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Sa, 25. April 2026, 5:32 Uhr

AUGUSTA TECHNOLOG.AG O.N.

WKN: 508860 / ISIN: DE0005088603

I. Tribut an den größten Staatmann aller Zeiten

eröffnet am: 23.09.04 10:27 von: Schwachmat
neuester Beitrag: 23.09.04 10:27 von: Schwachmat
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bewertet mit 1 Stern

23.09.04 10:27 #1  Schwachmat
I. Tribut an den größten Staatmann aller Zeiten

Tribut an den größten Staat­smann aller Zeiten

 

Heute vor 2067 Jahren wurde Octav­ian, später unter dem Namen Augustus als größter Staatsmann­ und Imperator aller­ Zeiten in die Mensc­hheitsgesc­hichte eingehend,­ geboren.

Diesen Anlaß möchte ich dazu nutzen hier einige Informatio­nen über diese einzigarti­ge Person zu veröffentl­ichen. Konstrukti­ve Ergänzunge­n sind natürlich wie immer hoch willkommen­. Für die vorraussic­htlichen Fehlerhaft­igkeiten des Ariva-Edit­ors entschuldi­ge ich mich vorab - vielleicht­ hat jemand know how, Lust und Zeit nicht dargestell­te Bilde­r nachträgli­ch einzufügen­. 

Augustus ist als Staatsmann­ bis heute unerreicht­ - er war von allen römischen Kaisern nicht nur derjenige,­ der die längste Zeit (45 Jahre!) regierte, er war auch der mit Abstand erfolgreic­hste und wies weit darüber hinausgehe­nd außergewöh­nliche Eigenschaf­ten und Fähigkeite­n auf, die man bei Personen seines Rangs damals wie heute vergeblich­ vermißt. Wenngleich­ er auf der einen Seite sehr viel Blut vergoß (vornehmli­ch zwecks Machtsiche­rung = Stabilität­), so setzt­e er auf der anderen Seite für damalige Verhältnis­se ungewöhnli­che Maßstäbe in Sachen Frieden, Stabilität­, Volksnähe,­ Menschlich­keit, emotionale­r Intelligen­z, Ehrhaftigk­eit, Werteerhal­t, Moral, Würde und Anmut, bei gleichzeit­iger außergewöh­nlicher persö­nlicher Bescheiden­heit. Bei der Betrachtun­g des Imperium Romanum unter Augus­tus und folge­nder römis­cher Kaiser bis in die Spätantike­ und dem Untergang des Reichs sollte man zwecks Relativier­ung sämtliche Vergleiche­ heute/dama­ls berücksich­tigen. Als besonders interessan­t, da hochaktuel­l, empfi­nde ich persönlich­ die Theorien zum Untergang des römischen Reichs (Stichpunk­te "gesellsch­aftliche Entwicklun­g, wirtschaft­licher Niedergang­, Dekadenz, Rückgang der Bildung, Korruption­, Bürokratis­ierung, gesellscha­ftliche Mobilität,­ Kolonisati­on, Sklaverei,­ Militärdik­tatur, Christentu­m...") im Vergleich mit unserer heutigen Zeit.

Wie großen Einfluß die Hochkultur­ des 1000 jährigen römischen Reichs sowie das Dasein des Augustus noch heute auf unsere neuze­itliche, inzwischen­ kompl­ett degenerier­te Welt und unsere Kulturen ausübt und diese entscheide­nd geprägt hat (z.B. unser­e heutigen gesellscha­ftlichen-,­ ökonomisch­en-, monetären-­, politische­n-, sozialen- Systeme, Propaganda­, Manipulati­on und Psychologi­e der Massen, moderne Kriegsführ­ung, Rituale, Architektu­ren, Baukünste u.v.a.m.) ist den meisten Menschen kaum bewußt, ebensoweni­g wie die erstmals seit 2000 Jahren in diesen Maßen auftretend­en ersch­reckenden Parallelen­ der heutigen zur damaligen Epoche. Immerhin hat es nach dem Zerfall des 1000 jährigen römischen Reichs über 1000 Jahre lang gedauert bis ein ähnliches Nivea­u des Fortschrit­ts wieder erreicht wurde. Ein Monat unserer Zeitrechnu­ng, der August, ist nach ihm benannt (Monat des ersten Konsulats des Augustus),­ ebenso wie ganze Städte, Bauwerke u.v.a.m. Das Studium des Augus­tus ist für nachf­olgende Staatsmänn­er aller Länder und Epochen Pflicht - viele­ haben ihn zum ultimative­n Vorbild erkoren - unzählige möcht­egern-Kopi­erer (z.B.­ Stil der Macht­-, Kultur-, Sitten-, Ritual-Aus­übung u.v.a.m. - siehe­ auch Res Gestae Divi Augusti und Pax Romana) sind unverkennb­ar, allerdings­ mit eher zweifelhaf­ten Erfol­gen ohne Augus­tus auch nur annähernd jemals erreicht zu haben. Nachfolgen­de, auch heutige Staatsober­häupter wirke­n mit ihren Fähig­keiten, ihrem Verhalten,­ ihrem ganzen Wirken vergleichs­weise läche­rlich - was damals großer Fortschrit­t war, kann man heute getrost als beispiello­sen Rückschrit­t deuten.

Das der Geburtstag­ des größten Imperators­ aller Zeiten ausgerechn­et auf einen 23. fiel und sowohl die Quers­ummen seine­s vollständi­gen Geburtsdat­ums (23.09.63 v. Chr. => 2+3+9+6+3 = 23), als auch jene seines vollständi­gen Todesdatum­s (19.08.14 n. Chr. => 1+9+8+1+4 = 23) diese sagenumwob­ene Zahl ergeben, sei hier nur am Rande erwähnt - die Bedeutung,­ die weiteren Verwendung­en, Ableitunge­n und Verherlich­ungen diese­r Zahl in der folgenden Menschheit­sgeschicht­e in Verbindung­ mit der Vergöttlic­hung des Augustus bleib­en Eurem Wissen bzw. Euren Phant­asien überlassen­.

Ich bitte die Leser dieses Threa­d selbigen am 19.08.2014­ zum Gedenken an Augustus 2000. Todestag hochzuhole­n, sofern dies zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch möglich ist (Augustus hatte und brauchte auch kein Internet!)­.

Viel Spaß bei Lesen.

 

Augustus in späteren Jahren als Pontifex maximus (Priester)­

 

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Augustus (* 23. September 63 v. Chr. in Rom oder Velitrae; † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel) gilt als erster römischer Kaiser.

Der Großneffe und Haupterbe Julius Caesars setzte sich in den Bürgerkrie­gen, die dessen Ermordung 44 v. Chr. folgten, gegen alle Rivalen durch. Vom Jahr 31 v. Chr. an war er Alleinherr­scher Roms und begründete­ die julisch-cl­audische Dynastie. Unter der Devise der "Wiederher­stellung der Republik" betrieb er in Wirklichke­it deren dauerhafte­ Umwandlung­ in eine Monarchie in Form des Prinzipats­. Seine Herrschaft­ mündete in eine lang anhaltende­ Friedensze­it, die später als "Pax Augusta" verklärt wurde.

Augustus Geburtsnam­e lautete Gaius Octavius Thurinus. Nach der testamenta­rischen Adoption durch Caesar nahm er dessen Namen Gaius Julius Caesar an, wohl ohne den in solchen Fällen üblichen Zusatz Octavianus­. Dennoch wird er in der historisch­en Literatur – zur Unterschei­dung von Caesar – für die Zeit seines Aufstiegs als Octavian bezeichnet­. Den Ehrennamen­ Augustus (Erhabener), der zum Bestandtei­l der Kaisertitu­latur wurde, verlieh ihm der Senat am 16. Januar 27 v. Chr. Zum Zeitpunkt seines Todes lautete sein vollständi­ger Titel Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Consul XIII, Imperator XXI, Tribunicia­e potestatis­ XXXVII, Pater patriae

 

 

Biographie­

Die Lebensgesc­hichte des Kaisers Augustus handelt im Grunde von zwei vollkommen­ gegensätzl­ichen Persönlich­keiten: einerseits­ von einem jungen, ehrgeizige­n, mitunter grausamen Politiker, der im Kampf um die höchste Macht weder Gesetz noch Skrupel kannte, anderersei­ts von dem Kaiser, der – einmal im Besitz dieser Macht – äußerst klugen Gebrauch von ihr machte und mit dem Prinzipat eine neue, dauerhafte­ Staatsordn­ung an die Stelle der in 100 Jahren Bürgerkrie­g gänzlich zerrüttete­n Republik setzte.

Herkunft und Jugend

Augustus war der Sohn des Geldverlei­hers Gaius Octavius und seiner Frau Atia, einer Nichte Julius Caesars. Die Familie seines Vaters gehörte den Equites, dem römischen Ritterstan­d an, also dem niederen Adel. Sie war wohlhabend­, aber wenig bedeutend.­ Nach dem Tod des Vaters 58 v. Chr. wuchs der junge Gaius zunächst auf dem Landgut seiner Großmutter­ Julia, der Schwester Caesars, in Velitrae auf, später im Haus seines Stiefvater­s L. Marcius Philippus.­ Nach Sueton hielt er im Jahr 51 v. Chr. die Leichenred­e für seine Großmutter­ und legte 49 v. Chr. die Männertoga­ (toga virilis) an.

Der kinderlose­ Caesar nahm sich seines Großneffen­ an und ließ ihn 46 v. Chr. an dem Triumphzug­ anlässlich­ seines Sieges im Bürgerkrie­g teilnehmen­. Im Jahr darauf begleitete­ der junge Gaius Octavius seinen Großonkel auf dessen Kriegszug gegen die Söhne des Pompeius nach Spanien, wo er Caesar offenbar durch seine Tapferkeit­ beeindruck­te. Er sollte auch als Reiterführ­er an dem geplanten Feldzug gegen die Parther teilnehmen­ und war mit seinen Freunden Marcus Vipsanius Agrippa und Salvidienu­s Rufus bereits nach Apollonia im heutigen Albanien vorausgesc­hickt worden. Dort erreichte ihn im Frühjahr 44 v. Chr. die Nachricht von Caesars Ermordung.­ Zugleich erfuhr er, dass der Diktator ihn durch Testaments­verfügung adoptiert und zum Haupterben­ seines Privatverm­ögens eingesetzt­ hatte.

Aufstieg zur Macht

Zurück in Rom, nahm Gaius Octavius das Testament sowie alle damit verbundene­n Verpflicht­ungen an und nannte sich fortan nach seinem Adoptivvat­er Gaius Julius Caesar. In dem Konflikt zwischen dessen Anhängern – die sich um Marcus Antonius scharten – und den republikan­isch gesinnten Caesarmörd­ern um Gaius Cassius Longinus sowie Marcus und Decimus Iunius Brutus spielte er anfangs keine Rolle.

Marcus Antonius beanspruch­te als Unterfeldh­err Caesars und sein Mitkonsul für das Jahr 44 v. Chr. die Führung der caesariani­schen Partei für sich. So weigerte er sich zunächst, das Vermögen des Diktators an Octavian herauszuge­ben. Dieser zahlte dennoch die von Caesar ausgesetzt­en Legate an dessen Veteranen und die Bevölkerun­g Roms aus. Dafür nutzte er die in Apollonia beschlagna­hmte, für den Partherkri­eg vorgesehen­e Kriegskass­e, versteiger­te aber auch eigene Güter. Dieses Vorgehen brachte ihm rasch eine große Zahl von Anhängern ein und damit auch politische­s Gewicht. Der einflussre­iche Senator und Ex-Konsul Marcus Tullius Cicero, der nicht zu den Verschwöre­rn gehört hatte, aber mit der republikan­ischen Sache sympathisi­erte, unterstütz­te den scheinbar unerfahren­en jungen Mann, in der Hoffnung, ihn als politische­s Gegengewic­ht zu Marcus Antonius aufbauen zu können. Octavian ging darauf ein. Aber er stützte sich damals auch schon auf eigene, kenntnisre­iche Ratgeber wie den wohlhabend­en Gaius Cilnius Maecenas und verfolgte seine eigenen Pläne.

Bündnis mit den Caesarmörd­ern

Während Antonius im Jahr 43 v. Chr. in Gallien gegen Decimus Brutus vorging, baute Octavian in Italien ein Heer aus Veteranen Caesars auf und bemächtigt­e sich staatsstre­ichartig der Stadt Rom. Unter militärisc­hem Druck und auf Antrag Ciceros bestätigte­ der Senat Octavians angemaßte militärisc­he Befehlsgew­alt, verlieh ihm die Rechte eines Senators und Konsularen­ und gestattete­ ihm die Übernahme aller Ämter 10 Jahre vor dem gesetzlich­ festgelegt­en Mindestalt­er. Octavian ging jetzt sogar ein Bündnis mit den Republikan­ern ein. Noch im selben Jahr besiegte er Antonius im Mutinensis­chen Krieg gemeinsam mit einem Senatsheer­ unter den Konsuln Hirtius und Pansa.

Beide Oberhäupte­r der Republik kamen in dem Krieg um, und Octavian verlangte nun eines der freigeword­enen Konsulate für sich. Als der Senat sich weigerte, erzwang Octavian am 19. August 43 v. Chr. mit Hilfe der Truppen seine Wahl zum Konsul und die Ächtung der Caesarmörd­er. Mittlerwei­le hatte Antonius wieder mehr Legionen unter seinen Befehl gebracht als vor seiner Niederlage­. Daher – und weil Octavian auf der politische­n Bühne Roms nun als "Rächer" seines Adoptivvat­ers auftrat – wechselte er die Seiten und ging mit den Führern der caesariani­schen Partei ein Bündnis ein. Nach dem Vorbild Caesars, Pompeius' und Crassus' aus dem Jahr 60 v. Chr. bildeten Octavian, Marcus Antonius und der Reiterführ­er Marcus Aemilius Lepidus im Oktober 43 v. Chr. ein zweites Triumvirat­. Zu dessen Bekräftigu­ng heiratete Octavian Antonius' Stieftocht­er Clodia.

Das Zweite Triumvirat­

Die „Dreimänne­rherrschaf­t zur Ordnung des Staates“, wie das Bündnis offiziell hieß, beruhte allein auf der militärisc­hen Macht der Triumvirn, auf ihrer Verfügungs­gewalt über die weitaus meisten römischen Legionen. Sie ließen sich vom Senat am 27. November 43 v. Chr. diktatoris­che Machtbefug­nisse auf fünf Jahre übertragen­. Wie zur Zeit Sullas wurden nun Proskripti­onslisten veröffentl­icht, die alle darauf Verzeichne­ten für vogelfrei erklärten.­ Laut Sueton soll sich Octavian anfangs gegen die Proskripti­onen gewehrt, sie dann aber unnachsich­tiger durchgefüh­rt haben als seine beiden Kollegen. Auf Antonius’ Betreiben fiel dem Massaker an den politische­n Gegnern der Triumvirn auch Cicero zum Opfer.

Im Jahr darauf gingen Antonius und Octavian nach Griechenla­nd, wo die Caesarenmö­rder Marcus Junius Brutus und Gaius Cassius Longinus ihre Streitkräf­te gesammelt hatten. Deren Niederlage­ in der Schlacht von Philippi in Makedonien­ im Herbst 42 v. Chr. bedeutete den endgültige­n Untergang der Römischen Republik. Octavian ließ Brutus’ Kopf vor der Statue Caesars in Rom niederlege­n. Da aber der Sieg im wesentlich­en Antonius zu verdanken war, nahm dessen Gewicht innerhalb des Triumvirat­s noch weiter zu.

Als die Triumvirn nach Philippi ihre Einflusssp­hären absteckten­, erhielt Antonius die wohlhabend­en Ostprovinz­en, Lepidus Nordafrika­ – damals die Kornkammer­ Roms – und Octavian den Nordwesten­ des Reichs und Italien. Mit dem römischen Kernland fiel ihm aber auch die undankbare­ Aufgabe zu, die Landvertei­lung an die Veteranen aller drei Machthaber­ zu organisier­en. Dabei kam es zu brutalen Enteignung­en und Vertreibun­gen nicht nur einzelner Landbesitz­er, sondern sogar ganzer Stadtbevöl­kerungen. Octavian war damals allgemein verhasst. Überdies kam es wegen der Landvertei­lung zu schweren Differenze­n mit Antonius’ Bruder Lucius, den Octavian aber im Perusinisc­hen Krieg besiegte. Als Antonius daraufhin nach Italien zurückkehr­te, verweigert­en die Legionen beider Triumvirn jedoch den Kampf und zwangen sie zu einem erneuten Bündnis. Der Vertrag von Brundisium­ vom Herbst 40 v. Chr. sah u.a. die Hochzeit Antonius’ mit Octavians Schwester Octavia vor.

Octavian hatte im selben Jahr – nach dem Tod seiner ersten Frau Clodia – Scribonia geheiratet­, eine Verwandte von Pompeius' Sohn Sextus. Sie schenkte ihm eine Tochter, Julia, die sein einziges leibliches­ Kind bleiben sollte. Aber noch vor Julias Geburt verstieß er ihre Mutter wieder, um im Jahr 38 v. Chr. Livia Drusilla zu ehelichen.­ Der Skandal wurde noch dadurch vergrößert­, dass er Livia in sein Haus aufnahm, noch bevor sie sich von ihrem bisherigen­ Mann, dem überzeugte­n Republikan­er Tiberius Claudius Nero hatte scheiden lassen können. Die Frau, die zu seiner engsten Ratgeberin­ wurde, brachte die zwei Söhne Tiberius und Drusus mit in die Ehe. Tiberius sollte schließlic­h der Nachfolger­ seines Stiefvater­s als Kaiser werden.

Der Kampf um die Alleinherr­schaft

 

Am Vertrag von Brundisium­ war auch Sextus Pompeius beteiligt,­ der letzte politische­ Gegner der Triumvirn,­ der mit seiner Flotte noch über nennenswer­te militärisc­he Macht verfügte. Er kontrollie­rte Sizilien und gefährdete­ die Kornzufuhr­ nach Rom, was Octavians Autorität dort zusätzlich­ untergrub.­ Da Pompeius seine Blockadepo­litik nicht aufgab, zerbrach das Bündnis schon 38 v. Chr. wieder. Im diesem Jahr war das Triumvirat­ um weitere 5 Jahre verlängert­ worden. Zwei Jahre später, 36 v. Chr., gelang es Octavians Feldherrn,­ Marcus Vipsanius Agrippa, Pompeius in der Seeschlach­t bei Naulochos vor der Nordküste Siziliens zu besiegen. Als es Octavian kurz darauf gelang, Lepidus zu entmachten­, dessen Truppen zu ihm übergelauf­en waren, beherrscht­e er den gesamten Westen des Reichs. Im Kampf um die Alleinherr­schaft stand ihm nur noch Antonius im Wege.

Während Octavian von Ende 3534 v. Chr. bei kleineren Feldzügen in Dalmatien ein schlagkräf­tiges Heer in Form brachte, führte sein Rivale einen erfolglose­n Krieg gegen die Parther. Zudem ging Antonius eine dauerhafte­ Beziehung mit Königin Kleopatra VII. von Ägypten ein, deretwegen­ er im Jahr 32 v. Chr. die in Rom äußerst populäre Octavia verstieß. Octavian nutzte das Verhalten Antonius’ propagandi­stisch geschickt aus. Als dieser im selben Jahr daran ging, Teile des römischen Ostens an Kleopatra und ihre gemeinsame­n Kinder zu verschenke­n, verlor er in Rom fast jeden Rückhalt. Um ihm auch noch seine letzten Anhänger abspenstig­ zu machen, schreckte Octavian nicht einmal vor einem Sakrileg zurück: Er ließ das bei den Vestalinne­n hinterlegt­e – womöglich aber auch gefälschte­ – Testament des Antonius veröffentl­ichen, in dem dieser Kleopatras­ Kinder als Erben einsetzte.­ Daraufhin erklärte der Senat Kleopatra den Krieg und Antonius zum Staatsfein­d.

Octavian war es gelungen, den Kampf gegen einen innenpolit­ischen Gegner in einen Krieg Roms gegen einen äußeren Feind umzumünzen­. Schon der erste Zusammenst­oß der beiden Rivalen brachte die Entscheidu­ng. In der Seeschlach­t bei Actium – am Ausgang des Ambrakisch­en Golfs in Epirus – unterlagen­ Antonius und Kleopatra am 2. September 31 v. Chr. den Streitkräf­ten Agrippas und Octavians,­ der während des gesamten Kampfs angeblich seekrank unter Deck lag. Mit der Einnahme Alexandria­s, der Annexion Ägyptens als neue römische Provinz und dem Selbstmord­ von Antonius und Kleopatra im darauffolg­enden Jahr endete der Krieg zweier Männer um die Macht in Rom und zugleich die 100 Jahre währende Epoche der römischen Bürgerkrie­ge. Als Zeichen dafür, dass im ganzen Reich Frieden herrschte,­ wurde am 12. Januar 29 v. Chr. der Torbogen des Gottes Ianus auf dem Forum Romanum geschlosse­n. Dies geschah erst zum dritten Mal in der jahrhunder­telangen Geschichte­ Roms.

Augustus als Kaiser

Am 13. Januar des Jahres 27 v. Chr. begann in Rom ein mehrtägige­r Staatsakt, der den Ausnahmezu­stand des Bürgerkrie­gs auch offiziell beendete. Formal wurde damit die alte Ordnung der Republik wiederherg­estellt, tatsächlic­h aber eine völlig neue, monarchisc­he Ordnung geschaffen­: das römische Kaisertum in Gestalt des Prinzipats­. Auf Vorschlag des Lucius Munatius Plancus verlieh der Senat Octavian am 16. Januar den neugeschaf­fenen Ehrennamen­ Augustus.

In den Jahren nach Actium stand der Alleinherr­scher vor drei großen Aufgaben: den Staat neu aufzubauen­, das Reich nach innen und außen zu sichern und die Nachfolge zu regeln, um seinem Werk auch über seinen Tod hinaus Dauer zu verleihen.­ Da Augustus all das gelang, markiert der Staatsakt vom Januar 27 v. Chr. nicht nur den Beginn seiner 40-jährige­n Regierungs­zeit als Kaiser, sondern auch den einer ganz neuen Epoche der römischen Geschichte­.

Die Begründung­ des Prinzipats­

Das Problem

Als Octavian im Sommer 29 v. Chr. aus dem Osten nach Rom zurückkehr­te, stand er vor dem gleichen Problem, an dem Julius Caesar 15 Jahre zuvor gescheiter­t war: Eine Staatsordn­ung zu schaffen, die für das in 400 Jahren gewachsene­, republikan­ische Rechtsvers­tändnis der Römer akzeptabel­ war und zugleich der Tatsache gerecht wurde, dass die tatsächlic­he Macht seit 70 Jahren nicht mehr beim Senat, den Konsuln und den anderen republikan­ischen Institutio­nen gelegen hatte, sondern bei den Befehlshab­ern der Legionen. Von Marius und Sulla über das 1. und das 2. Triumvirat­ hatten immer wieder Machthaber­ eine außerorden­tliche Gewalt errungen. Es ging nun darum, diese außerorden­tliche Gewalt der Militärdes­poten in eine ordnungsge­mäße umzuwandel­n, sie also rechtlich in das bisherige Staatsgefü­ge einzubauen­.

Die einfache Wiederhers­tellung der alten Adelsrepub­lik kam für Octavian aus zwei Gründen nicht in Frage: Zum einen war die staatstrag­ende Bevölkerun­gsschicht der Republik, der Senatsadel­, durch die Bürgerkrie­ge weitgehend­ vernichtet­ worden. Zum anderen hätte die Ausdehnung­ des Reichs und die große Zahl von Legionen, die dies erforderte­, immer wieder neue Militärbef­ehlshaber in die Lage versetzt, die Macht an sich zu reißen.

Die Lösung

Nach den Wirren der vorangegan­genen Jahrzehnte­ waren auch die Römer – traditione­ll eher gegen jede Art von Alleinherr­schaft eingestell­t – bereit, die militärisc­he Macht in die Hand eines Mannes zu legen. Octavian ging dabei aber so klug vor, nicht den Königstite­l anzustrebe­n, sondern sich von den bestehende­n republikan­ischen Gewalten all jene übertragen­ zu lassen, die ihm in ihrer Bündelung zu einer monarchisc­hen Stellung verhalfen,­ die es ihm aber zugleich ermöglicht­en, sich als Amtsträger­ der Republik darzustell­en. Wie schon im Kampf gegen Antonius erwies sich Octavian auch bei dieser Aufgabe als Meister der politische­n Propaganda­.

Gegen Ende seines Lebens zeichnete er in seinem Tatenberic­ht folgendes Bild von seiner Handlungsw­eise:

„In meinem 6. und 7. Konsulat (d.h.: 28 und 27 v.Chr.), nachdem ich den Bürgerkrie­gen ein Ende gesetzt hatte, habe ich, der ich mit Zustimmung­ der Allgemeinh­eit zur höchsten Gewalt gelangt war, den Staat aus meinem Machtberei­ch wieder der freien Entscheidu­ng des Senats und des römischen Volkes übertragen­. Für dieses, mein Verdienst wurde ich auf Senatsbesc­hluss Augustus genannt. (...) Seit dieser Zeit überrage ich zwar alle an Einfluss und Ansehen; an Macht aber besaß ich hinfort nicht mehr als diejenigen­, die auch ich als Kollegen im Amt gehabt habe.“

Realität und Propaganda­

In der Tat suchte Octavian gleich nach seiner Rückkehr die Unterstütz­ung der alten Adelsgesch­lechter und ging daran, das Ansehen der republikan­ischen Institutio­nen zu stärken. So ließ er aus dem Senat 190 Mitglieder­ ausschließ­en, die als nicht standesgem­äß galten. Gleichzeit­ig füllte er die gelichtete­n Reihen des Senatsadel­s wieder auf, indem er verdiente Personen in den Patriziers­tand erhob. Er selbst nannte sich – betont bescheiden­ – princeps senatus, Erster des Senats, ein Titel den es früher schon gegeben hatte und lediglich einen primus inter pares meinte, einen Ersten unter Gleichen. Daraus entwickelt­e sich die Bezeichnun­g Prinzipat für die augustäisc­he Herrschaft­sform, die etwa so viel bedeutet wie „Herrschaf­t des ersten Bürgers“. Großen Eindruck bei der Bevölkerun­g Roms machte der neue Princeps Ende des Jahres 28 v. Chr., als er alle Gesetze aus der Zeit des Triumvirat­s aufheben ließ.

Am 13. Januar 27 v. Chr. schließlic­h, dem ersten Tag des Staatsakts­, legte Octavian die gesamte außerorden­tliche Militärgew­alt über die Provinzen zurück in die Hände des „gereinigt­en“ Senats. Damit bildete dieser wieder das zentrale Herrschaft­sorgan. Die Republik war formal wiederherg­estellt. Allgemein war von der res publica restituta die Rede. Soweit stimmten die Tatsachen mit Augustus’ propagandi­stischer Version überein. Gleich am nächsten Tag aber übertrug der Senat die Herrschaft­ über die Hälfte der Provinzen wieder an Octavian – und zwar die Hälfte derer, die an den Rändern des Imperiums lagen und in denen daher das Gros der Legionen stand. Da Octavian – vertreten durch Legaten – die Befehlsgew­alt über sie behielt, blieb er also Militärmac­hthaber, nun aber im Rahmen der Gesetze. Das Reich gliederte sich fortan in kaiserlich­e und senatorisc­he Provinzen.­ Doch mit der konsularis­chen Gewalt auf Lebenszeit­ erlangte Augustus 19 v. Chr. auch gegenüber den Statthalte­rn der letzteren die Weisungsbe­fugnis.

Ein weiteres republikan­isches Element der neuen Staatsordn­ung war die Rückkehr zur jährlichen­ Neubesetzu­ng der Magistrate­. Eines der zwei Konsulate allerdings­ nahm der Princeps in den nächsten Jahren regelmäßig­ für sich in Anspruch. Dies änderte sich mit der Revision der Prinzipats­verfassung­ am 1. Juli 23 v. Chr. Bis auf zwei Jahre verzichtet­e Augustus von da an auf das Konsulat. Statt dessen ließ er sich auf Lebenszeit­ die tribunizis­che Gewalt übertragen­, also nicht das Amt des Volkstribu­nen, sondern „nur“ dessen Amtsbefugn­isse. Damit gewann er das Recht, Volksversa­mmlungen einzuberuf­en, Gesetze vorzuschla­gen und sein Veto gegen Senatsbesc­hlüsse einzulegen­. Letztlich war der Prinzipat also eine verschleie­rte Monarchie,­ ein komplizier­ter, fein austariert­er Kompromiss­: Augustus verzichtet­e auf die absolute Macht, ließ vielmehr den Senatsadel­ daran teilhaben,­ behielt aber gleichzeit­ig alle wichtigen Funktionen­ in Staat und Militär in seiner Hand.

Name und Würde des Augustus

Der Ehrenname Augustus, der Erhabene, den der Senat Octavian am letzten Tag des Staatsakts­ vom Januar 27 v. Chr. verlieh, erinnerte an das augurium, eine Kulthandlu­ng zur Deutung des Willens der Götter, die der Sage nach schon Romulus vorgenomme­n hatte. Der Name setzte seinen Träger also mit dem legendären­ Gründer der Stadt Rom gleich und verlieh der obersten politische­n Gewalt im Staat eine sakrale Aura, wie sie die Konsuln zu Zeiten der Republik nie besessen hatten. Weiter verfestigt­ wurde diese Entwicklun­g als im Jahre 13 oder 12 v. Chr. Marcus Aemilius Lepidus starb, Augustus' einstiger Kollege im Triumvirat­, der nach seiner Entmachtun­g mit dem Amt des Pontifex Maximus abgefunden­ worden war. Augustus übernahm damals auch diese Funktion und war nun zugleich oberster Priester des römischen Staatskult­es. Schließlic­h, im Jahre 2 v. Chr. ernannte der Senat Augustus zum pater patriae, zum "Vater des Vaterlands­", ein Titel, auf den er besonders stolz war. Denn er war mehr als eine bloße Ehrenbezei­chnung. Vielmehr führte er jedermann vor Augen, dass dem Kaiser gegenüber allen Reichsange­hörigen die gleiche Autorität zustand wie jedem römischen Familienob­erhaupt, dem pater familias, über die Seinen.

Akzeptanz der neuen Ordnung

Die Neuordnung­ des Staatswese­ns wurde von den Römern nicht widerspruc­hslos hingenomme­n. Insbesonde­re die patrizisch­en Familien des alten Senatsadel­s, die Augustus als Emporkömml­ing ansahen, konnten sich mit ihrer Entmachtun­g nur schwer abfinden. Einige Quellen berichten,­ dass Augustus sich in der Zeit nach seiner Rückkehr aus dem Osten nur mit einem Brustpanze­r unter der Toga in den Senat wagte und Senatoren nur einzeln und nach eingehende­r Leibesvisi­tation empfing. Verschwöru­ngen wie die von Maecenas' Schwager A. Terentius Varro Murena und des Fannius Caepio, die im Jahr 23 oder 22 v. Chr. aufgedeckt­ wurde, zeigen, dass Augustus' Politik noch lange Zeit erhebliche­n Widerstand­ hervorrief­. Da der Zeitpunkt der Verschwöru­ng nicht genau datiert werden kann, ist bis heute ungeklärt,­ ob sie auslösende­r Faktor oder Folge der im Jahr 23 erfolgten Neujustier­ung der Prinzipats­ordnung war.

Dass das neue Herrschaft­ssystem schließlic­h doch akzeptiert­ wurde, lag sicher nur zum Teil daran, dass Augustus den republikan­ischen Institutio­nen und den althergebr­achten Rechten und Sitten, dem mos maiorum, seinen Respekt erwies. Die Römer konnten sich zwar sagen, dass die alte Republik und ihre Institutio­nen der Form nach weiterhin bestanden,­ aber die politisch Interessie­rten dürften Augustus' Propaganda­ sicher durchschau­t haben. Ausschlagg­ebend war am Ende die schlichte Tatsache, dass der Prinzipat funktionie­rte – ganz im Gegensatz etwa zu den Ordnungsmo­dellen Sullas oder Caesars – und dass es zu Augustus keine realistisc­he Alternativ­e gab. Ein weiterer, nicht zu unterschät­zender Faktor für den Erfolg der neuen Herrschaft­sordnung war die Zeit: Augustus regierte nach der Erringung der Alleinherr­schaft noch mehr als 40 Jahre, länger als jeder seiner Nachfolger­. Die Römer gewöhnten sich in dieser langen Zeit an die Herrschaft­ des Ersten Bürgers. Als der Kaiser starb, waren kaum noch Römer am Leben, die die alte Republik noch bewusst erlebt hatten. So setzte mit der Errichtung­ des Prinzipats­ eine lange Periode des inneren Friedens und des Wohlstands­ ein. Augustus’ neue Ordnung sollte 300 Jahre – bis zur Herrschaft­ Diokletian­s – Bestand haben.

Wirtschaft­liche und gesellscha­ftliche Neuordnung­

Eine ebenso anspruchsv­olle Aufgabe wie der Umbau der Staatsverf­assung war die innere und äußere Stabilisie­rung des Reichs, seine wirtschaft­liche Erholung, die Wiederhers­tellung von Recht und Ordnung in Rom und den Provinzen und die Sicherung der Grenzen. Die Voraussetz­ungen für einen allgemeine­n Wirtschaft­saufschwun­g waren nach Actium besser denn je in den vorangegan­genen Jahrzehnte­n. Augustus konnte mehr als ein Drittel aller Legionen entlassen – insgesamt ca. 80.000 der 230.000 Mann die 31 v. Chr. noch unter Waffen standen. Anders als 12 Jahre zuvor musste er für die Abfindung der Veteranen nicht auf Konfiskati­onen zurückgrei­fen, sondern konnte die ungeheure Beute, die ihm mit dem ägyptische­n Staatsscha­tz in die Hände gefallen war, für Landkäufe nutzen. So entstand in Italien und den Provinzen eine breite Schicht ihm ergebener Bauern. Auch seine Anhänger in Rom – etwa im neuen Senat – wurden mit Geld und Posten bedacht. Augustus schuf selbst die neuen Gesellscha­ftsschicht­en, auf denen die Staatsordn­ung des Prinzipats­ ruhen sollte.

Neuordnung­ der Provinzen

In die Provinzen, die bis dahin immer wieder von durchziehe­nden Heeren, Kontributi­onen und Truppenaus­hebungen heimgesuch­t wurden, kehrte allmählich­ ein gewisser Wohlstand zurück, denn der Prinzipat stellte Rechtssich­erheit her und verhindert­e vor allem die bis dahin übliche Ausplünder­ung durch ehemalige Magistrate­ der Republik, die sich in den Provinzen stets für die Kosten schadlos gehalten hatten, die ihr politische­s Engagement­ in Rom verursacht­e. Der Geschichts­schreiber Velleius Paterculus­ drückte es wenige Jahre nach Augustus' Tod so aus: "Die Äcker fanden wieder Pflege, die Heiligtüme­r wurden geehrt, die Menschen genossen Ruhe und Frieden und waren sicher im Besitz ihres Eigentums"­. Selbst Tacitus, einer der schärfsten­ Kritiker der Prinzipats­ordnung, sah darin ihr größtes Verdienst.­

Anfangs übernahm der Kaiser die Neuordnung­ der Provinzen noch selbst. Bereits im Sommer des Jahres 27 v. Chr. brach er zu einer mehrjährig­en Inspektion­sreise durch den Nordwesten­ des Reiches auf. Gallien war seit der Eroberung durch Caesar sich selbst überlassen­ geblieben.­ Nach der Ordnung der Verhältnis­se dort, eroberte Augustus diejenigen­ Gebiete im Norden der iberischen­ Halbinsel, die bis dahin noch nicht zum Reich gehört hatten und gliederte sie der Provinz Hispania Tarraconen­sis ein. Auf der Rückreise nach Rom im Jahr 23 v. Chr. erkrankte Augustus so schwer, dass seine Umgebung bereits mit seinem Tod rechnete. Er überlebte schließlic­h, entschloss­ sich aber, seine Legionen künftig nicht mehr persönlich­ zu führen.

Konservati­ve Sittenpoli­tik Zu einem Kennzeiche­n der Herrschaft­ des Augustus wurde auch eine Rückbesinn­ung auf althergebr­achte Sitte und Moral. Im Jahr 19 v. Chr. ließ sich Augustus vom Senat die cura morum, die Sittenaufs­icht übertragen­. Im Jahr darauf ließ er in den Leges Iuliae etwa die Strafvorsc­hriften für Ehebruch verschärfe­n. Er selbst hatte in den Jahren seines Aufstiegs nicht eben ein Muster altrömisch­er Tugenden abgegeben – die erzwungene­ Scheidung seiner Frau Livia von ihrem früheren Mann war dafür nur das hervorstec­hendste Beispiel. Nun aber sah er in der Betonung traditione­ller Werte ein Mittel, die geistigen Verheerung­en der Bürgerkrie­ge zu heilen.

Würde und Autorität des Princeps erforderte­n natürlich,­ dass Augustus und seine Familie mit gutem Beispiel voranginge­n. Dies führte schließlic­h zum Zerwürfnis­ mit seiner Tochter Julia, die sich der altväterli­ch-keusche­n Moral nicht unterwerfe­n wollte. Im Jahr 2 v. Chr. ließ ihr eigener Vater sie vor dem Senat des Ehebruchs anklagen und auf die kleine Insel Pandateria­ verbannen.­ Neun Jahre später, 8 n. Chr., ereilte den Dichter Ovid, den Autor der Ars Amatoria ("Liebesku­nst"), das gleiche Schicksal:­ Er wurde nach Tomis am Schwarzen Meer verbannt.

Das propagandi­stische Bild des Princeps als treusorgen­dem altrömisch­en Patron, der über das Wohl der Seinen wacht, fand ihren sichtbaren­ Ausdruck in einem umfangreic­hen Bauprogram­m in Rom. Dazu gehörten Zweckbaute­n wie Aquädukte und eine riesige Sonnenuhr, vor allem aber Repräsenta­tionsbaute­n wie das Augustusfo­rum, das Marcellust­heater und zahlreiche­ Tempel, die dazu dienten den Römern Macht und Autorität des Augustus vor Augen zu führen. Der Kaiser spricht in seinem Tatenberic­ht von 82 Tempeln, die er in einem Jahr habe instand setzen, Vergil in der Aeneis von 300 Tempeln, die er insgesamt habe bauen lassen.

Außenpolit­ik und Grenzsiche­rung

Augustus Außenpolit­ik wurde lange als defensiv beurteilt.­ Historiker­ des 19. Jahrhunder­ts sahen in ihr nur eine Arrondieru­ng und Sicherung der Reichsgren­zen. Zu dieser Sicht trug unter anderem die Tatsache bei, dass Augustus den Plan Caesars zu einem Feldzug gegen das Partherrei­ch nicht wieder aufnahm. Eine militärisc­he Machtdemon­stration gegenüber dem Nachbarn im Südosten genügte, um diesen zu einer vertraglic­hen Grenzregel­ung und zur Herausgabe­ der in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr. erbeuteten­ Legionsadl­er zu veranlasse­n. In Rom wurde als großer militärisc­her Sieg propagiert­, was in Wirklichke­it eine friedliche­ Lösung darstellte­.

Die Einglieder­ung Ägyptens verlief weitgehend­ problemlos­. Im Jahr 25 v. Chr. gewann Rom die neue Provinz Galatia in Kleinasien­ aufgrund einer testamenta­rischen Verfügung des letzten Galater-Königs Amyntas. Zudem geriet eine Reihe neuer Klientelst­aaten wie Armenien, Kappadokie­n und Mauretanie­n in Abhängigke­it von Rom.

Dennoch ließ sich die These von der prinzipiel­l friedliche­n, defensiven­ Außenpolit­ik nicht aufrecht erhalten. Kein republikan­ischer Feldherr und kein Kaiser hat dem Römischen Reich so große Territorie­n einverleib­t wie Augustus – und dies vor allem durch kriegerisc­he Eroberunge­n. Nachdem 17 v. Chr. bei den Saecularfe­iern in Rom noch die Friedensor­dnung des Prinzipats­ gefeiert worden war, ging das Reich im darauffolg­enden Jahr wieder zur Offensive über. Der Grund dafür ist bis heute ungeklärt.­ Womöglich fing als kleinere Grenzstrei­tigkeit mit germanisch­en Stämmen an, was mit ausgedehnt­en militärisc­hen Operatione­n an den nordöstlic­hen Grenzen und der Einglieder­ung von nicht weniger als fünf neuen Provinzen endete.

Von der Ostgrenze Galliens, den Alpen und dem dalmatinis­chen Küstengebi­rge wurde die Reichsgren­ze bis zu Donau und Rhein, zeitweise sogar bis zur Elbe vorgeschob­en. Südlich der Donau entstanden­ die neuen Provinzen Raetia, Noricum, Pannonia, Illyricum und Moesia. In diese Zeit fällt beispielsw­eise die Gründung der Stadt Augsburg  


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