersteller wie Caterpillar oder Ingersoll Rand oder Deere würden in diese Rolle passen. Aber auch Autobauer wie Ford, General Motors oder stark an der Werbebranche hängende Unternehmen wie Time Warner würden den Konjunkturzyklen unterliegen. Der gesamte Tech-Sektor mit prominenten Vertretern wie Intel oder Microsoft seien auch sehr anfällig für Konjunkturzyklen, da deren Produkte ebenfalls zu Investitionsgütern gehören würden und Investitionen seien das erste, was zurückgeschraubt werde, wenn die Konjunktur strauchele.

Auf der anderen Seite seien die antizyklischen Aktien, die gerade in Phasen der Konjunkturschwäche beliebt seien bei Börsianern. Allen voran stünden hier Pharmawerte auf der Liste, denn Menschen würden immer krank und würden immer medizinische Hilfe brauchen. Daneben würden Aktien von Lebensmittelherstellern den antizyklischen Aktien zugerechnet. Gegessen werde immer, egal wie gut oder schlecht es der Konjunktur gehe. Procter & Gamble sei hier zu nennen. Colgate, Anheuser Busch und Wal-Mart würden ebenso in diese Kategorie fallen.

Anleger sollten sich einmal bitte die Kursverläufe der letzten Woche von den hier genannten Aktien anschauen. Während sich unterm Strich der Dow Jones mit 0,14% kaum verändert habe, finde man viele Einzelaktien mit +5% oder -5%. Und fünf Prozent Kursveränderung in nur einer Woche sei kein Pappenstil, das sei eine extreme Bewegung. Und diese Bewegung schreie uns an mit dem Ausruf: "Schaut, wir verkaufen zyklische Aktien und kaufen antizyklische Aktien, weil wir glauben, dass der Konjunkturaufschwung seinem Ende entgegenläuft, da Alan Greenspan bald die Zinsen anheben wird und das Wachstum sich schon jetzt verlangsamt!"

Vor diesem Hintergrund sei das Quartalsergebnis von Cisco, dem weltgrößten Netzwerkkomponentenhersteller, der die Erwartungen des Marktes erzielt habe, nur Nebensache. Der Ausblick sei überraschend vorsichtig formuliert worden, so dass Investoren dies als ein schlechtes Zeichen nicht nur für Cisco, sondern für den ganzen Technologiemarkt gesehen hätten. Gepaart mit der oben beschriebenen Gruppenrotation sei diese Meldung verantwortlich gewesen für den über proportional starken Wochenverlust im Nasdaq.

Entweder der Markt habe Recht und wir nähern uns dem Ende des Konjunkturaufschwungs in den USA. Dann sei die Gruppenrotation weg von zyklischen Aktien hin zu antizyklischen Aktien das erste Anzeichen für eine bald schwächere Börse. Oder aber der Markt irre sich und verkaufe und kaufe derzeit die falschen Aktien. Für diese Möglichkeit spreche der Goldpreis, der in den letzten Tagen kräftig gelitten habe. Gold würde steigen, wenn die Konjunktur schwächele.





 
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