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Völlig losgelöst


03.10.24 09:00
Ralf Flierl

Der DAX auf Rekordkurs


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Titelbild: © Andrei Armiagov – stock.adobe.com


„Tätige Reue“


In der letzten Ausgabe dieses Newsletters thematisierten wir die Malaise der deutschen Autoindustrie. Nicht nur diese einstige Vorzeigebranche ist in Deutschland mittlerweile in der Defensive. Fehlanreize wie die E-Auto-Prämie und deren abruptes Ende führten zu Verwerfungen in einer Industrie, die aufgrund der Länge ihrer Wertschöpfungsketten mit der Sprunghaftigkeit solcher externen Impulse nicht gut zurechtkommt. Ein Unternehmen, das sich zunächst mit Haut und Haaren der schönen neuen Welt der E-Mobilität verschrieben hatte, ist Volkswagen (WKN: 766403, Vorzüge). In einem Konzern, der, nicht zuletzt aufgrund der Beteiligung des Landes Niedersachsen, wie kein Zweiter unter der Fuchtel der Politik steht, wollte man wohl ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen. Zudem war es eine willkommene Gelegenheit tätige Reue zu zeigen, um den Dieselskandal vergangener Jahre vergessen zu machen. Wer bei solchen Überlegungen mutmaßlich nur eine untergeordnete Rolle spielte, war der Kunde. Der konnte sich die Fahrzeuge nur mit Prämie schönrechnen und übte nach deren Wegfall Kaufzurückhaltung. Das machte sich auch im Aktienkurs bemerkbar, der seit April kräftig Federn ließ.



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Einsames Schwergewicht


Allerdings liegen zwischen den Kursrückgängen bei Volkswagen, BMW (WKN: 519000) und Mercedes-Benz Group (WKN: 710000) nur Nuancen. Seit dem Frühjahr zeigt der Trend für die ganze Branche nach unten, wobei es nach dem Schwächeanfall der Kurse im September zuletzt zu einer Erholungsbewegung kam. Den Chart der großen drei können Sie in der Ausgabe vom 25. September noch einmal nachschlagen. Trotz der Autokrise erreichte der DAX 40 in der Berichtswoche neue Allzeithochs. Mit dem Adjektiv „einstige“ haben wir bereits angedeutet, dass die relative Bedeutung der Autoindustrie gesunken ist. Zwar ist die Branche zusammen mit ihren Zulieferern noch immer einer der größten Arbeitgeber des Landes, die Marktkapitalisierung der Unternehmen liegt aber nur noch im oberen Mittelfeld. Erst alle DAX-Auto- und -Zuliefereraktien zusammen schaffen es, das marktschwerste Unternehmen, die Walldorfer SAP (WKN: 716460) mit einer Marktkapitalisierung von 237 Mrd. EUR, zu überflügeln. Auf den Plätzen, aber mit deutlichem Abstand folgen Siemens (WKN: 723610, 141 Mrd. EUR), Deutsche Telekom (WKN: 555750, 131 Mrd. EUR) und die Allianz (WKN: 840400, 112 Mrd. EUR). SAP bleibt mit einem Anteil von aktuell 14,11% gerade noch unter der Kappungsgrenze von 15% Indexanteil, die seit 18. März 2024 gilt (vormals 10%). Angekündigt wurde diese Erhöhung übrigens im November 2023 und der Effekt auf die Kursentwicklung ist mehr als augenfällig.


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Story-Aktien vorne


Betrachtet man die Performance der einzelnen DAX-Titel seit Jahresbeginn, dann liegen Autoaktien tatsächlich im unteren Drittel und mussten durch die Bank Abschläge hinnehmen. Als beste Performer erwiesen sich dagegen Story-Aktien wie die Turnaround-Spekulation Siemens Energy (WKN: ENER6Y, +183%), der Rüstungskonzern Rheinmetall (WKN: 703000, +78%) und der Übernahmekandidat Commerzbank (WKN: CBK100, +51%). Doch schon auf dem fünften Platz liegt das Schwergewicht SAP, das mit einem Kursplus von +46% erheblich zur DAX-Performance beigetragen hat. Auch Deutsche Telekom (+22%) und Allianz (+21%) gehörten zu den überdurchschnittlichen Performern.  Das SAP-Phänomen ist aus den USA bestens bekannt. Einige wenige Technologietitel sind die Haupttreiber der Indizes.


Zunächst abwartend


Insofern erscheint auch die zunächst abwartende DAX-Reaktion auf die erneute Eskalation in Nahost nachvollziehbar. Die marktschwersten Unternehmen sind davon allenfalls indirekt negativ betroffen. Dass in den Märkten dennoch Sorge vor einer weiteren Verschärfung der Situation besteht, zeigt die Entwicklung der Rohölpreise. Nach monatelangem Abwärtsgang scheint hier ein Boden gefunden worden zu sein. Auch Öl- und Gasaktien mit Interessen in sicheren Regionen konnten Kursgewinne verzeichnen. Ein dauerhaft anziehender Ölpreis wird aber in der deutschen Wirtschaft nicht ohne Konsequenzen bleiben. Am ehesten kann man sich hier ein Wiederanziehen der Inflation vorstellen, wobei das Thema Krieg – unabhängig von der Region – tendenziell immer inflationstreibend für die betroffenen Länder ist.


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„Neuer Besen“


Einen ordentlichen Dämpfer für inflationäre Tendenzen gibt es dagegen regelmäßig dort, wo die Währung stark ist und weiter steigende Zinsen erwartet werden. Das war zuletzt in Japan der Fall. Zusätzlichen Auftrieb erhielten entsprechende Spekulationen, als sich abzeichnete, dass Shigeru Ishiba vom japanischen Parlament als neuer Premierminister bestätigt werden würde. Der Chef der regierenden liberal-demokratischen Partei LDP wird sich am 27. Oktober allerdings vorgezogenen Neuwahlen stellen. Was dem Yen weiteren Auftrieb verlieh, verunsicherte die japanische Börse. Die exportlastige Wirtschaft des Landes leidet nicht nur unter der anhaltenden Yen-Stärke, auch weitere Zinserhöhungen müssten gegebenenfalls verkraftet werden. Ishiba gilt in Fragen der Geldpolitik eher als Hardliner und läge damit auch auf dem Kurs, den die Bank of Japan derzeit ohnehin steuert. Allerdings waren von ihm zuletzt wieder versöhnlichere Töne zu hören, „voreilige Zinserhöhungen“ unterstütze der neue Premier demnach nicht. Sorgen bestehen jedoch weiter hinsichtlich höherer Steuersätze, die Ishiba in der Vergangenheit ebenfalls befürwortet hatte.


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Kursfeuerwerk aus dem Zylinder gezaubert


Sehr viel positiver ging es zuletzt an den chinesischen Aktienmärkten zu. Nachdem die dortigen Zinsen gesenkt und umfassende Stützungsmaßnahmen für den angeschlagenen Immobiliensektor bekanntgegeben worden waren, kannten die Kurse kein Halten mehr. Der Gipfelsturm wurde nur durch den Beginn der „goldenen Woche“ unterbrochen. Vor solchen handelsfreien Tagen lastet auf den Marktteilnehmern immer ein besonderer Druck, da sie ihre Entscheidung erst einmal nicht korrigieren können. Es gilt daher als positiv für die weitere Kursentwicklung, wenn die Kurse vor Feiertagen ansteigen. Jene China-Aktien, deren ADRs auch in den USA gehandelt werden, konnten am Dienstag weiter und zum Teil deutlich zulegen. Im Chartbild erzeugen solche Kursfeuerwerke zum Periodenschluss entsprechend positive Tages- bzw. Wochenkerzen. Einziger Wermutstropfen, die Kursentwicklung in China war in den letzten Handelstagen derart ungestüm, dass eine (kleine) Korrektur nur gesund wäre. Im großen Bild ist aber deutlich zu erkennen, mit welcher Vehemenz die bis dahin vorherrschenden Abwärtstrends gebrochen wurden, so dass dies höchstwahrscheinlich keine Eintagsfliege bleiben wird.


Fazit


Der DAX profitiert seit vielen Monaten vor allem vom Aufwärtstrend des Schwergewichts SAP. Die Tendenz, dass einige Aktien entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung eines Index haben, ist aus den USA bestens bekannt. Die Musik spielt seit letzter Woche jedoch in China.

Ralf Flierl, Ralph Malisch


 




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