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Di, 21. April 2026, 16:26 Uhr

Brexit sorgt für Chancen in UK


08.11.19 15:35
IG

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - Wirtschaftliche Unsicherheit und möglicherweise sogar eine Rezession im Land: Vor dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 spekulierten Experten, dass ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) zu großen Verwerfungen führen würde. Das ist bisher nicht der Fall, so Konstantin Oldenburger, Analyst beim Online-Broker IG Europe.

"Die britische Wirtschaft ist sogar weitergewachsen, aber die Prognosen deuten auf ein langsameres Wachstum in der Zukunft hin. Ebenso ist die Arbeitslosigkeit seit 2016 kontinuierlich gesunken", beobachte Oldenburger.

Während sich Großbritanniens konjunkturelle Entwicklung insgesamt als robust erweise, hätten sich jedoch einzelne Wirtschaftssektoren rückläufig entwickelt. Oldenburger nenne Beispiele: "Die Dynamik der Automobilbranche hat sich merklich verlangsamt. Gleichermaßen schwächelt der britische Immobilienmarkt."

In vielen Wirtschaftsprognosen werde derzeit festgestellt, dass die konjunkturelle Abschwächung anhalten dürfte und dass Großbritanniens Wirtschaft möglicherweise schlechter dastehen werde, als es bei einem Verbleib in der Europäischen Union der Fall wäre. So habe der Internationale Währungsfonds (IWF) davor gewarnt, dass durch einen No-Deal-Brexit eine Rezession riskiert werde, die zwei Jahre anhalten könnte. Langfristige Prognosen, erstellt von der britischen Regierung, würden besagen, dass das britische BIP in den nächsten 15 Jahren um 8 Prozent sinken könnte. "Die zukünftigen Entwicklungen hängen jedoch weitgehend davon ab, mit welchem Abkommen das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlässt", urteile Konstantin Oldenburger.

"Generell ist sich ein Großteil der Ökonomen einig, dass sich für jedes Land eine EU-Mitgliedschaft positiv auf den Handel und die wirtschaftliche Lage auswirkt, denn der europäische Handelsblock erhebt keine Zölle für den grenzüberschreitenden Warenverkehr", wisse Oldenburger.

Der britische Premierminister Boris Johnson habe daher Mitte Oktober mit der EU einen geänderten Austrittsvertrag ausgehandelt. Johnson habe mit Brüssel vereinbart, dass es immerhin bis Ende 2020 ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien geben solle. Zudem hätten beide Seiten die Frage geklärt, wie die Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland auch nach dem Brexit offenbleiben könne. Am 17. Oktober habe der Europäische Rat das geänderte Brexit-Abkommen gebilligt. Das britische Unterhaus und das Europäische Parlament müssten nun noch zustimmen, damit das Abkommen in Kraft treten könne. Verbunden sei damit eine Verschiebung des Austritts auf den 31. Januar 2020.

Befürwortern des Brexits sei gerade der einseitige Handel mit der EU ein Dorn im Auge. Denn derzeit sei es Großbritannien als EU-Mitglied nicht gestattet, unabhängige Freihandelsabkommen abzuschließen. Nach dem Brexit werde das Vereinigte Königreich aber in der Lage sein, Handelsabkommen mit Ländern wie den USA und China einzugehen. Doch nicht nur die Tür zu unabhängigen Handelsabkommen mit den großen Wirtschaftsmächten werde geöffnet. "Auch zu Schwellenländern wie Brasilien und Indien ist der Weg für die Briten dann frei. Ob Großbritannien allerdings in der Lage sein wird, äquivalente Freihandelsabkommen zu schließen, die den gleichen Marktzugang bieten wie die EU, bleibt jedoch abzuwarten", erkläre Konstantin Oldenburger. (08.11.2019/ac/a/m)