Der Bitcoin ist zwar kein Wertpapier, aber vielleicht der beliebteste Zock dieser Tage. Die wesentlichen Triebfedern hinter dem Aufschwung der letzten Monate waren die Auflegung des Spot-ETFs und das anstehende Halving, das am 19. April erfolgen soll. Über die Dynamik durch die Zuflüsse in die Spot-ETFs hatten wir in der Vorwoche schon berichtet. Heute geht es uns um einen anderen Aspekt. In dem Maße, wie die Fakten (Spot-ETF, Halving) für den Bitcoin abgearbeitet sind, benötigt die Community neue Ziele, genauer gesagt Kursziele, die es rechtfertigen, in der Spekulation zu bleiben. Laien, aber auch traditionelle Finanzanalysten tun sich bekanntlich schwer, dem Bitcoin einen inneren Wert zuzuschreiben, den er auch ohne mediales Trommelfeuer und einen Hype hätte, der zunehmend die Züge einer Massenpsychose anzunehmen scheint. Hier kommen die frisch gebackenen Bitcoin-Experten mit ihren kreativen Herleitungen ins Spiel, wobei man besser nicht hinterfragt, was genau manche „Experten“ auf diesem Gebiet zu Fachleuten macht, außer vielleicht, dass sie jene Kursziele in die Welt hinaustragen, welche die Fans hören wollen: 100.000 USD, 150.000 USD, 200.000 USD, 1.500.000 USD, 3.000.000 USD – wer bietet mehr? Die Funktion solcher Kursziele ist offensichtlich: Während es relativ sportlich erscheint, für eine Sache, deren Nutzwert überschaubar ist, rund 70.000 USD hinzublättern, ist es geradezu ein Schnäppchen, etwas, das bald 3.000.000 USD wert sein wird, heute noch für 70.000 USD erwerben zu können. Wer sich durch einen Bitcoin-Kauf als Rebell gegen die etablierte Finanzindustrie empfindet, sollte vielleicht noch einmal genauer hinsehen. Denn es waren zuletzt nicht die Cyberpunks und Krypto-Nerds in Kellern und Kinderzimmern, die den Bitcoin anschoben, sondern eben jene Größen der Finanzindustrie, gegen die sich die angebliche Graswurzelbewegung richtet. Mit den Spot-ETFs wurde von BlackRock & Co. der Turbo für maximale Aufmerksamkeit und maximale Beteiligung des breiten Publikums gezündet – vermutlich nicht aus Altruismus. Tatsächlich ist nicht seriös zu prognostizieren, auf welchem Niveau die Kombination aus ETF-Nachfrageschub und knappem Angebot an echten Bitcoins einen Gleichgewichtspreis erzeugen wird. Allerdings stehen mit den Bitcoin-Futures auch beim „digitalen Gold“ jene Instrumente bereit, mit denen im Fall des Falles für eine aggressive Preisdrückung gesorgt werden könnte.
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