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Fr, 17. April 2026, 12:15 Uhr

Marktstimmung: "Bullen mit Bedenken"


09.10.25 08:52
Redaktion boerse-frankfurt.de


In den vergangenen Tagen hat sich der DAX endlich aus der Handelsspanne befreit, begleitet von überschießendem Optimismus der Profis. Ob dies eine Belastung für weitere Kursgewinne sein kann, weiß Goldberg.


Zusammenfassung


Trotz unveränderter Nachrichtenlage sind deutsche Bluechips aus der Handelsspanne der vergangenen Wochen ausgebrochen. Mit dabei die hiesigen, mittelfristig orientierten Anlegerinnen und Anleger. Aber nicht nur, denn Joachim Goldberg vermutet, dass auch ausländisches Kapital an den Gewinnen beteiligt ist. 14 Prozent der Profis haben ihre Short-Engagements geschlossen. Der Verhaltensökonom zieht aus der Tatsache, dass nur 4 Prozent long gegangen sind, den Schluss, dass sich die Mehrheit auf der Bullenseite nicht wohlfühlt.


Unterm Strich sieht Goldberg im Stand des Sentiment-Index der Profis bei +30 Punkten keine echte Belastung. An der Oberseite erwartet er keine starke Bremse durch Gewinnmitnahmen, da es nicht so viele auf der Longseite gebe. Allerdings sei auch der Schutz an der Unterseite bröckeliger geworden. Diese neue, schwächere Stütze liege jetzt bei 23.850/900 Punkten.


8. Oktober 2025. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Als wir in der vergangenen Woche unseren Sentiment-Kommentar mit „Drang nach oben“ betitelten, ahnten wir ehrlich gesagt nicht, dass der Druck im Kessel so groß war, dass das wichtige Widerstandsniveau von 23.800/850 DAX-Zählern noch am gleichen Tag nachhaltig überschritten würde. Auch fehlte es an starken fundamentalen Auslösern, die einen solch deutlichen Wochengewinn, der zeitweise 3 Prozent betrug, auf den ersten Blick gerechtfertigt hätten. Und so spricht einiges dafür, dass an diesem plötzlichen Kursplus auch langfristige Nachfrage aus dem Ausland beteiligt gewesen sein könnte. Denn allein die Positionierungen der hiesiegen mittelfristigen Akteure hätten zu jenem Zeitpunkt vermutlich keine Squeeze dieses Ausmaßes lostreten können. Und so ist seit unserer vergangenen Sentimenterhebung mangels größerer Rücksetzer immer noch ein Plus von 2,6 Prozent zu verzeichnen.


Nun hat der deutliche Anstieg des DAX auch die Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont positiv beeinflusst. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber dem Stand von vor zwei Wochen (in der Vorwoche fand keine Erhebung statt) um 18 Punkte auf das Niveau von +30 gestiegen. Dabei handelt es sich übrigens um den höchsten Indexstand seit Anfang November 2023.


Kauflust relativ überschaubar


Vor allen Dingen sind frühere Bären aktiv gewesen, die ihre Positionen angesichts des plötzlichen Kursanstiegs offenbar glattgestellt haben – immerhin diszipliniert. Dafür spricht die Wanderung der früheren Pessimisten zu den neutral gestimmten Investoren, deren Lager um 10 Prozentpunkte gewachsen ist. Nur knapp 30 Prozent der ehemaligen Bären haben sich per Saldo auf die Bullen-Seite gewagt und ihre Positionen um 180 Prozent gedreht.


Auch bei den Privatanlegern hat sich die Stimmung gegenüber der Vorwoche etwas verbessert – der Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Panel ist nun zum fünften Mal hintereinander gestiegen und erhöht sich um 7 Punkte auf einen neuen Stand von +23. Während diejenigen Anlegenden, die wir über Social Media befragen, gegenüber der Vorwoche fast schon naturgemäß bullisher gestimmt sind, gab es auch bei den übrigen Privatanlegern eine deutliche Bewegung zu den Optimisten, deren Gruppe um 8 Prozentpunkte gestiegen ist. Drei Viertel dieses Zuwachses gehen übrigens auf vormals neutral gestimmte Akteure zurück, während es bei den früheren Bären wenig Kollateralschäden gegeben haben dürfte.


Angst, etwas zu verpassen


Mit der heutigen Erhebung sind die institutionellen Investoren in Sachen Optimismus an den privaten Pendants vorbeigezogen. Allerdings ist die Struktur der Wanderung bei den institutionellen Investoren eine ganz andere. Vielfach wurde hier offenbar schnell eingesehen, dass die Obergrenze der DAX-Range, die immerhin seit Anfang September Gültigkeit besaß, wohl nicht mehr halten würde. Gleichzeitig bekommt man den Eindruck, dass die Zunahme im Bullenlager relativ übersichtlich ist. Mit anderen Worten: Auch wenn viele Investoren mental nicht in einem Zuge ihre Positionen bei Verlusten von Short auf Long drehen können, spricht der Zuwachs bei den Bullen (4 Prozentpunkte innerhalb von zwei Wochen) nicht gerade dafür, dass sich das Gros der Investoren mit diesen neuen Engagements tatsächlich auch wohlfühlt. Vielmehr dürfte die Angst, etwas zu verpassen, eine entscheidende Rolle bei dieser Neupositionierung gespielt haben.


Bei den regelmäßigen Lesern unserer Sentiment-Kommentare müsste bei einem Indexstand von +30 eigentlich eine Warnlampe aufleuchten. Zumal der Optimismus in der relativen Betrachtung auf drei und sechs Monate sogar noch etwas höher liegt. Allerdings ist das Bullenlager mit 51 Prozent noch nicht so dicht bevölkert, als dass man an der Oberseite Angst vor massiven Gewinnmitnahmen haben müsste. Jedoch ist die Unterseite viel schlechter als zuvor geschützt, da die verbleibenden Pessimisten einem größeren Rücksetzer nur wenig entgegenzusetzen hätten. Dies gilt vor allen Dingen für den Fall, dass die Unterseite bei vermutlich 23.850/900 Zählern zu wenig Nachfrage von neutral gestimmten Investoren anzieht. 

von Joachim Goldberg


8. Oktober 2025, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


 




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