Anleihen: Inflationsangst lässt Renditen steigen
09.03.26 09:04
Redaktion boerse-frankfurt.de

Meist sind als sicher geltende Bundesanleihen in einer Krise gefragt, die Renditen fallen. Der Iran-Krieg hat die Renditen aber steigen lassen. Denn nun wird mit
mehr Inflation gerechnet – und tendenziell Leitzinserhöhungen.
6. März 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Trotz des Angriffs Israels und der USA auf den Iran: Von einer Flucht in Sicherheit kann nicht die Rede sein. „Offensichtlich sehen die Anleger in US-Treasuries und Bundesanleihen – anders als in früheren Krisen – keine
sicheren Häfen mehr“, bemerkt Commerzbank-Analyst Christoph Balz. „Am Markt wird jetzt damit gerechnet, dass aufgrund des Öl- und Gaspreisanstiegs die Inflation steigt und die EZB die Zinsen eher erhöhen als senken wird“, berichtet Anleihehändler Arthur Brunner
von der ICF Bank.
Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmorgen mit 2,86 nach 2,70 Prozent in der Vorwoche. Auch die Renditen von US-Treasuries sind zuletzt gestiegen. Zehnjährige rentieren jetzt mit 4,15 nach 4 Prozent vor einer Woche.
Nur schwache und kurze Folgen für Inflation?
„Viele Marktteilnehmer halten Leitzinserhöhungen der EZB noch in diesem Jahr zumindest für möglich“, erklärt auch Ulrich Kater von der DekaBank. Er geht aber davon aus, dass die Auswirkungen auf die Inflation im Euroraum zu gering und zu temporär bleiben werden. „Sobald sich die Situation auf den Erdöl- und Erdgasmärkten zu entspannen beginnt, wird der immer noch hohe Anlagebedarf die Renditen von Bundesanleihen wieder sinken lassen.“
Unternehmensanleihen: „Das klare Bild fehlt“
Aus dem Handel mit Unternehmensanleihen meldet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Käufe und Verkäufe. „Das gilt für alle Laufzeiten und Segmente. Das klare Bild fehlt“, erklärt er. Eine Flucht in Sicherheit sieht er jedenfalls nicht.
Auf den Einkaufslisten fänden sich Anleihen von EnBW mit Laufzeit bis 2031 und aktuell 3,1 Prozent (XS2862984510), BMW bis ebenfalls 2031 und 3,19 Prozent (XS3075490188) und Deutsche Telekom bis 2029 und 2,86 Prozent (XS3244707272).

Gregor Daniel
Druck auf Hochzinsanleihen, aber nur einige
Im Handel mit hochverzinslichen Anleihen verlieren Brunner zufolge einige Papiere, etwa Semper idem Underberg (DE000A30VMF2). Allerdings wird der Bond immer noch über 100 Prozent gehandelt. Andere zeigten sich stabil, wie Katjes International (NO0012888769) und Mutares (NO0013325407, NO0012530965). „Die Aufstockung der Katjes-Anleihe von 185 auf 200 Millionen Euro hat sich auch nicht niedergeschlagen“, ergänzt Brunner. Der Fruchtgummihersteller hat diese Woche bekannt gegeben, sich über eine Tochter an der italienischen Mode- und Homewear-Luxusmarke Missoni zu beteiligen, bekannt für ihr Zickzack-Design.
Weiter nach unten ging es hingegen für Noratis, wie Brunner außerdem meldet. Der Immobilienentwickler aus Eschborn bei Frankfurt hat diese Woche die Insolvenz in Eigenverwaltung bekannt gegeben. Die bis 2029 laufende Anleihe mit 5,5 Prozent-Kupon (DE000A3H2TV6) fiel von zuletzt 18 auf nur noch 10 Prozent.
Alternativen zu Euro und US-Dollar
Fortgesetzt hat sich das Interesse an Bonds in anderen Währungen, wie Daniel berichtet, etwa australischen Dollar, brasilianischen Real oder polnischen Zloty. Auch
Brunner beobachtet eine gute Nachfrage nach Anleihen in australischen Dollar, aber auch in norwegischen Kronen.
Am Neuemissionsmarkt blieb es diese Woche ruhig. „Die geopolitische Unsicherheit ist zu hoch“, stellt Brunner fest.
Von Anna-Maria Borse, 6. März 2026, ? Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
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