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So, 19. April 2026, 2:12 Uhr

Nahost-Konflikt - ein Game-Changer?


13.03.26 10:42
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.aktiencheck.de) - Nach dem Scheitern von Verhandlungen und dem Aufbau von erhöhtem Druck durch ein massives Aufgebot militärischer Kapazitäten im Nahen Osten, ist es Ende Februar zu einem Präventivschlag israelischer und amerikanischer Luft- und Seestreitkräfte gegen den Iran und damit zu einem - schon erwarteten - Krieg im Nahen Osten gekommen, so Karin Kunrath, CIO Raiffeisen Capital Management.

Die ersten Reaktionen an den Finanzmärkten hätten sich zunächst im Rahmen gehalten, wenngleich riskante Assets wie Aktien und risikoreichere Anleihekategorien Kursabschläge verzeichnet hätten, während Rohstoffe, insbesondere Öl, Gas und auch Gold sowie der US-Dollar als Krisenwährung deutliche Kurssprünge verzeichnet hätten. Bei den Staatsanleihen, die grundsätzlich als sicherer Hafen in volatilen Marktphasen gelten würden, habe es auch Kursabschläge und Renditeanstiege gegeben, zumal am Kapitalmarkt die Gefahr einer wieder merklich anziehenden Inflation gehandelt worden sei. Was auch die bislang vorhandene US-Zinssenkungsfantasie zeitlich noch weiter in die Zukunft geschoben, wenn nicht gänzlich eliminiert habe. Weil Europa aufgrund der bestehenden Abhängigkeiten einmal mehr als besonders verletzlich in Hinblick auf die Energiepreise und damit die importierte Inflation gelte, sei die gepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung durch die EZB noch im heurigen Jahr sprunghaft angestiegen. Ob dieser Konflikt die Weltwirtschaft nachhaltig negativ beeinträchtigen oder gar in eine Rezession führen werde, sei wohl in erster Linie von der Dauer der Auseinandersetzung und den deutlich erhöhten Energiepreisen infolge von unterbrochenen Lieferketten und zerstörten Förderanlagen abhängig. Somit lasse sich noch nicht seriös abschätzen, welche Spuren die Auswirkungen dieses Konflikts bei Inflation, Konsumklima, am Arbeitsmarkt und letztlich beim globalen Wirtschaftswachstum hinterlassen würden. Bis dato seien die Wachstumsprognosen noch außerordentlich positiv gewesen. Auch die Unternehmensergebnisse seien bislang sehr gut gewesen, ebenso der Ausblick auf die kommenden Quartale und das Gesamtjahr. Aus heutiger Sicht sollte eine zeitliche Begrenzung des Konflikts auf wenige Wochen den Erholungspfad der Weltwirtschaft nur temporär und in geringem Maße beeinträchtigen. In unserer Asset Allocation passten wir die Positionierung an das veränderte Marktumfeld an.

Staatsanleihen: Stark gestiegene Energiepreise brächten Inflationssorgen zurück

Wir erwarteten sinkende Renditen bei französischen und deutschen Staatsanleihen und setzten weiterhin auf australische und britische Staatsanleihen. Innerhalb der investierten Staatsanleihen gingen wir insbesondere bei US-Staatsanleihen von einer positiven Entwicklung aus. Mit den stark gestiegenen Energiepreisen seien die Inflationssorgen zurück und damit die Möglichkeit, dass Notenbanken restriktiver agierten als bisher erwartet. Das könne die Anleihenmärkte in Mitleidenschaft ziehen. Unsere Positionierung erfordere daher auch eine baldige Wiederaufnahme der Energieversorgung durch den Mittleren Osten.

Unternehmensanleihen: Vorsicht sei angebracht

Wir blieben am Markt für Unternehmensanleihen defensiv positioniert und seien sowohl bei US-High-Yield-Unternehmensanleihen als auch bei EUR-IG-Corporate-Bonds vorsichtig positioniert. Neben der aktuellen geopolitischen Schockstarre im Nahen Osten seien es die größer werdenden Probleme am Private-Credit-Markt sowie am Leveraged-Loan-Markt, die in weiterer Folge das Potenzial hätten, den Refinanzierungsmechanismus am Unternehmensanleihen-Markt zu beeinträchtigen. Noch schienen die Ansteckungsrisiken überschaubar, es gelte jedoch, die Situation genau zu beobachten.

Emerging-Markets-Anleihen mit etwas höheren Risikoprämien

Nach den Ereignissen im Iran und den damit verbundenen Auswirkungen auf den Energiemarkt und die allgemeine Risikoaversion hätten auch Schwellenländer-Anleihen etwas höhere Risikoprämien hinnehmen müssen. Schon in der Vergangenheit seien wir bei Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen zurückhaltend gewesen. Die aktuelle Lage im Nahen Osten und die Möglichkeit eines länger und in seiner Dimension größer als erwarteten Krieges ließen uns an dieser vorsichtigen Positionierung festhalten.

Entwickelte Aktienmärkte weiterhin von gutem Konjunkturumfeld unterstützt

Die globalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Monaten weiterhin recht fest präsentiert. Aktuell stehe aber der Iran-Krieg im Mittelpunkt und werde das Tagesgeschehen dominieren und für Volatilität sorgen. Auf Sicht der nächsten Monate sähen wir die Aktienmärkte aber weiterhin von einem guten Konjunkturumfeld und soliden Unternehmensgewinnen unterstützt. Aufgrund der hohen Unsicherheit in Zusammenhang mit dem Irak-Konflikt positionierten wir uns allerdings etwas weniger offensiv.

Emerging-Markets-Aktien: Bodenbildung dürfte abgeschlossen sein

Auch Anfang 2026 halte der positive Trend in den Schwellenländern an, was die These einer abgeschlossenen Bodenbildung stütze. Da die Bewertungen zuletzt schneller gestiegen seien als die realisierten Gewinne, bleibe das Gewinnwachstum der entscheidende Faktor. Aktuell zeige sich dies in Südkorea: Nach einer starken Rallye erfolge nun eine deutliche Korrektur. Wir werteten dies primär als gesunde Positionsanpassung und Rebalancing, nachdem die Kurse den Fundamentaldaten kurzfristig vorausgelaufen seien.

Rohstoffmärkte: mittelfristige Folgen des Iran-Kriegs auf Angebotsseite unklar

Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich zuletzt durchwegs sehr fest präsentiert. Nach einer außergewöhnlich starken Kursentwicklung bei Edelmetallen in den letzten zwölf Monaten sei es zuletzt zu einer Konsolidierung gekommen. Energierohstoffe hätten auf den Iran-Krieg natürlich besonders stark reagiert. Aktuell sei nicht absehbar, wie die mittelfristigen Folgen auf der Angebotsseite sein würden. Klar sei jedoch, dass kurzfristig eine deutliche Risikoprämie eingepreist worden sei. (13.03.2026/ac/a/m)




 
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