Internationale Wirtschaftsdaten im Überblick
03.08.12 11:54
BNP Paribas Investment Partners
Frankfurt (www.aktiencheck.de) - EZB Präsident Mario Draghi sorgte mit seiner Aussage, die EZB würde alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten, für Wirbel an den Märkten, so Joost van Leenders, Spezialist für Asset Allocation & Anlagestrategie bei BNP Paribas Investment Partners.
Sein Kommentar habe die Renditen für spanische und italienische Anleihen nach unten gedrückt und den Aktienmärkten Auftrieb gegeben.
Die Erklärungen Draghis hätten sich nicht in erster Linie auf die Verschlechterung der Konjunkturdaten im Euroraum bezogen. Der ESI-Index für die Wirtschaftsstimmung sei auf ein rezessionsverdächtiges Niveau gefallen. Diese schlechte Nachricht sei gekommen, nachdem der Einkaufsmanagerindex für die Industrie und andere Frühindikatoren bereits das nachlassende Wirtschaftswachstum in Deutschland und das Abrutschen Frankreichs in eine Rezession bestätigt hätten. Die Konjunkturflaute habe sich auch in der Arbeitslosenquote widergespiegelt, die im Juni bei 11,2% gelegen und damit einen Rekord seit der Schaffung des gemeinsamen Währungsraums erreicht habe.
Da nur wenig oder überhaupt kein Spielraum für staatliche Konjunkturförderungsmaßnahmen bestehe, habe sich alle Aufmerksamkeit auf die EZB konzentriert. Draghis Kommentare scheinen den Erwartungen des Marktes auf bahnbrechende Maßnahmen Nahrung gegeben zu haben, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners. Eine Möglichkeit sei, dass die EZB den Kauf spanischer und italienischer Staatsanleihen wieder aufnehme, möglicherweise mit Hilfe des zeitlich begrenzten Euro-Rettungsfonds EFSF. In Anbetracht des informellen Charakters der Rede Draghis und der Tatsache, dass er die Märkte bereits zuvor auf dem falschen Fuß erwischt habe, würden die Analysten jedoch nicht ausschließen, dass sich die EZB mit einem kleinen, enttäuschenden Schritt begnügen werde.
Den jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA zufolge sei der Konsum zum ersten Mal seit August letzten Jahres rückläufig gewesen, was bedeuten könnte, dass das Konsumwachstum auch im dritten Quartal schwach bleibe. Doch es gebe auch positive Nachrichten: Fallende Ölpreise, die Verbesserung des Häusermarktes und die entspannte Lage an den amerikanischen Finanzmärkten hätten vermutlich zu der vor kurzem beobachteten deutlichen Verbesserung des Verbrauchervertrauens beigetragen. Noch wichtiger sei der Anstieg des realen verfügbaren Einkommens, da dadurch Spielraum für weitere Konsumausgaben geschaffen werde.
Die amerikanischen Aufträge für Kern-Investitionsgüter (ohne Rüstung und zivile Luftfahrt), die ein gutes Barometer für Unternehmensinvestitionen darstellen würden, seien jedoch rückläufig gewesen. Unternehmensinvestitionen in Maschinen und Software seien im zweiten Quartal relativ hoch gewesen. Die Zahlen zu den Auftragseingängen würden jedoch Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser starken Nachfrage wecken. Der ISM Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe habe weiterhin geringfügig unter 50 Zählern gelegen und damit auf ein bescheidenes Wachstum in der Gesamtwirtschaft hingewiesen. Zum ersten Mal seit September 2011 hätten Unternehmen angegeben, dass die Auftragseingänge nicht so stark zugenommen hätten wie die Vorräte, was normalerweise kein gutes Zeichen für die kommenden Monate sei.
In Japan habe in letzter Zeit das BIP-Wachstum stagniert. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie sei auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahr gefallen. Die Industrieproduktion sei im dritten Monat in Folge gefallen. Das Bareinkommen aus Erwerbstätigkeit sei rückläufig gewesen. Die Inflation sei zurückgegangen (allerdings ohne Berücksichtigung der Preise für frische Nahrungsmittel und Energie). Ausfuhren seien schneller als Einfuhren gesunken. Mit 0,79% liege die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen selbst für japanische Verhältnisse niedrig (aber über dem Tiefststand von 0,43%, der während der japanischen Rezession der Jahre 2002/03 erreicht worden sei). Die Analysten würden jedoch nicht damit rechnen, dass die Renditen in der nächsten Zeit ansteigen würden.
In Südkorea seien sowohl das Vertrauen der Hersteller als auch der Einkaufsmanagerindex für die Industrie deutlich zurückgegangen. Das Wirtschaftswachstum und das Wachstum der Industrieproduktion hätten sich verlangsamt. Da die Gesamtinflation unter dem Mittelwert der von der Bank of Korea vorgegebenen Spanne zwischen 2 und 4% liege, würden die Analysten weitere Leitzinssenkungen nicht ausschließen. In Taiwan und Indien sei der Einkaufsmanagerindex für die Industrie rückläufig gewesen. Die jüngsten chinesischen Daten würden jedoch auf eine Stabilisierung der Industrieproduktion hinweisen. Hier sehe es so aus, als hätte die geldpolitische Lockerung Früchte getragen. Wirtschaftsdaten aus anderen Ländern als China würden zeigen, dass das Wachstum in Asien nach wie vor bescheiden oder rückläufig sei. Die Zentralbanken würden höchstwahrscheinlich weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ergreifen.
Die Gewinne im zweiten Quartal seien nicht gut ausgefallen. Die Gewinne amerikanischer Unternehmen hätten nur 3% über den Erwartungen gelegen. Das sei das schlechteste Ergebnis seit der Rezession von 2008/09 und das, obwohl die Analysten ihre Erwartungen vor der Berichtssaison nach unten revidiert hätten. Nur 40% der Unternehmen, die bis jetzt ihre Ergebnisse bekannt gegeben hätten, hätten die Umsatzerwartungen übertreffen können. Dieser Anteil sei außergewöhnlich niedrig. Auch in Zukunft werden die Analysten unserer Ansicht nach ihre Gewinnerwartungen herunterschrauben müssen, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners. Konsenserwartungen lägen bei einem Wachstum von fast 7% für dieses und von 12% für nächstes Jahr. Insbesondere die Erwartungen für das kommende Jahr würden den Analysten übertrieben optimistisch erscheinen.
In Bezug auf den Umsatz hätten europäische Unternehmen besser abgeschnitten: 51% von ihnen hätten die Erwartungen übertroffen. Die Konsenserwartungen für dieses Jahr lägen bei einem Rückgang der Gewinne um 5%. Ähnlich wie in den USA erscheine der für das nächste Jahr erwartete Zuwachs von 12% ambitiös.
Bis auf weiteres würden die Analysten nicht damit rechnen, dass die Kurse amerikanischer oder europäischer Aktien durch Unternehmensgewinne gestützt würden. Für die Schwellenländer würden sie keinen weiteren Rückgang der Inflation erwarten. Da die Inflationsraten bereits ein niedriges Niveau erreicht hätten, sei dort eine weitere geldpolitische Lockerung möglich. Aufgrund der derzeitigen Risikoscheu würden die Analysten jedoch nicht damit rechnen, dass Schwellenländeraktien von solchen Maßnahmen profitieren würden. (03.08.2012/ac/a/m)
Sein Kommentar habe die Renditen für spanische und italienische Anleihen nach unten gedrückt und den Aktienmärkten Auftrieb gegeben.
Die Erklärungen Draghis hätten sich nicht in erster Linie auf die Verschlechterung der Konjunkturdaten im Euroraum bezogen. Der ESI-Index für die Wirtschaftsstimmung sei auf ein rezessionsverdächtiges Niveau gefallen. Diese schlechte Nachricht sei gekommen, nachdem der Einkaufsmanagerindex für die Industrie und andere Frühindikatoren bereits das nachlassende Wirtschaftswachstum in Deutschland und das Abrutschen Frankreichs in eine Rezession bestätigt hätten. Die Konjunkturflaute habe sich auch in der Arbeitslosenquote widergespiegelt, die im Juni bei 11,2% gelegen und damit einen Rekord seit der Schaffung des gemeinsamen Währungsraums erreicht habe.
Da nur wenig oder überhaupt kein Spielraum für staatliche Konjunkturförderungsmaßnahmen bestehe, habe sich alle Aufmerksamkeit auf die EZB konzentriert. Draghis Kommentare scheinen den Erwartungen des Marktes auf bahnbrechende Maßnahmen Nahrung gegeben zu haben, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners. Eine Möglichkeit sei, dass die EZB den Kauf spanischer und italienischer Staatsanleihen wieder aufnehme, möglicherweise mit Hilfe des zeitlich begrenzten Euro-Rettungsfonds EFSF. In Anbetracht des informellen Charakters der Rede Draghis und der Tatsache, dass er die Märkte bereits zuvor auf dem falschen Fuß erwischt habe, würden die Analysten jedoch nicht ausschließen, dass sich die EZB mit einem kleinen, enttäuschenden Schritt begnügen werde.
Den jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA zufolge sei der Konsum zum ersten Mal seit August letzten Jahres rückläufig gewesen, was bedeuten könnte, dass das Konsumwachstum auch im dritten Quartal schwach bleibe. Doch es gebe auch positive Nachrichten: Fallende Ölpreise, die Verbesserung des Häusermarktes und die entspannte Lage an den amerikanischen Finanzmärkten hätten vermutlich zu der vor kurzem beobachteten deutlichen Verbesserung des Verbrauchervertrauens beigetragen. Noch wichtiger sei der Anstieg des realen verfügbaren Einkommens, da dadurch Spielraum für weitere Konsumausgaben geschaffen werde.
In Japan habe in letzter Zeit das BIP-Wachstum stagniert. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie sei auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahr gefallen. Die Industrieproduktion sei im dritten Monat in Folge gefallen. Das Bareinkommen aus Erwerbstätigkeit sei rückläufig gewesen. Die Inflation sei zurückgegangen (allerdings ohne Berücksichtigung der Preise für frische Nahrungsmittel und Energie). Ausfuhren seien schneller als Einfuhren gesunken. Mit 0,79% liege die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen selbst für japanische Verhältnisse niedrig (aber über dem Tiefststand von 0,43%, der während der japanischen Rezession der Jahre 2002/03 erreicht worden sei). Die Analysten würden jedoch nicht damit rechnen, dass die Renditen in der nächsten Zeit ansteigen würden.
In Südkorea seien sowohl das Vertrauen der Hersteller als auch der Einkaufsmanagerindex für die Industrie deutlich zurückgegangen. Das Wirtschaftswachstum und das Wachstum der Industrieproduktion hätten sich verlangsamt. Da die Gesamtinflation unter dem Mittelwert der von der Bank of Korea vorgegebenen Spanne zwischen 2 und 4% liege, würden die Analysten weitere Leitzinssenkungen nicht ausschließen. In Taiwan und Indien sei der Einkaufsmanagerindex für die Industrie rückläufig gewesen. Die jüngsten chinesischen Daten würden jedoch auf eine Stabilisierung der Industrieproduktion hinweisen. Hier sehe es so aus, als hätte die geldpolitische Lockerung Früchte getragen. Wirtschaftsdaten aus anderen Ländern als China würden zeigen, dass das Wachstum in Asien nach wie vor bescheiden oder rückläufig sei. Die Zentralbanken würden höchstwahrscheinlich weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ergreifen.
Die Gewinne im zweiten Quartal seien nicht gut ausgefallen. Die Gewinne amerikanischer Unternehmen hätten nur 3% über den Erwartungen gelegen. Das sei das schlechteste Ergebnis seit der Rezession von 2008/09 und das, obwohl die Analysten ihre Erwartungen vor der Berichtssaison nach unten revidiert hätten. Nur 40% der Unternehmen, die bis jetzt ihre Ergebnisse bekannt gegeben hätten, hätten die Umsatzerwartungen übertreffen können. Dieser Anteil sei außergewöhnlich niedrig. Auch in Zukunft werden die Analysten unserer Ansicht nach ihre Gewinnerwartungen herunterschrauben müssen, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners. Konsenserwartungen lägen bei einem Wachstum von fast 7% für dieses und von 12% für nächstes Jahr. Insbesondere die Erwartungen für das kommende Jahr würden den Analysten übertrieben optimistisch erscheinen.
In Bezug auf den Umsatz hätten europäische Unternehmen besser abgeschnitten: 51% von ihnen hätten die Erwartungen übertroffen. Die Konsenserwartungen für dieses Jahr lägen bei einem Rückgang der Gewinne um 5%. Ähnlich wie in den USA erscheine der für das nächste Jahr erwartete Zuwachs von 12% ambitiös.
Bis auf weiteres würden die Analysten nicht damit rechnen, dass die Kurse amerikanischer oder europäischer Aktien durch Unternehmensgewinne gestützt würden. Für die Schwellenländer würden sie keinen weiteren Rückgang der Inflation erwarten. Da die Inflationsraten bereits ein niedriges Niveau erreicht hätten, sei dort eine weitere geldpolitische Lockerung möglich. Aufgrund der derzeitigen Risikoscheu würden die Analysten jedoch nicht damit rechnen, dass Schwellenländeraktien von solchen Maßnahmen profitieren würden. (03.08.2012/ac/a/m)
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