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Fr, 24. April 2026, 2:28 Uhr

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben


11.06.25 10:55
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.aktiencheck.de) - Die Hoffnung stirbt zuletzt - so könnte man die jüngsten, überraschend optimistischen "risk on"-Tendenzen am Kapitalmarkt bezeichnen - nach den Schockwellen Anfang April infolge der Zollankündigungen und dem nachfolgenden, temporären Aufschub durch US-Präsident Trump, so Karin Kunrath, Chief Investment Officer von Raiffeisen Capital Management.

Abgesehen von den üblichen Gewöhnungseffekten unter den Marktteilnehmern gebe es offenbar auch weiterhin ausreichendes Vertrauen dahingehend, dass die zahlreichen und mitunter erratischen Ankündigungen zur Handelspolitik ein essenzieller Bestandteil der Verhandlungstaktik seitens der US-Administration seien, und sich alle schon erkennbaren wirtschaftlichen Implikationen letztlich in Wohlgefallen auflösen würden. Anders sei die unverändert überdurchschnittlich hohe Bewertung nicht zu erklären, obwohl sich das aktuelle Umfeld und auch die Aussichten nachhaltig verändert hätten. Denn mit den höheren Importzöllen als vor dem "Liberation Day" (selbst wenn diese dann effektiv weit unter den unrealistischen Erstankündigungen zu liegen kämen), dem nun eingeschränkten Welthandel und den damit beeinträchtigten Lieferketten, dem sinkenden Verbrauchervertrauen in der Erwartung spürbar höherer Preise und der Furcht vor einer Eintrübung am Arbeitsmarkt sowie der mangelnden Planungssicherheit und dem erhöhten Margendruck bei den Unternehmen, erscheine die amerikanische Wirtschaft schon jetzt angeschlagen. Dementsprechend würden zahlreiche Frühindikatoren auf eine Abschwächung der Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten in den kommenden Wochen und Monaten hinweisen. Darüber hinaus werde die ohnehin schon sehr hohe Verschuldung der USA infolge der kürzlich beschlossenen Steuerreform einen neuen Höchststand erreichen und das Vertrauen in das US-Finanzsystem zusätzlich belasten. Angesichts dieser Rahmenbedingungen stelle sich die Frage, ob es in den USA nur zu einer Wachstumsdelle oder zu einer - eher seltenen - Stagflation, also der Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und erhöhter Inflation oder letztlich doch zu einer "ganz normalen" Rezession komme, in der die Notenbank entsprechend gegensteuern könne. Je nach Ausmaß des Abschwungs in den Vereinigten Staaten, werde es wohl auch global zu einer Wirtschaftsabschwächung kommen. Die Marktindikatoren von Raiffeisen Capital Management würden weiterhin eine risikoaverse Positionierung bestätigen, daher bleibe man bei Aktien weithin vorsichtig.

Staatsanleihen: US-Staatsanleihen mit steileren Zinskurven am langen Ende

Aufgrund fehlender Einschätzbarkeit der US-Administration bleibe Raiffeisen Capital Management bei US-Staatsanleihen vorerst Duration-neutral positioniert, rechne jedoch (wie auch bei deutschen Staatsanleihen) mit einer noch steileren Zinskurve am langen Ende (10/30 Jahre Zinskurve). Für Euro-Staatsanleihen, insbesondere für französische und deutsche Papiere, sei Raiffeisen Capital Management positiv gestimmt.

Unternehmensanleihen: Mittelfristig könnten Risikoprämien steigen

Am Markt für Unternehmensanleihen sei Raiffeisen Capital Management trotz der zuletzt guten Ertragsentwicklung weiterhin bei US-High-Yield-Unternehmensanleihen vorsichtig. Die von US-Präsident Trump präferierte Wirtschaftspolitik dürfte den dort verhafteten Unternehmenssektor vermutlich weiter schwächen. Raiffeisen Capital Management rechne mittelfristig mit steigenden Risikoprämien und agiere entsprechend zurückhaltend. Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen bleibe man unverändert neutral positioniert.

Emerging-Markets-Anleihen: Risikoprämien kräftig gesunken

Raiffeisen Capital Management bleibe bei Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen defensiv positioniert. Ausschlaggebend sei eine erwartete höhere Risikoaversion bei USD-Anleihen-Investoren. Die Risikoprämien von Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen seien trotz der wirtschaftspolitischen Irrungen und Wirrungen der US-Administration inklusive sehr hoher Zölle gegenüber den Emerging-Markets-Ländern kräftig gesunken und würden weiterhin ein Schönwetter-Szenario diskontieren, das Raiffeisen Capital Management so aktuell nicht erwarte.

Entwickelte Aktienmärkte: Erratische Maßnahmen in den USA würden für Unsicherheit sorgen

Die globalen Aktienmärkte hätten sich vom "Zollschock" überraschend schnell erholt. Die Hoffnung auf geringere Zölle und rasche Handelsabkommen scheine aktuell zu dominieren. Raiffeisen Capital Management erwarte aber weiterhin, dass die erratischen Maßnahmen aus den USA für anhaltende Unsicherheit sorgen würden. Geringeres Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig höheren Inflationsraten werde auch den Unternehmenssektor belasten. Raiffeisen Capital Management bleibe daher weiterhin vorsichtig.

Emerging Markets: fundamentale Bewertung weiterhin günstig

Nach der durchwachsenen Entwicklung von US-Aktien in den letzten Monaten sei eine globale Erholung eingetroffen, die insbesondere an den entwickelten Märkten stattgefunden habe. Dennoch hätten Emerging-Markets-Aktien den Performance-Vorteil, den sie in diesem Jahr herausgeholt hätten, halten können. Weiter fraglich bleibe, wie sich die Maßnahmen der US-Regierung konjunkturell auswirken würden. Die fundamentale Bewertung für die Emerging-Markets-Region sei weiter recht günstig. Seit Jahresbeginn hätten insbesondere Telekom und Finanzwerte profitieren können.

Rohstoffmärkte: Bereich Edelmetalle gut unterstützt

Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich zuletzt sehr uneinheitlich präsentiert. Edelmetalle hätten erneut zulegen können. Der Sektor profitiere von der globalen Unsicherheit und Zentralbankkäufe würden für anhaltende Unterstützung sorgen. Während Industriemetalle ebenfalls leicht hätten zulegen können, hätten im Energiebereich die Förderausweitungen belastet. Raiffeisen Capital Management sehe den Bereich Edelmetalle auch in den nächsten Monaten gut unterstützt. (Kapitalmarktkommentar Juni 2025) (11.06.2025/ac/a/m)




 
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