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So, 26. April 2026, 19:13 Uhr

Tschechien: Weiter Liebling der Kapitalmärkte?


21.02.13 16:00
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Tschechien ist 2012 wieder in die Rezession gerutscht: Das reale BIP ist um gut 1% gegenüber dem Vorjahr geschrumpft und wird 2013 erneut leicht nachgeben (-0,2%), so die Analysten der Helaba.

Bei der mittlerweile auf 7,5% angestiegenen Arbeitslosenquote (nach Eurostat) dürfte der Konsum nochmals leicht rückläufig sein. Die neuerliche Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2013 um einen Prozentpunkt auf 21% und 15% trage hier ihren Teil bei. Die Auswirkung auf die Inflation werde aber gebremst durch die gedrückte Konsumentenstimmung. Auch die Investitionen würden aufs Wachstum drücken. Gleichzeitig befinde sich Europa als wichtigste Exportregion derzeit in einer Phase schwachen Wachstums. Rund 80% der tschechischen Exporte würden in die EU gehen, etwa ein Drittel nach Deutschland. Gemessen am BIP hätten die Exporte ein Gewicht von rund 75%.

Ein weiterer Grund für die schwache Wirtschaftsentwicklung in Tschechien sei die rigide Konsolidierungspolitik der Regierung, die sich von den schlechten Fiskaldaten einiger EU-Länder differenzieren wolle. 2012 habe das Defizit aufgrund von Sondereffekten mit 5% des BIPs zu Buche geschlagen. 2013 dürften die Zahlen bei einem Defizit von gut 3% und einer Staatsverschuldung von rund 45% des BIPs deutlich besser aussehen. Eine Nebenwirkung seien jedoch konjunkturelle Bremseffekte. Wichtige Teile des Konsolidierungspakets seien Steuererhöhungen und die Anbindung der staatlichen Pensionen an die derzeit niedrige Inflation. Um die Ausrichtung auf fiskalische Stabilität verbindlicher zu machen, wolle die Regierung Verschuldungsgrenzen in der Verfassung verankern.

Die Tschechische Krone (CZK) spiegele den historisch niedrigen Leitzins (0,05% seit November 2012) und die aktuellen politischen Querelen, die allerdings eine gewisse Tradition hätten, wider. Obwohl auch die Krone beim Ausbruch der Finanzkrise ins Schleudern gekommen sei, sei sie die einzige der drei zentraleuropäischen Währungen, deren Wert zum Euro in der Betrachtung über die letzten zehn Jahre deutlich gestiegen sei. Dank des niedrigen Anteils von Fremdwährungskrediten setze die derzeitige Schwäche gegenüber dem Euro weder den Staat noch die privaten Haushalte bei der Rückzahlung von Krediten unter Druck. Als Exportunterstützung dürfte sie nicht ungelegen kommen.

Die lockere Geldpolitik werde die Notenbank bei der aktuellen Konjunkturflaute und Inflationszahlen nahe dem Ziel von 2% (+/-1 Prozentpunkt) noch eine Weile beibehalten. 2013 werde die Krone tendenziell etwas stärker werden und sich somit auch im Vergleich mit dem Ungarischen Forint (HUF) und dem Polnischen Zloty (PLN) weiter behaupten. Die tschechische Fiskalpolitik werde mit fortgesetzt niedrigen Risikoaufschlägen an den Bondmärkten honoriert.

Zum Euro-Beitritt sei Tschechien zwar vertraglich verpflichtet, ein konkreter Zeithorizont existiere bislang jedoch nicht. Als nächsten Schritt müsste das Land am Wechselkursmechanismus teilnehmen und eine engere Bindung zum Euro eingehen. Diese wirtschaftspolitische Restriktion dürfte in näherer Zukunft vermieden werden, da die Handlungsmöglichkeiten bei rekordniedrigen Leitzinsen und der Ausrichtung auf fiskalische Konsolidierung ohnehin schon eingeschränkt seien. (21.02.2013/ac/a/m)




 
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