Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 17. April 2026, 10:43 Uhr

Marktstimmung: „Heimische Investoren lieber nicht bullisch“


15.01.26 11:21
Redaktion boerse-frankfurt.de


Entgegen dem Trend wechseln hiesige Profis und einige Private von der Long- auf die Short-Seite. Was nach Ansicht von Goldberg den Markt nicht behindert – im Gegenteil. 


Zusammenfassung


Im bestehenden Aufwärtstrend deutscher Bluechips nehmen professionelle Investorinnen und Investoren Gewinne mit und wechseln zu einem großen Teil auf die Bärenseite. Was ihnen leicht gefallen sein sollte, wie Joachim Goldberg vermutet. 10 Prozent haben Aktien verkauft, 12 Prozent sind short gegangen. Der Sentiment-Index fällt auf -18 Punkte. Auch die Privaten bewegen sich in diese Richtung, aber von höherem Optimismus aus und in kleinerem Umfang. Dieser Sentiment-Index fällt auf +19 Punkte.


Der Verhaltensökonom sieht langfristiges Kapital aus dem Ausland hinter den Kursgewinnen, das die Verkäufe zudem aufnehmen kann. Außerdem glaubt er, dass die neuen Bären nur auf eine DAX-Korrektur setzen. Unterstützende Nachfrage erwartet er an der Unterseite bei 24.650/700 DAX-Punkten. Nach oben wäre eine kleine Short-Squeeze drin.


14. Januar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Zumindest was die Nachrichtenlage der ersten 14 Tage im neuen Jahr angeht, mag es sich für manchen Anleger angefühlt haben wie ein Vierteljahr Geschichte, auch wegen der Fülle an Informationen, die für Börsianer wichtig gewesen sein dürfte. 


Allein während der Berichtswoche seit der vergangenen Sentiment-Erhebung gab es Nachrichten, die in früheren Zeiten für erhebliche Volatilität gesorgt hätten. Sei es alleine die schwierige geopolitische Situation oder auch die wachsenden Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank seit vergangenem Sonntag. Fed-Chef Jerome Powell hatte sich in einer außergewöhnlichen Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Ermittlungen geäußert, ohne dass sich diese wichtigen Neuigkeiten weder in den USA noch hierzulande sichtbar in den Kursen niederschlugen, und wenn doch, dann nur ganz kurzzeitig. Der DAX hat seit vergangenem Mittwoch ohne größere Rücksetzer seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und zeitweise um bis zu 2 Prozent an Wert gewonnen.


Skepsis passt ins Konzept


Dass die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont der laufenden Aufwärtsbewegung nicht so recht trauen wollen, vermittelt die jüngste Entwicklung des Deutsche Börse Sentiment-Index, der nunmehr deutlich um 22 Punkte auf einen neuen Stand von -18 gefallen ist. Und zwar in erster Linie, weil sich das Bärenlager um 12 Prozentpunkte vergrößerte. Vier Fünftel dieser Pessimisten gehörten zuletzt den Bullen an, und nur ein Fünftel kommt aus der Gruppe vormals neutral eingestellter Akteure. 


Mit anderen Worten: Zu großen Teilen wurden nicht nur Gewinne mitgenommen, sondern bestehende Engagements um 180 Grad auf bearish gedreht. Dabei dürften nicht nur die eingangs erwähnten Nachrichten eine Rolle gespielt haben. Möglicherweise auch nur insofern, dass sie den Drang zu Gewinnmitnahmen bestätigt und so ins Konzept gepasst haben. Und so mag es sich vielerorts auch leicht angefühlt haben, nach vier neuen Rekordhochs die Short-Seite anzupeilen.


Bei den Privatanlegern können wir indes nur einen vergleichsweise geringen Stimmungswechsel wahrnehmen. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel fällt lediglich um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +19.  


Diese recht übersichtliche Veränderung im Vergleich zu den institutionellen Pendants mag zum einen daran liegen, dass diejenigen Privatanleger, die wir über Social Media befragen, gegenüber der Vorwoche noch bullisher als die übrigen Anlegenden eingestellt sind. Bei Letzteren stellen wir dagegen eine ähnliche Entwicklung wie bei den institutionellen Pendants fest, allerdings längst nicht so stark und auch nicht so mutig. Der Rückgang bei den Bullen bei dieser Untergruppe beträgt zwar 7 Prozentpunkte, aber nur etwa die Hälfte dieser Akteure wagt sich direkt auf die Bärenseite, während sich die andere Hälfte mit Gewinnmitnahmen begnügt. Dies hat dazu geführt, dass selbst bei den aktiven Anlegenden noch die Bullen (Sentiment-Index +7) das Zepter in der Hand halten.


Und dennoch bleibt der DAX fest


Mit der heutigen Befragung hat sich eine deutliche Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren aufgetan. Und zwar vor allen Dingen, weil Letztere ihre bullishen Positionen seit Jahresbeginn deutlich verringert haben. Allein in den ersten beiden Stimmungserhebungen im neuen Jahr hat sich der Deutsche Börse Sentiment-Index dadurch um 34 Punkte verringert. 


Stellt man allerdings die Kursentwicklung des DAX dagegen, muss einem diese Stimmungsentwicklung zu denken geben. Vor allen Dingen, weil das Börsenbarometer trotz dieser Stimmungsverschlechterung und den damit verbundenen Abgaben stabil geblieben, ja, sogar noch gestiegen ist. Vermutlich, weil  die langfristigen Kapitalzuflüsse auch in der vergangenen Woche nicht abgerissen sind. Vieles spricht dafür, dass Nachfrage aus dem Ausland die Abgaben heimischer Investoren aufgesaugt hat. 


Da wir überdies glauben, dass die Pessimisten von heute tatsächlich nur auf eine DAX-Korrektur setzen, rechnen wir mit erster unterstützender Nachfrage aus Rückkäufen im Falle von Rücksetzern im Bereich von 24.650/700 DAX-Zählern. Auch wenn der Pessimismus zum Jahresbeginn noch nicht überbordendend ist, dürfte er im Falle eines weiteren deutlichen Kursanstiegs zumindest für eine kleine Shortsqueeze gut sein. Insgesamt also weiterhin gute Aussichten für den DAX.


von Joachim Goldberg


14. Januar 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse


 




Marktstimmung: "Hoffnung vor verschiedenem Hinter [...]
Inzwischen ungewöhnlich ruhige Handelstage und hohe Kurszulagen in den USA verheißen aus Behavioral Finance-Sicht ...
Scale-Marktbericht: "Ölpreisprofiteur eilt allen davon"
Das Scale-Segment kann sich gegenüber den größeren Indizes nach oben absetzen. Zu den Zugpferden gehört ...
Aus dem ETF Magazin: "Optimaler Marktplatz"
Bessere Preise, längere Handelszeiten und tiefe Einblicke ins Orderbuch – der ETF-Handel auf Xetra wird ...
ETFs: "Tech-Tracker wieder gefragt"
Die Energiepreise bleiben Thema Nummer eins – und Öl- und Gas-ETFs und ETCs umsatzstark. Auffällig ...
Zwölf neue ETFs in dieser Woche
Diese Anlagethemen erweitern das Angebot: aktive Strategien mit Aktien aus den USA und Industrieländern weltweit ...

 
Werte im Artikel
0,57 plus
+2,68%
24.268 plus
+0,49%
Weitere Analysen & News
08:47 , Achim Mautz
TUI: Gelingt nach dem 30%-Abverkauf jetzt das C [...]
Zwischen Bodenbildung und entscheidendem Widerstand! Rückblick Nachdem die Aktie von ihren Höchstständen ...
08:45 , Maciej Gaj
DAX tritt praktisch auf der Stelle
Obwohl der wichtigste deutsche Aktienindex am Donnerstag um 0,36 Prozent beziehungsweise 88 Punkte zulegen konnte, bleibt ...
Bonds weekly: Neue Anleihen von HOCHTIEF, Polen [...]
1. HOCHTIEF bringt neue Unternehmensanleihe mit 4,000 % Kupon auf den Markt Das deutsche Bauunternehmen HOCHTIEF ...