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DAX

WKN: 846900 / ISIN: DE0008469008

Marktstimmung: "DAX und Stimmung zusammen in der Achterbahn"


26.03.26 08:56
Redaktion boerse-frankfurt.de


Auf die krassen Kurskapriolen reagieren kurzfristig orientierte Dip-Käufer, was den Aktienpreisen nach Goldbergs Ansicht wenig Stütze bietet. 


Zusammenfassung


Im Verlauf stand der DAX seit vergangenem Mittwoch rund 2.000 Punkte tiefer. Davon ist ein Minus von 3 Prozent übrig geblieben. Insbesondere übers Wochenende sei die Stimmung der Investorinnen und Investoren besonders schlecht gewesen, bemerkt Joachim Goldberg. Laut unserer Befragung sind 3 Prozent der Profis von long nach short gewechselt. Der Sentiment-Index steht mit +19 Punkten recht hoch. Von den Privaten haben 5 Prozent Aktien verkauft und 8 Prozent sind short gegangen. Deren Stimmung liegt mit +12 Punkten etwas tiefer.


Allerdings wertet der Verhaltensökonom die Stimmung in der relativen Betrachtung als weniger euphorisch. Er nimmt an, dass die Mehrheit der Käufer am Montag eingestiegen ist und bei schon geringen Kursgewinnen wieder verkaufen könnten, ab 23.600/650 Punkten. Auch nach unten sieht er diese Gruppe unter 22.000 als Abgeber. In der Summe biete die Behavioral Finance keinen Lichtblick. Dazu müsse sich die Nachrichtenlage nachhaltig stabilisieren.


25. März 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Schlechte Nachrichten vom Iran-Krieg gepaart mit einer ungünstigen Nachfragesituation an der Unterseite beim DAX haben seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung zunächst für einen massiven Abverkauf und Kursverlusten von zeitweise mehr als 2.000 DAX Zählern gesorgt. Nach einem Ultimatum von US-Präsident Donald Trump, gerichtet an die Regierung Irans, dann aber die Kehrtwende am vergangenen Montag. Eine Kurznachricht Trumps über eine Verlängerung desselben Ultimatums und die Rede von möglichen Verhandlungen mit dem Iran drehten das zuvor fast hoffnungslos anmutende Stimmungsbild innerhalb von einer Viertelstunde in eine Art Mini-Euphorie: Das Börsenbarometer schoss temporär um rund 6 Prozent nach oben, so dass wir zum Abschluss der Sentiment-Woche nach einer Achterbahnfahrt „nur“ von einem Verlust von 3,6 Prozent sprechen müssen.


Nun hat sich die Stimmung unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber der Vorwoche nur geringfügig verschlechtert, denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um lediglich 6 Punkte auf einen neuen Stand von +19 gefallen. Dabei fällt sofort auf, dass das Bullenlager – angesichts der Kursentwicklung seit vergangenem Mittwoch auf den ersten Blick überraschend – gerade einmal um 3 Prozentpunkte geschrumpft ist; wobei sich diese Engagements am Ende der Berichtswoche bei den Bären wiederfinden. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Stimmung unter den institutionellen Investoren über das Wochenende (so etwa die Erhebung von Sentix) extrem schlecht gewesen sein muss.


Privatanleger relativ pessimistisch


Bei den Privatanlegern hat sich die Stimmung gegenüber der Vorwoche ebenfalls verschlechtert. Der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel fällt nämlich um 13 Punkte auf einen neuen Stand von +12. Dabei ist das Bärenlager um 8 Prozentpunkte gestiegen, wobei etwas mehr als 60 Prozent der Anlegenden direkt von der Bullenseite gekommen sind – der Rest setzt sich aus vormals neutral eingestellten Akteuren zusammen. In der Untergruppe derjenigen Privatanleger, die wir nicht über Social Media befragen, hat sich der Sentiment-Index übrigens um 10 Punkte auf einen neuen Stand von +7 verschlechtert.


Zwar ist mit der heutigen Befragung zwischen den institutionellen Investoren und den Privatanlegern eine Stimmungskluft entstanden, aber diese ist nicht sehr breit. Dabei fällt vor allen Dingen auf, dass in der relativen Betrachtung auf drei und sechs Monate das Sentiment bei den Privatanlegern nun sogar leicht negativ ist. Im Gegensatz dazu ist bei dieser Betrachtungsweise die Stimmung bei den institutionellen Investoren immer noch leicht positiv, und der absolute Index-Stand von +19 Punkten, gemessen an der jüngsten Nachrichtenlage, möglicherweise gerechtfertigt. Allerdings ist davon auszugehen, dass zwischendurch bei den Bullen auch angesichts des breiten Handelsbands von 8,8 Prozent und dem wahrscheinlichen Stimmungsabriss zum Wochenende mancherorts zwischendurch die Notbremse gezogen werden musste, verbunden mit deutlichen Aktienverkäufen.


Keine Treueschwüre


So gesehen dürften die derzeitigen bullishen Positionen als Resultat der heftigen Erholung vom Montag vielerorts neu eröffnet worden sein. Dabei gehen wir davon aus, dass diese Engagements nur dann Bestand haben werden, wenn sich nun schnell eine weitere Erholung des DAX einstellt. In der Folge rechnen wir mit Gewinnmitnahmen im Bereich von 23.600/650 Zählern, die einer stärkeren Aufwärtsbewegung des DAX naturgemäß zunächst im Wege stehen. Auch werden sich die frischen Optimisten im Falle neuerlicher Schwäche schnell wieder von ihren Positionen trennen, denn ein zweites Mal wird man angesichts der fragilen Unterseite wahrscheinlich nicht zuschauen wollen, wenn sich der DAX wieder stärker in Richtung der Tiefstände vom Montag (also unter 22.000) bewegen sollte.


Die Lage für den DAX hat sich also aus Sentiment-technischer Sicht gegenüber der Vorwoche kaum verbessert. Ein Umstand, der sich nur zum Positiven wenden dürfte, wenn sich die Nachrichtenlage aus dem Mittleren Osten, vor allen Dingen aber von Seiten des US-Präsidenten, nachhaltig stabilisieren sollte. 


von Joachim Goldberg


25. März 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse


 




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