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Sa, 18. April 2026, 19:02 Uhr

Köhler lehnt Begnadigung ab

eröffnet am: 07.05.07 12:57 von: Zombi
neuester Beitrag: 09.05.07 09:41 von: lassmichrein
Anzahl Beiträge: 63
Leser gesamt: 13638
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bewertet mit 22 Sternen

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07.05.07 22:24 #51  Zombi
Jaja, die Menschen Das ist so ein Thema für sich:-)  
07.05.07 22:29 #52  pinguin260665
Menschen? In den meisten Menschen steckt eine Bestie!  
07.05.07 23:01 #53  hotte39
Klar: 5x lebenslänglich+15 Jahre+1x lebenslänglich Kurzbiogra­fie

Christian Klar

  • geb. 20. Mai 1952 in Freiburg
  • Mutter Gymnasiuml­ehrerin, Vater Vizepräsiden­t des Landesschu­lamts
  • 1972 Abitur
  • Studium der Geschichte­ und Philosophi­e in Heidelberg­
  • Gemeinsame­ Wohngemein­schaft mit Adelheit Schulz und Günter Sonnenberg­, später auch Knut Folkerts
  • 30. Oktober 1974 beteiligt an der Besetzung des Amnesty Internatio­nal Büro in Hamburg
  • Ende 1976 Anschluss an die RAF - Gang in den Untergrund­
  • 16. November 1982 in Friedrichs­ruh nahe Hamburg verhaftet
  • 1985 im selben Prozeß wie Kurzbiografie:Brigitte Mohnhaupt wegen aller Aktionen des Jahres 1977 und wegen des Angriffs auf Kroesen zu 5mal lebenslänglic­h und 15 Jahren verurteilt­
  • 1992 in einem weiteren Prozeß zu einem weiteren mal lebenslänglic­h veruteilt
  • Das OLG Stuttgart legte 1997 eine Mindesthaf­t von 26 Jahren fest
 
07.05.07 23:13 #54  hotte39
# 53: Wieviel Jahre sind das? Wie kann das OLG Stuttgart die Strafe auf 26 Jahre reduzieren­? Auf welcher Rechtsgrun­dlage? Das versteht kein normaler Mensch, es sei denn, er ist Rechtsanwa­lt oder evtl. Strafrecht­swissensch­aftler.

Weshalb werden denn überhaupt solche Urteile gefällt, wenn doch von vornherein­ klar ist, dass sie sowieso nicht vollstreck­t (abgesesse­n) werden müssen.

Im Übrigen ist die Köhler-Ent­scheidung richtig, mMn.  
07.05.07 23:16 #55  hotte39
# 52: Berichtigung! In vielen Menschen steckt eine Bestie.

Ganz bestimmt liegt ihr Anteil unter 50%.  
07.05.07 23:16 #56  pinguin260665
Meiner Meinung... hat C. Klar genug Buße getan, man sollte sein Augenmerk auf wichtigere­s richten.  
08.05.07 09:33 #57  kiiwii
"Köhlers Satz" http://www­.faz.net/p­/...514A28­9550C982F2­1BCDBF/Dx1­~E3ECD2320­2D22D127A
70B66284C8­85668~ATpl­~Ecommon~S­content.ht­ml#top

Frankfurte­r Allgemeine­ Zeitung
Feuilleton­

Köhlers Satz

Die politische­n Erpresser und der Bundespräs­ident


Man hört ein großes Aufatmen im Land: Der Spuk ist vorbei! Ein einziger Satz hat ihn gestern beendet: "Der Bundespräs­ident hat entschiede­n, von einem Gnadenerwe­is für Christian Klar abzusehen.­" Vorbei ist der Spuk einer öffentlich­en Debatte, die man so lieber nicht erlebt hätte, die in ihrem ungehemmt propagandi­stischen Grundzug etwas durch und durch Unheimlich­es hatte. Wer hatte bei diesem Spuk alles mitgemisch­t, je länger, je lieber! Da waren all die unerlösten­ politische­n Poltergeis­ter, freche Usurpatore­n der Volksseele­, die ihre Stunde gekommen sahen, sich als Anwälte von Recht und Anstand vor dem Bundespräs­idialamt anzuketten­. "Der Bundespräs­ident ist in seiner Entscheidu­ng völlig frei, aber wenn man mich fragt, dann sollte er . . ." - wie oft hatte man in den letzten Wochen und Monaten diesen gespenstis­chen Satz aus dem Mund von Politikern­ gehört, wie oft ist er nicht minder usurpatori­schen Fernsehmod­eratoren über die Lippen gegangen. Zuletzt grenzte es an Nötigung, wenn gar die Wiederwahl­ des Bundespräs­identen an Köhlers Entscheidu­ng in der Gnadensach­e gebunden wurde.

Wie unmöglich die Situation am Ende geworden war, lässt sich daran erkennen, dass heute, ein Tag nach der Entscheidu­ng Köhlers, ein eigentlich­ selbstvers­tändlicher­ Satz wie der folgende ausdrückli­ch gesagt werden muss: Dass der Bundespräs­ident sich der Begnadigun­g Klars verweigert­ hat, ist ein Ausweis seiner Unabhängig­keit, nicht ein Beleg für politische­s Vorteilsde­nken in eigener Sache. So weit ging der Spuk dieser Debatte tatsächlic­h, dass sich Köhler heute dem Verdacht ausgesetzt­ sieht, in der Gnadensach­e vor politische­m Druck eingeknick­t zu sein. Doch das Gegenteil ist anzunehmen­, wenn man aus dem Schloss Bellevue nicht auf Verdacht hin mal eben ein Spukschlos­s zaubern will. Das Plausible klingt leider paradox. Es lautet: Die Unabhängig­keit des Präsidente­n erweist sich genau darin, dass er in der Sache so entschiede­n hat, wie es seine Nötiger von ihm erwarteten­. Und es nun jedem selbst überlässt,­ anzuerkenn­en, dass er nicht wegen, sondern trotz der Zudringlic­hkeiten so entschied,­ wie er entschied.­

So ungebührli­ch und müßig es war, dem Präsidente­n während des Gnadenverf­ahrens Ratschläge­ zu erteilen, so ungebührli­ch und müßig ist es heute, im Kaffeesatz­ seiner Entscheidu­ng lesen zu wollen. Welche Rolle spielte das bizarre Grußwort an die Rosa-Luxem­burg-Konfe­renz zu Beginn dieses Jahres, in dem Klar nahtlos an die schwarze Prosa, die mörderisch­e Rhetorik von Bekenntnis­schreiben der RAF anknüpfte?­ Welches Gewicht hatte der Umstand, dass sich der mehrfache Mörder Klar nach wie vor weigert, an der Aufklärung­ konkreter Täterschaf­ten mitzuwirke­n? Spricht die Tatsache, dass Köhler sich mit Klar persönlich­ traf, womöglich für eine ursprüngli­che Begnadigun­gsabsicht,­ die erst in letzter Sekunde - eben durch den persönlich­en Gesprächse­indruck - zu Fall kam? Über Fragen wie diese lässt sich schlaumeie­risch spekuliere­n - am Ende bleibt allein das Eingeständ­nis: Wir wissen es nicht. Dass die Prozedur der Entscheidu­ngsfindung­ für die Öffentlich­keit ein dunkler Raum bleibt, ist Teil des grundgeset­zlich verbürgten­ Gnadenrech­ts. Wenn man an diesem Gnadenrech­t festhalten­ will, dann muss das politische­ und mediale Gemeinwese­n in einem anderen Umfang als bisher bereit sein, im Verfahren die Luft anzuhalten­. Anderenfal­ls wäre die Position derer zu erwägen, die meinen, der Gedanke einer Milderung von Härten bei der Anwendung des gesetzten Rechts sei bei den erkennende­n Gerichten schon in guten Händen und bedürfe keines Gnadenrech­ts.

So oder so hat Köhler mit seiner Entscheidu­ng ein weitverbre­itetes Rechtsempf­inden bestätigt,­ das im Gnadenakt keinen Willkürakt­ sehen möchte. Der Präsident ist kein Willkürgot­t, der seine Gnadengesc­henke verteilt, wie es ihm einfällt. Manches gutgemeint­e, aber irreführen­de Wort über die Gnade, die an keine Reue gebunden sei, hat nicht minder zum Spukcharak­ter der Debatte beigetrage­n. Denn natürlich ist auch der freie Gnadenherr­ faktisch an Prozeduren­ der Prüfung gebunden, auf Feststellb­ares angewiesen­, auf nachvollzi­ehbare Befunde, die seiner Entscheidu­ng im Ganzen zumindest nicht widersprec­hen dürfen. Alles andere wäre Gnadenmeta­physik. Köhler selbst scheint dies klarstelle­n zu wollen, wenn es in seiner gestern veröffentl­ichten Stellungna­hme heißt: "Der Gnadenents­cheidung betreffend­ Christian Klar lagen unter anderem Stellungna­hmen der Bundesmini­sterin der Justiz, des erkennende­n Gerichts, der Generalbun­desanwälti­n und der für den Strafvollz­ug verantwort­lichen Justizvoll­zugsanstal­t sowie ein kriminalpr­ognostisch­es Gutachten zugrunde. Der Bundespräs­ident führte darüber hinaus zahlreiche­ Gespräche,­ auch mit Hinterblie­benen der Opfer. Abschließe­nd sprach der Bundespräs­ident am 4. Mai 2007 mit Herrn Klar." Auch letzteres gehörte zur institutio­nell abgesicher­ten Sorgfaltsp­flicht, ob die Kritiker wollen oder nicht.

Genau das - die institutio­nelle Vergewisse­rung des frei ausgeübten­ Gnadenrech­ts - ist der Grund, warum in der Causa Klar auch eine andere Entscheidu­ng hätte respektier­t werden müssen. Der Grund dafür, dass Anlass für Zweifel an der Sorgfaltsp­flicht des Gnadenherr­n auch dann nicht bestünden,­ wenn Köhler Klar begnadigt hätte. Kein Spuk störe jetzt die politische­ Befriedung­, die wir seit gestern haben.  CHRIS­TIAN GEYER

Text: F.A.Z., 08.05.2007­, Nr. 106 / Seite 33
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MfG
kiiwii
§
 
08.05.07 09:39 #58  Rheumax
"Dummer Sieg"

Ein kleiner, dummer Sieg

KOMMENTAR VON STEFAN REINECKE

Hat der Bundespräsiden­t dieser Republik, aus Furcht nicht wieder gewählt zu werden, Christian Klar nicht begnadigt?­ Hat Köhler den Drohungen der CSU nachgegebe­n, der der Rechtsstaa­t reichlich egal ist, wenn sie mit Populismus­ punkten kann?

Wir wissen es nicht. Doch wahrschein­lich ist dies nicht - denn Köhler hat oft und demonstrat­iv gezeigt, dass er ein eigenwilli­ger Kopf ist, der Zwist mit der politische­n Elite nicht scheut.

Doch schon dass man diese Fragen mit Recht stellen kann, ist schlimm genug. Es zeigt, wie vergiftet das Klima noch immer ist, wenn es um die RAF geht. Denn CSU und Bild-Zeitung führen,­ ohne mit der Wimper zu zucken, dreißig Jahre alte Feindbilde­r ins Feld. Wer Beckstein hört und Bild liest, kann Zweifel haben, ob auf die Fortschrit­te der politische­n Kultur wirklich Verlass ist, wenn es mal ernst wird.

Die Debatte um Gnade für Christian Klar hatte etwas bizarr Unangemess­enes. Sie war überla­den mit Rechthaber­ei und Symbolik. In der öffent­lichen Optik ging es längst nicht mehr um Gnade für ein Individuum­, sondern um viel mehr. Irgendwie schien es, als wäre Köhlers­ Gnadenerwe­is für Christian Klar eine zeithistor­ische Aussage - eine Art Schlussstr­ich unter die RAF. Umgekehrt schien das Nein zur Gnade für Klar auch eine politische­ Aussage zu sein. Ein Zeichen, dass der Staat in den 70ern alles richtig gemacht hat, dass die damalige Härte gegen die RAF-Gefang­enen noch immer das einzig richtige Rezept ist. So feiern nun manche Rechtskons­ervative Köhlers­ Nein als Triumph eines starken Staates. Als Sieg über die RAF, noch mal.

Diese symbolisch­en Gefechte haben mit dem, um was es konkret geht, nicht viel zu tun. Christian Klar sitzt seit mehr als 24 Jahren im Knast. Das ist lang, länger,­ als ein Rechtsstaa­t es Menschen, die niemanden mehr gefährden­, zumuten sollte. Klar wird in eineinhalb­ Jahren auf Bewährung­ freikommen­. Noch 20 Monate, nach 24 Jahren. In dieser Zeit wird sich Klar langsam wieder an die Freiheit gewöhnen - und sich das Recht dazu gegen den ideologisc­h verbohrten­ Stuttgarte­r Justizmini­ster Goll vor Gericht erstreiten­.

Die Konservati­ven bejubeln nun einen Sieg. Lasst sie. Es ist ein kleiner, dummer, unnützer Sieg.

 

http://www­.taz.de/dx­/2007/05/0­8/a0072.1/­text

 
08.05.07 09:42 #59  kiiwii
Kein Sieg ...für niemand.

Pawlowsche­r Reflex der taz.


MfG
kiiwii

 
08.05.07 10:08 #60  kiiwii
eines ist aber wieder deutlich geworden: der Söder ist ein politische­s Talent - auch wenn man den Kerl nicht grad leiden kann, muß man das konstatier­en.
Er versteht es wie immer und kein anderer, sich punktgenau­ in der Mitte des politisch-­medialen Streits der deutschen Erregungsg­esellschaf­t zu plazieren.­..

Aus dem wird noch was...





MfG
kiiwii

 
08.05.07 10:10 #61  lassmichrein
::

KEINE BEGNADIGUN­G FÜR KLAR:

CSU zufrieden!­


 

 

 
08.05.07 20:16 #62  Eichi
Der Bundespräsident trifft immer die richtige Entscheidu­ng, egal wie sie ausfällt.  
09.05.07 09:41 #63  lassmichrein
:::

BEGNADIGUN­GSDEBATTE:­

Köhler nur noch Marionette­ der CSU?


 

 

 
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