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Fr, 17. April 2026, 7:37 Uhr

Marktstimmung:"Jetzt erst recht?"


11.03.26 15:19
Redaktion boerse-frankfurt.de


Auf die Kursschocks reagieren viele mit Gewinnmitnahmen von der Bärenseite, private Anlegerinnen und Anleger kaufen auch Aktien. Warum der hohe Optimismus in dieser Marktphase eine Belastung bedeutet, erklärt Joachim Goldberg.


Zusammenfassung


Zweckoptimismus bescheinigt Joachim Goldberg den von uns befragten mittelfristig orientierten Anlegerinnen und Anlegern. 8 Prozent der Profis haben ihre Short-Positionen glatt gestellt, mit guten Gewinnen vermutet der Verhaltensökonom. Aktien gekauft hat niemand, aber auch nicht verkauft. Goldberg sieht viele der bullishen Engagements unter Wasser. Anders die Privaten, von denen nicht nur 13 Prozent aus den Short-Engagements raus gegangen sind, sondern auch 8 Prozent in Aktien eingestiegen sind. Beide Sentiment-Indizes steigen auf +33 Punkte.


Für Goldberg ein schlechtes Zeichen. Die Long-Postionen sieht er als Belastung, nach oben rechnet er ab 24.600/24.650 Punkten mit Verkäufen. Nach unten ist die potentielle Nachfrage als Stütze kaum noch vorhanden. Er rechnet auch nicht mit langfristigen Kapitalzuflüssen aus dem Ausland.


11. März 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Zieht man ein Resümee aus der Entwicklung der Aktienmärkte seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung, kann man angesichts des Irankriegs und der zeitweise massiv gestiegenen Ölpreise durchaus von einer gewissen Widerstandsfähigkeit sprechen. Natürlich ging es – ausgehend vom Zwischenhoch von rund 24.366 Punkten – wieder um knapp 6 Prozent nach unten, aber es gab auch eine deutliche Erholungsbewegung, die zumindest zu Teilen US-Präsident Donald Trump zugeschrieben werden kann, der am Montagabend bei den Akteuren an den Finanzmärkten die Hoffnung weckte, der Krieg könne womöglich schon bald beendet sein.


Obwohl sich diese Hoffnung schon sehr bald als trügerisch herausstellte und vielen Börsianern klar geworden sein dürfte, dass der US-Präsident im Gegensatz zu den im vergangenen Jahr am Liberation Day angekündigten Handelszöllen dieses Mal nicht so einfach im Alleingang einen Rückzieher machen kann, hielt sich der Wochenverlust des DAX von 1,3 Prozent durchaus in einem überschaubaren Rahmen.


Viel Zweckoptimismus


Unterdessen hat sich die Stimmung unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber der Vorwoche verbessert. Unser Deutsche Börse Sentiment-Index steigt nämlich um 8 Punkte auf einen neuen Stand von +33. Interessanterweise geht diese Veränderung fast vollumfänglich auf ehemalige Bären zurück, die sich zu den neutral gestimmten Investoren hinzugesellt, kurzum ihre Engagements vermutlich mit gutem Gewinn glattgestellt haben. Bei den Optimisten hat sich per Saldo gegenüber der Vorwoche praktisch nichts getan. Dabei kann man durchaus davon ausgehen, dass es sich vorrangig nicht um aus Überzeugung gehaltene bullishe Engagements handelt. Vielmehr dürfte der vermutlich in vielen Fällen ungünstige Einstandspreis – ungeachtet aller geopolitischen und fundamentalen Erwägungen – das Hauptmotiv für ein Festhalten an diesen Positionen darstellen.  


Ganz anders stellt sich die Gemengelage bei den Privatanlegern dar, deren Deutsche Börse Sentiment-Index in der vergangenen Woche noch bei +10 stand und damit deutlich unterhalb desjenigen der institutionellen Pendants rangierte. Aktuell hat sich hier die Stimmung gegenüber der Vorwoche um 23 Punkte auf einen neuen Stand von +33 verbessert – zu Lasten des Bärenlagers, das um 14 Prozentpunkte zurückging. Dass dabei vermutlich ordentlich Gewinne realisiert wurden, zeigt sich vor allen Dingen daran, dass sich fast zwei Drittel der Wechselwilligen direkt auf die Bullen-Seite getraut, also ihre Engagements um 180 Grad gedreht haben. Das übrige Drittel ehemaliger Pessimisten hat sich in Richtung Seitenlinie bewegt. Berücksichtigt man allerdings nur diejenigen Anlegenden, die wir nicht über Social Media befragt haben, liegt der Deutsche Börse Sentiment-Index bei dieser Untergruppe nur bei +28, bleibt also hinter dem Gesamtindex zurück.


Gute Performance der Privatanleger


Per Saldo hat sich mit der heutigen Befragung die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren aus der Vorwoche geschlossen. Dabei ist hervorzuheben, dass sich Erstere in der Mehrheit wahrscheinlich ausgesprochen profitabel geschlagen haben. Die Sentiment-Indices in beiden Panels befinden sich auf dem höchsten Stand des Jahres. Dabei liegen vor allem die bullishen Engagements der institutionellen Investoren höchstwahrscheinlich nicht im profitablen Bereich; selbst die zwischenzeitlichen Erholungen des DAX haben in diesen Fällen anscheinend nicht ausgereicht, um in die Nähe der Einstandspreise zu gelangen. Insofern stellen diese Engagements eine Belastung für den DAX dar. Zum einen, wenn Erholungen noch einmal in den Bereich von 24.600/24.650 gelangen sollten – das Niveau, an dem wir nun mit erhöhten Abgaben rechnen. Auf der anderen Seite bleibt der DAX an der Unterseite im Falle eines neuerlichen Abverkaufs (vor allem nach Unterlaufen von 22.850/900 Zählern) vergleichsweise ungeschützt, zumal in diesem Fall vermutlich auch nicht mit langfristigen Kapitalzuflüssen aus dem Ausland gerechnet werden kann. 


von Joachim Goldberg


11. März 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse


 




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