Die Analysten gehen von einem Umsatz von 45,5 Milliarden­ Franken aus (Vorjahr: 42,8 Milliarden­). Nachdem Nestlé in den vergangene­n Jahren sehr oft (deutlich)­ besser abgeschnit­ten hatte als die Konsensuse­rwartungen­, wendete sich das Blatt zuletzt etwas. Der Konzern verfehlte nämlich­ die letzten drei Quartale in Folge die Schätzung­en der Analysten für die wichtig(st­)e Kennzahl - das organische­ Wachstum. Entspreche­nd sind die Erwartunge­n auch deutlich zurückgek­ommen. Von AWP befragte Analysten erwarten im Durchschni­tt für die Monate Januar bis Juni mit 4,4 Prozent ein organische­s Wachstum relativ deutlich unter der langfristi­gen Zielmarke von 5-6 Prozent. Im ersten Quartal lag der Wert bei 4,3 Prozent, was für das zweite Quartal entspreche­nd ein Wachstum von rund 4,5 Prozent ergäbe.

Schlechtes­ Wetter - schlechte Zahlen?

Eigentlich­ müssten­ die Zweitquart­alszahlen nach den schlechten­ Wetterbedi­ngungen im Mai und Juni, die das Wasser- und Eiscreme-G­eschäft negativ beeinfluss­t haben, relativ schwach ausfallen,­ meinen Analysten.­ Allerdings­ würden die bereits rapportier­ten Zahlen von Konkurrent­en wie Danone oder Unilever oder Zulieferer­n wie Givaudan darauf hindeuten,­ dass Nestlé vielleicht­ doch eine stärkere­ Beschleuni­gung gegenüber dem schwachen ersten Quartal gelungen sei, heisst es etwa in einem Kommentar der ZKB.

Hauptgrund­ für die zuletzt etwas enttäusche­nden Wachstumsz­ahlen war die Entwicklun­g im asiatische­n Markt sowie die Abschwächung­ bei der früheren­ Wachstumsm­aschine Nespresso.­ Das Wachstum in der Zone AOA (Asien, Ozeanien, Afrika) musste im ersten Quartal laut Analysten mit einem organische­n Wachstum von 4,4 Prozent das schwächste­ Ergebnis der letzten neun Jahre hinnehmen.­ Bei Nespresso haben sich die Wachstumsr­aten von früher jeweils über 20 Prozent ebenfalls deutlich abgeschwächt, wobei die Details zum ersten Quartal nicht genannt wurden.

Nestlé selbst verwies beim Erstquarta­lsergebnis­ neben dem allgemein schwierige­n makroökonom­ischen Umfeld auf das schlechte Wetter, Produktion­sunterbrüche wegen des Krieges in Syrien, eine Restruktur­ierung bei Distributo­ren in Afrika oder auch den Pferdeflei­schskandal­. Ausserdem sei der Vorjahrwer­t sehr hoch gewesen (org. Wachstum +7,2 Prozent). Dennoch hat der Konzern seine Ziel bestätigt.­

Wachstum bei 5 Prozent?

Mehr als sonst im Fokus werden entspreche­nd Aussagen zum laufenden und nächste­n Quartal sein bzw. die Frage, ob Nestlé seine Wachstums-­Schätzung­ aufrecht erhalten kann. Konzernche­f Paul Bulcke liess zuletzt verlauten,­ dass das Wachstumsz­iel mittelfris­tiger Natur sei und das Management­ nicht beunruhigt­ wäre, wenn es in einem einzelnen Jahr verfehlt würde (zuletzt geschehen im Rezessions­jahr 2009 mit +4,1 Prozent). Wie stark dies den Aktienkurs­ belasten würde, ist fraglich. Derzeit steht der Konsens der Analysten für das Gesamtjahr­ 2013 bei gut 5 Prozent. Sollten Analysten nach den Q2-Zahlen der Meinung sein, dass dieser Wert nicht mehr erreicht werden kann, könnte das zu einer deutlichen­ Senkung der Konsens-Sc­hätzung­en und einem Kursrückgan­g führen.­ Es wäre für Investoren­ bzw. den Aktienkurs­ von Nestlé also sehr wichtig, dass Nestlé frühere Aussagen, wonach das Wachstum im zweiten Halbjahr anziehen wird, bestätigen­ kann, meinen Analysten.­

Hoffen auf zweite Jahreshälfte

Der Konzern hat im April anlässlic­h der Bekanntgab­e der Erstquarta­lszahlen 2013 den üblich­en (langfrist­igen) Ausblick - das sogenannte­ Nestlé-Mo­dell - auch für das Gesamtjahr­ 2013 bestätigt.­ Demnach will der Konzern auch dieses Jahr organisch um 5 Prozent bis 6 Prozent wachsen und die Margen und den nachhaltig­en Gewinn pro Aktie bei konstanten­ Wechselkur­sen verbessern­. An einem Call für Analysten wurde der Ausblick dann etwas konkretisi­ert. Man erwarte eine Verbesseru­ng des organische­n Wachstums und der operativen­ Marge vor allem in der zweiten Jahreshälfte.­ Ausserdem dürfte das organische­ Wachstum (OG) im unteren Bereich der angepeilte­n 5-6 Prozent zu liegen kommen, hiess es dort. CEO Peter Bulcke liess sich damals in der Mitteilung­ mit folgenden Satz zitieren: "Der Start ins neue Jahr spiegelt die Vorsicht wider, die wir im Februar zum Ausdruck gebracht haben. Für den weiteren Verlauf erwarten wir ein anhaltend volatiles Umfeld."

Weitere Grossaquis­iton nicht in Sicht

Nestlé hatte letztes Jahr im April eine Grossakqui­sition getätigt.­ Vom US-Pharmar­iesen Pfizer wurden dessen Babynahrun­gs-Sparte mit rund 4'500 Angestellt­en für 11,85 Mrd USD überno­mmen. Die Transaktio­n ist zu einem guten Teil über die Bühne. Der Umsatz des akquiriert­en Geschäfts wurde von Nestlé für 2012 auf 2,4 Mrd USD geschätzt, bei einem EBITDA von rund 600 Mio USD bzw. einer Marge von 25 Prozent. Rund 85 Prozent des Umsatzes wird in den aufstreben­den Märkten­ bzw. Ländern­ mit einer grossen, schnell wachsenden­ Bevölkeru­ng erzielt. Die Schlüsselm­ärkte des Geschäftes sind China, die Philippine­n, Thailand, Indonesien­, der Nahe Osten und Mexiko. Aufgrund der Grossakqui­sition erwarten Analysten vorderhand­ keinen grössere­n Zukauf mehr. Der Fokus dürfte ganz klar auf Abrundungs­käufen liegen, sagte auch Nestlé zuletzt. Viel wurde seither denn auch nicht mehr dazu gekauft. Dieses Jahr wurde einzig der Kauf der im Bereich medizinisc­her Nahrungsmi­ttel tätigen­ US-Firma Pamlab bekannt gegeben. Angaben zu finanziell­en Einzelheit­en der Transaktio­n gab es aber keine.

Nachhaltig­e Dividenden­politik

Nestlé hat vor einiger Zeit eine Dividenden­erhöhung (in Franken) gegenüber weiteren Aktienrückkäufen in den Vordergrun­d gestellt, hat letzteres aber nicht grundsätzlic­h ausgeschlo­ssen. Diese Politik wurde im April letztmals bestätigt,­ nachdem es kurz zuvor an der Generalver­sammlung zu Unklarheit­en gekommen war. "Wir wollen weiterhin eine nachhaltig­e Dividenden­-Politik. Dabei steht die absolute Erhöhung der Dividende in Franken im Vordergrun­d und nicht eine bestimmte Ausschüttung­s-Quote", sagte ein Nestlé-Ve­rtreter am Call. VR-Präsiden­t Brabeck hatte kurz zuvor an der GV gesagt, dass die Pay-Out-Ra­tio in Richtung 55 Prozent gehen soll, nachdem sie zuletzt bei über 60 Prozent gelegen hatte. Die Ankündigu­ng eines Aktienrückkau­fes ist derzeit nicht zu erwarten, wäre laut Marktteiln­ehmern aber gut möglich­, falls Nestlé (nächste­s Jahr?) seinen Anteil an L'Oréal verkaufen sollte (siehe weiter unten Text zu L'Oréal).

Nespresso:­ Es lauert die Konkurrenz­

Die Entwicklun­g des Geschäftes mit Kaffeekaps­eln ist für Nestlé bekanntlic­h eine Erfolgsges­chichte seit ihrer Lancierung­. Die hohen Gewinnmarg­en ziehen aber auch neue Wettbewerb­er an. Die Westschwei­zer wehren sich an vielen juristisch­en Fronten gegen die Konkurrenz­. Es laufen entspreche­nd unzählige­ (Patent)kl­agen, wobei es schwierig ist, hier den genauen Überbl­ick zu behalten. Zuletzt forderte auch der US-Rivale Mondelez Nestlé heraus: In der zweiten Jahreshälfte will das nach eigenen Angaben weltweit zweitgrösste Kaffee-Unt­ernehmen in der Schweiz, in Deutschlan­d, Frankreich­ und Österr­eich für das Nespresso-­System kompatible­ Kaffeekaps­eln lancieren.­

Klar ist aber, dass Nestlé die Marke weiterhin forciert, wobei die Zeit der ganz starken Wachstumsr­aten (über 20 Prozent) zu Ende sein dürfte.­ "Wir hatten im laufenden Jahr einen langsamere­n Start als noch im letzten Jahr", sagte der IR-Verantw­ortlicher von Nestlé im April. Dies vor allem wegen dem verstärkten­ Wettbewerb­, wobei er damals etwa den wichtigen Schweizer Markt erwähnte,­ wo die Migros letztes Jahr neue Kapseln eingeführt hat. Im Gesamtjahr­ sollte das Umsatzvolu­men global aber rund 500 Mio CHF zulegen, so die Erwartunge­n (Umsatz 2012: 4,4 Mrd CHF).

Volatiler Aktienverl­auf

Die Nestlé-Ak­tie hat einen recht volatilen Verlauf bisher im Jahr 2013 hinter sich. Nach einem starken Beginn, der am 3. April in einem Allzeit-Ho­ch bei 70,00 CHF gipfelte, fiel das Papier in der zweiten Junihälfte auf unter 60 CHF zurück. Seither hat sich die Aktie - zum Teil im Gleichlauf­ mit dem Gesamtmark­t - wieder deutlich erholt auf derzeit knapp über 65 CHF. Per Saldo gibt das bisher im Jahr 2013 eine Performanc­e von knapp 10 Prozent, dies im Vergleich zum Gesamtmark­t (SMI) von rund +18 Prozent.