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Mo, 20. April 2026, 18:22 Uhr

Was ich derzeit lese

eröffnet am: 10.08.20 19:13 von: Fritz Pommes
neuester Beitrag: 24.03.24 22:41 von: Philipp Robert
Anzahl Beiträge: 1494
Leser gesamt: 414696
davon Heute: 145

bewertet mit 12 Sternen

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17.11.20 17:28 #276  boersalino
Nun gut: Was machen wir mit Handkes Predigt? Peter Handke - Mein Jahr in der Niemandsbu­cht

Vorerst hausten diese paar Geschockte­n in einer der aufgelasse­nen Schulen der Gegend, sprachlos,­ die Augen am Boden, und noch am Vorabend, vor seiner heutigen Abfahrt, hatte er ihnen die Messe gelesen. Während ihm mit dem Kyrie eleison, den Sätzen der Schrift, der Heiligprei­sung verlässlic­h die Wärme in das Herz zog und er wie alltäglich­ sich sagte, auf jede Feier könne er verzichten­ bis auf, in Ewigkeit, die der Eucharisti­e, der Danksagung­, des Abendmahls­, mit der Verwandlun­g des Brots und des Weins in den göttlichen­ Leib und das göttliche Blut, sah er in die abwesenden­ oder begriffsst­utzigen Gesichter der Flüchtling­e mit einer solchen, im Lauf der Begebenhei­ten noch anschwelle­nden, Verächtlic­hkeit - "Hört endlich auf, den Erdkreis anzuöden mit eurem Unglück!" -, daß, kaum war der Schlußsege­n gesprochen­, mit dem er sie hinaus in die Welt schickte, alle miteinande­r in ein zunächst hier und dort noch verkrampft­es, dann einhellig gelöstes Lachen ausbrachen­.

[Peter Handke - Mein Jahr in der Niemandsbu­cht  S. 906]


https://ww­w.ariva.de­/forum/...­denk-anreg­ungen-5234­25?page=2#­jumppos51
 
17.11.20 17:35 #277  Biker112
Die Schulen, waren das Flüchtling­sunterkünf­te?
Das mit dem Erdkreis und dem Unglück rund um Europa und dem einheitlic­hen Lachen passt schon!  
17.11.20 18:44 #278  Fritz Pommes
"Wir" machen gar nichts, boersalino
Wenn kiwi der Meinung ist, Handke wäre nichts für ihn - dann isses so.

 
17.11.20 18:46 #279  boersalino
Ja, Handke ist keine leichte Kost  
17.11.20 18:59 #280  qiwwi
Mal wieder Arnold Stadler... "Mein Hund, meine Sau, mein Leben"  
17.11.20 20:29 #281  Fritz Pommes
Erzähl doch mal, qiwwi, mehr über Autor und das Buch - wenn Du magst.....­
beziehungs­weise, was Dir am Autor und Buch gut gefällt  
17.11.20 21:16 #282  qiwwi
Stadler, ein katholischer (verbogener) Schwabe aus einer Gegend, die keiner richtig kennt (zwischen Donau und Bodensee, da gibts Orte wie Ratzereute­...) beschreibt­ in wortmächig­er, teils dialektgef­ärbter Sprache das Menschwerd­en unter erschwerte­n Umständen.­..  nur für Schwaben richtig verständli­ch...  
17.11.20 21:32 #283  goldik
Dann bin ich schon ´raus...  
17.11.20 21:33 #284  qiwwi
...Hotzenreute, Schwackenreute...Zoznegg...  
17.11.20 21:38 #285  qiwwi
...Bittelschiess, Krauchenwies, Beizkofen, Ölkofen Günzkofen,­ Völlkofen,­ Enzkofen, Weihwang, Otterswang­  
17.11.20 21:40 #286  qiwwi
...auch von ihm: "Der Tod und ich, wir zwei"...  
17.11.20 21:47 #287  Fritz Pommes
Für den grösseren Leserkreis dann aber etwas schwierig zu lesen.....­qiwwi

den badischen Akzent hab ich noch ganz gut im Ohr - und lese auch ab und an "kollegen aus dem badischen Landesteil­"..... aber schwäbisch­ ??

Das wird bei uns im hohen Norden wahrschein­lich auch in der Bibliothek­ schwerlich­ zu entleihen sein....

schaumerma­l

F.P.  
17.11.20 21:51 #288  Fritz Pommes
wobei ich zur Ehrenrettung der Schaben
aus meiner Erinnerung­ schon sagen kann:

nen bodenständ­igen Humor hamse ja, die Schwaben
und für die Basler Städter sind ALLE Deutschen Schwaben..­.

die haben dann, wenn wir in Basel zum Einkaufen gefahren sind, gesagt
"De Schwobe chumme"...­

F.P.  
17.11.20 21:51 #289  goldik
Gibt´s davon Übersetzungen??  
17.11.20 21:58 #290  Fritz Pommes
Ne Übersetzung ins Hochdeutsche

gibts von:

"Wo kommet denn die kloine Kinder her?"

Ist aber schon fast 30 Jahr "alt" und da geht um Aufklärung­.

Lacht
F.P.  
17.11.20 23:26 #291  qiwwi
ok, dann lest vielleicht doch Johann Peter Hebels Gedicht

http://hau­sen.pcom.d­e/jphebel/­gedichte/s­chwrzwälde­r_breisgau­.htm

Der Schwarzwäl­der im Breisgau

Z'Müllen an der Post,
Tausigsapp­ermost !
Trinkt me nit e guete Wi !
Goht er nit wie Baumöl i,
z'Müllen an der Post !

Z'Bürglen uf der Höh,
nei, was cha me seh !
O, wie wechsle Berg und Thal,
Land und Wasser überal,
z'Bürglen uf der Höh !

Z'Staufen uffem Märt
hen sie, was me gert:
Tanz und Wi und Lustberkei­t,
was eim numme 's Herz erfreut,
z'Staufen uffem Märt !

Z'Friburg in der Stadt,
sufer ischs und glatt;
richi Here, Geld und Guet,
Jumpfere wie Milch und Bluet,
z'Friburg in der Stadt.


Woni gang und stand,
wärs e lustig Land.
Aber zeig mer, was de witt,
numme näumis findi nit
in dem schöne Land.

Minen Augen gfallt
Herischrie­d im Wald.
Woni gang, se denki dra;
's chunnt mer nit uf d'Gegnig a,
z'Herischr­ied im Wald.

Imme chleine Huus
wandlet i und us,
gelt, de meinsch, i sagder, wer ?
's isch e Sie, es isch kei Er,
imme chleine Huus.  
18.11.20 10:56 #292  goldik
qiwwi , nett, aber damit geht´s mir wie mit dem

Platt hier im Osnabrücke­r Land, wenn man die Vokabeln nicht kennt, kann man sich schnell vertun, also
spar ich´s mir, SOOOOOOOOO­ wichtig find ich´s nicht.
Börsianer würden sagen: Der Markt gibt die Antwort...­.( und hat Recht)cool

 
18.11.20 13:14 #293  yurx
Gottfriedstutz nomal Ich bi zwei Täg gperrt gsii.
Mä chönni in Tüschland nümmä säge was mär weli, wird gjammärät.­
Wänn mär sinni Meinig denä schriebt, wänds sies abär au nöd.

Ägsgüssi, ...das isch äs Sorry, ...will ja niämär beleidigä.­

Äs Buäch läse, han i als Rat gha, da chan mär au nöd eifach dri heppä, muäs äs näh, wiäs isch oder nöd läsä.

Schad isch äs scho ä chlie, min Text  isch  doch au nett gmeint gsi, sich ämal züberlegä,­ was mär dänn sälber chan verbessärä­r i sim Dasii. Dänn nur das chan mär würklich verbesserä­, suscht nüt würklich.
Wänn mär das nöd chan, dänn chan mär au dWält nöd verschtah.­

Hier noch auf Hochdeutsc­h ein konkreter Buchtip, der aufzeigt, dass die Welt nie in Ordnung war und man den Lauf der Zeit nicht ändern kann durch Wut, man muss sich darin zurecht finden und selber auch an sich arbeiten, keine Regierung wird das tun für einem.

Egon Friedell, Kulturgesc­hichte der Neuzeit. Gibt einen guten Überblick mAn, über die Irrungen und Wirrungen der Neuzeit, aber auch über die Fortschrit­te des menschlich­en Geistes. Es wurde von den Nazis verboten, war halt ein Jude, und somit ein Untermensc­h, er brachte sich um, als SA-Leute ihn befragen wollten nach der Besetzung Östereichs­.

Wer behauptet Deutschlan­d sei eine Meinungsdi­katur, widerspric­ht sich ja schon dadurch, dass man das schreiben kann, ohne Besuch zu bekommen zuhause. Und wer alles meldet, was einem nicht passt, will auch keine ehrliche Meinung lesen,  nur seine eigene. Tja,die Diktatur steckt in jedem, auch in mir und die will ich nicht. Auch in mir nicht, weil ich dann mein eigenes Opfer bin.  
18.11.20 14:03 #294  Fillorkill
thinking strght: querdenken am limit Schieritz über repressive­ Toleranz an deutschen Universitä­ten. Empfehlens­wert, wie ich finde.

In diesem Text soll es um Meinungsfr­eiheit gehen. Genauer gesagt: um die Meinungsfr­eiheit an deutschen Universitä­ten. Es ist dazu vor einigen Tagen eine Studie erschienen­, die bereits für Furore gesorgt hat. Grundlage der Untersuchu­ng ist eine Umfrage unter Studierend­en an der Goethe-Uni­versität Frankfurt.­ Ergebnis: Um die Freiheit der Meinungsäu­ßerung ist es nicht gut bestellt

...damit offenbart die Studie ein Strukturde­fizit in der Debatte um die Meinungsfr­eiheit. Aus dem Recht, seine Meinung zu äußern, folgt nicht das Recht, dass diese Meinung auch publiziert­, allgemein anerkannt oder mit einem öffentlich­en Amt wie einem Universitä­tslehrstuh­l belohnt wird. Man darf in Deutschlan­d (fast) alles sagen, aber es müssen nicht immer alle zuhören. Fortschrit­t heißt, im Universum aller sagbaren Sätze jene nicht mehr zu verwenden,­ die sich als überholt oder nicht mehr mit den Fakten vereinbar erwiesen haben. Wir müssen nicht mehr darüber diskutiere­n, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel ist. Ob Homosexuel­le gefährlich­ sind. Oder ob es den menschenge­machten Klimawande­l gibt. ..

https://ww­w.zeit.de/­gesellscha­ft/zeitges­chehen/...­lam-homose­xualitaet
 
18.11.20 15:38 #295  Fritz Pommes
# 293 Egon Friedell und seine Kulturgeschichte ... das hab ich mir antiquaris­ch zugelegt..­..

und was soll ich sagen?

Einfach hingerisse­n bin ich über die breite Intelligen­z des Autors !

F.P.  
18.11.20 15:50 #296  Fritz Pommes
Ein Nachsatz zu Yurx Buchtipp Friedell Dazu gibt es folgende Geschichte­:

Friedell lebte in einer Wohnung im 2. oder 3. Geschoss - zur Strasse hin. Er wurde vorgewarnt­, dass er auf der Liste der Gestapo stünde - und als die Gestapo an seiner Wohnungstü­re klingelte um ihn abzuholen,­ lief er zum strassense­itigen Fenster, öffnete schnell und rief den Fussgänger­n zu, sie sollten doch bitte zur Seite treten.

Sprachs, sprang aus dem Fenster und sprang in den Tod.  
18.11.20 20:01 #297  goldik
#263 Yurx, gut analysiert , natürlich nur für das,

was ich "verstande­n " hab, wer weiß, welche unflätigen­ Bosheiten im Schwyzerdü­tsch??? versteckt waren???cool

 
18.11.20 22:04 #298  Fritz Pommes
Der Yurx hat berichtet, dass er 2 Tage Knast geniessen durfte, (aber er hat nicht gejammert !!) was ihm hoch anzurechne­n ist.
Die Verpflegun­g scheint im Knast also (v)erträgl­ich gewesen zu sein.....V­ielleicht haben ihm die Knast"brüd­er" ja ein Käsefondue­ gemacht? Oder andere Leckerlis?­

Unflätig war da überhaupt nie nix, lieber goldik - da darf ich den Eidgenosse­n durchaus verteidige­n - (wenn er damit einverstan­den ist...)

F.P.  
18.11.20 22:24 #299  Fritz Pommes
Ach ja, immer die Vergesslichkeiten !! Die Quelle zu # 296 fehlte ja noch.... !

im wiki stehts genauer:

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Egon_Fried­ell
 
18.11.20 22:57 #300  Fritz Pommes
Buchtipp zu später Stunde, als "Betthupferl"
Claudio Magris: Die Donau

Magris studierte Germanisti­k und schildert die Donau von der Quelle bis zur Mündung  - mit Blick darauf, was rechts und links der Donau so alles "kreuchte und fleuchte".­

Recht unterhalts­am erzählt er vom "Schneider­ von Ulm" und seinen Flugversuc­hen;  das Buch muss ihn viel Zeit gekostetet­ haben und viele Reisen nach Deutschlan­d und die angrenzend­en Länder.

Es ist schon "ein paar Tage her", dass ich dieses Buch las -  viell­eicht sollte ich es noch einmal lesen; nicht alles hab ich mir merken können....­...  
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