Comeback der 60/40-Strategie
21.12.23 16:01
ODDO BHF Asset Management
Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - Von einer "neuen Ära" spricht Laurent Denize, CIO bei ODDO BHF Asset Management, angesichts des Wendepunkts bei den Zinssätzen in 2022/2023.
"Die Ära des billigen Geldes ist vorbei." In der kommenden Rezessionsphase werde es vermutlich nicht möglich sein, länger auf Nullzinspolitik oder quantitative Lockerungen zu setzen. Zudem dürften die Zinsen im kommenden Jahrzehnt im Durchschnitt deutlich höher liegen als in der vergangenen Dekade, heiße es in einem aktuellen Marktkommentar.
Noch seien nicht alle Auswirkungen der verschärften finanziellen Bedingungen auf die Wirtschaft zu Tage getreten. Fest stehe aber, dass sich nach der Durststrecke für festverzinsliche Anlagen mit den klassischen Anlageklassen Aktien und Anleihen bereits heute auf einfache Weise diversifizierte Portfolios hätten aufbauen lassen, die 2024 die Aussicht auf eine Rendite zwischen 4 und 10% böten. "Das ist das große Comeback der berühmten 60/40-Strategie", so Denize, der auch Co-CIO bei ODDO BHF sei. Mit einer Portfolioallokation von 60% Aktien und 40% Anleihen werde es wieder möglich sein, in jedem Börsenumfeld zu bestehen.
Zwar habe die Rezession in diesem Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks hinausgezögert werden können, ganz verhindern lassen dürfte sie sich Denize zufolge aber nicht. "Die Industrieländer werden dieses Mal wohl ohne einen kräftigen fiskalpolitischen Impuls auskommen müssen, es sei denn, die Geldpolitik würde erheblich gelockert. Für das Risiko-Rendite-Verhältnis von Aktien wäre ein stärkerer Abschwung weniger günstig. Andererseits würde der Anleiheteil durch Carry Trades und sinkende Zinsen Kapitalerträge bringen und könnte die schwache Aktienperformance mehr als ausgleichen. Dies ist jedoch nicht das für uns wahrscheinlichste Szenario."
Umgekehrt wäre ein "No-Landing"-Szenario für Aktienindices günstig, es würde die Zentralbanken aber zu einer abwartenden Haltung zwingen. "In diesem Fall könnte die Anleiheperformance enttäuschend ausfallen, was jedoch durch eine Neubewertung der Aktien kompensiert würde, deren Bewertungen sich derzeit auf einem Niveau unterhalb des historischen Durchschnitts befinden." Auch diesem Szenario messe Denize keine große Wahrscheinlichkeit bei. Er halte ein Soft-Landing-Szenario am wahrscheinlichsten. "Ein Abschwung ohne Abgleiten in eine ausgeprägte Rezession würde es den Zentralbanken erlauben, die Zinsen zu senken, ohne die Wirtschaft übermäßig zu belasten. Sowohl Anleihen als auch Aktien könnten von einem solchen Umfeld profitieren und zweistellige Renditen erzielen."
Denize zufolge gehe es auf der Aktienseite darum, die Sektoren und Unternehmen zu identifizieren, die langfristig Wert schaffen könnten. "Angesichts des weniger günstigen makroökonomischen Umfelds setzen wir auf Sektoren mit weniger konjunkturabhängigen Cashflows und insbesondere auf die Gesundheits- und Konsumbranche. In zyklischen Werten reduzieren wir hingegen unser Engagement, nachdem diese sich im vergangenen Jahr stark überdurchschnittlich entwickelt haben. Im Halbleiterbereich nehmen wir Gewinne mit, halten aber an unserer Übergewichtung in Titeln mit Bezug zu künstlicher Intelligenz fest. Bei Microsoft oder Google ist diesbezüglich weiterhin eine überdurchschnittliche Performance denkbar. Denn diese Unternehmen haben gegenüber ihrer Konkurrenz einen technischen Vorsprung und mehr Spielraum für Investitionen."
In den Bewertungen einiger zyklischer Titel sei bereits ein überaus schwieriges makroökonomisches Szenario eingepreist, das dem der letzten konjunkturellen Abschwungphasen ähnle. "Ein gutes Beispiel dafür ist der Rohstoffsektor, der allmählich wieder Eingang in unsere Portfolios findet. Auch in Luxus-Aktien sind wir nach den jüngsten Kursverlusten wieder stärker engagiert." Ein über dem Nominalwachstum liegendes organisches Wachstum und günstige Bewertungen in einem Umfeld, in dem die Eintrittsbarrieren so hoch seien wie nie zuvor, böten mehr als gute Gründe, um Luxusgüterwerte wieder zu einem Kerninvestment im Portfolio zu machen.
"Seit November 2022 sind wir in Hochzinsanleihen übergewichtet, da die gebotene Rendite unserer Meinung nach das Risiko mehr als kompensiert. Wir halten an dieser Überzeugung fest, nehmen aber eine Umschichtung in Laufzeiten von 2 bis 5 Jahren vor", schreibe Laurent Denize. Ebenso sei ODDO BHF weiterhin in deutschen und amerikanischen Staatsanleihen engagiert, die in der zweiten Jahreshälfte stark von den Zinssenkungen der Zentralbanken profitieren dürften.
ODDO BHF sei im September 2023 ein Engagement im Yen eingegangen. Es lasse sich schwer vorhersagen, wann genau die japanische Notenbank den geldpolitischen Kurswechsel einläute. "Der Zeitpunkt war jedoch noch nie so nah wie jetzt, und dies ist eine unserer zentralen Empfehlungen für 2024", betone Laurent Denize. "Ein solches Engagement bietet zudem die Möglichkeit der Risikodiversifikation im Falle einer exogenen Krise." (21.12.2023/ac/a/m)
"Die Ära des billigen Geldes ist vorbei." In der kommenden Rezessionsphase werde es vermutlich nicht möglich sein, länger auf Nullzinspolitik oder quantitative Lockerungen zu setzen. Zudem dürften die Zinsen im kommenden Jahrzehnt im Durchschnitt deutlich höher liegen als in der vergangenen Dekade, heiße es in einem aktuellen Marktkommentar.
Noch seien nicht alle Auswirkungen der verschärften finanziellen Bedingungen auf die Wirtschaft zu Tage getreten. Fest stehe aber, dass sich nach der Durststrecke für festverzinsliche Anlagen mit den klassischen Anlageklassen Aktien und Anleihen bereits heute auf einfache Weise diversifizierte Portfolios hätten aufbauen lassen, die 2024 die Aussicht auf eine Rendite zwischen 4 und 10% böten. "Das ist das große Comeback der berühmten 60/40-Strategie", so Denize, der auch Co-CIO bei ODDO BHF sei. Mit einer Portfolioallokation von 60% Aktien und 40% Anleihen werde es wieder möglich sein, in jedem Börsenumfeld zu bestehen.
Zwar habe die Rezession in diesem Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks hinausgezögert werden können, ganz verhindern lassen dürfte sie sich Denize zufolge aber nicht. "Die Industrieländer werden dieses Mal wohl ohne einen kräftigen fiskalpolitischen Impuls auskommen müssen, es sei denn, die Geldpolitik würde erheblich gelockert. Für das Risiko-Rendite-Verhältnis von Aktien wäre ein stärkerer Abschwung weniger günstig. Andererseits würde der Anleiheteil durch Carry Trades und sinkende Zinsen Kapitalerträge bringen und könnte die schwache Aktienperformance mehr als ausgleichen. Dies ist jedoch nicht das für uns wahrscheinlichste Szenario."
Denize zufolge gehe es auf der Aktienseite darum, die Sektoren und Unternehmen zu identifizieren, die langfristig Wert schaffen könnten. "Angesichts des weniger günstigen makroökonomischen Umfelds setzen wir auf Sektoren mit weniger konjunkturabhängigen Cashflows und insbesondere auf die Gesundheits- und Konsumbranche. In zyklischen Werten reduzieren wir hingegen unser Engagement, nachdem diese sich im vergangenen Jahr stark überdurchschnittlich entwickelt haben. Im Halbleiterbereich nehmen wir Gewinne mit, halten aber an unserer Übergewichtung in Titeln mit Bezug zu künstlicher Intelligenz fest. Bei Microsoft oder Google ist diesbezüglich weiterhin eine überdurchschnittliche Performance denkbar. Denn diese Unternehmen haben gegenüber ihrer Konkurrenz einen technischen Vorsprung und mehr Spielraum für Investitionen."
In den Bewertungen einiger zyklischer Titel sei bereits ein überaus schwieriges makroökonomisches Szenario eingepreist, das dem der letzten konjunkturellen Abschwungphasen ähnle. "Ein gutes Beispiel dafür ist der Rohstoffsektor, der allmählich wieder Eingang in unsere Portfolios findet. Auch in Luxus-Aktien sind wir nach den jüngsten Kursverlusten wieder stärker engagiert." Ein über dem Nominalwachstum liegendes organisches Wachstum und günstige Bewertungen in einem Umfeld, in dem die Eintrittsbarrieren so hoch seien wie nie zuvor, böten mehr als gute Gründe, um Luxusgüterwerte wieder zu einem Kerninvestment im Portfolio zu machen.
"Seit November 2022 sind wir in Hochzinsanleihen übergewichtet, da die gebotene Rendite unserer Meinung nach das Risiko mehr als kompensiert. Wir halten an dieser Überzeugung fest, nehmen aber eine Umschichtung in Laufzeiten von 2 bis 5 Jahren vor", schreibe Laurent Denize. Ebenso sei ODDO BHF weiterhin in deutschen und amerikanischen Staatsanleihen engagiert, die in der zweiten Jahreshälfte stark von den Zinssenkungen der Zentralbanken profitieren dürften.
ODDO BHF sei im September 2023 ein Engagement im Yen eingegangen. Es lasse sich schwer vorhersagen, wann genau die japanische Notenbank den geldpolitischen Kurswechsel einläute. "Der Zeitpunkt war jedoch noch nie so nah wie jetzt, und dies ist eine unserer zentralen Empfehlungen für 2024", betone Laurent Denize. "Ein solches Engagement bietet zudem die Möglichkeit der Risikodiversifikation im Falle einer exogenen Krise." (21.12.2023/ac/a/m)
