Ölmarkt - ein bisschen offen?
07.04.26 15:34
Julius Bär Holding
Zürich (www.aktiencheck.de) - Nach einem langen Osterwochenende ist die Lage im Iran-Krieg weitgehend unverändert, so Norbert Rücker, Head Economics and Next Generation Research bei Julius Bär.
Die Energiemärkte seien nervös, doch bislang seien keine großen Versorgungsausfälle zu beobachten gewesen. Das wahrscheinlichste Szenario bleibe ein kurzlebiger, sehr ausgeprägter Anstieg des Ölpreises.
Das lange Wochenende, an dem viele Märkte wegen der Feiertage geschlossen gewesen seien, habe keine wesentlichen Veränderungen in der vorherrschenden Dynamik des Iran-Kriegs gebracht. Laut den regelmäßigen Updates des Institute for the Study of War seien die Vergeltungsschläge des Iran in der Region im Vergleich zum Ende März weiterhin etwas intensiver und würden sich insbesondere gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait richten. Die Angriffe der USA und Israels in den letzten Tagen hätten zu schweren Schäden an einer wichtigen petrochemischen Anlage des Iran geführt, was wahrscheinlich eine anhaltende Versorgungsunterbrechung zur Folge haben werde.
Sobald sich der Konflikt jedoch entspanne, dürfte der petrochemische Markt weiterhin mit Überkapazitäten konfrontiert sein. Es gebe eine Reihe von Verhandlungsinitiativen, darunter die Vermittlungsbemühungen Pakistans sowie weitere Initiativen im Zusammenhang mit dem Handel durch die Straße von Hormus unter der Führung Omans und Großbritanniens. Doch die Gemeinsamkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran schienen bislang verschwindend gering zu sein.
Die von den USA angedrohte Eskalation im Zusammenhang mit einer Öffnung der Straße von Hormus dürfte die Energiemärkte vorerst in Unruhe und Nervosität versetzen. Die Definition von offenem Handel scheine eine Frage der Perspektive zu sein und weise unterschiedliche Nuancen auf. Der von Iran kontrollierte Schiffsverkehr rund um Hormus habe über das lange Wochenende zugenommen, wobei weitere Länder und Frachtgüter die Route eingeschlagen hätten. Neben asiatischen Abnehmern würden nun auch einige Golfstaaten mit Iran zusammen arbeiten, und neben Öl und anderen Frachtgütern habe das erste Erdgas-Schiff den Golf verlassen.
In den letzten Tagen dürften bis zu 20 Schiffe den Engpass in Richtung Meer passiert haben. Natürlich bleibe der Handel rund um Hormus nur ein Bruchteil des Niveaus vor dem Konflikt, doch in Kombination mit den alternativen Absatzmärkten würden solche Ströme die Versorgungsschocks mildern und dringend benötigten Spielraum, insbesondere für die Energieversorgungsketten verschaffen, sodass diese sich zumindest teilweise neu ausrichten könnten. Diese Entwicklung des von Iran gesicherten Handels verdeutliche auch, dass die geopolitischen und wirtschaftlichen Ebenen im Zusammenhang mit dem Konflikt voneinander getrennt seien.
Interessanterweise würden die Ölvorräte der westlichen Welt, die die wichtigsten Handelsknotenpunkte abdecken würden, bislang keinen eindeutigen Trend zu Versorgungsengpässen zeigen. Die Auswirkungen des Konflikts seien nach wie vor am stärksten in einigen Schwellenländern zu spüren, wo knappe Lagerbestände, konzentrierte Beschaffung und Hamsterkäufe die Versorgungsprobleme offenbar verstärkt hätten.
Die Gesamtbewertung von Julius Bär bleibe unverändert. Da der Höhepunkt des Konflikts möglicherweise nahe sei, dürften die Märkte weiterhin sehr nervös bleiben. Julius Bär behalte seine neutrale Einschätzung bei, halte aber an der These fest, dass die Ölpreise dem üblichen Muster eines kurzlebigen, sehr ausgeprägten Preisanstiegs folgen dürften. (07.04.2026/ac/a/m)
Die Energiemärkte seien nervös, doch bislang seien keine großen Versorgungsausfälle zu beobachten gewesen. Das wahrscheinlichste Szenario bleibe ein kurzlebiger, sehr ausgeprägter Anstieg des Ölpreises.
Das lange Wochenende, an dem viele Märkte wegen der Feiertage geschlossen gewesen seien, habe keine wesentlichen Veränderungen in der vorherrschenden Dynamik des Iran-Kriegs gebracht. Laut den regelmäßigen Updates des Institute for the Study of War seien die Vergeltungsschläge des Iran in der Region im Vergleich zum Ende März weiterhin etwas intensiver und würden sich insbesondere gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait richten. Die Angriffe der USA und Israels in den letzten Tagen hätten zu schweren Schäden an einer wichtigen petrochemischen Anlage des Iran geführt, was wahrscheinlich eine anhaltende Versorgungsunterbrechung zur Folge haben werde.
Die von den USA angedrohte Eskalation im Zusammenhang mit einer Öffnung der Straße von Hormus dürfte die Energiemärkte vorerst in Unruhe und Nervosität versetzen. Die Definition von offenem Handel scheine eine Frage der Perspektive zu sein und weise unterschiedliche Nuancen auf. Der von Iran kontrollierte Schiffsverkehr rund um Hormus habe über das lange Wochenende zugenommen, wobei weitere Länder und Frachtgüter die Route eingeschlagen hätten. Neben asiatischen Abnehmern würden nun auch einige Golfstaaten mit Iran zusammen arbeiten, und neben Öl und anderen Frachtgütern habe das erste Erdgas-Schiff den Golf verlassen.
In den letzten Tagen dürften bis zu 20 Schiffe den Engpass in Richtung Meer passiert haben. Natürlich bleibe der Handel rund um Hormus nur ein Bruchteil des Niveaus vor dem Konflikt, doch in Kombination mit den alternativen Absatzmärkten würden solche Ströme die Versorgungsschocks mildern und dringend benötigten Spielraum, insbesondere für die Energieversorgungsketten verschaffen, sodass diese sich zumindest teilweise neu ausrichten könnten. Diese Entwicklung des von Iran gesicherten Handels verdeutliche auch, dass die geopolitischen und wirtschaftlichen Ebenen im Zusammenhang mit dem Konflikt voneinander getrennt seien.
Interessanterweise würden die Ölvorräte der westlichen Welt, die die wichtigsten Handelsknotenpunkte abdecken würden, bislang keinen eindeutigen Trend zu Versorgungsengpässen zeigen. Die Auswirkungen des Konflikts seien nach wie vor am stärksten in einigen Schwellenländern zu spüren, wo knappe Lagerbestände, konzentrierte Beschaffung und Hamsterkäufe die Versorgungsprobleme offenbar verstärkt hätten.
Die Gesamtbewertung von Julius Bär bleibe unverändert. Da der Höhepunkt des Konflikts möglicherweise nahe sei, dürften die Märkte weiterhin sehr nervös bleiben. Julius Bär behalte seine neutrale Einschätzung bei, halte aber an der These fest, dass die Ölpreise dem üblichen Muster eines kurzlebigen, sehr ausgeprägten Preisanstiegs folgen dürften. (07.04.2026/ac/a/m)
