Klarna: Wie sind die Perspektiven für die Aktie?
18.09.25 14:50
BNP Paribas
Paris (www.aktiencheck.de) - Klarna-Aktienanalyse der BNP Paribas:
Wenige Monate nach dem 20. Geburtstag im April 2025 hat Klarna (ISIN: GB00BMHVL512, WKN: A414N7, Ticker-Symbol: KLAR) am Mittwoch, dem 10. September, ein erfolgreiches Börsendebüt an der New York Stock Exchange gegeben, so Egmond Haidt, Finanzspezialist der BNP Paribas.
Zwar habe die Aktie nach dem Handelsauftakt bei 52 Dollar im Tagesverlauf deutlich nachgegeben und bei 45,82 Dollar geschlossen, das sei allerdings ein Anstieg um 14,6 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 40 Dollar gewesen, der zudem deutlich über der Emissionsspanne von 35 bis 37 Dollar gelegen habe.
Die Einnahmen aus dem Börsengang hätten sich damit auf knapp 1,4 Milliarden Dollar belaufen, wovon der Großteil an die Altaktionäre gegangen sei und brutto lediglich 200 Millionen Dollar an das Unternehmen geflossen seien, abzüglich der Kosten für das IPO würden rund 169 Millionen Dollar übrig bleiben. Das große Interesse an dem Klarna-Papier sei vor allem auf die Rally bei der Aktie des umsatzmäßig etwas größeren und wachstumsstärkeren US-Wettbewerbers Affirm zurückzuführen. Das Papier sei seit dem Tief vom April um 150 Prozent nach oben geschossen.
Affirm habe im per Juni beendeten vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2024/25 bei einem Umsatzanstieg um 33 Prozent auf 876,4 Millionen Dollar einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 58,1 Millionen Dollar erwirtschaftet. Das sei eine Marge von 6,6 Prozent gewesen.
Klarna sei ein schwedischer Finanzdienstleister - und eine lizenzierte Bank -, der Online-Zahlungen ermögliche und Händlern eine Finanzierungsoption für ihre Kunden anbiete. Klarna sei dabei ebenso wie Affirm einer der Player im Bereich "Buy Now Pay Later" (BNPL, "Kauf jetzt, bezahl später"), wobei Kunden ihre Käufe üblicherweise innerhalb von 30 oder 60 Tagen, oder in länger laufenden Raten bezahlen würden.
Nach dem Start in Schweden im Jahr 2005 sei in den darauffolgenden Jahren die Expansion ins Ausland gefolgt, darunter unter anderem 2010 der Markteintritt in Deutschland, ehe es 2014 nach Großbritannien gegangen sei. 2019 sei dann der US-Markt hinzugekommen, der das Wachstum von Klarna zusätzlich kräftig ankurbele. Damit sei die Firma inzwischen in 26 Ländern aktiv, sie bilanziere zudem auf Dollar-Basis.
Im zweiten Quartal 2025 sei der Umsatz von Klarna um 20,7 Prozent auf 823 Millionen Dollar gestiegen. Auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um Währungseffekte und den Verkauf von Geschäftsteilen, habe ein Plus von 19,8 Prozent zu Buche gestanden. Dabei sei die Zahl der Kunden um 30,6 Prozent auf den Rekord von 111 Millionen geklettert, wobei ein durchschnittlicher Umsatz von 27 Dollar pro aktivem Kunden angefallen sei.
Zudem habe die Zahl der Unternehmen, die die Bezahloptionen von Klarna anbieten würden, um 34,6 Prozent auf 790.000 zugelegt. Außerdem sei der Bruttowarenwert, also der Gesamtwert der Verkäufe über die Plattform, um 20,9 Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar gestiegen. Dabei habe das bereinigte EBIT von Klarna auf vergleichbarer Basis gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent auf 29 Millionen Dollar zugelegt. Damit habe sich die Marge etwas verschlechtert, von 4,1 auf 3,5 Prozent. Gegenüber dem ersten Quartal habe allerdings eine Verbesserung um 26 Millionen Dollar zu Buche gestanden. Damit sei im ersten Halbjahr ein bereinigtes EBIT von 32 Millionen Dollar erwirtschaftet worden. Das sei ein Einbruch um knapp die Hälfte gegenüber dem Wert des Vorjahreszeitraums (60 Millionen Dollar).
Bei der Zahlenvorlage am 14. August habe sich Mitgründer und Vorstandschef Sebastian Siemiatkowski mit den Ergebnissen dennoch sehr zufrieden gezeigt. "Während wir 20 Jahre Klarna feiern, erreichen wir Meilensteine, von denen ich einst nur geträumt habe", habe der Firmenlenker gesagt. Er habe zuletzt in den USA einige wichtige Großkunden an Land gezogen, etwa Walmart und eBay, die das Geschäft weiter deutlich beflügeln sollten. Dabei solle Klarna der exklusive Finanzierer der Walmart-Kunden werden.
So würden die Schätzungen aussehen
Leider gebe es derzeit noch keine öffentlich zugänglichen Umsatz- und Gewinnschätzungen zu Klarna. Da müssten sich Investoren noch etwas gedulden, dürften doch Analysten in den USA in den 25 Tagen nach dem Börsendebüt keine Schätzungen veröffentlichen. Diese Frist ende am 5. Oktober. Also mache Haidt selbst eine kleine Schätzung, um ein paar Anhaltspunkte zu haben. Er nehme an, dass Klarna im dritten und vierten Quartal weiter kräftig in Wachstum investiere und daher das bereinigte EBIT bestenfalls jeweils etwas über dem Wert des zweiten Quartals liege.
Für das Gesamtjahr 2025 gehe Haidt daher von einem bereinigten EBIT von rund 100 Millionen Dollar aus, was ein Einbruch gegenüber dem 2024er-Wert von 180 Millionen Dollar wäre. Für 2026 erwarte Haidt ein Anstieg auf 125 Millionen Dollar. Die Schätzungen der Analysten könnten allerdings weit von seinen abweichen und die Profitabilität könnte eventuell deutlich höher sein als er erwarte.
Wie gehe es weiter mit der Aktie?
Nachdem die Aktie am Freitag, dem 12. September, bis auf 40,55 Dollar eingebrochen sei und damit in der Nähe des Emissionspreises gelegen habe, sei das Papier am Montag, dem 15. September, ebenso wie jene von Affirm nach oben geschossen, woraufhin das Klarna-Papier den Handel bei 45,48 Dollar abgeschlossen habe. Grund sei Meldung gewesen, dass die flexiblen Zahlungsoptionen von Affirm nun auch für Einkäufe im stationären Handel mit Apple Pay auf dem iPhone zur Verfügung stünden. Damit liege der Börsenwert von Klarna bei 17,2 Milliarden Dollar. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 6,3 Milliarden Dollar (dabei habe Haidt die Nettoeinnahmen aus dem IPO von 169 Millionen Dollar berücksichtigt) liege der Enterprise Value (EV) bei 10,9 Milliarden Dollar. Das entspräche dem 87,2-Fachen des von mir für 2026 geschätzten EBIT(125 Millionen Dollar). Angenommen, die Erwartungen der Analysten lägen bei 200 Millionen Dollar, dann würde das Multiple auf das 54,5-Fache zurückgehen. Auch das wäre meiner Meinung nach immer noch eine sehr hohe Bewertung und zeige, welch enormes Wachstum in der Aktie eingepreist sei.
Allerdings biete das Unternehmen die Aussicht auf ein anhaltend kräftiges Umsatzwachstum, während man sehen werde, ob und wie schnell sich die Profitabilität eventuell weiter verbessere. Ein Multiple von 54,5 entspräche zudem ungefähr der Hälfte der Bewertung von Affirm. Allerdings sei der US-Wettbewerber - wie oben geschrieben - im vergangenen Quartal umsatzseitig deutlich stärker gewachsen und habe eine deutlich bessere Marge gehabt.
Die Entwicklung der Klarna-Aktie dürfte nach Meinung von Haidt kurzfristig vor allem von jener von Affirm abhängen. Sollte sie auf Höhenflug bleiben, wovon er ausgehe, dürfte das auch jene von Klarna mit nach oben ziehen - trotz der seiner Meinung nach sehr hohen Bewertung.
Die nächsten deutlichen Kursimpulse dürfte es dann spätestens am Dienstag, dem 23. September, geben, an diesem Tag stelle sich der Finanzchef von Affirm, Rob O’Hare, auf einer Veranstaltung ab 18 Uhr (deutscher Zeit) den Fragen von institutionellen Investoren und Privatanlegern, so Egmond Haidt, Finanzspezialist der BNP Paribas. (Analyse vom 16.09.2025)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link. (18.09.2025/ac/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Wenige Monate nach dem 20. Geburtstag im April 2025 hat Klarna (ISIN: GB00BMHVL512, WKN: A414N7, Ticker-Symbol: KLAR) am Mittwoch, dem 10. September, ein erfolgreiches Börsendebüt an der New York Stock Exchange gegeben, so Egmond Haidt, Finanzspezialist der BNP Paribas.
Zwar habe die Aktie nach dem Handelsauftakt bei 52 Dollar im Tagesverlauf deutlich nachgegeben und bei 45,82 Dollar geschlossen, das sei allerdings ein Anstieg um 14,6 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 40 Dollar gewesen, der zudem deutlich über der Emissionsspanne von 35 bis 37 Dollar gelegen habe.
Die Einnahmen aus dem Börsengang hätten sich damit auf knapp 1,4 Milliarden Dollar belaufen, wovon der Großteil an die Altaktionäre gegangen sei und brutto lediglich 200 Millionen Dollar an das Unternehmen geflossen seien, abzüglich der Kosten für das IPO würden rund 169 Millionen Dollar übrig bleiben. Das große Interesse an dem Klarna-Papier sei vor allem auf die Rally bei der Aktie des umsatzmäßig etwas größeren und wachstumsstärkeren US-Wettbewerbers Affirm zurückzuführen. Das Papier sei seit dem Tief vom April um 150 Prozent nach oben geschossen.
Affirm habe im per Juni beendeten vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2024/25 bei einem Umsatzanstieg um 33 Prozent auf 876,4 Millionen Dollar einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 58,1 Millionen Dollar erwirtschaftet. Das sei eine Marge von 6,6 Prozent gewesen.
Klarna sei ein schwedischer Finanzdienstleister - und eine lizenzierte Bank -, der Online-Zahlungen ermögliche und Händlern eine Finanzierungsoption für ihre Kunden anbiete. Klarna sei dabei ebenso wie Affirm einer der Player im Bereich "Buy Now Pay Later" (BNPL, "Kauf jetzt, bezahl später"), wobei Kunden ihre Käufe üblicherweise innerhalb von 30 oder 60 Tagen, oder in länger laufenden Raten bezahlen würden.
Nach dem Start in Schweden im Jahr 2005 sei in den darauffolgenden Jahren die Expansion ins Ausland gefolgt, darunter unter anderem 2010 der Markteintritt in Deutschland, ehe es 2014 nach Großbritannien gegangen sei. 2019 sei dann der US-Markt hinzugekommen, der das Wachstum von Klarna zusätzlich kräftig ankurbele. Damit sei die Firma inzwischen in 26 Ländern aktiv, sie bilanziere zudem auf Dollar-Basis.
Im zweiten Quartal 2025 sei der Umsatz von Klarna um 20,7 Prozent auf 823 Millionen Dollar gestiegen. Auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um Währungseffekte und den Verkauf von Geschäftsteilen, habe ein Plus von 19,8 Prozent zu Buche gestanden. Dabei sei die Zahl der Kunden um 30,6 Prozent auf den Rekord von 111 Millionen geklettert, wobei ein durchschnittlicher Umsatz von 27 Dollar pro aktivem Kunden angefallen sei.
Zudem habe die Zahl der Unternehmen, die die Bezahloptionen von Klarna anbieten würden, um 34,6 Prozent auf 790.000 zugelegt. Außerdem sei der Bruttowarenwert, also der Gesamtwert der Verkäufe über die Plattform, um 20,9 Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar gestiegen. Dabei habe das bereinigte EBIT von Klarna auf vergleichbarer Basis gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent auf 29 Millionen Dollar zugelegt. Damit habe sich die Marge etwas verschlechtert, von 4,1 auf 3,5 Prozent. Gegenüber dem ersten Quartal habe allerdings eine Verbesserung um 26 Millionen Dollar zu Buche gestanden. Damit sei im ersten Halbjahr ein bereinigtes EBIT von 32 Millionen Dollar erwirtschaftet worden. Das sei ein Einbruch um knapp die Hälfte gegenüber dem Wert des Vorjahreszeitraums (60 Millionen Dollar).
So würden die Schätzungen aussehen
Leider gebe es derzeit noch keine öffentlich zugänglichen Umsatz- und Gewinnschätzungen zu Klarna. Da müssten sich Investoren noch etwas gedulden, dürften doch Analysten in den USA in den 25 Tagen nach dem Börsendebüt keine Schätzungen veröffentlichen. Diese Frist ende am 5. Oktober. Also mache Haidt selbst eine kleine Schätzung, um ein paar Anhaltspunkte zu haben. Er nehme an, dass Klarna im dritten und vierten Quartal weiter kräftig in Wachstum investiere und daher das bereinigte EBIT bestenfalls jeweils etwas über dem Wert des zweiten Quartals liege.
Für das Gesamtjahr 2025 gehe Haidt daher von einem bereinigten EBIT von rund 100 Millionen Dollar aus, was ein Einbruch gegenüber dem 2024er-Wert von 180 Millionen Dollar wäre. Für 2026 erwarte Haidt ein Anstieg auf 125 Millionen Dollar. Die Schätzungen der Analysten könnten allerdings weit von seinen abweichen und die Profitabilität könnte eventuell deutlich höher sein als er erwarte.
Wie gehe es weiter mit der Aktie?
Nachdem die Aktie am Freitag, dem 12. September, bis auf 40,55 Dollar eingebrochen sei und damit in der Nähe des Emissionspreises gelegen habe, sei das Papier am Montag, dem 15. September, ebenso wie jene von Affirm nach oben geschossen, woraufhin das Klarna-Papier den Handel bei 45,48 Dollar abgeschlossen habe. Grund sei Meldung gewesen, dass die flexiblen Zahlungsoptionen von Affirm nun auch für Einkäufe im stationären Handel mit Apple Pay auf dem iPhone zur Verfügung stünden. Damit liege der Börsenwert von Klarna bei 17,2 Milliarden Dollar. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 6,3 Milliarden Dollar (dabei habe Haidt die Nettoeinnahmen aus dem IPO von 169 Millionen Dollar berücksichtigt) liege der Enterprise Value (EV) bei 10,9 Milliarden Dollar. Das entspräche dem 87,2-Fachen des von mir für 2026 geschätzten EBIT(125 Millionen Dollar). Angenommen, die Erwartungen der Analysten lägen bei 200 Millionen Dollar, dann würde das Multiple auf das 54,5-Fache zurückgehen. Auch das wäre meiner Meinung nach immer noch eine sehr hohe Bewertung und zeige, welch enormes Wachstum in der Aktie eingepreist sei.
Allerdings biete das Unternehmen die Aussicht auf ein anhaltend kräftiges Umsatzwachstum, während man sehen werde, ob und wie schnell sich die Profitabilität eventuell weiter verbessere. Ein Multiple von 54,5 entspräche zudem ungefähr der Hälfte der Bewertung von Affirm. Allerdings sei der US-Wettbewerber - wie oben geschrieben - im vergangenen Quartal umsatzseitig deutlich stärker gewachsen und habe eine deutlich bessere Marge gehabt.
Die Entwicklung der Klarna-Aktie dürfte nach Meinung von Haidt kurzfristig vor allem von jener von Affirm abhängen. Sollte sie auf Höhenflug bleiben, wovon er ausgehe, dürfte das auch jene von Klarna mit nach oben ziehen - trotz der seiner Meinung nach sehr hohen Bewertung.
Die nächsten deutlichen Kursimpulse dürfte es dann spätestens am Dienstag, dem 23. September, geben, an diesem Tag stelle sich der Finanzchef von Affirm, Rob O’Hare, auf einer Veranstaltung ab 18 Uhr (deutscher Zeit) den Fragen von institutionellen Investoren und Privatanlegern, so Egmond Haidt, Finanzspezialist der BNP Paribas. (Analyse vom 16.09.2025)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link. (18.09.2025/ac/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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