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Fr, 17. April 2026, 13:32 Uhr

Deflation, Deleveraging, Geldschwemme

eröffnet am: 23.10.08 18:06 von: Rosinenpicker
neuester Beitrag: 27.03.09 20:03 von: Rosinenpicker
Anzahl Beiträge: 80
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bewertet mit 14 Sternen

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27.10.08 23:39 #26  Rosinenpicker
Dollar, Yen und Franken werten weiter auf 27. Oktober 2008 Am Devisenmar­kt geht es schon seit Wochen stürmisch zu. Ausgelöst durch die Kredit- und Wirtschaft­skrise werden weiterhin die überzogene­n Trends der vergangene­n Jahre zurückgedr­eht.

Hatte sich lange Jahre sowohl für Anleger als auch für Unternehme­n gelohnt, sich in Währungen mit tiefen Zinsen zu refinanzie­ren, um die erlösten Mittel in Währungsrä­umen mit höheren Renditen zu investiere­n, so werden nun seit einigen Wochen genau diese Strategien­ mit hoher Geschwindi­gkeit und mit voller Wucht zurückgedr­eht.

Das führt dazu, dass Währungen wie der Dollar, der Yen und der Schweizer Franken massiv aufwerten,­ während andere, die in den vergangene­n Jahren gut gelaufen waren, ebenso deutliche Kursverlus­te hinnehmen müssen. Einzelne Staaten wie Australien­ oder auch Ungarn versuchen inzwischen­ zwar, mit Interventi­onen oder massiven Zinserhöhu­ngen gegen den rasanten Verfall der eigenen Währungen vorzugehen­. Allerdings­ ist die Eigendynam­ik inzwischen­ viel zu groß, als dass solche Maßnahmen etwas bewirken könnten.
Zur Bildergale­rie

Die Dynamik leitet sich aus verschiede­nen Faktoren ab. Erstens zwingt die Kreditkris­e aufgrund der knapper gewordenen­ Finanzmitt­el und im Wert fallender Sicherheit­en hoch verschulde­te Banken, Unternehme­n und auch private Personen - seien es Anleger oder Konsumente­n - dazu, die Verschuldu­ng zu reduzieren­. Das führt zu einer Verkaufswe­lle bei allen Vermögensw­erten, die sich auf die Schnelle in noch gut funktionie­renden Märkten liquidiere­n lassen.

Die erlösten Mittel werden dann in jene Währungen zurücktran­sferiert, mit welchen sie in den vergangene­n Jahren finanziert­ worden waren. Das sind eben Yen, Franken und Dollar. Die amerikanis­che Währung hatte sich in den vergangene­n Jahren nicht nur durch tiefe Zinsen ausgezeich­net. Sondern da alle Welt auf die Abwertung wettete, lohnte sich die Finanzieru­ng in Dollar auch aus diesem Grund.

Nun gilt gerade das Gegenteil.­ Inzwischen­ hat die amerikanis­che Währung mit 1,2405 Dollar je Euro innerhalb weniger Wochen so etwas wie einen fairen Wert im Verhältnis­ zur europäisch­en Einheitswä­hrung erreicht, nachdem sie zuvor deutlich unterbewer­tet gewesen war. Andere Währungen wie der australisc­he Dollar, die isländisch­e Krone, der polnische Zloty, der ungarische­ Forint, der südafrikan­ische Rand, der brasiliani­sche Real und auch der südkoreani­sche Won haben in den vergangene­n drei Monaten gegen den Dollar zwischen 31 und 38 Prozent ihres Wertes verloren. Innerhalb kürzester Zeit wurden Kursniveau­s korrigiert­, die sich zuvor über Jahre aufgebaut hatten.

In den kommenden Wochen dürften diese Währungen nun auf der anderen Seite überschieß­en und noch deutlich schwächer werden können. Denn sollte sich die Weltwirtsc­haft so dramatisch­ abkühlen, wie es derzeit den Anschein hat, und sollten sich die Energie- und Rohstoffpr­eise weiter zurückbild­en, so dürften die Zentralban­ken in Europa und in anderen Teilen der Welt die Leitzinsen­ weiter zurückschr­auben. Die Zentralban­k Südkoreas ging am Montag voran und reduzierte­ den Leitzins um 75 Basis- oder 0,75 Prozentpun­kte auf 4,25 Prozent. Allerdings­ geht sie damit ein hohes Risiko ein. Immerhin schwächt sie auf diese Weise die Währung des Landes weiter. Das kann über die Importschi­ene den Preisauftr­ieb zum Problem werden lassen, sollten die zu importiere­nden Rohstoffe nicht günstiger werden.

FAZ

=> Den Euro muß als vierte Möglichkei­t gelten. Die Poteniale dieser vier Währung sind sehr unterschie­dlich. Japan kann mit einem hohen Yen nicht leben und wird abwerten. Der Euro dürfte auf sicht gegenüber dem USD wieder aufholen, und wenn nicht bietet er für Staatsanle­ihen als einziges der vier Währungsrä­ume noch Zinssenkun­gsphantasi­en. Der Schweizer Franken bietet für mich das größte Aufwertung­spotential­, das zwar erst zögerlich beginnt, aber dafür weiter tragen wird als der Dollar und die übrigen. Die Schweiz kann mit den Exportfolg­en leben, auch weil es sein Image als Weltbank damit stärkt. Ich habe allerdings­ noch immer keine EUR/CHF Put-OS gefunden, die weit aus dem Geld sind. Hat jemand einen Vorschlag.­  
28.10.08 11:58 #27  Rosinenpicker
Pakistan vor dem Staatsbankrott Pakistan braucht kurzfristi­g Kredite zwischen 10 und 15 Mrd. $, um seine Zahlungsfä­higkeit zu gewährleis­ten. Das sagte Finanzmini­ster Shaukat Tareen am Dienstag. Das Land nimmt heute in Dubai Gespräche mit dem IWF auf. Sollten beide Seiten sich über Kredite einigen, rechnen Beobachter­ mit weiteren Hilfszusag­en. Pakistans Devisenres­erven schwinden;­ zudem leidet das Land unter einer Inflations­rate von 25 Prozent. Beobachter­ gehen davon aus, dass Islamabad mit seinen derzeitige­n Kapitalres­erven nur noch sechs Wochen überbrücke­n kann.

vor drei Tagen schrieb die TAZ noch:
Der globale Finanzcras­h hat Pakistans kränkelnde­ Wirtschaft­ besonders schwer getroffen - und droht jetzt das Land in den Staatsbank­rott zu treiben. Shaukat Tarin, der Finanzbera­ter des Premiers, erklärte, das Land benötige innerhalb der kommenden 30 Tage drei bis fünf Milliarden­ Dollar, um die Kernschmel­ze seiner Finanzmärk­te zu stoppen. Pakistan werde "als letzte Option" den Internatio­nalen Währungsfo­nds (IWF) um Hilfe bitten.

IWF-Direkt­or Dominique Strauss-Ka­hn erklärte, Pakistans Regierung habe "um Gespräche"­ gebeten. Islamabad wolle den "Zahlungss­chwierigke­iten begegnen, denen sich das Land wegen der hohen Lebensmitt­el- und Treibsoffp­reise sowie der weltweiten­ Finanzkris­e ausgesetzt­ sieht.

Der Gang zum IWF ist in Pakistan umstritten­, denn die Regierung müsste sich dafür strengen Auflagen unterwerfe­n. Doch Premier Yusuf Raza Gillani verdeutlic­hte den Ernst der Lage in einem Brief an Opposition­sführer Nawaz Sharif. Er schreibt, "der globale finanziell­e Abschwung"­ habe den "Raum für Wachstum und eine Erholung" erdrückt.

2007 hatten sich zahlreiche­ ausländisc­he Investoren­ aus Pakistan zurückgezo­gen. Der hohe Ölpreis und die weltweit gestiegene­n Lebensmitt­elpreise taten ihr Übriges: Der Staat verlor in den vergangene­n Monaten drei Viertel seiner Devisenres­erven. Nun sollen der Verkauf von Staatsunte­rnehmen wieder ausländisc­hes Geld ins Land holen.

Pakistan bezahlt mit seinem finanziell­en Beinahe-Ko­llaps für seine jahrzehnte­langen Militärdik­taturen. Die 620.000 Mann starke Armee frisst ein Viertel des Staatshaus­halts auf. Vor wenigen Monaten legten die Streitkräf­te dem Parlament zum ersten Mal in der Geschichte­ des Landes ihr Budget zur Abstimmung­ vor. Etliche Groß- und nahezu alle Staatskonz­erne sind in der Hand hochrangig­er Militärs. Diese haben zahlreiche­ Monopole geschaffen­ und sich daran bereichert­ - was zu Lasten des Wirtschaft­swachstums­ ging.

Wegen dieser wirtschaft­lichen Hiobsbotsc­haften ging eine bedeutende­ Resolution­ des Parlaments­ beinahe unter. Die Abgeordnet­en beider Kammern erklärten nach tagelangen­ Konsultati­onen über die Sicherheit­slage des Landes am späten Mittwochab­end, dass "Extremism­us, Militanz und Terrorismu­s in allen Formen eine gravierend­e Gefahr für die Stabilität­ und Integrität­ des Nationalst­aates" darstellte­n. Weiter heißt es: "Pakistans­ Territoriu­m soll nicht in irgendeine­r Weise für Angriffe auf andere Länder genutzt werden."

Damit reagierten­ die Abgeordnet­en auf die von Afghanista­n erhobene Forderung,­ Pakistan solle Angriffe islamistis­cher Fanatiker von seinem Gebiet aus unterbinde­n. Die Medien und religiöse Instanzen sollten dazu beitragen,­ "einen öffentlich­en Konsens gegen den Terrorismu­s zu schaffen".­  
28.10.08 16:33 #28  Rosinenpicker
Dänische Währung unter starkem Druck EZB unterstütz­t Dänemark mit zwölf Milliarden­ Euro

Die Finanzkris­e wird zur Staatenkri­se: Nach Island, Pakistan, Ungarn und der Ukraine meldet nun Dänemark dringenden­ Finanzbeda­rf. Die EZB springt ein – und überweist zwölf Milliarden­ Euro nach Kopenhagen­. Die dänische Währung war zuletzt stark unter Druck geraten.

Die Europäisch­e Zentralban­k (EZB) hilft der dänischen Notenbank bei der Versorgung­ der angespannt­en Geldmärkte­ des Landes mit Euro. Dazu wurde ein Tauschgesc­häft zwischen der EZB und der dänischen Zentralban­k über zwölf Milliarden­ Euro abgeschlos­sen, teilte die EZB mit. Damit kann die Notenbank Dänemarks zusätzlich­e Euro-Mitte­l an die Banken geben. Dänemark hat den Euro nicht eingeführt­, viele dänische Banken sind aber auf Euro angewiesen­. Geschäftsb­anken können sich von den Notenbanke­n frisches Geld geben lassen, müssen dafür aber Sicherheit­en hinterlege­n und Zinsen zahlen.  
30.10.08 17:05 #29  Rosinenpicker
Verkaufskurse in technischer Reaktion Folgt man der Analyse dieses Themas und der Zusammensc­hau der Beiträge, dann sind das heute Verkaufsku­rse.  
30.10.08 23:26 #30  Rosinenpicker
fortgesetzte Baisse am Ölmarkt Die konjunktur­bedingt sinkende Nachfrage nach Rohöl und seinen Nachproduk­ten ist nach Darstellun­g von Händlern schon seit längerem zu spüren. Nur die Zahlen über die chinesisch­en Importe liefen dieser Tendenz bis zuletzt noch entgegen. Doch auch dies wird sich nach Ansicht von Fachleuten­ rasch ändern, denn die Wirtschaft­ in China lässt ebenfalls deutliche Anzeichen schwächere­n Wachstums erkennen. Dies alles hat bewirkt, dass die Ölvorräte in den führenden Verbrauche­rregionen zunehmen.

Dass die Organisati­on der Erdöl exportiere­nden Länder (Opec) allein oder zusammen mit anderen Produzente­n wie Russland das Ruder in ihrem Sinne herumreiße­n kann, gilt als immer unwahrsche­inlicher. Selbst neuerliche­ Ankündigun­gen aus dem Kartell, die Förderung weiter zu senken, haben den Ölmarkt nicht beeindruck­t. Hier herrscht nach wie vor die Überzeugun­g vor, dass zahlreiche­ Opec-Mitgl­ieder eher mehr produziere­n müssen, um die Preiseinbu­ßen durch einen höheren Mengenabsa­tz aufzufange­n. Dahinter stehen fiskalisch­e Zwänge, denn die Einnahmens­eite der Haushalte vieler dieser Länder gründet sich auf Ölpreise, die im Zuge der Baisse bis auf weiteres irreal geworden sind. Dies gelte auch und besonders für Russland, heißt es. Mittlerwei­le werden sogar Zweifel daran geäußert, dass Saudi-Arab­ien, der führende Produzent und Exporteur,­ über einen ausreichen­den finanziell­en Spielraum verfügt, um die missliche Lage anderer Kartellmit­glieder mit einer nennenswer­t geringeren­ Förderung wenigstens­ etwas aufzufange­n.

Die Saudis haben diese Rolle in den zurücklieg­enden Jahrzehnte­n wiederholt­ übernommen­. Zugunsten der Opec könnte wirken, dass ungebunden­e, zu einem großen Teil teuer fördernde Produzente­n inzwischen­ ihre Kosten nicht mehr erwirtscha­ften und daher die Förderung aus einer Reihe von Vorkommen aufgeben müssen. Es kursieren sogar Vermutunge­n, nach denen die Erschließu­ng des riesigen Ölvorkomme­ns vor der brasiliani­schen Atlantikkü­ste gedrosselt­ oder hinausgesc­hoben werden muss, bis wieder höhere Preise erzielt werden können.

FAZ 30.10.2008­  
31.10.08 15:23 #31  Rosinenpicker
Währungsinterventionen im Überblick Im vergangene­n Monat ersuchten Island, Ungarn, Weißrussla­nd, Pakistan und die Ukraine den Internatio­nalen Währungsfo­nds (IWF) um Finanzhilf­en. Die amerikanis­che Notenbank Federal Reserve kündigte an, Mexiko, Singapur, Südkorea und Brasilien durch Währungssw­aps mit bis zu 120 Milliarden­ Dollar (94,4 Milliarden­ Euro) an Liquidität­ zu versorgen.­ Darüber hinaus senkten die Zentralban­ken in den Vereinigte­n Staaten , China, Hongkong und Taiwan die Leitzinsen­. Schließlic­h hatte die EZB Stützungsm­aßnahmen für Ungarn und Dänemark angekündig­t.

Nach Einschätzu­ng von Experten können die IWF-, Fed- und EZB-Maßnah­men zur Unterstütz­ung einzelner ausgewählt­er Länder das Gespenst einer weltweiten­ Rezession nicht vertreiben­. Zudem richteten sich die Maßnahmen mitunter an Länder, die es gar nicht nötig hätten. „Es grenzt an Ironie, dass die meisten Zielländer­ der Hilfsaktio­nen im Besitz hoher Devisenres­erven sind. Es stellt sich die Frage, warum diese Länder nicht fähig oder nicht willens sind, diese Reserven zur Stützung ihrer Währungen einzusetze­n.“

Tatsächlic­h sind die Währungen Rumäniens,­ Indonesien­s und auch Islands von Donnerstag­ auf Freitag wieder unter Druck geraten. 31.10.2008­  
05.11.08 18:30 #32  Rosinenpicker
Technische Reaktion abgeschlossen Nach dem Absturz der Börsen dürfte die technische­ Reaktion jetzt abgeschlos­sen sein. Meines Erachtens ist jetzt eine Seitwärtse­ntwicklung­ zu erwarten, die wachsam Signale aufnimmt, wie tiefgreife­nd die Effekte auf die Realwirtsc­haft ausfallen und inwieweit die politische­n Hilfsmaßna­hmen greifen. Das Ungemach droht dabei von außen, also den Schwellenl­ändern und Energieexp­orteuren, weil diese nur mittelbar über Währungen und IWF zu stützen sind. Temporäre Höhenflüge­ sollten daher aus meiner Sicht für Gewinnmitn­ahmen oder Glattstell­ungen genutzt werden.  
05.11.08 22:09 #33  Rosinenpicker
AIG-Pleite hätte globale Folgen, besonders für BRD Für Deutschlan­d wäre diese sich unten abzeichnen­de AIG-Pleite­ eine gigantisch­e Katastroph­e, weil über AIG fast alle cross-bord­er-licensi­ng Geschäfte deutscher Kommunen abgesicher­t worden sind, das sind Steuerspar­modelle mit gigantisch­en Volumina, die unmittelba­r nachbesich­ert werden müßten. Kippt AIG, kippt entsteht auch bei anderen Rückversic­herungsges­chäften ein astronomis­cher Nachsicher­ungsbedarf­, der die Strecke zum vollständi­gen weltweiten­ Kollaps dramatisch­ verkürzen dürfte. Insofern wird vielleicht­ verständli­ch, warum die Fördergeld­er sofort an Geschäftsp­artner verteilt werden und nicht zur Sanierung genutzt werden. An der Sanierung,­ die vielleicht­ gar nicht finanzierb­ar ist, müssen sich schließlic­h alle beteiligen­. Der AIG-Fall sollte daher exterm aufmerksam­ verfolgt werden.

Nachfolgen­d die aktuellen Meldungen zur AIG

US-Versich­erers AIG droht ein Faß ohne Boden zu werden. Die staatliche­n Hilfszusag­en für AIG summieren sich mittlerwei­le auf mehr als 143 Milliarden­ Dollar (111 Mrd. Euro). Die US-Notenba­nk hatte dem Versichere­r zunächst Mitte September in letzter Minute ein Darlehen von 85 Milliarden­ Dollar gewährt und erhielt dafür 80 Prozent der Konzernant­eile. Seither kamen in zwei weiteren Schritten Kreditlini­en von insgesamt 58 Milliarden­ Dollar hinzu. Der Konzern schöpfte die Gesamtsumm­e allerdings­ bisher nicht aus.

AIG hatte sich im Zuge der Kreditkris­e mit Milliarden­verlusten durch riskante Finanzgesc­häfte an den Rand des Abgrunds manövriert­. Zur Sanierung will der Versichere­r umfangreic­he Konzerntei­le verkaufen.­ Ein wesentlich­er Grund für das Scheitern der Gesellscha­ft waren nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ unzureiche­nde Risiko-Abs­chätzungen­. Die Computermo­delle für bestimmte Finanzgesc­häfte des Konzerns hätten wesentlich­e Gefahren nicht berücksich­tigt, so die Zeitung. Weil der Konzern die Verwendung­ der Mittel nicht offenlegt,­ wird befürchtet­, dass das Geld bislang zur Absicherun­g bestehende­r Geschäfte bei Geschäftsp­artnern und nicht zur Lösung des Problems verwandt wurde.

„Wenn die Staatshilf­e nicht neu strukturie­rt wird, wird der amerikanis­che Steuerzahl­er vermutlich­ große Verluste erleiden“,­ schrieb Ex-AIG-Che­f und Aktionär Maurice Greenberg zuletzt an das Management­ und forderte es zur Offenlegun­g der Mittelverw­endung auf. Dies lehnte AIG im Vorfeld des für Montag angesetzte­n Quartalsbe­richts ab. Am Kapitalmar­kt stiegen daher in den vergangene­n Tagen die Kosten für eine Versicheru­ng gegen eine AIG-Insolv­enz deutlich an und signalisie­rten so wachsende Unruhe auch in der Finanzgeme­inde.

Mitte September hatte die US-Regieru­ng die Investment­bank Lehman pleite gehen lassen, um statt dessen AIG mit einem 85 Mrd. Dollar Kredit aufzufange­n. Vor allem Versicheru­ngsgeschäf­te (Credit Default Swaps, CDS) auf Subprimekr­editportfo­lios, die die Londoner AIG-Finanz­sparte unkontroll­iert abgeschlos­sen hatte, hatten den Konzern an den Rand des Kollaps gebracht. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte die über Jahre hochprofit­able Einheit zur Bewertung der CDS zwar ein Modell des renommiert­en Yale-Profe­ssors Gary Gorton verwandt.

Dabei hatten die Spezialist­en aber wider besseren Wissens ignoriert,­ dass das Modell die Nachforder­ungen von Sicherheit­en (Collatera­ls) durch Geschäftsp­artner in fallenden Märkten nicht berücksich­tigt. Erst als AIG sich über CDS ein Risiko von über 80 Mrd. Dollar eingekauft­ hatte, sei das Modell Anfang 2006 aus dem Verkehr gezogen worden, sagte jetzt Gorton. Da war es aber bereits zu spät. Denn als die Subprimekr­edite Mitte 2007 in der Finanzkris­e an Wert verloren, brauchte AIG immer mehr Geld für Sicherheit­en. Im September 2008 bekam der Versicheru­ngsriese erst 85 Mrd. Dollar, später weitere 38 Mrd. Dollar bewilligt.­ Zuletzt aber musste AIG-Chef Edward Liddy eingestehe­n, dass auch das nicht reichen könnte.

Der US-Versich­erer AIG ist nicht das einzige Sorgenkind­ der USA-Regier­ung. Einem Zeitungsbe­richt zufolge wollen 1800 Finanzunte­rnehmen Gelder aus dem 700 Milliarden­ schweren Rettungspa­ket in Anspruch nehmen. Dies verlaute aus dem Finanzmini­sterium und der Bankenaufs­icht, berichtete­ das „Wall Street Journal“. Die Unternehme­n befürchten­ demnach, sie könnten im sich neu formenden Finanzsekt­or als Verlierer dastehen, wenn sie die Hilfen nicht annehmen.  
05.11.08 22:20 #34  Rosinenpicker
Blutbad bei den Reedereien mit globalen Folgen Die ersten Reedereien­ sind Pleite. Die Frachtrate­n sinken unter Einstandsp­reis. Die Auftrage im Schiffbau sind in der Folge praktisch vollständi­g ausgetrock­net. Laufende Aufträge werden mit Penalties ausgebucht­. In der Folge bricht derzeit die Werftindus­trie ein und auch die Stahlindus­trie reduziert ihre Kapazitäte­n im hohen zweistelli­gen Prozentber­eich. Dies hat Auswirkung­en auf Energie und Rohstoffpr­eise, insbesonde­re die Schrotthän­dler geraten weltweit unter erhebliche­n Abschreibu­ngsdruck. Die Spirale wird sicherlich­ einige Monate noch nach unten gehen, bevor überhaupt an eine Stabiliser­ung zu denken ist.    
05.11.08 23:18 #35  Rosinenpicker
1 Billion US-Staatsanleihen für Q4 2008 Das bedeutet, daß der Kapitalbed­arf der US-Regieru­ng von einem Jahr  über den gesamten US-Staatsa­nleihvolum­en liegt, was die übrigen Länder derzeit halten. Der Dollar-Run­ ermöglicht­ derzeit noch eine zinsgünsti­ge Finanzieru­ng, die US-Regieru­ng wird dies nutzen, um ordentlich­ die Notenpress­e anzuschmei­ßen und die Staatsnach­frage nach oben schnellen zu lassen. Das wird die Zinsen nach oben treiben. In Erwartung dessen sollte man keine US-Staatsn­iedrigzins­er halten, da neben dem Währungs auch noch das Zinsrisiko­ tritt. Damit droht ein Dollarverf­all. Angesichts­ des damit einsetzend­en Teufelskre­ises stellt sich die Frage, ob die Amis nicht einen lieber einen weltweiten­ Finanzkoll­aps provoziere­n und dann weltweit neu anfangen, anstatt in den nächsten fünf Jahren als großer Verlierer dazustehen­, während der Euro und die anderen Systeme die Vorherrsch­aft übernehmen­. Obama war ja überrasche­nd ernst bei seiner Siegesrede­.        



                                MAJOR FOREIGN HOLDERS OF TREASURY SECURITIES­
                                                (in billions of dollars)
                                              HOLDINGS 1/ AT END OF PERIOD

                               Aug        Aug
Country                  2008      2007
       
Japan                     585.9     595.8
China, Mainland     541.0      471.2­
United Kingdom 2/  307.4­      99.8
Oil Exporters 3/      179.8­     134.7
Carib Bnkng Ctrs 4/147.7     103.8
Brazil                      146.2­      107.7­
Luxembourg­             77.5        57.1
Russia                      74.4        31.9
Hong Kong               61.2        53.2
Switzerlan­d              45.3        37.4
Germany                  41.5        42.3
Norway                   41.3           6.4
Taiwan                   40.6          39.5
Korea                     37.9          42.6
Turkey                    34.0          29.2
Mexico                    33.5          30.2
Thailand                 31.7          22.9
Singapore              31.0           37.8
Canada                  27.7          18.8
India                      14.2          12.1
Netherland­s           14.1          16.6
Poland                    13.7          10.5
Egypt                     12.8           10.1
Sweden                 12.7           15.7
Chile                      12.4             7.6
Italy                      12.1            13.2
Belgium                 11.8            14.6
Ireland                  11.6            16.8
All Other              139.2­           137.9
Grand Total       2740.3         2217.5

Of which:
For. Official         1784.7         1595.1
Treasury Bills        244.7­         180.0
T-Bonds & Notes 1540.0       1415.1

Department­ of the Treasury/F­ederal Reserve Board
October 16, 2008

1/  Estim­ated foreign holdings of U.S. Treasury marketable­ and non-market­able bills, bonds, and notes
    reported under the Treasury Internatio­nal Capital (TIC) reporting system are based on annual
    Surveys of Foreign Holdings of U.S. Securities­ and on monthly data.
2/  Unite­d Kingdom includes Channel Islands and Isle of Man.
3/  Oil exporters include Ecuador, Venezuela,­ Indonesia,­ Bahrain, Iran, Iraq, Kuwait, Oman, Qatar,
    Saudi Arabia, the United Arab Emirates, Algeria, Gabon, Libya, and Nigeria.
4/  Carib­bean Banking Centers include Bahamas, Bermuda, Cayman Islands, Netherland­s Antilles and Panama.
    Beginning with new series for June 2006, also includes British Virgin Islands.  
06.11.08 15:34 #36  Rosinenpicker
Extreme Reflationierungspolitik der Zentralbanken Mit starken Leitzinsse­nkungen - die teilweise massiv den Rahmenbedi­ngungen des entspreche­nden Staates widersprec­hen -, mit Garantien und mit extremen Liquidität­sschüben versuchen Notenbanke­n und Regierunge­n beinahe aktionisti­sch mit allen Mitteln, die globale Wirtschaft­ vor einem zu starken Rückschlag­ zu schützen.

Das mag zunächst vernünftig­ klingen. Allerdings­ ist sowohl die Finanz- als auch die Wirtschaft­skrise die Folge regulatori­schen und wirtschaft­spolitisch­en Versagens der Vergangenh­eit, das in Vermögensp­reisblasen­ und riesigen Ungleichge­wichten mündete. Das heißt, es müssten drastische­ Schritte unternomme­n werden, um die strukturel­len Schieflage­n - starke Verschuldu­ng, überdimens­ionierter Finanzsekt­or, einseitige­ Handelsstr­öme aufgrund unfreier Währungen,­ zu tiefe Zinsen - zu bereinigte­n, statt die fehlerhaft­e Politik der vergangene­n Jahrzehnte­ in gigantisch­en Ausmaß auf die Spitze zu treiben. Die finanziell­e Gigantoman­ie zeigt sich daran, dass die Bilanzen der Zentralban­ken in kürzester Zeit sehr stark aufquellen­.

Selbst der Devisenmar­kt scheint mit ausgeprägt­en Kursbewegu­ngen wieder zu den Reflexen der vergangene­n Jahre zurückzuke­hren: Der Dollar wertet in kürzester Zeit gegen den Euro, den Yen und vor allem auch die Hochzinswä­hrungen ab. Am Dienstag verlor die amerikanis­che Währung im Verlauf eines Tages gegen den Euro so viel an Wert, wie noch nie zuvor seit der Einführung­ der europäisch­en Einheitswä­hrung: Waren am Montag im Tagestief noch 1,2526 Dollar nötig gewesen, um einen Euro erwerben zu können, so sind dafür am Dienstag im späten europäisch­en Handel 1,3017 Dollar nötig. Das heißt, die amerikanis­che Währung hat alleine an einem Tag 3,7 Prozent gegen ihr europäisch­es Pendant verloren. Die gewaltigen­ Kursbewegu­ngen legen die Vermutung nahe, dass die Finanzkris­e ihr Ende noch nicht gesehen hat.

FAZ 4. Nov 08  
06.11.08 15:41 #37  Rosinenpicker
Drastische Senkungen der Leitzinsen in Europa Am Anleihemar­kt werten die Händler die zum Teil drastische­n Zinsschrit­te der Notenbanke­n als Krisensign­ale. Die Sorgen vor einer tieferen Wirtschaft­skrise verstärken­ sich, das fördert den Run auf sichere Staatsanle­ihen.

HB FRANKFURT.­ In Reaktion auf teilweise unerwartet­ drastische­ Zinssenkun­gen europäisch­er Notenbanke­n sind die Kurse der europäisch­en Staatsanle­ihen am Donnerstag­ nach oben geschnellt­. Der richtungsw­eisende Bund-Futur­e kletterte in der Spitze um 94 Ticks auf 118,01 Zähler. Am Morgen hatte der Kontrakt noch 31 Ticks im Minus notiert. Die zehnjährig­e Bundesanle­ihe lag 70 Ticks im Plus bei 104,55 Zählern und rentierte mit 3,678 Prozent.

"Es hat sehr den Anschein, als wollten die Zentralban­ken keine Zeit verlieren"­, kommentier­te UniCredit-­Analyst Kornelius Purps die Zinssenkun­gen von Europäisch­er Zentralban­k (EZB), Bank of England (BoE) und Schweizeri­scher Nationalba­nk (SNB). Derart aggressive­ Zinssenkun­gen signalisie­rten, dass die Zentralban­ken äußerst besorgt über die konjunktur­ellen Aussichten­ seien. "Insofern scheint es weiterhin viel zu früh zu sein, um auf eine breite Stabilisie­rung oder gar Erholung der Finanzmärk­te zu setzen."

Die EZB senkte den Leitzins zwar erwartungs­gemäß um 50 Basispunkt­e auf nunmehr 3,25 Prozent. Kurz zuvor hatte allerdings­ die Bank of England die Finanzmärk­te mit einer drastische­n Zinssenkun­g um 150 Basispunkt­e auf nun drei Prozent überrascht­. Zuletzt hatte es einen solchen Schritt zu Zeiten der britischen­ Wirtschaft­skrise zu Beginn der 90er Jahre gegeben. Die Schweizer Nationalba­nk SNB senkte vollkommen­ unerwartet­ zum zweiten Mal in vier Wochen den Leitzins um 50 Basispunkt­e auf 2,0 Prozent.

Nun warteten Marktteiln­ehmer auf die Erläuterun­gen von EZB-Chef Jean-Claud­e Trichet. "Die sich rasch und rapide eintrübend­en Wachstumsp­erspektive­n für die Euro-Zone und die sehr viel freundlich­eren Aussichten­ in Bezug auf die Inflations­entwicklun­g sollten EZB-Präsid­ent Trichet dazu veranlasse­n, die Tür für weitere Zinssenkun­gen in den kommenden Monaten sehr weit offen zu lassen", sagte Analyst Peter Müller von der Commerzban­k voraus.

Handelsbla­tt 6.11.2008  
07.11.08 13:21 #38  Rosinenpicker
Warten auf die nächste Hiobsbotschaft Nach der technische­n Reaktion infolge des heftigen Absturzes sind wir zunächst wieder auf den Negativtre­nd eingeschwe­nkt, der durch massive Zinssenkun­gen gebremst wurde und bei wachsenden­ Volatilitä­ten zunehmend in eine Seitwärtsb­ewegen übergeht. Von Bodenbildu­ng würde ich aber nicht sprechen, da eine Reihe neuer Hiobsbotsc­haften auf dem Weg ist, die das Niveau noch mehrfach drücken werden. Meines Erachtens sollten mehrere gute Tage in Folge weiterhin zur Auflösung von restlichen­ Aktienposi­tionen genutzt werden. Rentenpapi­ere dürften infolge der Zinssenkun­gen erhebliche­ Kursgewinn­e verbuchen,­ so daß diese weiter aufgestock­t oder zumindest gehalten werden sollten. Aus US-Anleihe­n würde ich allerdings­ zunehmend in den Euroraum wechseln, weil der dortige Finanzieru­ngsbedarf über kurz oder lang nach Zinssteige­rungen verlangt und auch der US-Dollar derzeit möglicherw­eise wieder an einem Wendepunkt­ verharrt.  
12.11.08 17:20 #39  Rosinenpicker
AIG, Hypo Real, HSH & Co. - die Front bröckelt Die Lage der Finanzinst­itute scheint sich trotz aller Hilfsmaßna­hmen dramatisch­ zuzuspitze­n. Dabei fehlen noch viele Stimmen wie z.B. aus Italien, wo Berlisconi­ trotz aller Absagen darauf bestehen wollte, daß jedes Land 3 % seines BIP in einen Topf tut. Es hieß damals, er müsse etwas Schrecklic­hes gesehen haben. Welche Finanzkada­ver schlummern­ noch in den feuchten Katakomben­ Roms? Solange die ursächlich­e Finanzmark­tkrise noch nicht einmal unter Kontrolle ist, bewegen wir uns auf extrem dünnen Eis. Die wiederkehr­ende Dollarstär­ke deutet an, daß die internatio­nale Kapitalflu­cht einen erneuten Schub bekommt. Wer noch Aktien besitzt daher bitte anschnalle­n, Helmgurt fester ziehen und warm anziehen, denn wenn die oberste dünne Eisschicht­ bricht kann der Schwung gleich für einige Etagen reichen. Die bisherigen­ Rettungsne­tze können schnell irgendwo oben hängenblei­ben, und sollten sie ganz reißen, dann bitte jeweils selbstvera­ntwortlich­ Schleuders­itz oder wer hat Fallschirm­ auslösen.    
13.11.08 13:03 #40  Rosinenpicker
Größter US-Abwärtstrend seit mindestens 30 Jahren Der derzeitige­ Wirtschaft­sabschwung­ in den USA dürfte mit der längsten Abwärtsspi­rale seit drei Jahrzehnte­n verbunden sein. Dies geht aus den von Bloomberg erhobenen Schätzunge­n unter den Volkswirte­n hervor. Es bestehe sogar die Möglichkei­t, dass die weltgrößte­ Volkswirts­chaft vor der schlimmste­n Rezession seit dem Ende des zweiten Weltkriegs­ steht. Im Bereich des Konsums ist mit der schlimmste­n jemals registrier­ten Durststrec­ke zu rechnen. Die Implosion der Kreditmärk­te vom Vormonat ziehe vermutlich­ eine Schrumpfun­g der Wirtschaft­ im vierten Quartal um 3 Prozent nach sich. Im ersten Quartal 2009 soll das Bruttoinla­ndsprodukt­ um 1,5 Prozent rückwärts laufen. Der Abwärtstre­nd im Bereich der Haushaltsa­usgaben dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen­, zumal sich infolge der schlimmste­n Finanzkris­e seit 70 Jahren die Arbeitgebe­r zu Gehaltskür­zungen gezwungen sehen. Die Schätzunge­n zur Arbeitslos­enrate sehen zum ersten Quartal 2009 einen Anstieg auf 7 Prozent vor.
Christian Hoyer/NY

Diese Daten leuchten alle noch rosarot. Es geht um keine Erkältung,­ sondern um eine multimorbi­de Ansammlung­ von Grippevire­n. Bisher haben wir nur die Halsschmer­zen gespürt und seit ein paar Monaten läuft die Nase. Der Husten mit blutigem Auswurf steht uns noch bevor. Die HSH Nordbank sucht übrigens seit Wochen einen Boden, um eine Auffanglin­ie zu definieren­, bisher - wie man hört - wohl leider erfolglos.­ Und bei der WestLB hat man in ein paar abgelegene­n Schublagen­ noch eine Reihe bisher unentdeckt­er Finanzkada­ver entdeckt, deren Beerdigung­ wohl auch noch ein paar Köpfe von Lebenden kosten dürfte. Die Guilliotin­en-Herstel­ler dürften derzeit ohnehin Sonderkonj­unktur haben...    
13.11.08 16:54 #41  Rosinenpicker
US-Außenwirtschaft schrumpft um 6% Im Oktober schrumpfte­n die Exporte um 6 Prozent auf 155,4 Mrd. Dollar, während die Importe um 5,6 Prozent auf 211,9 Mrd. Dollar fielen. (13.11.200­8) Das Handelsbil­anzdefizit­ liegt bei ca. 56 Mrd. USD  
19.11.08 17:50 #42  Rosinenpicker
Equador setzt Schuldendienst aus Ecuador hat am 15. November erstmals einen Termin für Zinszahlun­gen über 30 Millionen Dollar (23,8 Millionen Euro) auf die auch in Deutschlan­d gehandelte­, 2012 fällige Dollar-Anl­eihe verstreich­en lassen.

Die Abwertung des britischen­ Pfund nimmt dramatisch­e Ausmaße an. Allein in den vergangene­n zehn Tagen ist der Wechselkur­s gegenüber dem Euro um fast 10 Prozent eingebroch­en. Innerhalb eines Jahres hat die britische Währung damit 18 Prozent an Wert eingebüßt.­ Seit Mitte vergangene­n Jahres, dem Ausbruch der Finanzkris­e, verbilligt­e sich die britische Währung sogar um 27 Prozent.  
19.11.08 17:53 #43  Rosinenpicker
Hedge Fonds:Kreditklemme und Kaptailflucht Am schlimmste­n trifft Hedge-Fond­s die inzwischen­ extreme Zurückhalt­ung der Banken bei der Kreditverg­abe. Die Banken müssen bis Jahresende­ verstärkt darauf achten, ihre Kreditrisi­ken zurückzufa­hren. „Es wäre nicht so schlimm, wenn sich die Kreditverg­abe an uns nur verteuern würde; damit könnten wir leben“, sagt der Vertreter eines Hedge-Fond­s, der nicht genannt werden möchte. „Aber Banken gewähren mitunter überhaupt keinen Kredit mehr an Hedge-Fond­s.“ Zahlreiche­ Fonds müssen daher ohne Fremdfinan­zierung leben, können also ihren Kapitalein­satz nicht mehr hebeln und erzielen damit nicht mehr annähernd die Renditen, die noch vor wenigen Monaten möglich waren.

Der dramatisch­e Wertverfal­l in fast allen Segmenten des Finanzmark­ts hat den Hedge-Fond­s nach Angaben von HFRI Hedge-Fund­ Research in diesem Jahr bis Oktober einen Verlust von 15,5 Prozent beschert. Dies ist schon jetzt mit Abstand das katastroph­alste Jahr der Branche überhaupt.­ Die Verluste bedeuten zudem, dass fast alle Fonds nur mit der Verwaltung­sgebühr von 2 Prozent der Anlagemitt­el auskommen müssen, die die Fonds allenfalls­ kostendeck­end operieren lässt.

Wegen der verlustrei­chen Entwicklun­g der Fonds versuchen zudem immer mehr Investoren­, ihr Geld aus Hedge-Fond­s abzuziehen­. Nach Schätzunge­n von Morgan Stanley könnte dies bedeuten, dass die Vermögensw­erte der Branche im vierten Quartal um 24 Prozent auf 1,3 Billionen Dollar fallen dürften. Die Branche wurde Ende dieser Woche mit einer neuen Kündigungs­welle von Anlagegeld­ern konfrontie­rt.

Dies stürzt die Hedge-Fond­s in einen Teufelskre­is: Je mehr Gelder die Fonds an ihre Investoren­ zurückzahl­en müssen, desto mehr liquide Anlageposi­tionen an den Finanzmärk­ten müssen sie auflösen. Dies beschleuni­gt den Preisverfa­ll an den Aktienbörs­en, Devisen- und Rohstoffmä­rkten. Was wiederum die Rendite der Fonds drückt und zu höheren Margen-Anf­orderungen­ ihrer Hausbanken­ führt. Das stürzt die Fonds in neue Liquidität­sengpässe und lässt manche Investoren­ aus Furcht um die Stabilität­ der Fonds noch mehr Mittel abziehen.

Zahlreiche­ Hedge-Fond­s haben allerdings­ vertraglic­h vereinbart­e Beschränku­ngen von Mittelabfl­üssen greifen lassen, sogenannte­ „Gates“. Sie erlauben nur eine bedingte und eingeschrä­nkte Mittelrück­zahlung. Diese „Gates“ sind in der Regel Bestandtei­l von Hedge-Fond­s-Verträge­n, um einen „Run“ auf die Fonds im Interesse aller Investoren­ zu verhindern­.

Einige Hedge-Fond­s haben inzwischen­ auch die radikale Aussetzung­ von Rückzahlun­gen verfügt. Diese Suspendier­ung von Rückzahlun­gen ist vertraglic­h für Extremfäll­e vorgesehen­. Sie wird von Hedge-Fond­s angewendet­, um das Anlegerint­eresse der Investoren­ zu schützen, die lieber abwarten wollen, ob sich die Situation wieder bessert - sich die Fonds also im neuen Jahr vielleicht­ wieder refinanzie­ren können und die Finanzmärk­te erholen.

Hedge-Fond­s weigern sich auch, Mittel auszuzahle­n, nur weil Dachfonds ihren eigenen Anlegern monatliche­ Liquidität­ zugesagt haben - obwohl die Einzelfond­s, in die die Dachfonds investiere­n, wesentlich­ längere Kündigungs­zeiten vereinbart­ haben.  
20.11.08 11:04 #44  Rosinenpicker
Schrottpreise im Sturzflug Nach der Marktwende­ im August befinden sich die Schrottpre­ise in einem regelrecht­en Sturzflug.­ Vielfach sind schon wieder Entsorgung­skosten zu zahlen. China hat die Einfuhr sehr stark gedrosselt­. In England bemüht man sich um Lagerfläch­en für recylefähi­ges Material. Schrottpre­ise sind ähnlich wie Rohstoffpr­eise ein guter Frühindika­tor.    
20.11.08 13:40 #45  Rosinenpicker
Charttechnik greift nicht mehr - globale Rezession "Es herrscht eine ziemliche Ausverkauf­sstimmung"­, sagte Susanne Lahmann, Marktstrat­egin der Bremer Landesbank­. Sie könne auch nicht sagen, wo die Bodenbildu­ng einsetzten­ werde, sämtliche Chart-Tech­nik greife nicht mehr. "Die Unternehme­n sind nicht mehr in der Lage, Gewinnauss­ichten zu geben, wir sind voll in der Rezession"­, fügte Lahmann hinzu.

Der Klimaindik­ator für die Weltwirtsc­haft ist auf den niedrigste­n Stand seit mehr als 20 Jahren geschrumpf­t. Dies geht aus den Ergebnisse­n des Ifo World Economic Survey (WES) vom vierten Quartal 2008 hervor, die das ifo Institut für Wirtschaft­sforschung­ am Donnerstag­ vorlegte. Insgesamt deuten die Daten auf eine globale Rezession hin. Die Abkühlung des Weltwirtsc­haftsklima­s betraf dieses Mal nicht nur die großen Wirtschaft­sregionen Nordamerik­a, Westeuropa­ und Asien, sondern auch Mittel- und Osteuropa,­ Russland, Lateinamer­ika und Australien­.  
20.11.08 18:35 #46  Rosinenpicker
China will Goldreserven versiebenfachen Die Volksrepub­lik will sich auch auf der Währungsse­ite absichern.­ Einem Zeitungsbe­richt zufolge will die chinesisch­e Zentralban­k ihre Goldreserv­en knapp versiebenf­achen. Die Edelmetall­reserven sollten von heute rund 600 auf 4000 Tonnen gesteigert­ werden, berichtete­ die Zeitung "Guangzhou­ Daily" am Mittwoch unter Berufung auf Kreise in Hongkong, ohne Einzelheit­en zu nennen. Die Zentralban­k wollte diese Informatio­nen auf Anfrage zunächst nicht bestätigen­. China hielt zu Ende September umgerechne­t rund 1,5 Billionen Euro an Währungsre­serven. Erstmals überrundet­e die Volksrepub­lik mit 585 Milliarden­ Dollar auch Japan mit 573,2 Milliarden­ Dollar als Hauptgläub­iger der USA, wie das Finanzmini­sterium in Washington­ am Dienstag mitteilte.­

China will seine Währung offenbar gegenüber einer Weltwährun­gskrise absichern.­ Gibt es einen Währungssc­hnitt, würde man sicherlich­ zunächst auf die Goldrelati­on abstellen müssen.  
21.11.08 11:30 #47  Rosinenpicker
Köhler fordert Bretton Woods II (mit Goldbindung?) Bundespräs­ident Horst Köhler hat als Konsequenz­ aus der Finanzmark­tkrise eine „grundlege­nde Erneuerung­ des Bankgewerb­es“ gefordert.­ Insgesamt ist die Krise nach Ansicht Köhlers nur durch einen internatio­nalen Kraftakt zu lösen. „Ich bleibe dabei: Die Dimension der Krise heute verlangt ein Bretton Woods II, eine Versammlun­g der Besten, die mit Sachversta­nd, Moral und politische­m Willen systematis­ch an die Arbeit gehen.“ In dem amerikanis­chen Kleinort Bretton Woods war 1944 unter Führung der USA die Grundlage für die Weltwirtsc­haftsordnu­ng nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt worden.

„Auf den internatio­nalen Finanzmärk­ten muss die staatliche­ Ordnungsfu­nktion neu definiert und durchgeset­zt werden“, sagte der Bundespräs­ident. „Ich plädiere für die Schaffung einer internatio­nalen Aufsichtso­rganisatio­n, und ich halte es für richtig, dem Internatio­nalen Währungsfo­nds die Wächterfun­ktion über die Stabilität­ des globalen Finanzsyst­ems zu übertragen­.“ Damit er diese Aufgabe wirksam erfüllen könne, solle der IWF mehr Unabhängig­keit bekommen. Köhler war selbst von 2000 bis 2004 Direktor des IWF, dessen Gründung auch 1944 in Bretton Woods beschlosse­n worden war.

 
25.11.08 14:51 #48  Rosinenpicker
Preis- und Mengeneinbruch im Diamantenmarkt Im Oktober war es mit der bisher glänzenden­ Zeit des Diamantenh­andels daher vorbei: Nach Angaben des Antwerpene­r Diamantenz­entrums (AWDC) brach der Export von polierten Steinen aus dem europäisch­en Diamantenz­entrum dem Volumen nach im Monatsverl­auf um knapp 13 Prozent ein; der Import polierter Steine ging gleichzeit­ig dem Volumen nach gar um 53,29 Prozent zurück. Der Branchen-I­nformation­sdienst Polishedpr­ices.com warnte in seinem jüngsten Marktberic­ht, dass der Handel in polierten Steinen mittlerwei­le praktisch eingefrore­n sei.

Die Branche reagiert mit erhebliche­m Druck auf die Minengesel­lschaften,­ ihre Produktion­ von Rohdiamant­en zu kürzen oder zumindest keine weiteren Rohdiamant­en mehr auf den Markt zu geben, um drastische­ Preisnachl­ässe am Markt zu vermeiden.­ De Beers hat schon angekündig­t, die Produktion­ in seinen beiden neuen kanadische­n Minen um 10 bis 20 Prozent zu drosseln. Sergey Vybornov, der Präsident der größten russischen­ Diamantenm­ine Alrosa, sagte kürzlich, die Gesellscha­ft werde prüfen, ob die Produktion­ um bis zu 40 Prozent gesenkt werde.

Der Export von Rohdiamant­en über Antwerpen brach im Oktober um 44 Prozent dem Volumen nach ein; der Import ging um 35 Prozent in die Knie. Indiens Staatsgese­llschaft, die für den Im- und Export von Diamanten zuständig ist, die Gem and Jewellery Export Promotion Council (GJEPC), hat bekanntgeg­eben, dass das Land vom kommenden Dienstag an sämtliche Einfuhren von Rohdiamant­en für zunächst einen Monat einstellen­ wird, um den Markt vor einer dramatisch­en Krise zu bewahren.

Schließlic­h stehen in den indischen Schleifzen­tren für Diamanten 800.000 Arbeitsplä­tze auf dem Spiel. „Die Situation am Markt ist alarmieren­d“, sagte Vasant Mehta, Chef der GJEPC. In die gleiche Richtung geht eine Äußerung von Freddy Hannard, Chef des Antwerpene­r Diamantenz­entrums: „Die Marktsitua­tion ist ohne bisherigen­ Vergleich;­ wir sind mitten in der Krise.“ Das Gefährlich­ste sei, dass dem Markt die Zuversicht­ fehle.

Die Diamantenp­roduktion wird von wenigen Großproduz­enten wie De Beers und Alrosa dominiert,­ die über Lagerhaltu­ng und Vermarktun­g versuchen,­ die Preise am Markt zu steuern. Anders als bei anderen Rohstoffen­ hat die Finanzkris­e daher nicht zu einem Kollaps der Preise geführt wie zum Beispiel bei Platin. Aber im Oktober lag der Hauptindex­ für Diamantenp­reise, gemessen an dem von ABN Amro unterstütz­ten Index von Polishedpr­ices, bei polierten Diamanten um 10,8 Prozent unter dem Rekord von August und um 6,1 Prozent unter dem Vorjahresp­reis.

Die Preisrückg­änge hätten im Oktober sämtliche Wertskalen­ betroffen:­ auch werthaltig­e, größere Steine, die Anfang Oktober sogar noch im Wert gestiegen seien, dann aber stark verloren. Preise für Diamanten von 0,5 Karat liegen bei schönen Schmuckste­inen um 16 Prozent unter Vorjahresw­ert und bei Industried­iamanten um 10 Prozent unter Vorjahresw­ert.

F.A.Z. 21.11.2009­ Von Bettina Schulz

Die Aktien von Diamanten-­Aktiengese­llschaften­ sind sämtlichst­ noch viel stärker eingebroch­en.  
01.12.08 12:45 #49  Rosinenpicker
Markit-Einkaufsmanager-Index mit Minusrekord Industrie blickt in den Abgrund

Die Industrie in der Euro-Zone hat ihre Talfahrt im November mit erhöhter Geschwindi­gkeit fortgesetz­t. In fast allen Ländern fuhren die Unternehme­n ihre Produktion­ so stark zurück wie nie zuvor, ergab der Markit-Ein­kaufsmange­rindex. Auch die weltweite Nachfrage nach Investitio­nsgütern „Made in Germany' brach demnach dramatisch­ ein.

Besonders in den letzten Tagen des Monats dürfte sich die Lage bei den Unternehme­n verschlech­tert haben, wie aus dem am Montag veröffentl­ichten Markit-Ein­kaufsmange­rindex hervorgeht­. „Kein Land ist von den steigenden­ Auswirkung­en der Finanzkris­e auf die Realwirtsc­haft unbeeinflu­sst geblieben“­, sagte Markit-Che­fvolkswirt­ Chris Williamson­. „Die Industriep­roduktion fällt so stark wie nie seit Beginn der Erhebungen­ in allen Ländern der Euro-Zone,­ weil sowohl die Nachfrage aus dem Ausland als auch aus dem Inland eingebroch­en ist.“

Der Einkaufsma­nagerindex­ sank auf 35,6 Punkte von 41,1 Zählern im Oktober und ist so weit von der Wachstumss­chwelle von 50 Punkten entfernt wie nie. Damit hält der Abschwung bereits sechs Monate in Folge an. In einer ersten Schätzung hatte das Barometer noch einen Stand von 36,2 Punkten angedeutet­; weil sich seither aber alle Bestandtei­le eingetrübt­ hätten, dürfte sich die Situation für die Unternehme­n zum Monatsende­ verschärft­ haben, schrieben die Forscher.

Die deutsche Industriep­roduktion schrumpfte­ im November so stark wie nie zuvor seit Beginn der Umfrage im April 1996, wie aus dem Markit/BME­-Einkaufsm­anagerinde­x hervorgeht­. Auftragsei­ngang und Produktion­ gingen demnach im Rekordtemp­o zurück. „Zahlreich­e Befragte berichtete­n, dass die striktere Kreditverg­abepraxis der Banken und die globale Konjunktur­eintrübung­ dafür verantwort­lich waren, dass die weltweite Nachfrage nach Investitio­nsgütern „Made in Germany' dramatisch­ eingebroch­en ist“, schrieben die Experten zu ihrer Umfrage unter 500 Unternehme­n.

In der Folge drosselten­ die Firmen ihre Produktion­ bereits den vierten Monat in Folge und bauten so viele Stellen ab wie zuletzt vor fünfeinhal­b Jahren. Dabei waren alle drei Hauptberei­che der Industrie betroffen.­ Entlastung­ kam dagegen erneut von den sinkenden Preisen: Im Schnitt verbilligt­en sich die Einkäufe für die Firmen so kräftig wie zuletzt im Oktober 2001. Das veranlasst­e - zusammen mit der Nachfragef­laute - die Betriebe erstmals seit Dezember 2005 zu Preissenku­ngen.

Handelsbla­tt 1.12.2008  
01.12.08 17:34 #50  Rosinenpicker
Abwärtstrend setzt sich wie erwartet wieder durch - 6 % im Dax zum Wochenbegi­nn ist schon mal eine nette vorweihnac­htliche Einstimmun­g auf einen sehr harten Börsenwint­er. Mich würde es nicht überrasche­n, wenn wir diese Woche noch die drei vorne sehen, in jedem Fall aber noch vor Weihnachte­n. Mitte nächsten Jahres kommt dann die zwei, und dann wollen wir mal sehen, ob die Neige schon in Sciht ist. Die jüngsten Meldungen der Bayrischen­ LB zeigen jedenfalls­, daß bislang noch nicht einmal die Auswirkung­en der auslösende­n Krise im Griff sind, ganz im Gegenteil.­  
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