Nvidia, Apple, Meta - geht das gut?
11.05.23 10:55
Feingold-Research
Seit Jahresbeginn kletterte der Nasdaq 100 um 20 Prozent und der DAX steht im Bereich seiner Rekordregion. Jeder Rücksetzer wird gekauft, die meistgehasste Rally der vergangenen Jahre geht an die Nerven. Oder kommt es bald zum großen Knall?
In einem durchschnittlichen Börsenjahr bietet der DAX eine Rendite von rund sieben bis acht Prozent. Aktuell sind ausgehend vom Jahreswechsel erst vier Monate vergangen und der Index liegt bereits rund zwölf Prozent im Plus. Ähnlich ist das Bild an der Wall Street: Nvidia und Meta haben sich nahezu verdoppelt, für Apple, Microsoft und Amazon zahlt man 20 bis 30 Prozent mehr.
Das fulminante Comeback der Tech-Schwergewichte ist für die US-Indizes von großer Bedeutung. Apple und Microsoft sind für rund die Hälfte der Entwicklung des S&P 500 seit Jahresbeginn verantwortlich. Die daraus resultierenden Folgen werden meist unterschätzt: „So liegt der bekannte, nach Marktkapitalisierung gewichtete S&P 500 rund sieben Prozent im Plus, während der gleichgewichtete Index, bei dem jede Aktie mit der gleichen prozentualen Gewichtung vertreten ist, weniger als zwei Prozent zulegte“, rechnet Jürgen Molnar von RoboMarkets vor.
„Die Spanne zwischen beiden ist eine der größten, die jemals bis Ende April zu beobachten war“, gibt Dennis Austinat zu Bedenken, Deutschland-Chef von Trive, der internationalen Multi-Asset-Plattform. „Das Geld fließt vor allem in die hochliquiden Schwergewichte, während riskantere Segmente wie die Small- und Mid-Caps gemieden werden“, ergänzt Austinat. Das Fundament der Rally ist somit recht dünn, nur wenige Aktien halten die Indizes oben. Ein Vertrauensbeweis sieht anders aus.
Wette auf das Jahresende
Dazu mischt sich eine ungewöhnliche Sorglosigkeit. So ist das US-Volatilitätsbarometer VIX, das die Schwankungen des S&P 500 misst, auf den niedrigsten Wert seit November 2021 gefallen. Doch die Phase der Ruhe könnte bald vorbei sein, denn der VIX liefert nur die halbe Wahrheit. Profis schauen auch auf den VVIX, der die erwarteten Schwankungen der Vola anzeigt. Hier ist die Tendenz seit März klar aufwärts gerichtet und signalisiert, dass die Ruhe an den Aktienmärkten möglicherweise bald von einer stürmischeren Phase abgelöst wird.
Auslöser dafür gibt es reichlich. Während die Berichtssaison wie so häufig dank der zuvor deutlich nach unten angepassten Gewinnschätzungen sogar leicht positiv überraschte, liegt die Messlatte für die kommenden Quartale eher hoch. Vor allem im vierten Quartal sollen die Unternehmen nach Meinung der Analysten liefern, erwartet wird ein sattes Gewinnplus von rund neun Prozent. Ob die Firmen aber wirklich den erhofften Schlussspurt zeigen und somit auch das Gesamtjahr im grünen Bereich endet, ist angesichts der jüngsten Schwächesignale aus der Wirtschaft mehr als fraglich. Trotzdem dürfte es mit den fürs zweite Halbjahr erhofften Zinssenkungen kompliziert werden. „Zinssenkungen wird es in diesem Jahr nicht geben. Dafür boomen die Arbeitsmärkte in den USA wie in Europa noch viel zu sehr. Noch immer sind viele Stellen unbesetzt. Solange das so ist, gibt es keinen Grund, die Zinsen zu senken“, glaubt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment.
„Außerdem liegt die Bewertung des S&P 500 mit einem KGV von 18 klar über dem 10-Jahres-Durchschnitt und lässt kaum Platz für Enttäuschungen“, erklärt Austinat. Auch die Wirtschaftsdaten rechtfertigen keine hohe Bewertung: Chinas Industrie ist im April unerwartet geschrumpft und auch im Dienstleistungsbereich zeigen die jüngsten Daten abwärts. Ein ähnliches Bild liefern die US-Einkaufsmanagerindizes.
Probleme schwelen weiter
Bereits in den kommenden Wochen wird das Tauziehen um die US-Schuldenobergrenze die Nerven belasten. Zwar können die USA im Notfall eigenes Geld drucken, schon jetzt werden aber Ängste geschürt. Die noch gute Stimmung bei den US-Bürgern könnte kippen und die angeschlagene Wirtschaft schwer treffen. Für die Republikaner wäre eine Rezession kurz vor den Wahlen im nächsten Jahr eine Steilvorlage. Das Hin und Her ist daher nicht ungefährlich.
Und auch die Lage bei den Regionalbanken bleibt angespannt. Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank und der Signature Bank im März löste Sorgen im US-Bankensektor aus, insbesondere bei Regionalbanken, da Anleger Einlagen abzogen. Erst in den vergangenen Tagen musste zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Monaten eine größere US-Bank gerettet werden. Nur durch eine organisierte Notübernahme geht die First Republic Bank an die Konkurrentin JPMorgan Chase. Anleger ziehen sich aus dem Segment weiter zurück, zuletzt rauschte der Index der US-Regionalbanken auf ein neues Verlaufstief.
Das sind mögliche Funken, die einen Sprung der Aktienmarktvolatilität auslösen könnten. „Die Volatilität nimmt in der Regel schneller zu, wenn die Märkte fallen“, erklärt Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München/gettex. Anleger seien daher gut beraten, ihr Depot auf mögliche Gefahren zu durchleuchten. Konkret bedeutet dies, dass man entweder seine Cash-Quote erhöhen sollte oder aber mit Put-Optionsscheinen sein Depot absichern kann. Besser jetzt als später.
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