UN-Organ fordert Ende der Zinserhöhungen
05.10.22 09:15
GoldGeldWelt
Die UNCTAD hat von Zentralbanken der westlichen
Ländern das Ende der Zinserhöhungen gefordert. Eine Fortsetzung
der aktuellen Maßnahmen könne der Wirtschaft von
Entwicklungsländern erheblichen Schaden zufügen. Allein die
bisherigen Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve kosten
arme Länder demnach 360 Milliarden USD.
Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung
(United Nations Conference on Trade and Development) ist ein
ständiges Organ der UN Generalversammlung. Ihr Zweck ist die
Förderung des Handels zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
1 % Zinserhöhung der Fed senkt Entwicklungsländer-BIP um 0,8 %
In ihrem Jahresbericht konstatiert die
Organisation, dass die Zinserhöhungen der westlichen Zentralbanken
und insbesondere der US-Notenbank den Entwicklungsländern schade.
Laut dem Bericht wird eine Erhöhung des Leitzinses der der Federal
Reserve um 1 % zu einer Absenkung der Wirtschaftsleistung in
Entwicklungsländern um 0,8 % in den folgenden drei Jahren. In
Industrieländern beläuft sich der Rückgang der Wirtschaftsleistung
dem Bericht zufolge auf 0,5 %. Allein die bisherigen
Zinserhöhungen hätten Entwicklungsländer demnach 360 Milliarden
USD an Wirtschaftsleistung gekostet.
UNCTAD-Generalsekretärin Rebeca Grynspan sieht die Welt am Rande
der Rezession. Noch sei es möglich, dem zu entgehen. Es gebe
Instrumente zur Absenkung der Inflation und zur Unterstützung
gefährdeter Gruppen. Die derzeitige Vorgehensweise der Notenbanken
schade jedoch den Entwicklungsländern und erhöhe das Risiko einer
globalen Rezession.
Grynspan sieht vielmehr die Politik in der Pflicht. Diese solle
Maßnahmen umsetzen, die den hohen Preisen entgegenwirke wie zum
Beispiel Preisobergrenzen. Diese könnten etwa durch Steuern auf
Übergewinne finanziert werden. Zinserhöhungen trügen wenig zur
Abmilderung der Energie- und Lebensmittelknappheit bei. Es werde
versucht, ein angebotsseitiges Problem mit einer nachfrageseitigen
Vorgehensweise zu lösen. Dies sei ein „sehr gefährlicher Ansatz“.
Die US-Notenbank hatte im September den Leitzins zum fünften Mal
in diesem Jahr auf eine Spanne von nunmehr 3,0-3,25 % angehoben.
Bis zum Jahresende rechnen die Märkte mit weiteren Zinserhöhungen
in den Bereich von 4,0-4,5 %.
Die Notenbanker um Jérôme Powell haben sich den Kampf gegen die
Inflation auf die Fahnen geschrieben – und gewichten dieses Ziel
derzeit höher als die Sorgen um eine schwächere Wirtschaft. Eine
Rezession wird vielmehr geradezu erwünscht, um den Inflationsdruck
abzumildern.
Zinserhöhungen sind jedoch kein amerikanisches Phänomen. Auch die
Notenbanken in Großbritannien, Australien, Kanada und auch die EZB
haben die Leitzinsen erhöht. Eine Untersuchung der Weltbank
zufolge gab es im Juli mehr Leitzinserhöhungen als jemals zuvor
seit den 1970er Jahren.
Auch indische Zentralbank warnt
Auch die indische Zentralbank hatte zuletzt vor
den Folgen einer aggressiven Straffung der Geldpolitik durch die
Zentralbanken in den Industrieländern gewarnt. Diese Entwicklung
stelle den dritten großen Schock für die Weltwirtschaft nach der
Covid-19 Pandemie und dem Ausbruch des Ukrainekriegs dar.
Die Zinserhöhungen in den USA führen insbesondere zu einem
erstarkenden US-Dollar. Der Greenback hat gegenüber zahlreichen
Währungen stark zugelegt. Für Entwicklungsländer wird es dadurch
schwieriger, in US-Dollar gehandelte Rohstoffe und Nahrungsmittel
auf dem Weltmarkt zu kaufen. In den USA dagegen führt ein
stärkerer US-Dollar zu günstigeren Importen und damit tendenziell
zu einer abflachenden Inflation.
Ein weiteres Problem in den Emerging Markets besteht im Zugang von
Unternehmen (und auch Staaten) zu Krediten über den Anleihemarkt.
Da die Renditen der Staatsanleihen in den USA und anderen
Industrieländern deutlich steigen, meiden Investoren diese
riskanteren Märkte häufig.
Viele Schwellenländer verschulden sich – auf staatlicher und
privater Ebene – in US-Dollar. Ein steigender Greenback führt
deshalb zu einem realen Anstieg der Verschuldung. Der
Schuldendienst wird zusätzlich durch die steigenden Zinsen
erschwert.
In der Zeit der niedrigen Zinsen hatten sich viele Schwellenländer
stärker verschuldet. So stieg im MENA Raum das Verhältnis von
Schulden zu Exporteinnahmen zwischen 2012 und 2020 von ca. 50 %
auf ca. 200 %. Doch auch andere Weltregionen sind betroffen – vor
allem jene, die wenig oder gar keine Erlöse aus Rohstoffexporten
erzielen.
Die US-Notenbank hatte auf der Pressekonferenz nach der letzten
Zinserhöhung bekräftigt, die Auswirkungen ihrer Geldpolitik auf
Rest der Welt zu berücksichtigen. Dennoch seien angesichts der
hohen Inflation weitere Zinserhöhungen notwendig. Jérôme Powell
sagte, die Fed sei sich sehr bewusst, was in anderen
Volkswirtschaften auf der Welt passiere und versuche, dies zu
berücksichtigen.
Disclaimer
Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte
Die hier angebotene Berichterstattung von https://www.goldgeldwelt.de/ stellt keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung von Wertpapieren dar und ist weder explizit noch implizit als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Munsch International LTD und ihre Autoren schließen jede Haftung diesbezüglich aus. Die Berichterstattung dient ausschließlich der Leserinformation und stellt zu keinem Zeitpunkt eine Handlungsaufforderung dar. Zwischen der Munsch International LTD und den Lesern der von ihr veröffentlichten Artikel entsteht keinerlei Beratungsverhältnis. Die Berichterstattung bezieht sich lediglich auf die jeweils genannten Unternehmen, nicht aber auf eine individuelle Anlageentscheidung. Laut §34b WpHG möchten wir darauf hinweisen, dass Partner, Autoren, Mitarbeiter und sonstige Bekannte der Munsch International LTD Wertpapiere der jeweils angesprochenen Unternehmen halten können und den Handel mit diesen Wertpapieren beabsichtigen, wodurch ein Interessenskonflikt bestehen kann. Ferner kann zwischen den hier erwähnten Unternehmen und der Munsch International LTD ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag bestehen oder bestanden haben, womit ebenfalls ein Interessenkonflikt besteht. Da wir zu keinem Zeitpunkt ausschließen können, dass auch andere, Medien, Research- und Börseninformationsdienste die von uns erwähnten Werte im gleichen Zeitraum besprechen, kann es zu einer symmetrischen Informations- und Meinungsgenerierung kommen. Eine Veränderung, Verwendung oder Reproduktion dieser Publikation ohne eine vorherige schriftliche Zustimmung von der Munsch International LTD ist untersagt. Bitte lesen Sie auch unsere vollständigen AGB und Disclaimer: https://www.goldgeldwelt.de/agb-disclaimer.
In den USA wurde eine Börse genehmigt, die Handel bald 23/5 anbieten will. Ob das Angebot für Privatanleger ...
Die Börsen machen 2024 zu einem Erfolgsjahr für Investoren. Europa, Japan und USA brillieren mit festen Kapitalmärkten ...
Trump hat Zölle angekündigt. Will er die globale Handelspolitik neu ordnen oder nur Deals aushandeln? Welche ...
Der Druck der Kartellwächter auf Alphabet wächst: Womöglich ordnet ein Richter den Verkauf von Chrome ...
Mit der Leitzinssenkung im September begannen die Zinsen am Bondmarkt zu steigen. Positive Konjunkturerwartungen, Sorgen ...
X-Sequentials Trading: Wann ist beim Nasdaq-100-Index ein Hochpunkt zu erwarten?Lesen Sie diesen Beitrag auf Technical-Trading-Profits.com. ...
Die meistgehandelten Hebelprodukte 1. Optionsschein – Siemens Energy hebt Jahresprognose deutlich an Der Energietechnikkonzern Siemens ...
Kaufsignal bei 1075 USD! Breakout-Setup bei der BlackRock-Aktie (BLK). Sorgt das Golden Cross für den nächsten ...

