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So, 26. April 2026, 15:15 Uhr

US-Börsen Gegenbewegung


29.03.04 11:19
iWatch

Nach einer Woche mit täglich tieferen Aktienkursen und fallenden Börsenindizes gab es die lang ersehnte Gegenbewegung: den "Bounce", wie man im Englischen sagt, so die Experten von "iWatch".

Am Donnerstag habe der Nasdaq die Verluste der vier vorangegangenen Handelstage wett gemacht. An nur einem Tag sei der Nasdaq um unglaubliche 3% gestiegen! Das sei mehr an einem Tag, als Anleger derzeit für ihre Festgelder im ganzen Jahr bekommen würden. Und die vorhergehenden Verluste seien alles andere als gering gewesen, schön wenn der Schmerz nachlasse.

Die letzten Tage seien nicht einfach gewesen. Die drei Jahre Baisse noch lebhaft vor Augen, hämmere die Angst im Kopf herum: "Glaub nicht wieder die Sprüche, dass man diese Korrektur aussitzen könne". Viele Anleger seien der Angst erlegen und hätten von Freitag bis zum letzten Mittwoch heftig verkauft.

Seit seinem Höchststand am 26. Januar dieses Jahres sei der Nasdaq von 2.153 Punkten bis auf 1.896 Punkte um 12% gefallen. Der Wochenbeginn sei mehr als schlecht gewesen: Am Wochenende sei der spirituelle Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, von den Israelis liquidiert worden, weitere "Liquidationen" würden folgen, so die israelische Regierung. Die USA stünden diesem Schritt neutral gegenüber. Eine Lösung des Konflikts sei in weite Ferne gerückt, schlimmer noch: es sei zu erwarten, das sich wieder vermehrt Palästinenser in die Luft sprengen würden.

Weiterhin habe das Gerücht kursiert, die Ergreifung eines hohen Führers von Al Quaida in Pakistan stünde kurz bevor. Dieses Gerücht habe sich bislang nicht bewahrheitet. Gepaart mit dem Terroranschlag von Madrid und den Ereignissen des vergangenen Wochenendes also ausreichend Stoff, um die Angst vor einem weltweiten Terrornetzwerk auf das Börsenparkett zu übertragen.

Am Sonntag Abend habe Richard Clark, ehemaliger Antiterrorbeauftragter von George Bush, in der US-TV-Sendung "60 Minutes" gesprochen. Clark habe die 60 Minuten genutzt, um ordentlich mit Bush abzurechnen. Offensichtlich sei Clark unzufrieden mit der Vorgehensweise Bushs gewesen, habe sich in seinem Amt nicht durchsetzen können und habe schließlich gehen müssen. Die 60 Minuten habe er über Bush hergezogen und habe damit einen derben Imageschaden für George Bush verursacht.

Nun, die Experten hätten es in den letzten Wochen erläutert und würden es gern wiederholen: Nein, sie würden nicht Bush wählen, wenn sie in den USA wahlberechtigt wären. Je mehr sie über den Opponenten Kerry erfahren würden, desto mehr zweifle man daran, das er wesentlich besser sei. Aber eines habe man nun gesehen: Wenn die Wiederwahl Bushs gefährdet erscheine, wie nach der TV-Sendung am vergangenen Wochenende, dann würden panische Verkäufe an den US-Aktienbörsen folgen.

Aber damit nicht genug. Vor einigen Tagen habe das Öl bei 38,18 US-Dollar je Fass gestanden. Das sei recht weit entfernt von den vielfach prognostizierten 17 US-Dollar, die nach erfolgreicher Beendigung des Irakkrieges herbeigeredet worden seien. Es sei auch um einiges höher als die inoffiziell gewünschte Handelsspanne zwischen 27 US-Dollar und 33 US-Dollar. Es stelle sich die Frage, ob der Ölpreis außer Kontrolle gerate.

Die USA habe eine sehr energiehungrige Wirtschaft. Ein hoher Ölpreis führe zu hohen Energiepreisen, dies wiederum könne jederzeit den wirtschaftlichen Aufschwung abtöten. Hinter dem Ölpreisanstieg liege die Ankündigung der OPEC vom 10. Februar dieses Jahres, die Ölfördermenge in März und April um 1,5 Mio. Fässer und 1 Mio. Fässer resp. zu senken.

Seit dem 10. Februar sei das Öl von 29 US-Dollar um bis zu 27% angestiegen. Am Donnerstag schließlich sei der Ölpreis wieder deutlich zurückgefallen. Die OPEC habe nun angekündigt, die zweite Ölfördermengensenkung um zwei Monate nach hinten zu verschieben.

Gleichzeitig hätten sich in den letzten Tagen die Bullen verabschiedet, die Experten würden wieder mehr Anfragen zu möglichen Leerverkäufen als zu Aktienkäufen erhalten. Börsianer sähen wieder mehr Chancen, Geld zu verdienen, indem sie auf fallende Kurse setzen würden, also Aktien leerverkaufen würden als durch den Kauf von guten Aktien.

Die Experten hätten in den letzten Wochen mehrfach Gründe geliefert, warum die aktuelle Korrektur technisch bedingt sei und zu Nachkäufen genutzt werden sollte. Anleger hätten nun vier Tage Zeit gehabt, ihr Kapital zu investieren. Nach der 3%-Rallye vom gestrigen Donnerstag sei diese Chance wieder vorbei.

Aber auch Gold und US-Dollar hätten in dieser Woche wieder ihre alte Richtung aufgenommen: bei fallendem Wert des US-Dollars steige der Preis des glänzenden Metalls.

Einige Meldungen seien in der abgelaufenen Woche untergegangen: Goldman Sachs beispielsweise habe ein Quartalsergebnis veröffentlicht, das die Erwartungen der Analysten bei weitem übertroffen habe. Ein weiteres Zeichen dafür, dass der Finanzsektor noch sehr gesund sei.

Microsoft habe nun endlich das Urteil von der EU- Kartellbehörde erhalten: Knapp eine halbe Milliarde Euro Strafe seien zu zahlen. Bei Barreserven von 52 Mrd. US-Dollar tue dieser Betrag Microsoft nicht weh. Weh tue jedoch die Erkenntnis, dass die EU-Kartellbehörde nicht mehr gewillt sei, eine weitere Ausnutzung von Wettbewerbsvorteilen von Microsoft durch die Quasi-Monopolstellung im Markt der Betriebssysteme zu dulden.

So, nun habe man also nach mehreren Wochen Korrektur eine heftige Gegenbewegung erleben dürfen. Es stelle sich nun die Frage, ob das schon das Signal für eine Fortsetzung der Rallye sei. Oder ob die Börse noch ein paar Rückschläge brauche, um die verbliebenen zittrigen Hände noch aus dem Markt zu schütteln. Eine klare Antwort darauf gebe es nicht.





 
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