Warum Audi, BMW und Mercedes weiter auf Diesel setzen
09.01.26 19:00
Eulerpool
Trotz Elektromobilität und sinkender Nachfrage bleibt der Diesel für deutsche Premiumhersteller ein zentrales Standbein. Verkaufszahlen, Klimaziele und neue Motoren treiben Audi, BMW und Mercedes in ein strategisches Dilemma.
Europaweit ist der Dieselmotor auf dem Rückzug. In den ersten neun Monaten 2025 lag sein Anteil an den Neuzulassungen bei unter zehn Prozent. Ganz anders bei den deutschen Premiumherstellern: Audi, BMW und Mercedes-Benz verkaufen in Europa weiterhin mehr Diesel- als reine Elektrofahrzeuge.
Audi liefert rund 24 Prozent seiner Fahrzeuge mit Dieselmotor aus, BMW kommt auf über 25 Prozent. Spitzenreiter ist Mercedes-Benz mit knapp 30 Prozent – und als einziger Hersteller mit zuletzt sogar steigender Dieselquote.
Für die Hersteller ist der Diesel vor allem eines: ein kurzfristiges Absatzinstrument. Die Verkaufszahlen insgesamt stehen unter Druck, und der Selbstzünder sorgt weiterhin für stabile Margen – insbesondere bei großen Limousinen und SUV. Branchenberater sprechen deshalb nicht von einer strategischen, sondern von einer taktischen Entscheidung.
Das Problem: Hohe Dieselanteile erschweren das Erreichen der europäischen CO₂-Flottenziele. Zwar hat die EU das Verbrenner-Aus zuletzt abgeschwächt, die Emissionsvorgaben bleiben jedoch streng. Milliardenstrafen drohen, wenn die Flottenwerte nicht sinken.
Bemerkenswert ist, dass alle drei Hersteller weiter in neue Dieseltechnologie investieren. Audi hat jüngst ein neues Mild-Hybrid-Dieselaggregat eingeführt, das in Modellen wie Q5 und A6 zum Einsatz kommt. BMW verfolgt ebenfalls einen technologieoffenen Ansatz und bietet seine Fahrzeuge parallel als Elektro-, Benzin-, Diesel- und sogar Wasserstoffvarianten an.
Mercedes geht zweigleisig vor: In neuen Modellreihen verzichten die Schwaben auf Diesel, bei Überarbeitungen – etwa der S-Klasse – bleibt der Selbstzünder fester Bestandteil des Angebots.
Der Markt für Diesel-Pkw schrumpft, konzentriert sich aber zunehmend auf hochpreisige Fahrzeuge. Kleinwagen mit Dieselantrieb sind praktisch verschwunden, da sich die aufwendige Abgastechnik wirtschaftlich nicht mehr rechnet. Heute entfallen rund drei Viertel aller Dieselverkäufe in Europa auf nur fünf Marken – allen voran Audi, BMW und Mercedes.
Gerade Dienstwagenkunden und Vielfahrer greifen weiter zum Diesel: geringerer Verbrauch, hohe Reichweite und robuste Technik sprechen für den Antrieb. Bei schweren SUV und Limousinen bleibt er deshalb besonders gefragt.
Um die Klimabilanz zu verbessern, setzen die Hersteller auf den alternativen Kraftstoff HVO. Dieser kann die CO₂-Emissionen deutlich senken und ist mit aktuellen Dieselmotoren kompatibel. BMW betankt seine Neuwagen bereits ab Werk mit HVO, Mercedes gibt den Kraftstoff für alle aktuellen Dieselmodelle frei.
Kritiker sehen darin jedoch nur eine Übergangslösung: HVO ist begrenzt verfügbar und teurer als herkömmlicher Diesel. Für einen flächendeckenden Wandel reicht das nicht.
Audi, BMW und Mercedes sitzen zwischen zwei Stühlen. Der Diesel stabilisiert kurzfristig Absatz und Gewinne, steht aber langfristig im Widerspruch zu Klimazielen und Elektromobilitätsstrategie. Je länger die Hersteller am Selbstzünder festhalten, desto größer wird das Risiko, bei der Entwicklung wettbewerbsfähiger Elektrofahrzeuge den Anschluss zu verlieren.
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