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So, 19. April 2026, 23:23 Uhr

USA: Wo steht der Arbeitsmarkt Ende 2025?


22.12.25 13:45
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Am 16. Dezember veröffentlichten die US-Statistiker erstmals seit Anfang September wieder einen Arbeitsmarktbericht, einschließlich nur leicht verspäteter Informationen zum November, so die Analysten der Helaba.

Was seien, im Unternehmensberater-Sprech, die "Key Takeaways" der lange verzögerten und von Ökonomen wie Anlegern vermissten Arbeitsmarktdaten aus den USA? Sehe man jetzt klarer, wie dort die Lage sei? Um diese Fragen zu beantworten, sei es aus Gründen der Übersichtlichkeit hilfreich, die beiden Komponenten des Berichts - die Haushalts- und Unternehmensumfrage - separat zu Beleuchten.

In letzterer würden Unternehmen über Details zu den von ihnen in der Stichprobenwoche (i.d.R. die Woche, in die der 12. Tag des Monats falle) beschäftigten Personen befragt. Da dies heutzutage weitgehend online/automatisiert ablaufe, gebe es hier keinen statistischen Bruch. An den Finanzmärkten stehe die Stellenzahl außerhalb der Landwirtschaft im Mittelpunkt. Das Bild, das die neuen Zahlen zeichnen, sei - vor allem, wenn man die derzeit hohe statistische Unsicherheit berücksichtige - nicht eindeutig, aber es signalisiere eine spürbare Abschwächung seit etwa April. Natürlich sei es reiner Zufall, dass Donald Trumps großartiger "Liberation Day" hier eine Art Zäsur markiere.

Normalerweise spiele die Musik bei der Veränderung der US-Beschäftigtenzahl im Privatsektor. Das sei 2025 anders, denn dieses Jahr habe die Bundesregierung eine besondere Rolle gespielt, nicht nur wegen des "government shutdown" im Oktober und November. Laut den offiziellen Zahlen habe die Zahl der Beschäftigten bei der Bundesregierung im November rund 270.000 niedriger als im Januar gelegen. Hier schlage sich der Kahlschlag in manchen Bereichen der Verwaltung nieder, den Trumps Regierung kurz nach seinem Amtsantritt initiiert habe. Da Personen, die nur zeitweilig beurlaubt seien, als Beschäftigte gezählt würden, sei wohl das Gros der vom shutdown betroffenen Personen statistisch durchgehend Teil der Beschäftigung gewesen. Der starke Rückgang im Oktober sei daher nicht dem shutdown geschuldet, sondern der Tatsache, dass in diesem Monat die meisten jener Personen aus dem öffentlichen Dienst ausgeschieden seien, die im Frühjahr während des Frontalangriffs der Regierung auf die eigenen Mitarbeiter einen "goldenen Handschlag" akzeptiert hätten.

Seit April 2025 habe die Stellenzahl im privaten Sektor wohl grob stagniert (1). Im Oktober und November dürften temporäre negative Auswirkungen des shutdown auf die Privatwirtschaft eine merkliche Rolle gespielt haben - Zulieferer und Geschäftspartner der Regierung hätten ihre Beschäftigten zum Teil nach Hause geschickt. Hier sei im Dezember eine Gegenbewegung zu erwarten. Laut den wöchentlichen Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung sei es gesamtwirtschaftlich aber noch nicht zu einem spürbaren Anstieg bei den Entlassungen gekommen. Der geringe Nettostellenaufbau reflektiere also eine schwache Dynamik der Bruttoeinstellungen. Aber wie problematisch dies letztlich sei, hänge vom Arbeitskräfteangebot ab, das Trump durch seine Einwanderungspolitik seit Anfang des
Jahres erheblich gedämpft habe.

Damit seien wir bei der Haushaltsumfrage. Sie werde in erster Linie per Telefon durchgeführt und sei im Oktober komplett ausgefallen. Für diese Periode lägen also keinerlei Daten vor. Für November stehe eine Arbeitslosigkeit von 4,6% zu Buche, ein neues zyklisches Hoch. Allerdings werde dies zum Teil relativiert durch den gleichzeitigen Anstieg der Partizipationsrate. Im November hätten mit 62,5% der Bevölkerung im Erwerbsalter dem Arbeitsmarkt wieder mehr Personen zur Verfügung gestanden als in den Monaten zuvor. Verglichen mit dem Tief im Juni 2025 entspreche dies einem Plus von immerhin 1,2 Millionen Personen.

Dennoch zeige die Arbeitslosenquote, sollte sich ihr jüngster Anstieg als nicht nur temporär erweisen, dass es am Arbeitsmarkt tatsächlich Anlass zur Sorge gebe. Den schwachen Anstieg der Stellenzahl könne man unter Verweis auf ein möglicherweise stagnierendes Erwerbspersonenpotenzial infolge der aktuellen Einwanderungspolitik relativieren. Aber es lägen leider keine unterjährigen Bevölkerungsschätzungen vor, sodass die Analyse hier noch mehr als üblich im Nebel stochere. Das Bureau of Labor Statistics passe die so genannten "population controls", mit deren Hilfe die Resultate der Haushaltsbefragung hochgerechnet würden, nur einmal pro Jahr für den Januar an.

Per saldo ergebe sich das Bild eines graduell abkühlenden Arbeitsmarktes, ohne dass es bislang Anzeichen für einen drohenden Einbruch gäbe. Mit 4,6% sei die Quote nahe an Schätzungen zur Vollbeschäftigung. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung lägen weiter bei rund 225.000 pro Woche, einem historisch niedrigen Wert. Aber aus Risikomanagementgründen mache die geldpolitische Lockerung der FED Sinn, vor allem, wenn sich der zuletzt für November gemeldete geringe Preisauftrieb nicht nur als statistisches Artefakt erweisen sollte.

(1) Für statistische Feinschmecker hier der Hinweis, dass eine vorläufige Benchmark-Überprüfung durch das Bureau of Labor Statistics (BLS) nahelege, dass die für März 2025 ausgewiesene Stellenzahl wohl rund 900.000 zu hoch sei. Da diese Überschätzung der "wahren" Beschäftigung wahrscheinlich nicht im März abrupt geendet habe, müssten die derzeitigen offiziellen Zahlen eines privaten Stellenaufbaus von im Schnitt 50.000 pro Monat seit April wahrscheinlich ebenfalls nach unten korrigiert werden. (22.12.2025/ac/a/m)