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Fr, 24. April 2026, 7:50 Uhr

Wie entscheidet Greenspan?


12.08.02 14:19
EveryBuddy`s Trade

Es scheint keinen Zweifel mehr darüber zu geben, dass die US-amerikanischen Aktienmärkte im letzten Monat, im Juli 2002, ihre Kapitulation gehabt haben, berichten die Analysten von "EveryBuddy's Trade".

Das historisch höchste Volumen, was jemals in einer Woche und in einem Monat an den US-amerikanischen Börsen gehandelt worden sei, die weiteste Range von 1.753,72 DOW Punkten (1.753,72 Punkte runter und 1.246,05 wieder hinauf), die jemals in einem Monat erzielt worden sei, und die für einen Crash so typische Index Volatilität von über 50 seien eindeutige Merkmale dafür gewesen. Inzwischen sei die Volatilität schon wieder unter 40 gefallen, und es werde Zeit, sich auf den neuen Markttrend einzustellen.

Bevor man sich Gedanken über Neuanlagen mache, die jedoch genauestens für die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen abgestimmt werden müssten, sollte man nochmals darüber nachdenken, wer uns diesen Bear Market überhaupt eingebrockt habe. Dazu habe es am Freitag in einem interessanten Artikel von George Bragues in der NATIONAL POST eine feine historische Parallele gegeben: Im Sommer 1927 sei Benjamin Strong der Chairman des FEDERAL RESERVE BOARD gewesen und habe einem Kollegen anvertraut, dass er "will give a little coup de whiskey to the stock market". Benjamin Strong habe die DISCOUNT RATE mehrere Male gesenkt und der DOW JONES INDUSTRIAL AVERAGE habe sich in den nächsten 2 Jahren mehr als verdoppelt, kreierte eine Bubble, die sich im Crash 1929 korrigierte. Genauso habe Alan Greenspan im Herbst 1989 der Börse seinen Coup de Whiskey gegeben als Antwort auf das Russische Moratorium und der Zahlungsfähigkeit von LONG TERM CAPITAL MANAGEMENT.

Dieser Coup de Whiskey habe sogar noch länger angehalten, da einmal Alan Greenspan überzeugt gewesen sei, dass die technologische Revolution die Produktivität wesentlich erhöhen würde, ausserdem habe der Maestro Angst vor dem Millennium Bug gehabt (Softwarefehler beim Übergang zu 000), genauso wie Ed Yardeni, seinerzeit Chef Stratege bei DEUTSCHE BANK ALEX BROWN, jetzt wieder bei seinem vorigen Arbeitgeber PRUDENTIAL SECURITIES, der ja beinah einen Weltuntergang voraussagte.

Dieser übermässige Coup de Whiskey habe die Aktien wesentlich über ihre normalen Kursniveaus hinauswachsen lassen, die in dem danach folgenden Bear Market hätten wieder korrigiert werden müssen. Die kürzlich oft geäusserten Vergleiche mit dem Crash 1929 seien daher gar nicht so weit hergeholt. Genauso wie Präsident Herbert Hoover Anfang der 30er Jahre die Börsianer beschimpft habe und Untersuchungen angestellt habe, habe jetzt President Bush die SEC und das Justizministerium veranlasst, Untersuchungen einzuleiten und höhere Bestrafungen und stärkere Kontrollen einzuführen.

Viele Gesellschaften seien seinerzeit und heuer kaputtgegangen. Wenn man sich nur vorstelle, dass es seinerzeit und diesmal nur ein Coup de Whiskey des jeweiligen FED Chairmans gewesen sei, hätten eine Kapitalausradierung in den USA von rund USD 8 Billionen (dreieinhalb mal so gross wie das Bruttosozialprodukt Deutschlands) verhindert und viele private Schicksalsschläge vermieden werden können. Wie oft sei hier schon der Ruf nach Kontrolle eines FED Chairmans erwähnt worden, es könne doch nicht sein, dass die Weltwirtschaft in den Händen eines einzigen Mannes liege. Oft sei hier vorgeschlagen worden, dass es einen Aufsichtsrat aus Vertretern aller Geschäfts- und Gesellschaftszweigen geben sollte, die zumindest den Zentralbankier beraten sollten. Zum Anderen würden in diesem ausgezeichneten Artikel von George Bragues die liberalen Economisten Ludwig von Mises und Friedrich Hayek erwähnt, die schon in den 20er und 30er Jahren der Meinung gewesen seien, das sich die Kreditmärkte von selbst korrigieren, wenn sie allein gelassen würden.

In diesem Zusammenhang falle ein beiläufiger sarkastischer Kommentar von Oskar Lafontaine ein, der gemeint habe, dass es nicht einen Genius brauche, um die Leitzinsen einen "Schnaps" hinauf- oder hinunterzusetzen. Im Gegenteil: Es brauche wesentlich mehr als das. Die grosse Frage sei jetzt: Wie werde sich der FED Chairman morgen an der regulären FOMC-Sitzung entscheiden? Habe Alan Greenspan den Artikel von George Bragues gelesen? Sei sich der Maestro dessen bewusst? Werde er deswegen keine Leitzinssenkung vornehmen? BRIDGEWATER ASSOCIATES würden jedoch meinen: " If the Fed does not act, they risk being forced to act between meetings, a position they would like to avoid. The question on the Fed's mind Tuesday will more likely be whether it should ease 25 basis points or 50 basis points, not whether it will ease at all."

Auch die Economisten Richard Berner und David Greenlaw von MORGAN STANLEY würden glauben, dass "officials want to insure that economic hesitation does not turn into broader-based economic weakness" und würden eine Senkung der FED TARGET für wahrscheinlich halten. Die Unsicherheit vor der morgigen Entscheidung beeinflusse die vorbörslichen Indikationen der Index Futures, die heute Morgen deutlich schwächer tendiert hätten.

President Bush habe den Rekord im Fundraising von Bill Clinton schon geschlagen. Nach nur 19 Monaten im Amt habe der schon über USD 100 Mio. einsammeln können.





 
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